16. DEZEMBER 2017

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Teamgeist gefragt


Ingolf Jakobi. Der Zentralverband möchte die Mitgliedsbetriebe als Markenbetriebe neu positionieren. Dabei geht es auch um mehr Qualität und nachgewiesene Qualifizierungsmaßnahmen. g+h hat beim Hauptgeschäftsführer des ZVEH nachgefragt.

Herr Jakobi, haben die Bundestagswahlen die Lage im Elektrohandwerk verbessert?
Die große Koalition hat immerhin eine gute Stimmung hervorgerufen, was ja auch schon etwas ist. Und natürlich profitiert das Handwerk auch vom Steuerbonus, den es seit Anfang des Jahres gibt (s. Kasten, Anmerk. der Redaktion). Durch Zahlen und Fakten wird diese irrational gute Stimmungslage allerdings nicht belegt. Dennoch freuen wir uns über die allgemein optimistische Grundhaltung; sie erfüllt sicherlich auch eine Katalysatorfunktion. Nach pessimistischen Jahren endlich ein Lichtstreif am Horizont. Die großen Probleme wie z.B. die hohen Lohnzusatzkosten sind aber nach wie vor ungelöst. Lediglich in der Frage des Renteneintrittsalters gibt es konkrete Vorschläge.

Was hätten Sie konkret erwartet?
Eine Entlastung des handwerklichen Mittelstands von unnötigem Ballast. Die Situation wird zusätzlich durch die Dienstleistungsrichtlinie verschärft. Wir werden als Folge einen zunehmenden Wettbewerb mit Arbeitskräften und Unternehmen aus den Nachbarländern, insbesondere aus dem Osten, bekommen. Und für 2007 droht auch noch die Mehrwertsteuererhöhung.

Wir stark fürchten Sie die Konkurrenz aus dem Osten?
Da unsere Mitgliedsbetriebe sehr qualitätsorientiert arbeiten und innovative Techniken anbieten, sind sie grundsätzlich gut aufgestellt. Für Bus- oder Netzwerktechnik müssen klare Qualifikationen vorliegen; diese bieten Billiganbieter in aller Regel nicht. Dennoch unterschätzen wir Lohndumping nicht. Standard können andere viel billiger.

Ist die von Ihnen angesprochene Qualitätsorientierung auch schon einer breiten Basis von Bauherren bekannt?
Ich fürchte nein. Deshalb werden wir in Kürze unser Logo neu gestalten und ein neues Markenkonzept anbieten. Konkret bedeutet dies einerseits eine optische Modifizierung. Der Blitz ist in die Jahre gekommen und soll frischer, moderner strahlen. Andererseits wird die Nutzung des EH-Blitzes künftig nicht mehr automatisch möglich sein. Wer die modernisierte Marke nutzen möchte, wird einen Individualvertrag unterschreiben müssen, in dem er sich dazu verpflichtet, bestimmten Anforderungsprofilen zu genügen.

Wie sehen denn diese Anforderungsprofile konkret aus?
Wir setzen hier klar auf Qualifikation. Der Betrieb muss meisterlich oder gleichwertig geführt sein. Darüber hinaus soll das Logo auch die Kundenorientierung und die Qualifikationsbereitschaft des jeweiligen Innungsmitglieds ganz deutlich belegen.

Welche Inhalte werden die Qualifikationsmaßnahmen haben?
Wir streben ein System an, in dem auch der durchschnittliche Betrieb ausreichend Qualifikation nachweisen kann. Dabei sollen unsere Schulen, die Elektroindustrie und auch der Großhandel mit eingebunden werden. Mit diesem Projekt gehen wir gemeinschaftlich in die Umsetzungsphase der Heidelberger Erklärung.

Verlieren Sie dadurch nicht den ein oder anderen Betrieb?
Das darf nicht geschehen. Deshalb soll - wie bereits erwähnt - auch der typische Mitgliedsbetrieb in der Lage sein, die Qualitätskriterien zu erfüllen. Der Vorteil für alle liegt in der Schaffung einer Marke, die dann noch mehr als bisher mit Qualität in Verbindung gebracht wird. Über die Basismarke hinaus können zu einem späteren Zeitpunkt Segmentmarken entwickelt werden. Wir wollen in jedem Fall vermeiden, dass eine „Zweiklassen-Gesellschaft“ entsteht.

Wie sollen Marke und die dahinter stehenden Qualitätsansprüche den Kunden transparent gemacht werden?
Zunächst müssen wir die hinter dem Konzept stehende Philosophie in den eigenen Reihen bekannt machen. In einem zweiten Schritt werden wir an den Endverbraucher gehen. Dabei sind wir zwingend auf die Mitwirkung unserer Mitgliedsbetriebe angewiesen.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die derzeitigen Aktivitäten aus der Elektroindustrie im Fernsehen?
Ich begrüße sie ausdrücklich. Die gesamte Branche war in der Vergangenheit zu stark an der Technik orientiert. Den Endkunden können wir aber nur mit Argumenten wie Nutzen, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit erreichen. Bringen wir zusätzlich Emotionen ins Spiel, dann wird es leichter, den Kunden für unsere attraktive Technik zu interessieren und zu begeistern.

Einen Schritt in Ihrer Richtung gehen ja auch die Elektromarken?
Das stimmt, ein ganz beachtlicher Ansatz. Allerdings greift das Konzept schlüssig nur über den Großhandel bis zum Elektrofachbetrieb. Wir brauchen zusätzlich das Bindeglied zum Endkunden. Diese Aufgabe nimmt der Elektrofachbetrieb wahr. Wenn er über eine starke Marke vom Endkunden erkannt wird, lässt sich moderne Elektrotechnik auch effizient vermarkten. Wie das funktioniert, haben wir mit dem E-Check bewiesen; auch wir schalten zur Spitzenzeit TV-Werbung. Und mit E-Tipp, einer Zeitschrift für den Endkunden, unterstreichen wir unser starkes Engagement ein weiteres Mal. In der Summe benötigen wir für die Ansprache des Endkunden ein ganzheitliches Konzept für die gesamte elektro- und informationstechnische Angebotspalette, das von Industrie, Großhandel und Handwerk gemeinsam erarbeitet und getragen werden müsste. Hier fehlt mir jedoch noch das koordinierte Zusammenspiel im Sinne der Heidelberger Erklärung.

Was erwarten Sie in diesem Zusammenhang vom einzelnen Elektrofachbetrieb?
Der Elektrofachbetrieb muss Qualität leben. Das verstehen wir unter Marke. Dazu gehört vor allem eine stringente Kundenorientierung, das heißt unter anderem kompetente Beratung, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit und Pünktlichkeit. Das mag zwar hausbacken klingen, umschreibt aber bereits einen wesentlichen Schritt in Richtung Qualität. Der Kunde differenziert anhand dieser Kriterien zwischen guten und weniger guten Betrieben. Erst danach kommen die technischen Einzelleistungen, bei denen wir bereits ein hohes Niveau haben und die - so denkt der Kunde - vom Fachbetrieb ohnehin nach den aktuellen Vorschriften erbracht werden.

Beschränkt sich Qualität in diesem Konzept allein auf die Beziehung zum Endkunden?
Natürlich nicht, denn der hohe Innovationsgrad in der Elektro- und Informationstechnik erfordert ständig Weiterbildungsmaßnahmen auf der technischen Ebene.

Weiterbildungsmaßnahmen wie sie Elkonet anbietet?
Ja, über Elkonet kann man sich optimal weiterbilden, ohne die innerbetrieblichen Abläufe nachhaltig zu strapazieren. Vor allem der Mix des Lernens in Präsenzphasen und computergestützt von zu Hause aus macht das System ausgesprochen flexibel. In Zeiten knapper werdender Finanz- und Zeitressourcen ist das der richtige Weg.

Der ZVEH wird auch auf der light+building Aussteller sein; welches sind in diesem Jahr die Themenschwerpunkte?
Die light+building bildet alle innovativen Tätigkeitsfelder unserer Betriebe auf dem Gebiet der Gebäudetechnik ab. Ein Schwerpunktthema auf unserem Stand ist das Energiemanagement. Dabei geht es um Energieeffizienz, Systemintegration, dezentrale Energieversorgung mit Kraft- Wärme-Kopplung, kontrollierte Wohnraumlüftung, den Gebäudeenergiepass und die Ausbildung zum Energieberater via Elkonet. Zu allen Themen gibt es auch qualifizierte Vorträge.

Da wir gerade beim Thema Messen sind. Die Regionalmessen haben in der jüngsten Vergangenheit Federn lassen müssen. Wie beurteilen Sie diese aktuelle Entwicklung?
Messen sind immer Spiegel der Märkte. Bei den Regionalmessen scheint eine gewisse Konsolidierung eingetreten zu sein. Vielerorts sind neue Konzepte in der Diskussion. Auch diese Frage bedarf einer gründlichen partnerschaftlichen Abstimmung zwischen Handwerk und Industrie. Sorgen bereiten uns unverändert die Hausmessen. Auch daraus ergibt sich für uns der klare Auftrag, die Regionalmessen noch attraktiver zu machen, denn eine neutrale Messeplattform halten wir für unverzichtbar.

Wie heißen die großen Zukunftsmärkte für das Elektrohandwerk?
Die wichtigsten Bereiche zeigen wir auf den Themeninseln auf der light+building. Dazu gehören -wie bereits erwähnt - das Energiemanagement wie auch die Betätigungsfelder, die sich aus den Bedürfnissen der Generation 50plus eröffnen. Chancen bestehen darüber hinaus für spezialisierte Betriebe im Bereich der Automatisierungstechnik.

Und die Bustechnik?
... ist ein Markt mit guten Perspektiven. Wir haben aber in der Vergangenheit viel zu stark die Technik in den Vordergrund gestellt, eine Technik, die der Bauherr häufig nur schwer versteht. Wir müssen Emotionen und Nutzen zum Endkunden bringen. Wir verkaufen in erster Linie Lösungen, weniger Produkte und Systeme. Der Begriff „Intelligentes Wohnen“ beschreibt sehr gut, wofür moderne Gebäudetechnik steht. Für die einen bedeutet er Energieeffizienz, für die anderen ein Mehr an Sicherheit, für die Dritten ein Plus an Wohnkomfort. Damit gelingt die zielgenaue Ansprache der teils heterogenen Kundengruppe. Eine ganz besondere Bedeutung kommt dabei der Informationstechnik zu, die mehr und mehr eine Klammerfunktion um alle gebäudetechnischen Handwerke einnimmt. Darauf müssen sich die elektro- und informationstechnischen Handwerke einstellen. Das fällt unseren Betrieben nicht schwer, weil sie durch ihre berufliche Bildung als Systemintegrator qualifiziert sind. An Chancen für unser Gewerk mangelt es also nicht.

Herr Jakobi, wir bedanken uns für das Gespräch.


Finanzen Steuerbonus
Das Elektrohandwerk profitiert vom Steuerbonus für Handwerksleistungen.
Elektrounternehmen, die sicherheitstechnische Prüf ungenanbieten, profitieren in besonderer Weise von der neuen steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerksleistungen.
Rückwirkend zum 1. Januar 2006 soll für Handwerksleistungen ein Steuerbonus von 20 Prozent auf die Bruttorechnung gewährt werden. Dieser kann vom Kunden im Rahmen der Einkommensteuererklärung mit der festgesetzten Einkommensteuer verrechnet werden. Für Erhaltungs-, Modernisierungs- und Renovierungsmaßnahmen - dazu zählen natürlich auch die Leistungen der elektro- und informationstechnischen Handwerke - können nach dieser neuen Regelung des § 35a Einkommensteuergesetz (EStG) bis zu 600 Euro pro Jahr abgezogen werden.
Besondere Vorteile ergeben sich nach Einschätzung des ZVEH für Leistungserbringungen wie sicherheitstechnische Prüfungen nach VDE, wie sie auch im Rahmen des E-Check angeboten werden. Denn der Steuerbonus wird ausschließlich auf erbrachte Lohnarbeit gewährt. Andere Kosten wie etwa für Material oder Anfahrt etc. sind bislang noch nicht absetzbar.
Weitere Details der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen und der genauen Anrechung findet man im Info-Flyer des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Download im Internet unter: www.zdh.de -> Publikationen -> Flyer & Broschüren.



HintergrundVerbands-Profil
Der ZVEH setzt sich für die wirtschaftlichen und politischen Interessen von rund 80.000 elektro- und informationstechnischen Betrieben mit einem Umsatzvolumen von etwa 35 Mrd. Euro auf nationaler und internationaler Ebene ein.
Als Bundesinnungsverband der elektro- und informationstechnischen Handwerke vertritt er die Ausübungsberufe Elektrotechniker, Informationstechniker und Elektromaschinenbauer sowie die zugeordneten Ausbildungsberufe.



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