12. DEZEMBER 2017

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Die dritte Generation


Daniel Hager. Der 1972 geborene Sohn von Dr. Oswald Hager hat seit 2003 Verantwortung im Vorstand des Unternehmens übernommen. g+h sprach mit ihm.

Würden Sie uns kurz Ihren beruflichen Werdegang skizzieren?
Gern, ich bin vor vier Jahren nach meiner Ausbildung zum Diplomkaufmann und anschließender beruflicher Praxis in den Vereinigten Staaten und in Europa in das Familienunternehmen eingetreten. Zunächst war ich für die Einführung eines neuen Schalterprogramms mit britisch-australischem Standard zuständig. Anschließend habe ich Verantwortung für die Märkte England, Irland und Übersee übernommen. Nach diesen Stationen habe ich die Verantwortung für den Vertrieb weltweit übernommen, wozu auch die Begleitung der internationalen Großhandelsgruppen zählt. Seit Anfang des Jahres bin ich COO, Chief Operation Officer, ich leite also als Vorstand die operativen Geschäfte der Hager-Gruppe und werde in der Nachfolgeregelung den Vorstandsvorsitz übernehmen.

Wie ist Hager hier organisiert?
Wir sind zum einen in Marktregionen aufgeteilt (Market Areas), zum anderen in produktionsbezogene Bereiche (Business Areas) gegliedert. Entwicklung und Produktion erfolgen in den Business Areas. Die Market Areas übernehmen dann den Vertrieb der Produkte und Systeme. Ein Team von fünf Mitarbeitern, das Executive Committee, das ich führe, trägt hier die Verantwortung für den kompletten Ablauf von der Entwicklung bis hin zum vermarktungsfähigen System.

Sie haben Geschwister?
Ja, einen älteren Bruder, der im Aufsichtsrat der Hager-Gruppe tätig ist, und eine jüngere Schwester, die zurzeit studiert.

Stand für Sie von Anfang an fest, Ihrem Vater zu folgen?
Wenn man aus einer Unternehmerfamilie kommt, dann ist das immer im Fokus. Der familiäre Alltag bringt das schon mit sich, ob es sich um die Teilnahme an Veranstaltungen handelt, oder etwas mit dem Vater zu tun hat, der im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Trotz dieses quasi vorgezeichneten Weges war ich jedoch vielseitig interessiert. So habe ich nach dem Abitur erwogen, Geschichte zu studieren, mich dann aber doch für die Betriebswirtschaft entschieden. Als Namensträger und Miteigner spürte ich die Verantwortung, die ich als Familienmitglied für das Unternehmen habe. Zudem ist es eine interessante Herausforderung: Das Familienunternehmen Hager, die Begeisterung der Mitarbeiter, die technischen Produkte, der Markt, die Kunden; all das hat mich gepackt. Verschiedene Tätigkeiten in anderen Unternehmen haben schließlich meinen Entschluss bestärkt, im eigenen Familienunternehmen in die Unternehmensnachfolge einzutreten.

In der wievielten Generation stehen Sie?
Ich vertrete die dritte Generation. Begonnen hatte mein Großvater Peter mit meinem Vater und meinem Onkel, Hermann Hager. Sehr früh jedoch hat sich mein Großvater zurückgezogen und „den Jungen“ freie Hand gelassen. Sie sind es gewesen, die dann das Unternehmen, später zusammen mit unserem jetzigen Vorstandsvorsitzenden Alfred Bricka, zur heutigen Größe entwickelt haben.

Sie sind als Sohn eines sehr engagierten Unternehmers aufgewachsen. Wie haben Sie diese Zeit empfunden? Und gab es überhaupt ein klassisches Familienleben?
Ich bin im Alter von 10 Jahren ins Internat gegangen, was ich bereits damals begrüßt und als große Chance gesehen habe. Man hat mich also nicht abgeschoben, wie ein Außenstehender meinen könnte. In der Zeit davor und danach hatte ich nie das Gefühl, dass mein Vater nicht für uns dagewesen ist. Wir waren und sind eine Familie, wie viele andere auch.

Was bedeutet für Sie Familienunternehmen?
Eine langfristige Perspektive. Wir können „die Welt“ anders sehen als börsennotierte Unternehmen. Hinter dem Namen Hager steht eine Familie, also Menschen, die sich ihrer Verantwortung für Kunden und Mitarbeiter bewusst sind. Es gibt keine anonymen Aktionäre, die mal dieses und mal jenes verlangen. Wir erheben den Anspruch, auch noch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren mit unserem Unternehmen und unserem Namen auf dem Markt erfolgreich zu sein. Solch eine Grundhaltung verlangt Umsicht und weitsichtiges Handeln. Das Familienunternehmen Hager steht für Nähe zum Markt, zum Kunden, für Solidität, Dauer, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein.

Birgt das nicht manchmal auch Risiken, wenn es beispielsweise um Entlassungen geht?
Gerade als Familienunternehmer hat man die Verpflichtung, die Eigenständigkeit des Unternehmens zu bewahren und es erfolgreich in die Zukunft zu führen. Kommt es aufgrund wirtschaftlicher Entwicklungen zu notwendigen Entlassungen, dann ist das zweifellos eine sehr schwierige Entscheidung; für jeden Unternehmer. Wir lassen uns auch hier von langfristigen Perspektiven leiten und nicht von kurzfristigen Erwartungen anonymer Anleger, die beispielsweise in Florida sitzen. Wir müssen langfristig denken und unserer Verantwortung für die Gesellschaft, die Kunden und die Mitarbeiter gerecht werden. Dafür bürgen wir mit unserem Namen. In dieser Hinsicht werden familiengeführte Unternehmen gewiss mit größerer Umsicht geleitet.

Welches waren die großen Wendepunkte in der Unternehmensgeschichte?
Entscheidende Bedeutung hatte die Rückkehr des Saarlandes zur Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1957. Wir waren ein saarländisches Unternehmen, das im französischen Wirtschaftsumfeld agierte. Die Rückgliederung machte uns zu einem deutschen und einem französischen Unternehmen. In Obernai haben wir uns einen französischen Standort aufgebaut, um unsere Kunden in Frank- reich weiter betreuen zu können; die Grenzziehung machte diesen Schritt erforderlich. Ferner mussten wir uns in Deutschland einen neuen Markt erschließen. Dieses Schlüsselerlebnis hat uns den Weg in die Internationalität geebnet. Wir waren Deutsche und Franzosen - Europäer vor der Zeit sozusagen. Kürzlich haben wir diese Ausrichtung mit der Umwandlung in eine Societas Europaea (SE) bestätigt. Damit gehören wir übrigens zu den ersten deutschen Unternehmen, die diesen Schritt vollzogen haben.
Der zweite Schritt war 1986 die Erschließung des europäischen Marktes. Danach folgte dann 1989 mit dem Fall der Mauer, was uns in Osteuropa völlig neue Perspektiven eröffnete. Ein weiteres Schlüsselerlebnis mit Chancen ohnegleichen war 1996 die Übernahme von Tehalit. Dadurch wurde Hager Systemhaus und Komplettanbieter. Es ergaben sich neue Chancen, die wir heute mit vielfältigen Neu- und Weiterentwicklungen nutzen. Die Elektrotechnik hört eben nicht im Schrank auf.

Wie tritt Hager auf den internationalen Märkten auf?
Das Geschäft der Elektrotechnik ist sehr national geprägt, was ja allein schon durch die verschiedenen Normen verständlich ist. Die Auslandsgesellschaften werden meistens von lokalen Mitarbeitern geführt. Wir respektieren die nationalen Befindlichkeiten und erheben den Anspruch zum Beispiel in Spanien ein spanisches und in Großbritannien ein britisches Unternehmen zu sein. Wir müssen nah am Kunden sein. Das gelingt uns nicht immer so wie in Deutschland oder in Frankreich, aber wir arbeiten daran.

Hager ist gegenüber vielen vergleichbaren Unternehmen der Branche in den letzten 20 Jahren sehr viel stärker gewachsen. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Sicher erst einmal auf das kontinuierliche Reinvestieren der Erträge in die Entwicklung des Unternehmens. Dann durch den Fokus auf die Bedürfnisse des Elektrotechnikers sowie die konsequente Nutzung des dreistufigen Vertriebs. Wir haben immer angestrebt, sehr nahe und systematisch am Markt zu agieren. Treibendes Element war der Ausbau des Unternehmens zum Systemanbieter. Zu guter Letzt sicher auch auf die konsequente Umsetzung dessen, was wir uns vorgenommen haben.

Was bedeutet für Sie Marktnähe?
Ein Gespür für die Bedürfnisse des Marktes zu entwickeln und darauf möglichst rasch reagieren zu können. Dies geht am besten durch den direkten Draht zum Elektrotechniker. Wir suchen die Nähe zu unseren Kunden, bei ihnen vor Ort oder hier bei uns während ihrer Werksbesuche.

Wie eng arbeiten Sie mit dem Handwerk zusammen, wenn es um Innovationen geht?
Schon mein Vater hat sich in Elektrofachbetrieben umgeschaut, mit den Fachleuten gesprochen und aus diesen Erfahrungen heraus mit meinem Onkel in der Fertigung angepasste System-Lösungen auf den Markt gebracht. Auch heute noch sind wir vor Ort bei unseren Kunden oder laden sie zu uns ein. Um sie zu schulen, uns mit ihnen auszutauschen und um sie nach ihren konkreten Problemen zu befragen.

Wo liegen zurzeit die Innovationsschwerpunkte bei Hager?
Leitbild für unsere Innovationen ist die Arbeit des Elektrotechnikers. Für ihn machen wir unsere Produkte und Systeme einfacher in der Anwendung und schneller in der Montage. Hager- Produkte sind immer etwas Eigenständiges. Wir wollen uns nicht mit sogenannten „Allerweltsprodukten“ begnügen, die denen des Wettbewerbs ähneln, wir wollen vielmehr immer einen Beitrag zur technischen Verbesserung leisten. Deshalb sind wir permanent auf der Suche nach technischen Lösungen zum Nutzen unserer Kunden. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Leitungsschutzschalter, die wir ab 1988 selbst gefertigt haben. Der Markt war damals gut besetzt, und jeder fragte, was wir in diesem Markt erreichen möchten. Nun, heute sind wir im Elektrogroßhandel Marktführer, nicht zuletzt weil wir über eine Schnellstecktechnik und vieles andere mehr an innovativer Technik verfügen, das andere nicht haben. Dieses wollen wir auch heute mit unseren neuen Produktangeboten im Bereich Schalter, Steckdosen oder auch mit Netzwerkstrukturen (VDI - Voice Data Image) erreichen. Wir haben den Willen, die Kraft und die Ausdauer dazu.

In einen bestens besetzten und etablierten Markt gehen Sie jetzt auch mit Ihrem ersten Schalterprogramm auf den deutschen Markt.
Ja, das ist richtig, und Sie könnten jetzt die Frage anknüpfen, was an einem zusätzlichen Schalterprogramm innovativ sein soll. Ich kann nur sagen, dass wir hier kein standardisiertes Angebot auf den Markt bringen. Wir haben uns sehr intensiv überlegt, wie wir Geräte, die es schon seit über 100 Jahren gibt, besser, leistungsfähiger, für den Elektrotechniker komfortabler und sicherer in der Handhabung machen.

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?
Wir sind sicher, unsere Zielsetzung mehr als erreicht zu haben. Das Schalterprogramm kallysto ist ein ausgesprochen ästhetisches und technisch ausgereiftes System, das eine ganze Reihe von Merkmalen aufweist, die dem Elektrotechniker den Arbeitsalltag erheblich erleichtern. Nun wollen wir den Markt mit unseren Argumenten davon überzeugen.

Der Markt für Schalter und Steckdosen ist allerdings in Deutschland mit klaren regionalen Schwerpunkten verteilt und angesichts der relativ geringen Zahl an Neubauten ohne große zusätzliche Wachstumschancen. Wie sehen Ihre Strategien aus?
Neben der Top-Qualität sind es die vielfältigen Innovationen des Programms, die uns Marktanteile sichern werden. Wir bringen kein Metoo-Produkt, also kein so ohne Weiteres zu vergleichendes Programm auf den Markt. Und der Kunde bekommt von uns heute ein gesamtes Installationssystem, vom Verteiler über den Kabelkanal und die Bustechnik bis hin zum Lichtschalter. Wir sind überzeugt, dass sich der Systemgedanke, vor allem auch im Projektgeschäft und in Verbindung mit der tebis-Gebäudesystemtechnik, durchsetzen wird. Genau hier setzt unsere Unternehmensphilosophie an - alles aus einer Hand, in bester Qualität und mit einem Spitzenservice.

Sie fertigen die Schalter in Frankreich und Italien, wie attraktiv ist in diesem Zusammenhang der Standort Deutschland für Sie?
Wir fertigen heute weltweit, denn wir suchen die Nähe zum Markt, die sich auch durch einen Produktionsstandort ausdrückt. In Europa ist diese Marktnähe durch die enger zusammengerückten Staaten durchaus auch grenzüberschreitend, und das Kompetenzzentrum für die von uns entwickelten Schalter und Steckdosen liegt in Norditalien.
Der Standort Deutschland ist eine der Wiegen unseres Unternehmens und wird es bleiben. Wir erzielen mehr als 25 Prozent unseres Umsatzes auf dem deutschen Markt. Wir haben hier in Blieskastel im Saarland in den letzten Jahren enorme Investitionen getätigt und haben weitere Investitionen in Planung, weil wir an diesen Standort glauben. Wir schätzen die Qualifikation und Motivation unserer Mitarbeiter. Das können und wollen wir an keinen anderen Standort transferieren.

Was würden Sie sich von unseren Politikern in dieser Hinsicht wünschen?
Niedrigere Steuern, mehr Flexibilität bei den Regelungen, die die Arbeitsplätze betreffen, und weniger Eingriffe in innerbetriebliche Prozesse. Insgesamt etwas mehr Ordnungspolitik und weniger Staat würden uns in Deutschland bestimmt vorwärts bringen.

Herr Hager, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch mit Ihnen.



TechnikDas neue Schalterprogramm
Ein technisches Highlight der neuen Schalter sind die von vorne zugänglichen Front-Check-Prüfkontakte, die eine Messung und Fehlersuche im eingebauten Zustand erlauben. Der Elektrotechniker muss lediglich die Wippe abnehmen.
Ebenso ohne Ausbau nachrüstbar sind LEDs für Beleuchtungs- und Kontrollfunktionen. Für den schnellen und einfachen Einbau sorgt die kompakte und stabile Bauform der Schaltereinsätze, deren Einbautiefe nur 18 mm beträgt.
Für Leitungen und Klemmen ist ausreichend Platz vorhanden. Die komplett versenkbaren Befestigungskrallen sorgen nicht nur beim Einbau für Arbeitssicherheit, auch bei Justierungen oder notwendigem Ausbau fahren die Krallen wieder komplett in ihre versenkte Position.

Ausgabe:
g+h 05/2007
Unternehmen:
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6 Unternehmens-Kataloge:

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