15. DEZEMBER 2017

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Mehr als »nur« gute Produkte


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Gira. - In einem exklusiven Gespräch mit g+h skizzieren Torben Bayer, Leiter Marketing, und Schulungsleiter Ralf Nolden die Entwicklungen im Qualifizierungsbereich und ihre Bedeutung innerhalb der Weiterentwicklung des Unternehmens zum Lösungsanbieter.
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Herr Nolden, Gira verfügt heute über ein umfassendes Schulungs- und Weiterbildungsangebot – in welchen Schritten hat es sich bis zur heutigen Form entwickelt?

R. Nolden: Schulungen gibt es im Hause Gira schon seit Jahrzehnten. Allerdings haben wir schon frühzeitig Alternativen zur reinen „Frontal“-Schulung entwickelt und uns dabei an den jeweiligen Gewohnheiten und Bedürfnissen des Fachhandwerks orientiert. Die erste Neuerung stammt aus dem Jahr 1996. Damals führten wir Fernlehrgänge ein; dabei handelte es sich um Printlehrgänge, das heißt, wir erstellten Lehrbriefe, die per Post zum Elektroinstallateur geschickt wurden und von diesem in einem Zeitraum von drei Wochen wieder an uns retourniert werden mussten.

Da es auch Prüfungen und Tests gab, war zur Durchführung ein intensiver Briefverkehr erforderlich. Diese Fernlehrgänge wurden von unseren Kunden sehr gut angenommen, sodass wir zwei Jahre später bereits die nächsten Fernlehrgänge ins Leben riefen. 2001 stellten wir dann unser erstes webbasiertes Schulungsprogramm vor.

Welche Inhalte wurden anfangs vermittelt und welche Ziele verfolgten Sie?

R. Nolden: Der Titel des ersten Fernlehrgangs hieß „Umsatzpotenziale richtig nutzen“. Die Ziele ergaben sich aus dem sich kontinuierlich verändernden Produktportfolio unseres Unternehmens. Waren es am Anfang Schalter, Dimmer oder elektronische Trafos, kam schon bald die Bustechnik hinzu, die nicht mehr so einfach zu handhaben war. Reichte bei klassischen Installationsgeräten das Lesen der Bedienungsanleitung aus, war bei modernen Produkten wie Automatikschaltern oder KNX/EIB dies nicht mehr ausreichend. Für diese Techniken sind entsprechende Vorschulungen erforderlich und natürlich auch das Know-how, sie beim Kunden professionell anbieten zu können.

Die Einführung innovativer Techniken war die Initialzündung, unsere Kunden über Schulungsmaßnahmen bei der Vermarktung und Installation aktiv zu unterstützen. Um ihnen dies so einfach wie möglich zu machen und vor allem den erforderlichen Zeitaufwand gering zu halten, etablierten wir, wie bereits erwähnt, im ersten Schritt Fernlehrgänge via Post und wenige Jahre später über das Internet. Webbasierte Angebote waren ein Quantensprung im Schulungsangebot von Gira, denn sie können vom Elektroinstallateur ausgesprochen flexibel genutzt werden, weil er sie sozusagen just in time aufrufen kann – also genau dann, wenn er Informationen und Wissen benötigt. Und nicht nur der Elektromeister selbst, sondern im Grunde alle seine Mitarbeiter können sich flexibel und zudem kostengünstig weiterbilden, denn es entfallen die Kosten für die An- und Abreise und eventuelle Übernachtungen. Vor allem aber wird Arbeitszeit gespart – und auch die kostet ja.

Hat sich das Online-Angebot auch auf Ihre ja immer noch vorhandenen Präsenzschulungen ausgewirkt?

R. Nolden: Unsere Präsenzschulungen haben sich natürlich im Laufe der Jahre verändert, weil sich auch der Bedarf, an dem sie sich orientieren, verändert hat. Unverändert aber ist die hohe Zustimmung, die für uns eine sehr hohe Auslastung auf hohem Niveau bedeutet. Mehr leisten können wir in diesem Bereich nur, wenn wir nach „draußen“ gehen: in die Region, zu den Elektrofachbetrieben.

Das stärkste Wachstum verzeichnen wir natürlich bei unseren Online-Angeboten. Allerdings nicht auf Kosten der Präsenzschulungen: Bei gleichbleibenden Teilnehmerzahlen hier im Haus konnten wir die Teilnehmerzahl bei webbased Trainingsmaßnahmen drastisch erhöhen, 2010 um 14,5% im Vergleich zum Vorjahr.

T. Bayer: Im Zuge dieser Neuorientierung wurden zudem völlig neue Themenfelder in die Schulungen aufgenommen, denn erstmals ging es nicht nur um Produktfelder, sondern auch um Marketing. Insgesamt gehört das Gira Schulungsangebot seit jeher zu unseren Service-Leistungen und stellt inzwischen einen ausgesprochen wichtigen Baustein im Rahmen aller unserer Marketing- und Vertriebsplattformen dar – dazu gehört der Club der Gira Aktiv Partner, das Gira Konzept der System-Integratoren und die Plattform der Gira Revox Studios. Der Baustein „Schulungen“ ist extrem wichtig, um gemeinsam mit unseren Marktpartnern die intelligente Gebäudetechnik beim Endkunden zu etablieren.

Welches waren und sind die Inhalte des webbased Trainings?

R. Nolden: Als wir mit dieser Form der Schulung begannen, ging es im ersten Training um Netzwerktechnik, also keineswegs um Gira-Produkte. Zu diesem Zeitpunkt gab es die ersten IP-fähigen Geräte, zu denen es unter anderem auch Präsenzschulungen gab. Unsere Kunden kannten zwar unsere Netzwerk-Produkte, hatten aber in der Grundlagentechnik noch relativ wenige Kenntnisse, sodass wir einen quasi herstellerneutralen Lehrgang ins Netz gestellt haben – als Vorbereitung für unsere Produktschulungen im Bereich Netzwerktechnik.

Eine der großen Herausforderungen des Marktes besteht darin, dass der enorm hohe Technologiefortschritt einen permanenten Wandel mit sich bringt. Für uns geht es deshalb vorrangig darum, bei der Einführung neuer Techniken oder Produkte das für die Installation und Vermarktung erforderliche Wissen möglichst rasch und unkompliziert unseren Kunden zu vermitteln.

Deshalb bieten wir auch Grundlagenschulung im Netz an. Im Augenblick stellen wir acht webbased Trainings in drei verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

Und zusätzlich noch Präsenzseminare?

R. Nolden: Selbstverständlich bieten wir nach wie vor auch Präsenzseminare an, weil es bei einigen Themen einfach erforderlich ist, den persönlichen Kontakt zu einem Schulungsleiter zu pflegen. Die Präsenzseminare finden entweder in den Regionen oder hier zentral in Radevormwald statt. Das dritte Standbein, das wir im Schulungs- und Weiterbildungsbereich haben, ist das virtuelle Klassenzimmer.

Was verbirgt sich dahinter?

R. Nolden: Es handelt sich hierbei um Trainingseinheiten, die online mit einem Live-Trainer an Bord durchgeführt werden. Die Teilnehmer – meist Elektromeister und ihre Mitarbeiter – sitzen dann im Betrieb oder daheim mit Headset am PC. Vermittelt wird ihnen technisches Wissen, aber auch Marketing-Know-how. Über das virtuelle Klassenzimmer schulen wir übrigens auch unseren Außendienst oder spezielle Zielgruppen wie System-Integratoren, die dieses Angebot sehr intensiv nutzen.

T. Bayer: Der Gira Akademiebereich beruht eigentlich auf vier Säulen: (1) Präsenzseminare in Radevormwald in Verbindung mit oder ohne Werkbesichtigung. (2) Workshops und Seminare in den Regionen. Hinzu kommen zwei Online-Angebote: (3) das virtuelle Klassenzimmer und (4) unsere webbased Trainings.

Jedes dieser Weiterbildungsformate hat spezielle Vorteile. Die Präsenzschulungen in den Regionen beispielsweise waren ein ganz wichtiger Eckpfeiler bei der Einführung unseres Türkommunikations-Systems. Präsenzseminare führten und führen wir nach wie vor teilweise gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern, dem Elektrogroßhandel, durch, um sicherzustellen, dass unsere Kunden das System „greifbar“ in Augenschein nehmen können. Mit ähnlichen Qualifizierungsmaßnahmen werden wir auch die Einführung des Gira Rufsystems 834+ begleiten, um vor Ort darzustellen, wie einfach das Thema „Sprechen“ funktioniert. Und wir wollen dem Elektrofachhandwerk zeigen, dass Rufsysteme durchaus ein interessanter Markt werden kann, bilden sie doch den Einstieg in den Healthcare-Bereich, der aufgrund des demografischen Wandels in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle spielen wird. In den regionalen Workshops geht es deshalb nicht nur um reine Produktschulungen, sondern auch um Vermarktungschancen und Marktpotenziale, die wir aufzeigen wollen.

Das virtuelle Klassenzimmer bietet nicht nur dem Fachhandwerk, sondern auch unseren Kooperationspartnern Vorteile – ihnen können wir darin echtes Wissen vermitteln. Das nutzen wir beispielsweise für die System-Integratoren schon sehr intensiv. Das Wichtigste aber ist das webbased Training, weil zukunftsträchtig, zeitnah, flexibel und kostengünstig.


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