15. DEZEMBER 2017

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Gelebte Visionen


Talk

Bender. - Sensible und komplexe Technologien stellen hohe Anforderungen an Überwachungssysteme. g+h sprach mit Helmut Muhm, Bereichsleiter für geerdete Stromversorgungssysteme, über elektrische Sicherheit von morgen.
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Herr Muhm, geben Sie mir bitte einen kurzen Einblick in das Unternehmen Bender mit all seinen Sparten.

Gerne, Bender hat ja mittlerweile eine 70-jährige Geschichte, und wie das bei einem Familienunternehmen so ist, hatte der Firmengründer Walther Bender irgendwann eine Geschäftsidee. Er war Elektroingenieur in einem Bergbaubetrieb im Osten Deutschlands und überprüfte dort die elektrischen Anlagen auf Isolationsfehler. Daraus wurde die Idee einer automatisierten Prüfung geboren. 1939 hat er das erste Isolationsüberwachungsgerät zum Patent angemeldet. Nach dem Krieg hat er sich mit einem Ingenieurbüro hier in Grünberg niedergelassen und die Idee wieder aufgegriffen. Daraus ist dann das Unternehmen Bender entstanden. Mit der Zeit kamen die Überwachungsgeräte neben dem Bergbau auch in der chemischen Industrie, in der Bahntechnik, der Schifffahrt und in der medizinischen Versorgung zum Einsatz. Dieser Grundgedanke der ungeerdeten Stromversorgung ist das Kernthema von Bender. Heute sind wir in einigen Bereichen Weltmarktführer. Andere Bereiche teilen wir uns mit Mitbewerbern, sodass wir die komplette Palette der elektrischen Sicherheit abdecken.

Welches waren die herausragenden Zäsuren in der Entwicklung des Unternehmens?

Zäsuren, also generelle Einschnitte gab es nicht. Das Unternehmen hat sich über die gesamte Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. Okay, der Bergbau ist irgendwann weggebrochen, aber da man sich sehr weitflächig aufgestellt hat, war auch das keine Zäsur, sondern eine Herausforderung, neue Anwendungsgebiete zu erschließen.

Für welche Werte steht Bender?

Ein Familienunternehmen ist etwas Persönliches. Da gibt keinen Chef, der alle paar Jahre wechselt, dahinter steht eine Familie, die das Unternehmen leitet, aktuell in der dritten Generation. Darüber hinaus stehen wir für Qualität. Wir verkaufen nicht über den Preis, sondern über innovative Technologien und Lösungen. Für den Mehrwert unserer Kunden entwickeln wir immer wieder individuelle Lösungen. Aus diesen kundenspezifischen Produkten entwickelt sich nicht selten eine Serie, die wir in Nischensparten breit gefächert anbieten können. Unsere Kernkompetenz ist elektrische Sicherheit. Hier wollen wir die Besten sein und Maßstäbe setzen. Eine wichtige Säule ist auch die Normenarbeit in der wir unser Know-how weltweit festigen. Firmenintern übernehmen wir Verantwortung, es geht ja nicht nur um Mitarbeiter, es geht um Familien, um die Wirtschaftsregion hier. Last, but not least bemühen wir uns um einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Was denken Sie, macht Bender einzigartig?

Wir sind ein fortschrittliches, innovatives Familienunternehmen und da findet man heute nicht mehr viele. Wir denken an die nächste Generation und die Familien. Und das Wichtigste ist, wir haben eine Vision. Wir machen elektrischen Strom sicher und dabei bleiben wir. Wir wollen nicht andere Märkte erschließen, nur weil sie Wirtschaftspotenzial haben.Wirhabeneinenweltweit gutenNamen und bauen auf unsere Kernkompetenz.

Sie sind international aufgestellt, können Sie etwas zu den Fertigungsstandorten sagen?

Wir stellen Nischenprodukte her und das heißt, dass es nicht immer um große Stückzahlen geht. Wir haben hier in Grünberg entwickelt, gefertigt, geprüft und an den Kunden ausgeliefert, meistens an den Endkunden. Mit der Erschließung neuer Märkte für den weltweiten Einsatz musste die Fertigungskapazität erweitert werden. Seit 1990 haben wir ein zweites Fertigungswerk in der Nähe von Magdeburg. Für den amerikanischen Markt haben wir ein Fertigungswerk in Coatesville, Pennsylvania. Dort werden spezielle Module für den amerikanischen Markt gefertigt. Für die elektrische Sicherheit gibt es nämlich zwei Welten – die USA und den Rest der Welt.

In welchen Ländern liegen denn heute die Hauptexportmärkte?

Exportmarkt ist bei uns die ganze Welt. Wir verkaufen anteilmäßig 50 Prozent in Deutschland und 50 Prozent weltweit. Unsere Inlandskunden kaufen unsere Produkte allerdings zu einem großen Teil, um sie in Schaltschränke einzubauen, die dann in die ganze Welt geliefert werden. Da wir keine Consumer-Produkte haben und Deutschland eine Exportnation ist, gehen entweder direkt oder indirekt etwa 80 Prozent unserer Produkte ins Ausland.

Welche Rolle spielt denn die Gebäudeinstallation und das Elektrohandwerk für Bender?

In den letzten Jahren ist die Gebäudetechnik, sprich das Elektrohandwerk für uns ein wichtiger Partner geworden, denn zunehmend werden unsere Produkte auch in Gebäuden eingesetzt, in denen eine sichere und zuverlässige Stromversorgung zwingend notwendig ist. In Krankenhäusern, Flughäfen, Rechenzentren, Banken, Versicherungen und Verwaltungsgebäuden steht eine hohe Verfügbarkeit, elektrische Sicherheit und Energieeinsparung immer mehr im Vordergrund.

Herr Muhm, bitte umreißen Sie kurz Ihr Aufgabengebiet hier im Haus.

Ich bin hier als Bereichsleiter für die Entwicklung und das Produktmanagement geerdeter Stromversorgungssysteme verantwortlich. Meine Aufgabengebiete sind die Applikations-Roadmap, die Technologie-Roadmap und die Mitarbeit in Produktnormen. Wichtig ist auch der Kontakt zu firmenübergreifenden Fachgremien wie ZVEI, VdS usw. Außerdem kümmere ich mich um Kundenschulung, Symposien, Messen und sorge dafür, dass unser Support alle Informationen hat, die er für den Service braucht. Alles in allem bin ich dafür verantwortlich, dass es mit den Produkten in meinem Bereich keine Probleme gibt.

Wie läuft in Ihrem Unternehmen ein Innovationsprozess ab?

Wir haben die Philosophie, nicht nach Innovationen, sondern nach Problemen bzw. Herausforderungen zu suchen. Finden wir ein ungelöstes Problem im Bereich der Schutz- und Überwachungstechnik, suchen wir nach einer Gerätelösung. Am besten ist es, wenn ein Kunde dieses konkrete Problem hat, oder neue Techniken neue Schutzanforderungen verlagen. Wir legen Wert drauf, dass wir das auch für kleine Stückzahlen tun. Zudem suchen wir weltweit Applikationen, wo unsere Produkte in Normen festgeschrieben sind. Da ist zum Beispiel der trafolose Wechselrichter. Bender hat für SMA die integrierte RCMA-Lösung entwickelt und die Wechselrichteranwendungsnorm DIN VDE V 0126 durchgesetzt. Und unser Vertrieb befragt regelmäßig unsere wichtigsten Kunden: Was wird in Zukunft gebraucht? Wo könnten unsere Produkte für andere Kunden und andere Applikationen nutzbringend eingesetzt werden um die elektrische Sicherheit zu erhöhen? Mit diesen aktiven Kundengesprächen füttern wir unsere Ideenbank.


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g+h 06/2011
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