14. DEZEMBER 2017

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Wir können viel mehr…


Stiebel Eltron. Geschäftsführer Karlheinz Reitze sieht im Wärmepumpengeschäft einen großen Wachstumsmarkt für das Unternehmen, denn in Holzminden kann man mehr als nur Geräte bauen, wie er g+h gegenüber äußerte.

Herr Reitze, ich würde gern auf unser Gespräch zurückkommen, das wir vor einem Jahr hier in Ihrem Hause geführt haben. Damals forderten Sie das Handwerk dazu auf, die aktuellen Marktchancen, in diesem Fall das Wärmepumpengeschäft, zu nutzen. Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Maßgeblich dazu beigetragen haben die Energiepreisentwicklung und die politische Diskussion über die Versorgungssicherheit bei Gas und Öl. Dies hat zu einem nachhaltigen Umdenken im Handwerk und bei den Verbrauchern geführt. Energiesparende Heizsysteme - insbesondere die Wärmepumpe - werden deshalb heute stark nachgefragt. Dabei möchte der Nutzer Techniken einsetzen, die auch den in den nächsten fünfzehn Jahren geltenden Anforderungen noch genügen.

Und diese Technik heißt Wärmepumpe?
Ja, davon bin ich, davon sind wir bei Stiebel Eltron überzeugt. Die Wärmepumpe ist das berechenbarste System. Einerseits bietet sie hohe Energieeinsparpotenziale und andererseits macht sie uns von Öl- und Gasimporten unabhängiger. Hinzu kommt, dass es Preisschwankungen und -steigerungen wie sie auf den Rohstoffmärkten für fossile Brennstoffe üblich sind, für Strom in dieser Größenordnung nicht geben wird.

Wie hat sich das Wärmepumpengeschäft in den letzten Jahren entwickelt?
2005 wurden 18.000 Wärmepumpen in Deutschland installiert, und Experten prognostizierten für das Jahr 2006 eine Steigerung zwischen 20 und 30 %; diese war also schon recht optimistisch. Tatsächlich wurden dann aber 44.000 Systeme installiert - mehr als eine Verdoppelung. Insgesamt also eine ausgesprochen vielversprechende Entwicklung für alle Marktpartner.

Welche Prognose geben Sie angesichts solcher Zahlen für das laufende Jahr ab?
Unsere Einschätzung für 2007 liegt bei einer weiteren Steigerung zwischen 20 und 30%.

Die dann wieder deutlich von den tatsächlichen Zahlen überholt werden wird?
Wir hoffen das, sind aber im Hause Stiebel Eltron vorsichtig, wenn es um die Einschätzung von Marktentwicklungen geht. Unsere Handelspartner sollen von uns eine verlässliche Marktprognose erhalten. Es wäre kontraproduktiv, mit Zahlen zu operieren, die sich später als unrealistisch herausstellen. Das ändert aber nichts an unserer optimistischen Grundhaltung. Wir gehen von einem lang anhaltenden Wachstumstrend aus.

Inwieweit beeinflusst die Klimadiskussion die Akzeptanz der Wärmepumpentechnik?
Die Klimadebatte hat dazu geführt, dass sich Politiker jetzt sehr intensiv mit der Frage beschäftigen, wie die Versorgungssicherheit der jeweiligen Länder langfristig gewährleistet werden kann und wie nachhaltig Energie einzusparen ist. Die Abhängigkeit der europäischen Länder von Rohstoffimporten hat in der Vergangenheit Jahr für Jahr zugenommen und heute schon fast die Marke von 80 % überschritten. Das wollen viele nicht mehr so hinnehmen und suchen nach zukunftsweisenden Lösungen.

Wie sehen diese denn konkret aus?
Es gibt einen ganzen Maßnahmenkatalog vom Energiepass bis zu den entsprechenden Wärmeschutzverordnungen. Gebäude werden künftig noch stärker in Richtung Energieeffizienz getrimmt. Zu den Lösungen zählen natürlich auch Windkraft, Solarthermie und Photovoltaik.

Kritiker sagen, es gebe eine wahre Hysterie in der Klimadiskussion. Wie ernst nehmen Sie den Diskurs über Erderwärmung respektive Klimaveränderung?
Ich bin der festen Überzeugung, dass die Diskussion von den meisten ernsthaft geführt wird, weil die Menschen sensibilisiert und informiert sind. Sie erleben die Veränderungen vor und hinter der eigenen Haustür. Um ihre Frage zu beantworten: ja, ich nehme den Diskurs sehr ernst. Endlich hat man erkannt, dass wir alle etwas unternehmen müssen, um die in Gang gesetzten Prozesse zu verändern und letztlich eine Wendung herbeizuführen. Da dies Zeit braucht, muss rasch gehandelt werden. Übrigens haben das auch viele US-Amerikaner mittlerweile erkannt. Das Thema ist deutlich mehr als ein unbedeutendes Strohfeuer. Denken Sie nur an die Al Gore-Initiative. Die Nachhaltigkeit wird auch dazu führen, dass unsere Branche mit ihren innovativen Techniken vom sich rasant entwickelnden Markt für energiesparende Lösungen maßgeblich profitieren wird. Im Fokus steht dabei ganz klar die Wärmepumpe.

Die ja bislang vornehmlich vom SHK-Gewerk installiert wurde. Haben die aktuellen Ereignisse dazu geführt, dass auch das Elektrohandwerk verstärkt auf diesen Markt setzt?
Gab es auf Seiten des Elektrohandwerks anfänglich noch Zurückhaltung, haben die Aktivitäten des ZVEH und der Landesverbände dazu geführt, dass immer mehr Elektrohandwerker erkennen, welche Chancen sich im Wärmepumpengeschäft für sie eröffnen. Insofern hat die Akzeptanz auf der Elektroseite deutlich zugenommen. Wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es für den SHK-Betrieb natürlich viel leichter ist, in die Wärmepumpentechnik einzusteigen, denn er hat ja immer schon Heizungen gebaut. Beim Elektrofachbetrieb ist das anders. Er muss sich das Installations-Know-how aneignen, verkauft das Thema also neu. Nicht jeder Elektrofachbetrieb wird das wollen. Die Bereitschaft nimmt aber stetig zu.

Befinden wir uns zurzeit nicht in einer Situation, in der aufgrund der Auslastung vieler Betriebe die Nachfrage bei Wärmepumpen gar nicht mehr befriedigt werden kann?
Wir spüren, dass die Fachhandwerker, die sich in den vergangenen zwei Jahren dem Thema Wärmepumpe gewidmet haben, einen so großen Auftragsbestand haben, dass sie aufgrund des Fachkräftemangels gar nicht mehr in der Lage sind, weiter Kunden zu akquirieren. Die Kapazitäten der Betriebe müssen jetzt kontinuierlich weiter ausgebaut werden, um die Kundenwünsche möglichst zu erfüllen. Erschwerend - auch wenn das ja generell positiv zu sehen ist - kommt hinzu, dass auch in den klassischen Arbeitsfeldern die Auftragsbücher gut gefüllt sind.

Vergangenes Jahr hatten Sie zusammen mit der BHW eine Roadshow veranstaltet. Welche Erfahrung konnten sie dabei sammeln?
Ausgesprochen positive Erfahrungen. Das Thema hat den Nerv der Endkunden getroffen. Übrigens haben nicht wir, sondern die Handwerker die Roadshow veranstaltet. Wir sind lediglich der Rahmengeber gewesen. Jeweils fünf bis sechs Fachbetriebe haben die Veranstaltungen durchgeführt. Und Stiebel Eltron hat sie mit verschiedenen Werbemaßnahmen bis hin zu Rundfunkspots begleitet.
Das wichtigste war, dass die Handwerksbetriebe auf der Bühne standen und ihr Leistungsprofil darstellen konnten. Anschließend haben sie interessierte Endkunden beraten. Das war erstaunlich, denn teilweise haben die Kunden mehr als eine halbe Stunde gewartet, um ihre Fragen an die Fachhandwerker stellen zu können. Mit einem solchen Andrang hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Das ungewöhnlich hohe Interesse bestätigt aber die Priorität des Themas beim Verbraucher.

Könnte nicht ein sinkender Ölpreis das Interesse des Endkunden an der Wärmepumpe wieder dämpfen?

Sicher nicht, denn mittel- und langfristig wird der Ölpreis weiter steigen. Wenn Sie das letzte Jahr betrachten, so hatte er in den ersten Monaten rasch einen Höchststand erreicht, ist dann kurz gesunken und jetzt schon wieder auf einem ganz klaren Höhenflug. Die knapper werden Ressourcen und der weiter steigende Bedarf, vor allem in Asien, schließen niedrigere Preise bei Öl und Gas meiner Meinung nach künftig immer mehr aus.

Gibt es überhaupt noch einen Grund für den Bauherren, bei der Heizung auf Öl oder Gas zurückzugreifen?
Bei einer Neuinstallation oder einer Renovierung macht es meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn mehr, noch eine Öl- oder Gasheizung installieren zu lassen. Bei Renovierungsmaßnahmen müssen selbstverständlich die baulichen Voraussetzungen für eine solche Alternative gegeben sein. Die Wärmepumpe ist heute die erste Wahl, wenn es ums Heizen geht. Hinzu kommt, dass wir mit dieser Technik auch kühlen und lüften können. Das ist angesichts immer dichter werdender Gebäudehüllen und heißerer Sommer für jeden Bauherrn ein Thema.

Die Wärmepumpe, denken viele, ist eine Heizung für das Ein- oder Zweifamilienhaus. Ist das Einsatzfeld der Technik tatsächlich so eng eingegrenzt?
Nein, der Trend geht auch hin zum großflächigen Einsatz in Gewerbeimmobilien oder Hotels. Dieser Entwicklung ist Stiebel Eltron mit der Vorstellung der Großwärmepumpe im Frühjahr gefolgt. Immer mehr Planer sehen übrigens die Wärmepumpe im Objektbau vor. Mit unseren Wärmepumpen bis zu einer Leistung von 400 kW können wir diesen Markt sehr gut bedienen.

Wie ist der Markt auf der Herstellerseite in Deutschland aufgeteilt?
Auf dem Markt ist sehr viel Bewegung. Hatte man noch vor wenigen Jahren nur die Wärmepumpenspezialisten im Blick, haben die großen Heizungsanbieter das Thema für sich entdeckt. Das ist durchaus positiv, denn es steigert das Interesse an der Technik weiter. Ich rechne nicht zuletzt deshalb in der nächsten Zeit mit einer deutlichen Marktbereinigung, denn für Nischenanbieter wird es immer schwerer werden. Sie können meist keine kompletten Servicepakete, also Dienstleistung, Schulung und Beratung im erforderlichen Maß anbieten. Für die immer komplexer werdenden Anforderungen ist ein Komplettservice aber unerlässlich. Und gerade hier kann Stiebel Eltron mit geballter Kompetenz bei Beratung, Planung, Bohrung, Schulung, Kundendienst und Marketing glänzen.

Könnten Sie etwas zur Markstellung von Stiebel Eltron sagen?
Wir sind die Nummer eins bei Wärmepumpen und möchten es auch bleiben: durch permanente Innovation. Wir haben in diesem Jahr die erste CO2-freie Wärmepumpe vorgestellt, wir gehen in Richtung Großmodulwärmepumpe bis 400 kW, widmen uns den Themen Klima, Kühlen und Lüften. Wir sind ganz klar nach vorn ausgerichtet.

In welche Richtung laufen die technischen Entwicklungen bei der Wärmepumpe?
Sie gehen in Richtung Multifunktionswärmepumpen. Wenn Sie eine Erdsonde haben, dann können Sie diese auch zum Kühlen nutzen. Das geht mit unseren Systemen - etwa bei Renovierungen - auch mit Luftwärmepumpen. Das ist ein Novum.

Welche Rolle spielt die Wärmepumpe in den europäischen Nachbarländern?
Sie hält in fast allen europäischen Ländern Einzug. Einer der interessantesten Märkte ist immer noch die Schweiz, hier wurden 2005 bereits 72 Prozent aller Neubauten mit Wärmepumpen ausgestattet. Aber auch in Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Osteuropa wächst der Markt. Wir sitzen hier alle in einem Boot und sind abhängig von jenen Ländern, die über die Öl- und Gasreserven verfügen.

Sie haben hier am Standort Holzminden in die Wärmepumpenproduktion allein 10 Millionen € investiert. Wäre das nicht außerhalb unserer Landesgrenzen erheblich wirtschaftlicher gewesen?
Nein, wir haben uns ganz klar für den Standort Deutschland entschieden und werden auch weiter daran festhalten. Wir glauben, dass wir hier nicht nur das Know-how haben, sondern auch hochqualifizierte und motivierte Mitarbeiter. Im letzten Jahr haben wir allein am Standort Holzminden mehr als 200 neue Mitarbeiter eingestellt.

Herr Reitze, wir bedanken uns bei Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.



EinweihungHightech-Fertigungshalle
In der Rekordzeit von nur sieben Monaten hat Stiebel Eltron mit einem Investitionsvolumen von mehr als zehn Millionen Euro am Hauptsitz in Holzminden eine neue Wärmepumpenfertigung mit bereits 6.000 Quadratmetern Produktionsfläche in der ersten Baustufe errichtet.

Mit der Wärmepumpenfabrikation würden zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, erklärte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff in seiner Ansprache während der Einweihungsfeier.

Ausgabe:
g+h 04/2007
Unternehmen:
Bilder:

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