15. DEZEMBER 2017

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Zukunft. Seit einem Jahr gehört Merten zu Schneider Electric. g+h sprach mit Manfred Steffen und Dominique Bellot über die Unternehmenspolitik.

Im Jahr des 100. Geburtstags wurde Merten von Schneider Electric übernommen. Tragik oder Chance?
D. Bellot: Ganz klar eine Chance. Es ist eine große Vision der Eigentümer gewesen, den Fortbestand des Unternehmens langfristig zu sichern. Durch Schneider ist dies nun gewährleistet. Insofern ist es keine Tragik, sondern der normale Lauf in der Wirtschaft und eine große Chance.
M. Steffen: Unsere Kunden haben mich das auch gefragt. Nach fast einem Jahr kann ich Herrn Bellot nur bestätigen. Mit der Übernahme sind Merten langfristige Wachstumschancen eröffnet worden; vor allem im Export. Schon jetzt arbeiten wir hier am Standort in drei Schichten. Das stimmt mehr als optimistisch. Übrigens werden unsere Kunden weniger das große Unternehmen Schneider spüren, sondern nach wie vor den Mittelständler Merten, der auch künftig sehr kundennah arbeiten wird.

Welches sind intern die gravierendsten Veränderungen nach der Übernahme gewesen?
M. Steffen: Vor allem im Exportbereich haben wir den Wandel gespürt. So arbeiten wir mit Hochdruck an Produkten für unsere neuen Exportmärkte. Und natürlich haben wir neue Kollegen aus dem Ausland bekommen. Das hat dazu geführt, dass viele begonnen haben, international zu denken. Bislang waren wir ja doch stark auf den deutschen Markt konzentriert.
D. Bellot: Merten hatte bereits vor der Übernahme begonnen, sich internationaler aufzustellen. Strategisch kam die Übernahme gerade richtig. Schneider ist eine Exportmaschine und in über 130 Ländern tätig. Das wird den Export für Merten drastisch beschleunigen. Merten wird hier sicherlich zweistellig wachsen.

Könnten Sie uns drei Ziele nennen, die Schneider zur Übernahme veranlasst haben?
D. Bellot: Erstens war es die bei Merten vorhandene Technologie, das ausgeprägte Schalter-Design in hoher Qualität, zweitens die vorhandene Elektronik. Deutschland ist das einzige Land, in dem man 50 % des Umsatzes im Schalter-Segment mit elektronischen Komponenten generiert. Und drittens wollten wir im größten europäischen Markt einen Fuß in der Tür haben. Man kann nicht Weltmarktführer sein, ohne auf dem deutschen Markt signifikante Anteile für sich zu verbuchen.

Mit Elso verfügen Sie bereits über einen Schalterhersteller im Portfolio. Wie wird die Abgrenzung zu Merten aussehen?
D. Bellot: Marken sind Werte, die nicht aufgegeben werden dürfen. Elso wird sich in den neuen Bundesländern weiter festigen. Merten wird flächendeckend im hochwertigen Bereich agieren.
M. Steffen: Auf der Marketing- und Vertriebsseite werden beide Marken nach wie vor unabhängig voneinander arbeiten.

Herr Bellot, Sie sehen Wachstum in den Exportbereichen. In Deutschland ist Wachstum nur auf Kosten der anderen, also über die Erhöhung der Marktanteile möglich. Wie sehen Ihre Strategien aus?
D. Bellot: Merten hat im gesamten Bundesgebiet Vertriebsmannschaften. Hier möchten wir natürlich ebenfalls wachsen, mit dem Markt, aber natürlich gern auch stärker als der Markt. Dafür werden wir Synergien zwischen Schneider und Merten nutzen.

Wird es auch Schneider-Produkte unter dem Label Merten geben?
M. Steffen: Ganz klar wird unsere KNX-EIB-Technik von Deutschland aus in die Schneider-Märkte exportiert und umkehrt werden Produkte aus der Schneider-Welt auch auf dem deutschen Markt vertrieben werden. Wir können damit unsere Sortimente gegenseitig vervollständigen und Neuentwicklungen beschleunigen.
D. Bellot: Allerdings nur mit Produkten, die in das Schaltersortiment passen. Wir haben also nicht vor, andere Produkte unter dem Namen Merten zu positionieren.

Welche Rolle spielt für Sie die Marke Merten?
D. Bellot: Die Marke ist für uns sehr wichtig. Sie ist durch eine Vielfalt von Versprechen charakterisiert, die es zu halten gilt. Mit Merten verbinden unsere Kunden innovative Technik und Qualität. Diese Werte werden wir auch auf die Exportmärkte transportieren. Made in Germany ist im Ausland immer noch ein wichtiges Verkaufsargument.
M. Steffen: Wichtig ist hier auch die Weiterentwicklung und Festigung der Marke. Wir arbeiten nicht zuletzt deshalb intensiv mit anerkannten Designern zusammen, um unseren Produkten und damit der Marke Merten ein klares Profil zu geben.

Wie bewerten Sie die Wachstumsmöglichkeiten von KNX/EIB in den anderen europäischen Ländern? Wird das System über die Vertriebsmacht von Schneider nun auch über unsere Grenzen hinweg attraktiv werden?
D. Bellot: Der deutsche Markt hat das System akzeptiert und es wächst überdurchschnittlich. Außerhalb von Deutschland gibt es keine vergleichbare Entwicklung. Zurzeit sind wir auf Ideensuche, um das KNX/EIB in Frankreich, Spanien und anderen Ländern ebenfalls fest zu etablieren.
M. Steffen: Wir sehen vor allem in den Exportmärkten die Chance, das System auch im privaten Wohnungsbau zu etablieren, was in Deutschland bislang nur sehr zögerlich gelingt. Vor allem in den skandinavischen Ländern merken wir die hohe Akzeptanz von Automatisierungslösungen beim privaten Bauherrn. Dort sind Multimedia und Vernetzung im Haus bereits weit verbreitet.
D. Bellot: Merten verkauft in Schweden 50 Prozent seiner KNXEIB-Technik für den Einsatz im Privatbereich.

Wie kann man dies auch in Deutschland erreichen?
M. Steffen: Der Elektromeister sollte von Zeit zu Zeit mehr Mut aufbringen, den Bus aktiv zu verkaufen. Wir haben in der Vergangenheit viel zu oft über Elektroinstallationen gesprochen, die 3.000 oder 4.000 Euro kosten. Jeder, der sich für ein Auto mit Navigationssystem entscheidet, zahlt heute problemlos einen Mehrpreis von 2.000 Euro. Anhand von diesem Beispiel könnte der Bauherr sensibilisiert werden, ob eine komplette elektrotechnische Anlage für sein Haus für 3.000 Euro tatsächlich zukunftsfähig und komfortabel sein kann.

Sehen Sie es als sinnvoll an, dieses Thema werblich auch im Fernsehen zu platzieren?
M. Steffen: Generell ist es positiv zu sehen, wenn wir uns dieser Seite etwas stärker zuwenden. Im durchschnittlichen Fernsehspot ist es aber sicherlich schwierig, die Komplexität einer Technik wie KNX/EIB dem potenziellen Bauherrn so zu vermitteln, dass er die Bustechnik beim Elektrohandwerker dann auch tatsächlich nachfragt. Für unser Haus sehe ich im Moment TV-Werbung nicht.
D. Bellot: Dennoch müssen wir natürlich den Endverbraucher erreichen. Ein Weg dahin wären Messen, die auch für den Bauherrn zugänglich sind. Das erhöht die Attraktivität der Messen insgesamt ganz erheblich.

Wird es zu den Herbstmessen Innovationen von Merten geben?
Ja, für den immer wichtiger werdenden Renovierungsmarkt werden wir den Funk-Bereich stärker ins Blickfeld rücken.

Herr Bellot, eine Frage zum Abschluss. Sie haben französische Wurzeln und arbeiten seit einem Jahrzehnt in Deutschland. Welche Besonderheiten der deutschen Mentalität sind Ihnen im Gedächtnis haften geblieben?
D. Bellot: Deutschland ist für einen Franzosen das Land der Technologie. Deutsche sind Techniker und sie sind innovativ. Deshalb ist die Elektroinstallation in deutschen Gebäuden sicherlich vom Niveau her höher als in Frankreich oder anderen europäischen Ländern. Für die Franzosen ist es aber unfassbar, dass Deutschland als einer der teuersten Fertigungsplätze Exportweltmeister ist. Deutschland und Frankreich - die eher kreative und optimistische Nation - würden sich ideal ergänzen; sie sind das Herz Europas. Die Ansätze für eine sehr enge Zusammenarbeit, die es zwischen Mitterand und Kohl gegeben hatte, sollten auf jeden Fall weiter ausgebaut werden.

Herr Bellot, Herr Steffen, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.
www.merten.de

Ausgabe:
g+h 01/2007
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