11. DEZEMBER 2017

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Mit Funk auf Erfolgskurs


Michael Schlicker/Jörg Lamers. Mit dem im September auf dem Markt eingeführten Funk-System möchte Merten klare Akzente setzen. g+h sprach mit Geschäftsführung und Marketingleitung darüber.

Herr Schlicker, wenn in Ihrem Hause eine Produktneuentwicklung erfolgt, wie laufen dann die Prozesse ab?
M. Schlicker: Zunächst kommt der Impuls für eine Neuentwicklung: Aus dem Vertrieb, dem Marketing, dem Produktmanagement oder aus einer anderen Quelle. Die Idee wird in die Diskussion gebracht und in der Marketingabteilung und im Produktmanagement erörtert. Findet sie dort Anklang, wird ein Konzeptpapier erarbeitet, das allen Entscheidern bis hin zur Geschäftsleitung vorgestellt wird. Ist das Urteil positiv, fällt der Startschuss für ein formales Entwicklungsprojekt.

Was heißt formales Entwicklungsprojekt? M. Schlicker: Formales Entwicklungsprojekt bedeutet unter anderem die Zusammenstellung einer Mannschaft und die Bereitstellung der finanziellen Mittel. Menschen fangen an, intensiv zu arbeiten.

Unterhalten Sie eigentlich eine eigene Abteilung, die sich ausschließlich mit dem Thema Innovation beschäftigt, und ist das Thema auf Produkte beschränkt?
M. Schlicker: Wir haben keine reine Innovationsabteilung. Im Produktmarketing und in der Entwicklung beobachten wir die technischen Entwicklungen auf dem Markt sehr genau und reagieren entsprechend oder stimulieren den Markt selbst mit Innovationen.
J. Lamers: Innovation ist bei Merten nicht ausschließlich auf Produkte beschränkt. Innovation ist in allen Unternehmensbereichen des gesamten Entstehungs- und Vermarktungsprozesses möglich. Ein prägnantes Beispiel ist sicherlich der Merten-Messestand auf der Light + Building. Eine innovative Visualisierung der Markenpositionierung „Lösungen für intelligente Gebäude“. Impulse für Innovation kommen auch von außen. Die Zusammenarbeit mit Designern führt auch zu innovativen Konzepten.
Höchst innovativ und sicherlich noch visionär ist beispielsweise das Projekt „Button Buds“ von Jürgen Mayer H., in dem Schalter zu einer technischen Kommunikationseinheit werden, die ständig wächst und Form, Funktion und Einsatzort jederzeit beliebig verändern kann.

Wie groß ist Ihre Entwicklungsabteilung?
M. Schlicker: Merten hat rund 80 Entwickler und unsere Investitionen bewegen sich in einer Höhe zwischen sieben und acht Prozent.

Welches waren in den letzten zwanzig Jahren die großen Entwicklungsschritte?
M. Schlicker: Ich denke es waren im Wesentlichen drei große Entwicklungsschritte. An erster Stelle steht die Elektronifizierung der Technik, die vor fünfzehn, zwanzig Jahren begann. Der zweite Schritt war die Einführung der Bustechnik, damals EIB, heute KNX. Der dritte Schritt wird zurzeit gegangen. Drahtgebundene Systeme werden durch Funklösungen flankiert.

Warum messen Sie der Funktechnik einen solchen Stellenwert bei?
M. Schlicker: Sie ist der Schlüssel für das Elektrohandwerk, um im Bestandsbau Markt zu machen. Wer gebaut hat und renovieren möchte, ist selten gewillt, die gesamte Elektroinstallation mit allen dabei anfallenden Arbeiten auf den neuesten Stand zu bringen. Mit einer Funklösung kann er dies weitgehend ohne Stemmarbeiten und Schmutz.

Das ist die technische Entwicklung. Hat sich die Arbeit des Elektrotechnikers dadurch ebenfalls geändert?
M. Schlicker: Ganz sicher. War das Handwerk bis vor wenigen Jahren sehr technikorientiert, geht es heute um Beratungskompetenz, Dienstleistung, Marketing und das Angebot von Systemlösungen. Das Handwerk hat sich in dieser Richtung ganz hervorragend weiterentwickelt.
J. Lamers: Die Komplexität hat für den Elektrohandwerker erheblich zugenommen. Durch die stark gewachsene Elektronisierung der Produkte und die damit verbundenen Möglichkeiten in den unterschiedlichen Gebäudetypen ist die permanente Weiterbildung im Elektrohandwerk ein wichtiger Erfolgsfaktor. Es reicht nicht aus, eine gute technische Lösung zu installieren, sie muss mit ihren unterschiedlichen Nutzendimensionen nämlich allen am Bauprozess Beteiligten auch richtig verkauft werden. Das ist ein Thema, das noch Entwicklungspotenzial aufweist.

Wie gestaltet sich der Markt für KNX im Augenblick, und ist der Zenit vielleicht schon längst überschritten?
M. Schlicker: Die Technik weist erfreuliche Wachstumsraten auf und zeigt mit neuen Geräten und Applikationen immer wieder ihr Potenzial auf. Von einem Überschreiten des Zenits kann überhaupt keine Rede sein. Wir sehen im KNX einen langfristigen Wachstumsmarkt.
J. Lamers: Neben den positiven Zuwachsraten auch außerhalb von Deutschland entwickelt sich KNX konsequent weiter zum „Weltstandard“ EN 50090. Einen solchen Standard zu schaffen und konsequent weiterzuentwickeln ist ein großer Erfolg für alle, die daran mitgewirkt haben. Und eine wichtige Signalwirkung an das Elektrohandwerk, KNX-Technologie in möglichst vielen Gebäuden zum Ausstattungsstandard zu machen. Damit schafft der Elektrohandwerker die beste Grundlage für dauerhafte Kundenbindung und regelmäßige Updates für seine Kunden. Eine perfekte Win-Win-Situation für alle.

Innovative Techniken kennt der Endkunde nur selten, und der Elektrotechniker hat oft nicht die Möglichkeiten, professionelles Marketing zu betreiben. Helfen Sie ihm dabei?
J. Lamers: Ja, und zwar sehr intensiv. Wir bieten unseren Kunden ein umfassendes Marketingpaket; von Schulungsmaßnahmen über Endverbraucherbroschüren und -DVDs bis hin zur Anzeigen- und Online-Unterstützung. Unsere Kunden können ein großes Instrumentarium nutzen, um dem Endverbraucher die Möglichkeiten moderner Installationstechnik vorzuführen. Ein Schlüssel zum Erfolg liegt für den Elektrounternehmer heute in der professionellen Vorvermarktung innovativer Technik. Als starke Marke sind wir für den Elektrohandwerker eine gute Visitenkarte und schaffen durch unser Markenimage und unsere hohe Markenbekanntheit Vertrauen auch in seinem Kundenkreis.

Welche Vorgehensweise können Sie dabei empfehlen?
J. Lamers: Am Anfang steht das Beratungsgespräch mit einer fundierten Bedarfsanalyse und einem darauf aufbauenden Angebot. Die Grundlagen für zufriedene Kunden werden ganz am Anfang gelegt. Da spielt auch die Merten CD bzw. die Darstellung unter www. mymerten.de eine wichtige Rolle. Damit kann sich der Endverbraucher gezielt in aller Ruhe von den Vorzügen moderner Elektroinstallationstechnik überzeugen.
Anschließend beantwortet der Endverbraucher die auf der CD enthaltenen Fragen nach seinen Wünschen und druckt diese aus. So vorbereitet kann der Elektrohandwerker seine Beratung direkt auf die Kundenwünsche ausrichten und ein entsprechendes professionelles Angebot erstellen.
Für den Elektrohandwerker gilt es außerdem, eine eigene Kundendatenbank aufbauen, Neukunden zu akquirieren, gezielt Kundenpotenzial herauszufiltern und Kundenbindungsmaßnahmen zu entwickeln. Eine der besten Kundenbindungsmaßnahmen ist in diesem Zusammenhang sicherlich innovative Technik, denn hier spielen Beratungskompetenz und umfassender Service nach der Installation eine übergeordnete Rolle.
M. Schlicker: Wertschöpfung findet er in hochwertigen Installationen; im Blickfeld liegt im Augenblick ganz klar der Nachrüstungsbereich bestehender Wohnungen und Häuser. Wenn keine Kernsanierung ansteht, dann ist die Funktechnik der Schlüssel für die Zukunft der Elektroinstallation. Weitere Erfolgsfaktoren sind, insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung, die Aspekte Sicherheit und Komfort. Auch hier erwarten wir nachhaltiges Wachstum für Elektroindustrie und Elektrohandwerk.

Herr Schlicker, Sie sagten, dass Marktwachstum vor allem in Renovierungsbereich stattfindet; wie reagiert Merten darauf?
M. Schlicker: Unter anderem mit dem neuen Merten Funksystem Connect , das sich hervorragend für solche Projekte eignet, weil weitgehend ohne aufwendige Stemmarbeiten etc. installiert werden kann.

Einmal ketzerisch gefragt: noch ein neues Funksystem?
M. Schlicker: Zunächst einmal: Noch ein neues Funksystem? Ja. Ja, weil es eine ganze Reihe an Innovationen beinhaltet. Es ist das einzige Funksystem, das die sogenannte Mashnet-Technik nutzt, die dem Nutzer ein besonders hohes Maß an Funktionssicherheit bietet.

Wie funktioniert diese Technik?
M. Schlicker: In der Vergangenheit hat jeder Funkknoten, jeder Funksender versucht, über die gesamte Gebäudelänge sein am weitesten entferntes Ziel zu erreichen. Um dies sicherzustellen, mussten große Energien aufgewendet werden. Es wurden Funksysteme aufgebaut, die mit zehn oder 20 Milliwatt gesendet haben. Diese Systeme haben im Gebäude zuviel Energie gehabt; sie war andererseits notwendig, um durch Mauern etc. hindurchzukommen. Die Technik, die wir jetzt einführen, basiert auf einem vermaschten Netzwerk. Jedes System hört den Nachbarn und kann eine Nachricht, sofern es nicht selbst der Adressat ist, an ein anderes System weiterleiten. Wir können so die Funkzelle klarer begrenzen und eine größere Teilnehmerzahl erzielen. Und es gelingt eine bessere Erreichbarkeit der einzelnen Teilnehmer.

Wo liegen die Grenzen des Systems?
M. Schlicker: Wir haben mit unserem Funksystem ganz klar den privaten Wohnungsbau im Visier: Umbau, Neubau und Renovation. Es ist aber auch in größeren Objekten ausgezeichnet einzusetzen. Hier könnten beispielsweise eine oder zwei einzelne Etagen mit dem Funksystem ausgestattet werden.
J. Lamers: Die Summe der Teilnehmer im Funksystem ist auf 100 begrenzt. 100 Teilnehmer bieten aber selbst in großen Einfamilienhäusern noch ausreichend Reserven.

Welche Funktionalitäten weist es auf?
M. Schlicker: Die Funktionen umfassen das Schalten, Dimmen, Steuern und Heizen. Darüber hinaus werden neben einer Zentrale auch Fensterkontakte integriert werden. Unser Funksystem deckt damit alle wesentlichen Ansprüche an die Gebäudeautomatisierung im privaten Wohnbereich ab.
J. Lamers: Zahlreiche Funktionen die wir aus der drahtgebundenen Bustechnik bereits kennen, sind ebenfalls möglich. Also Themen wie Zentral- und Zeitschaltfunktionen und die Integration von Multimediaanwendungen sind vorgesehen. Die Funkzentrale wird an das Netzwerk zuhause angeschlossen und bietet dann die Möglichkeit, Gebäudefunktionen über die Software Merten@Home zu steuern. Sei es vom PDA, der zuhause über W-LAN eingebunden ist, vom PC oder von unterwegs. Eine eigens für Merten erstellte Schnittstelle zur Microsoft Multimedia Center Edition erlaubt es dem Anwender, über die bekannte Steuerungsoberfläche von Microsoft auch Licht, Heizung und Jalousien zu steuern. Ein Thema, das sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat, ist die Speicherung der Musik als mpg-Datei auf dem PC. Mit der Merten Funkzentrale lassen sich internetbasierte MP3 Player wie die Squeezebox ansteuern. So lassen sich per Tastendruck die Lautstärke verändern oder Wiedergabelisten aufrufen.

Handelt es sich bei Ihrer Funklösung um ein offenes System?
M. Schlicker: Ja, und das ist neu. Wir nutzen den Z-Wave-Standard. Dieser Standard wird von weit mehr als 100 Unternehmen weltweit unterstützt. Der Schwerpunkt liegt hier sehr stark im Bereich der kommerziellen Produkte, sodass man auch gängige Fernbedienungen zur Steuerung des Systems nutzen kann. Wir schaffen damit eine Verknüpfung von Medien mit der Gebäudesteuerungslandschaft; und ganz nebenbei lässt sich die Vielzahl der in den meisten Häusern vorhandenen Fernbedienungen deutlich begrenzen. Ganz wichtig ist auch, dass wir eine Brücke zwischen der KNX- und der Funkwelt schaffen werden. Hier wird es im kommenden Jahr eine entsprechende Lösung geben.

Wo liegen die Vorteile des Systems gegenüber drahtgebundenen Lösungen?
M. Schlicker: Sie können Lösungen schaffen, die mit verdrahteten Systemen überhaupt nicht zu realisieren sind. Wenn ich nur einen ganz normalen Raum nehme, den ich mit vier Schaltern bedienen möchte, dann benötige ich zwei Kreuz- und zwei Wechselschalter. Hinzu kommt die kürzere Installationszeit. Bei der Funklösung stellen Sie beispielsweise von einem Taster zu Ihrer Leuchte die Verbindung her, installieren dies und kopieren es innerhalb von einer Sekunde in den zweiten, dritten und vierten Taster etc., fertig. Das System ist eher mit der KNX-Welt als mit der klassischen Installation zu vergleichen.
J. Lamers: Unser Funksystem zeichnet sich durch eine sehr einfache Inbetriebnahme aus. Es wurde auf die Installationsbedürfnisse und -gewohnheiten des Elektrotechnikers abgestimmt. Insbesondere bei kleinen Anlagen ist es dem Elektrotechniker möglich, durch nur dreimaliges Drücken des Senders und dreimaliges Drücken des Empfängers die Verknüpfung zweier Komponenten herzustellen. Das ist ausgesprochen komfortabel.

Und wenn die Anlage größer wird?
J. Lamers: Dann bieten wir dem Elektrotechniker mit unserem Easy Tool Funk-Konfigurator Connect ein Dongle, mit dem er per Drag und Drop an seinem Laptop Linienverknüpfungen zwischen den Teilnehmern herstellt und diesen Linien eine Funktion zuweist. Und er kann, was bei Funklösungen bislang so nicht möglich war, die Qualität der Verbindungen zwischen den Teilnehmern prüfen. Das gibt dem Elektrotechniker die Sicherheit, dass beim Verlassen der Baustelle alle Funktionen auch betriebssicher sind.

Braucht der Elektrotechniker eine Schulung, um es installieren zu können?
J. Lamers: Er kann sofort damit arbeiten. Wir empfehlen ihm dennoch die Teilnahme an einem Tages- oder Halbtages-Workshop, der ihm nicht nur die Technik nahebringt, sondern auch das Vermarktungs-Know-how. Diese Workshops finden in unseren Vertriebsniederlassungen deutschlandweit statt. Die Termine dafür findet der Elektrohandwerker auf unserer Homepage.

Herr Schlicker, Herr Lamers, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.




Einfache Vernetzung
Das System bietet zwei Möglichkeiten der Konfiguration. Für kleinere Anwendungen zum einen die Easy-Connect-Methode für eine manuelle Konfiguration der Verbindung von maximal fünf Geräten.
Für raumübergreifende Systeme mit bis zu 100 Geräten und umfangreichen Szenen eignet sich die Konfiguration per Funk-USB-Datenschnittstelle Connect. Mit dem eigens entwickelten Funk-Konfigurator können den in den Räumen installierten Komponenten des Funksystems die gewünschten Funktionen zugeordnet werden.
Die mitgelieferte Software sorgt für komfortable Programmierung, denn die Komponenten können per Drag& rop verbunden werden und ihre Funktionen zugeordnet bekommen.

Ausgabe:
g+h 06/2007
Unternehmen:
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