12. DEZEMBER 2017

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Sixt Garden


Ingenieurbüro Knab. Das Sixt Garden Office wurde von Peter M. Knab geplant. g+h sprach mit ihm über die Grundlagen moderner Gebäudetechnik und aktuelle Trends.

In der neuen Verwaltungszentrale des größten deutschen Autovermieters entstanden auf rund 25.000 Quadratmetern Bürofläche rund 1.000 Arbeitsplätze. 350 Menschen arbeiten bei Sixt, nochmals fast die doppelte Anzahl bei anderen Unternehmen, die Teile der Anlage zur Miete bezogen. Drei Gebäudeteile mit drei Geschossen, neun Haupt- und 16 Nebeneingänge, darunter mehrere Tiefgaragen - schon die bauseitigen Ansprüche an die Eingangskommunikation waren komplex, hinzu kam eine ganze Reihe vielfältiger funktionaler Erfordernisse. Gewünscht waren Videoüberwachung und elektronische Zutrittskontrolle, an mehreren Zugängen außerdem Rufdisplays als Ersatz für lange Klingelreihen. Die Eingänge mussten zu Gruppen zusammengeschlossen werden und diese nachträglich erweitert werden können. Außerdem sollte neben zwölf Einzelsprechstellen auch die Einrichtung einer Concierge-Station möglich sein. Und die Anlagen sollten so repräsentativ und hochwertig wirken wie die Gebäude selbst. Angesichts des komplexen Anforderungsprofils und der gewünschten Erweiterungsfähigkeit setzten die Planer das Installationssystem Siedle-Multi mit Mehrkanal-Video ein. Bei den Außengeräten entschieden sie sich für das modular aufgebaute Vario-System. Es integriert in freistehender wie auch in Wandmontage alle Funktionselemente und kann mit geringem Aufwand an geänderte Nutzungsbedingungen angepasst werden. Für die Gesamtplanung der Haustechnik zeichnet das Ingenieurbüro Knab aus München verantwortlich. g+h wollte mehr über das Unternehmen erfahren und sprach mit dem Geschäftsführer, Peter. M. Knab, über Elektroplanung in modernen Gebäuden, innovative Techniken und den Markt.

Herr Knab, würden Sie uns zu Beginn einen kleinen Einblick in Ihre Unternehmensgeschichte gewähren?
Gerne, unser Unternehmen wurde von meinem Vater Anfang der Siebzigerjahre gegründet und hat sich dann kontinuierlich entwickelt. Ich selbst bin vor 25 Jahren in die Firma eingetreten. 1991 schließlich firmierten wir in die Ingenieurbüro Knab GmbH um, mit meinem Vater und mir als Geschäftsführer. Als mein Vater aus der Geschäftsführung im Jahr 1994 ausschied, wurde mein Bruder Oliver in die Geschäftsführung berufen. Seitdem führen mein Bruder und ich das Unternehmen in gemeinsamer Verantwortung.

Wie viele Mitarbeiter sind heute in Ihrem Unternehmen beschäftigt?
Abgesehen von geringen, konjunkturbedingten Veränderungen, haben wir uns personell kontinuierlich nach oben entwickelt und beschäftigen im Augenblick 12 Mitarbeiter.

Welches sind Ihre Hauptarbeitsschwerpunkte, auf welche Techniken konzentrieren Sie sich bevorzugt?
Wir konzentrieren uns im Kern auf die Planung von elektrotechnischen Anlagen. Hier bieten wir unseren Kunden neben der klassischen Elektrotechnik (Stromversorgung, Stromverteilung und Lichttechnik) die gesamte Bandbreite moderner Elektrotechnik. Weitere wichtige Bereiche sind die Sicherheitstechnik (Brand- und Einbruchmeldeanlagen etc.) sowie die Kommunikationstechnik (Telekommunikation, Haus- und Gebäudetechnik, Lautsprecheranlagen, Medientechnik und Datennetzwerke) und die Planung von Aufzugsanlagen. Wir sind nach der DIN 14675 zertifiziert, also zugelassen, Brandmeldeanlagen zu planen. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass wir nach unserem selbst entwickelten, papierlosen, IT-basierenden Qualitätsmanagement-System, welches gemäß ISO 9001 zertifiziert ist, arbeiten.

Wie groß ist der Einzugsbereich Ihres Unternehmens?
Unsere Stärke sehen wir ganz klar im Großraum München, hier sind wir im Markt gut eingeführt, hier kennt man uns. Wir waren und sind aber auch durchaus in ganz Deutschland sowie im Ausland tätig.

Welchen Technik-Bereichen geben Sie die größten Zukunftsperspektiven?
Neben der Bustechnik ist für uns in den letzten Jahren ein kontinuierlich wachsender und wichtiger Markt die Medientechnik geworden, das heißt die komplette Ausstattung von Konferenzräumen mit audiotechnischen oder audiovisuellen Anlagen. Darüber hinaus beschäftigen wir uns sehr intensiv mit der Lichttechnik. Hier bietet die Industrie hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Design ausgesprochen interessante und flexible Lösungen. Die Entwicklung neuer Leuchtmittel, wie LEDs eröffnet hier neue, vielfach noch ungenutzte Möglichkeiten.

Wer sind Ihre Kunden und in welchen Bereichen planen Sie bevorzugt?
Unsere Aufträge erhalten wir von privaten Bauherren und Investoren ebenso wie von öffentlichen Auftraggebern. Unsere Schwerpunkte sind die Planung von elektrotechnischen Anlagen in Verwaltungsgebäuden sowie in Schul- und Universitätsgebäuden.

Und welche Rolle spielen industrielle Objekte und das Industriegeschäft generell?
Auch die betreuen wir. Wichtig für uns ist, dass die Projekte, an denen wir arbeiten, einen technologischen Anspruch an uns stellen. So haben wir uns unter anderem auf die Planung von komplexen Stromversorgungsanlagen für Rechenzentren konzentriert. Hier gibt es einen nicht unerheblichen Bedarf auf dem Markt. Ausfallszeiten in Rechenzentren darf es nicht geben, und die Ansprüche diesbezüglich werden immer höher.

Wie kommen Sie an Ihre Aufträge?
Rund 70 Prozent unserer Aufträge kommen von oder über Kunden und Architekten, für die wir schon einmal tätig waren. Darüber hinaus nehmen wir natürlich auch an öffentlichen Ausschreibungen teil.

Welches sind die größten Bremser, wenn es um den Einsatz innovativer Techniken geht?
Das sind ganz klar die enger werdenden Budgets. Dann sind wir manchmal gezwungen, eine Elektrotechnik zu planen, wie sie bereits vor 20 Jahren Standard war. Das ist nicht unsere Philosophie, gehört aber zum Berufsalltag.

Wie groß ist in der Praxis Ihr Einfluss auf die elektrotechnische Ausstattung eines Objekts und - können Sie schmalen Budgets mit gezielter Beratung entgegenwirken?
In der Regel müssen wir uns innerhalb eines vorgegebenen Kostenrahmens bewegen. Innerhalb dieses Rahmens suchen wir selbstverständlich die optimale und wirtschaftlichste Lösung für den Bauherrn. Wenn wir dem Kunden einen klaren wirtschaftlichen und/oder repräsentativen Nutzen aufzeigen können, dann gelingt es uns auch, für diese hochwertigere Technik die Zustimmung des Kunden zu bekommen.

Welche Rolle spielt der Architekt heute in Ihrem Geschäft?
Der Architekt ist für uns ein wichtiger Partner und für uns ist es sehr relevant, dass dieser wiederum uns als kompetenten Partner akzeptiert. Er soll uns vertrauen und die Gewissheit haben, dass wir die Umsetzung seiner architektonischen Vorstellungen durch unsere Planung maßgeblich unterstützen.

Und die Zusammenarbeit mit dem Elektrohandwerk, wie gestaltet sie sich?
Das ist von Auftrag zu Auftrag unterschiedlich. Bei öffentlichen Ausschreibungen haben wir es in der Regel mit dem preiswertesten Bieter zu tun. Bei anderen Aufträgen sind wir bemüht, mit Handwerksbetrieben zusammenzuarbeiten, von denen wir wissen, dass sie zur vollständigen Zufriedenheit unserer Kunden arbeiten.

In welchen Bereichen sehen Sie die größten Zukunftsmärkte für das Elektrohandwerk?
Im Objektbereich klar in der Bustechnik und Gebäudeautomation, wobei ich hier auch ganz deutlich die Funktechnik hervorheben möchte. Immer mehr Anlagen und Systeme in Gebäuden werden heute von Rechnern gesteuert. Dazu wird irgendwann auch die klassische Elektroinstallation gehören. Die Elektrotechnik, die wir heute installieren, ist leider in vielen Fällen mit derjenigen vor zwanzig Jahren vergleichbar. Die vorhandene Technik hat sich aber in den letzten Jahren zum Teil gravierend geändert. Innovative Technik steht zur Verfügung, wird aber noch lange nicht überall eingesetzt. Dem umfassenden Einsatz der Bustechnik beispielsweise stehen zum Teil immer noch die hohen Kosten entgegen. Dabei sind aber im Einzelfall immer auch die Kosten über die Laufzeit des Gebäudes zu betrachten.

Die Hersteller sehen das zum Teil anders. Vor allem das Mehr an Sicherheit, Komfort und Wirtschaftlichkeit spreche für den Bus, heißt es da. Sehen Sie das nicht auch so?
Grundsätzlich ja, aber im konkreten Fall muss dieser Mehrwert auch vorhanden sein und der Kunde muss dies erkennen. Für uns geht es in der Planung darum, die Anforderungen der Technik mit dem Kunden gemeinsam zu definieren. Jedes Gebäude und auch die Anforderungen der Bauherrn sind unterschiedlich. Wie flexibel muss das Gebäude für die spätere Nutzung sein. Wie stellt sich die Situation dar, wenn umgebaut oder umgezogen wird, wie häufig könnte dies der Fall sein, welche Möglichkeiten der Leitungsverlegung sind bei einem Renovierungsvorhaben gegeben, welche Gewerke sollen mit eingebunden werden? All das sind Fragen, die zunächst genau abgewogen werden müssen. Erst dann kann man sagen, ob eine Businstallation tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll ist. Professionell geplant kann sich eine solche Installation innerhalb von sieben bis fünfzehn Jahren durchaus amortisieren. Und man sollte nicht vergessen, sie stellt in der Regel auch eine Komfortverbesserung dar.

Wenn Sie sich die Bussysteme anschauen, welches System bevorzugen Sie, KNX/EIB, LON oder ein proprietäres System?
Mit Insellösungen haben wir keine guten Erfahrungen gemacht. Im Betrieb und Unterhalt ist der Kunde nach Fertigstellung sehr stark von der Errichter- beziehungsweise Herstellerfirma abhängig. Deshalb schlagen wir in der Regel den EIB vor, weil wir hier die größte Marktdurchdringung sehen. Der Kunde hat den Vorteil, dass er dann bei Erweiterungen oder Wartungen auf viele Betriebe mit entsprechender Qualifikation zurückgreifen kann. Das ist nicht bei allen Systemen der Fall, für den Kunden aber natürlich ausgesprochen wichtig.

Reichen die vorhandenen Möglichkeiten des EIB heute aus, um jedem Installationsanspruch gerecht zu werden?
Ja, wir haben hier positive Erfahrungen gemacht. Das gilt übrigens auch für andere Systeme, wie den LON. Welches Bussystem installiert wird, richtet sich nach den jeweiligen Anforderungen der Gesamtplanung. Vergessen sollte man nicht, dass in der Gebäudeautomation IP-basierende Bussysteme eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Hier kann man auf eine vorhandene Infrastruktur zurückgreifen - ein klarer Kostenvorteil.

Haben sich die Gewerke Elektro und SHK eigentlich in den letzten Jahren tatsächlich angenähert oder geht man nach wie vor weitgehend getrennte Wege?
Eine Annäherung ist klar zu erkennen. Wir sehen im Zusammenrücken zwischen M SR, also Mess-, Steuer- und Regeltechnik, und Elektrotechnik einen klaren, aus unserer Sicht positiven Zukunftstrend.

Lassen sich Gebäude mit einer hochwertigen elektrotechnischen Ausstattung nicht auch leichter vermieten?
Dabei spielen verschiedenen Faktoren eine Rolle. Abhängig von der Lage und dem Mietpreis der Immobilien erwarten die Mieter eine entsprechend innovative, repräsentative und flexible elektrotechnische Ausstattung. Deshalb wird dieser Punkt sicherlich auch in die Entscheidung über die Anmietung einer Immobile miteinbezogen.

Sind die Mieter von Büroflächen heute sensibel für hochwertige Technik?
Ja durchaus. Die Technik darf den Benutzer aber nicht fordern, sie muss ihn unterstützen, zusätzlichen Bedienungskomfort und wirtschaftliche Vorteile bieten.

Wie heißt Ihr aktuelles Planungsvorhaben?
Wir sind zur Zeit an mehreren größeren Bauvorhaben tätig, beispielhaft wären zu nennen der Neubau eines hochwertigen Verwaltungsgebäudes in München am Oberanger, der Neubau der Fachhochschule in Neu-Ulm sowie die Sanierung des Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten in München

Herr Knab, wir bedanken uns für das Gespräch.
www.knab.net

SYSTEM-PROFILFür komplexe AnwendungenSiedle-Multi ist ein eigenständiges System zur Kommunikation, Überwachung und Steuerung, speziell konzipiert für komplexe Anwendungen mit hohen Anforderungen an Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit. Es bietet beispielsweise mehrere Sprechwege und Video-Kanäle, die Einbindung von Aufzug-, Notruf- und Störmeldeeinheiten oder die Kombination mehrerer Überwachungskameras.
Ein Multi-System kann problemlos an ein TCPIP-LAN angebunden werden und die Netzwerk-PCs als Audio-/Video-Endgeräte nutzen. Das System ist durch große Flexibilität in der Leitungsgestaltung, Gerätefunktionalität und Erweiterbarkeit charakterisiert.

PLANUNGAuch für größere ObjekteKommunikationstechnik in modernen Verwaltungsgebäuden muss heute flexibel auf die Ansprüche von Bauherren und Mietern abgestimmt sein.
Der Einsatz von Bus-Technologie bei der Kommunikationsanlage macht die Planung insbesondere für große Objekte einfacher, nicht zuletzt durch ihre durchgängige, offene Struktur für Audio und Video.
Typische Anwendungsfelder sind beispielsweise gewerbliche und öffentliche Gebäude, größere Wohnanlagen und Wohnparks, Seniorenwohnanlagen und betreutes Wohnen.
www.siedle.de

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