12. DEZEMBER 2017

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Richtung Zukunft


Gewerkeübergreifend. Im letzten Herbst fiel im Dial der Startschuss für die Umsetzung einer revolutionären Idee: Die Grenzen der Gewerke werden dabei einfach ignoriert.

Die Techniken und Systeme in modernen Gebäuden werden immer komplexer. Computernetzwerke, Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und haustechnische Systeme werden zunehmend miteinander vernetzt. Die Grenzen zwischen den Gewerken verschwimmen. Gefragt ist heute der Fachmann, der den Überblick behält. Der Nutzer und Investoren gleichermaßen kompetent und herstellerneutral beraten kann. Der in der Lage ist, die Wünsche der Bauherren zu ermitteln, ein sinnvolles Gesamtkonzept aufzustellen und anwendergerechte Bedienmöglichkeiten zu entwickeln. Und der auch während der Bauphase alle Fäden in der Hand behält, Schnittstellen zwischen einzelnen Systemen optimiert, die ausführenden Firmen koordiniert und so die Erfüllung der Kundenwünsche und -bedürfnisse sicherstellt. Auf genau diese Aufgaben bereitet das Dial die Teilnehmer seines neuen Lehrgangs vor. Es richtet sich an Fachleute aus der Praxis, die bereits als Handwerker, Fachplaner oder Architekt Erfahrungen in ihren speziellen Bereichen gesammelt haben. Sie drückten nun die Schulbank, um zu den ersten Gebäude-System-Designern zu gehören, die das Dial hervorgebracht hat. Andreas Bossow ist als Geschäftsführer des Dial maßgeblich an der Konzeption der neuen Weiterbildung beteiligt gewesen. g+h fragte bei ihm nach.

Herr Bossow, was verbirgt sich eigentlich hinter dem „Gebäude-System-Designer“?
Sicherlich werden viele Ihrer Leser darunter Menschen à la Colani verstehen, die Dingen Formen und Farben geben. Wenn Sie den Begriff aber so wie er gemeint ist betrachten, dann bedeutet Design viel mehr, nämlich Form und Funktion von Dingen und Systemen mit ihren vielfältigen Einflussfaktoren zu einem möglichst guten Gesamten zusammenzuführen. Nicht umsonst spricht man in der Elektronikbranche von „Chipdesign“ und „Schaltungsdesign“, da eine Vielzahl von Einflussfaktoren neben der eigentlichen Funktion mit berücksichtigt werden müssen.

Aber kümmert sich um die Ausgestaltung eines Gebäudes nicht ausschließlich der Architekt?
Der Architekt eines Gebäudes plant und gestaltet sicherlich die äußere und innere Struktur - er macht sozusagen das „Gebäude-Struktur-Design“. Die Gebäudetechnik wurde bisher gewerkeorientiert betrachtet, geplant und umgesetzt. Doch durch die Entwicklungen der letzten Jahre und das rasche An- und Zusammenwachsen von Anwendungen und Technologien gerade auch in der Gebäudetechnik, funktioniert der gewerkebezogene Ansatz nicht mehr. Da die moderne Gebäudetechnik überaus komplex geworden ist, braucht jeder Bauherr, der einen maximalen Nutzen aus seinem Gebäude haben möchte, sozusagen einen Gebäudetechnik- Architekten, eben genau den „Gebäude-System-Designer“.

Dann handelt es sich bei dem Gebäude-System-Designer also nicht um einen Entwickler von Gebäudetechnik?
Genau so ist es. Der Gebäude-System-Designer macht auf seinem Gebiet die gleiche Arbeit wie der Architekt. Er ermittelt die Motivation der Bauherrn und die geplante Nutzung des Gebäudes, arbeitet Hand in Hand mit dem Architekten, berät und erläutert Nutzen und Vorteile moderner Gebäudetechnik.
Er erstellt ein Grobkonzept auch unter Berücksichtigung von Gesetzen und Normen, er gleicht das Konzept mit den Wünschen und natürlich auch den finanziellen Möglichkeiten der Bauherren ab, er feilt das Konzept weiter aus, und sorgt dafür, dass die Umsetzung dann auch fachlich in jeder Beziehung korrekt ausgeführt werden kann. Hierbei greift er auf Technologien zurück, die allgemein auf dem Markt verfügbar sind.

Macht der Gebäude-System-Designer dann nicht die Fachplaner bei einem Projekt überflüssig?
Hier muss ich deutlich widersprechen, ja, sogar das Gegenteil ist der Fall. Genau so wie der Architekt als Generalist mit seinen Fachleuten wie Statikern oder Wärmeschutzfachleuten zusammenarbeitet und von ihnen die Fachplanung machen lässt, arbeitet der Gebäude-System-Designer mit den Fachplanern zusammen. Hierbei achtet er darauf, dass die Planungen auch tatsächlich fachgerecht und im Sinne des von ihm aufgestellten Gesamtkonzepts durchgeführt werden. Für größere Gebäude wird die Fachplanung von entsprechend aufgestellten Planungsbüros und für kleinere Bauvorhaben typischerweise vom Handwerker durchgeführt. Egal ob groß oder klein, für eine insgesamt funktionierende und vernetzte Gebäudetechnik ist die fach- und normgerechte Planung die grundlegende Voraussetzung - und genau deshalb wird die Fachplanung ganz klar an Bedeutung gewinnen.

Wie lange dauert die Weiterbildungsmaßnahme?
Ich glaube, aus dem bisher gesagten wird deutlich, dass man hier nicht einfach einen Wochenkurs belegen kann. Deshalb kommt hier ein neues Weiterbildungskonzept zum Tragen - übrigens ebenfalls eine Premiere für Dial. Es nennt sich „blended learning“ was bedeutet, dass es eine Mischform zwischen Selbstlernen und Präsenzlernen ist. Jeder Teilnehmer erhält einen Zugang zu unserer Lernplattform, auf der er das nötige Wissen in Form von Einführungsvideos, Texten und Selbsttests erlangen kann. Übrigens haben wir - ganz aktuell - eine Demo-Lernplattform für jedermann freigeschaltet, auf der die Lehrgangsstruktur und die Plattform erlebt werden kann: www.demo.dial-gsd.de. Weiterhin finden einmal pro Quartal viertägige Präsenzveranstaltungen statt, auf der das Gelernte vertieft, Neues vorbereitet und praxisbezogene Übungen oder Praktika gemacht werden können. Deshalb ist es auch möglich, die Weiterbildung parallel zum Beruf zu absolvieren. Wir gehen von einem durchschnittlichen Lernaufwand von 60 min/Arbeitstag aus. Der gesamte Lehrgang dauert zwölf Monate.

Wie ist der Lehrgang strukturiert, was sind die Lehrinhalte?
Die gesamten Lehrinhalte im Einzelnen aufzuführen, würde hier den Rahmen sprengen. Die Informationen können im Detail unter www.dial.de nachgelesen werden. Auch eine Anmeldung ist hier möglich - übrigens ausschließlich online. Grob gesagt, ist der Lehrgang in drei Blöcke aufgeteilt.
Der erste Block beschäftigt sich mit dem Thema Architektur. Hier wird dem zukünftigen Gebäude-System-Designer das Verständnis für die Architektur und die Sichtweise und Arbeitsmethodik des Architekten beigebracht, mit dem er ja zukünftig zusammenarbeiten muss. Der zweite Block ist die Gebäudetechnik. Hier werden die verschiedenen technischen Systeme eines Gebäudes unter den Gesichtspunkten Normen und Vorschriften, Wirtschaftlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und Vernetzbarkeit betrachtet. Als dritten Block ist das eigentliche Gebäude-System-Design zu nennen. Hier werden die Themen Qualifikation, Kompetenz und Geschäftsmodell des Gebäude-System-Designers ebenso behandelt wie Ermittlung der Kundenbedürfnisse, Betrachtung des Designprozesses unter Berücksichtigung technischer und kaufmännischer Zwänge und die Präsentation und Kommunikation des Gesamtkonzeptes. In diesen Teil sind dann ebenfalls umfassende Übungssequenzen analog zu den Leistungsphasen nach der HOAI vorgesehen.

Ihre kurze Auflistung hört sich ja bereits recht anspruchsvoll an. Ist denn das Dial überhaupt für diese Weiterbildung ausreichend qualifiziert worden?
Ja, das sind wir. Zum einen haben wir eine mehr als fünfzehnjährige Erfahrung in Gebäudetechnik, und zwar in unterschiedlichsten Bereichen. So liefern wir die auch international äußerst erfolgreiche Lichtplanungssoftware Dialux, betreiben Prüflabore für Lichttechnik und EIB/KNX, erstellen Gutachten und Beratungen und führen sehr praxisbezogene und herstellerunabhängige Schulungen, Seminare und Workshops hier im Hause durch. Daneben arbeiten wir aktiv in diversen Fachgruppen mit und führen anwendungsbezogene Forschungsprojekte durch. Dort wo Lücken waren, haben wir uns verstärkt. So ist extra für den Gebäude-System-Designer ein erfahrener Architekt sowie ein EDV-Fachmann eingestellt worden. Weitere Arbeitsplätze werden gerade geschaffen. Daneben kaufen wir uns noch externe Fachkompetenz nach Bedarf hinzu.

Ein Teilnehmer, der diese Weiterbildung durchläuft, möchte doch sicher auch nachher einen Abschluss vorweisen können. Was ist da vorgesehen?
In der Tat schließt die Ausbildung mit einer praxisorientierten Prüfung ab. Hiernach erhält der jeder erfolgreiche Teilnehmer ein Dial/SIHK-Zertifikat (SIHK: Südwestfälische Industrie und Handelskammer) überreicht. Es ist jedoch nicht Ziel dieses Lehrgangs, ein möglichst offizielles und hochklassiges Zertifikat zum „an die Wand hängen“ zu erreichen, sondern die unmittelbare Anwendbarkeit in der täglichen beruflichen Praxis zu gewährleisten. Wir vermitteln mit diesem Lehrgang eine neue Sichtweise, man könnte sagen, eine neue Philosophie im Umgang mit projektbezogenem Nutzen moderner und zukunftsweisender Gebäudetechnik. Das Wissen und die Sichtweise, die hier vermittelt werden, kommen allen Beteiligten unmittelbar zugute. Das Zertifikat ist dabei nebensächlich. Erst durch die Arbeit des Gebäude-System-Designers kommen Lösungen zustande, die die Kundenbedürfnisse optimal befriedigen. Durch zufriedene Kunden wird sich die Akzeptanz der modernen Gebäudetechnik insgesamt auf breiter Basis durchsetzen, was sich wiederum auf den Umsatz von Herstellern, Handel, Architekten, Planern und Gebäude-System-Designern positiv auswirken wird.
Herr Bossow, wir bedanken uns für das Gespräch. Sonja Pfaff

HintergrundDie Kosten
Sie belaufen sich auf 500 € pro Monat zzgl. MwSt. Hierfür erhält jeder der Teilnehmer den Zugang zur Lernplattform, natürlich die persönliche Betreuung durch die Ausbilder über alle Modernen Medien (Telefon, Fax, E-Mail, Forum) sowie sämtliche Präsenzzeiten.

Ausgabe:
g+h 01/2007
Unternehmen:
Bilder:
1 Unternehmens-Katalog:

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