13. DEZEMBER 2017

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Netzwerk für Bildung


Qualifizierung. Das Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik, kurz bfe, vereint ein umfangreiches Angebot an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten unter einem Dach. Mit Elkonet setzt die Oldenburger Einrichtung einen weiteren Meilenstein.

Oldenburg - vielen zu Unrecht nur von der Durchfahrt in die nahen Nordseebäder bekannt, ist die Heimat des bfe. Nicht nur deshalb ist die schmucke Stadt mit den typisch norddeutschen Backsteinhäusern eine Reise wert. Hier gab es die erste Fußgängerzone Deutschlands, die erste Ansichtskarte wurde hier hergestellt und auch in Sachen Bildung spielt die Universitätsstadt in der Nähe von Bremen eine Vorreiterrolle. Bereits 1947, noch während der britischen Besatzung der Region, wurde das bfe als Meisterschule für das Elektrohandwerk gegründet, und auch für andere Handwerksberufe wie Friseure und Raumausstatter wurden hier schon früh bundesweit bedeutende Bildungszentren errichtet. Der Geist von Forschung und Lehre bestimmt auch heute noch das Flair der Stadt. Fahrräder, Studenten und gemütliche Kneipen prägen das Bild des wunderschönen Zentrums mit seinen liebevoll restaurierten Sehenswürdigkeiten aus fünf Jahrhunderten. Kein Wunder, dass in diesem Umfeld auch das bfe in den fast 60 Jahren seit seiner Gründung wachsen und sich weiter entwickeln konnte. Der Innenhof, um den die einzelnen Schulungsräume, Labore und das Wohnheim liegen, wirkt wie der Campus einer Hochschule, und ein freundliches „Moin“ schallt den Besuchern beim Betreten des Gebäudes entgegen. Thorsten Janßen, früher selbst Dozent beim bfe, ist seit zwei Jahren Direktor der Einrichtung. Er ist stolz darauf, dass die ehemalige Meisterschule heute ganz vielfältige Möglichkeiten des berufsbegleitenden Lernens anbietet. Vom Tageskurs bis zum Bachelor-Studiengang und von Elektrotechnik bis Mechatronik reicht die ausgesprochen große Bandbreite des Lehrplanes.

Das Bildungswesen ist insgesamt schon seit einiger Zeit vom Wandel geprägt. Neue Medien wie das Lernen online und per CD ermöglichen, dass man sich auch ohne allzu lange Präsenzphasen fortbilden kann. Meisterkurse verkürzen sich auf diese Weise auf die Hälfte der Zeit, die man vor Ort in Oldenburg verbringen muss. Diese Form der Weiterbildung ist für Zielgruppen gedacht, die eigentlich gar keine Zeit haben, lange im Betrieb zu fehlen. Beim Lernen am PC ist man aber nicht sich selbst überlassen: Zur Motivation gibt es zwischendurch kurze Präsenzphasen, bis zu denen ein gewisses Pensum erarbeitet sein muss. Wöchentliche Online-Konferenzen, Foren und Chats zum Austausch untereinander und mit den Dozenten lassen am heimischen Schreibtisch kein Gefühl der Einsamkeit aufkommen.

Ein weiterer Trend: Zunehmend werden von Unternehmen individuelle Seminare gewünscht, zu denen die Dozenten dann mit mobilen Schulungskoffern anreisen und das lehren, was dort gerade gebraucht und gefordert wird. Dies Vermitteln von Informationen, dieses Eingehen auf die Bedürfnisse von Teilnehmern und Unternehmen ist beispielhaft für den Umbruch im Bildungswesen. So kommt es zu einer Abkehr von starren Lehrplänen hin zu individuellem Lernen in Prozessen. Längst ist nicht mehr nur das Fachhandwerk möglicher Lehrgangsbesucher des bfe: „Alle, die mit Strom zu tun haben, sind unsere Kunden“, bringt Thorsten Janßen die neue Philosophie auf den Punkt. Für einen großen Mineralölkonzern wird beispielsweise ein ganz individuell konzipierter Meisterlehrgang angeboten. Außerdem gibt es eine eigene Medienentwicklung im Hause, die vom animierten Video bis zum Online-Seminar komplexe technische Informationen besonders plastisch transportieren kann. Hier ist man gerade mit einem großen Energieversorger im Gespräch, für den man ein geplantes Zukunftshaus virtuell erlebbar machen soll.
Normeninformationen sind eine weitere Dienstleistung des bfe. Problembezogen können über eine Hotline Informationen über Normen eingeholt werden. Auch der Abruf über das Internet ist möglich. Schließlich können Normen auch abonniert werden. Diesem Dienst geht ein Unternehmensprofil voraus, in dem festgelegt wird, welche Normen für den Betrieb überhaupt wichtig sind. Gibt es in diesen dann Änderungen, bekommt man ganz automatisch eine Information darüber.

Das Gute daran: Alle Normen durchlaufen zunächst eine Redaktion und werden dort in verständliche Sprache übersetzt und verkürzt. Das, was dann beim Kunden ankommt, ist klipp und klar auf den Punkt gebracht. Doch das Angebot des bfe geht noch weiter: Auch verschiedene Studiengänge hat die Einrichtung in ihrem Programm. Das bfe ist Gesellschafter der privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik, und so kann man in Oldenburg ein duales Studium absolvieren. Bei dieser über acht Semester laufenden Ausbildung zum Diplom-Ingenieur arbeitet man in einem Unternehmen und studiert zusätzlich zwölf Wochen pro Jahr vor Ort im bfe. Auch ein Bachelor-Abschluss wird in Oldenburg angeboten. Bei diesem Studiengang hat man nach fünf Semestern eine abgeschlossene Berufsausbildung und darf sich nach insgesamt sieben Semestern „Bachelor of Engineering“ nennen. Das Abitur ist für den Zugang zu diesen Studiengängen nicht unbedingt nötig - auch Meister dürfen sich einschreiben. Module zur Weiterbildung auf Spezialgebieten sind der neuste Wurf des bfe. Einzelne Kurse, so genannte Module, können dafür einzeln belegt werden, und wer nach selbst gewählter Zeit alle Module erfolgreich absolviert hat, darf sich beispielsweise „Spezialist für Elektronische Gebäudesteuerungen“ nennen. Für diesen Abschluss muss man drei Kurse belegen, die insgesamt einen Zeitaufwand von neun Tagen bedeuten.
Die übergeordnete Ebene ist dann der Experte. Wer etwa die drei Spezialisten-Titel „SPSTechnik“, „Industrielle Netze“ und „Antriebstechnik“ abgeschlossen hat und noch ein paar Tage in übergeordnete Themen wie „Umgang mit Kunden“ investiert, ist dann „Experte für Industrieautomation“. Auf diese Weise kann sich jeder ständig in den Bereichen weiterbilden, die er für seine aktuellen Aufgaben benötigt - von EMV und Blitzschutz bis zur Netzwerktechnik. Die einzelnen Seminare bleiben keine Inseln, sondern sind Teil einer höherwertigen Ausbildung zu Spezialisten oder sogar zu Experten in ganzen Themenfeldern. Und auch das Konzept selbst ist keine Insellösung: Das bfe kooperiert mit fünf weiteren Bildungszentren, an denen alle Module in gleicher Weise angeboten werden. Elkonet nennt sich dieser Zusammenschluss, der bundesweit die Zertifizierung zu anerkannten Spezialisten im Elektro- und Informationstechnischen Handwerk anbietet. So wäre es sogar möglich, einen Kurs in Dresden, einen in Stuttgart und einen in Oldenburg zu belegen. Noch bequemer, flexibler und kundenorientierter kann man die berufliche Weiterbildung kaum gestalten. Über das Gesamtkonzept sprach die g+h-Redaktion mit dem Direktor des bfe, Thorsten Janssen


IM GESPRÄCH MIT DEM BFE-DIREKTOR
Gerade in technischen Berufen geht die Entwicklung rasend schnell voran. Wie bleiben Sie am Ball und gewährleisten die Qualität Ihrer Seminare?
Es reicht für uns nicht aus, mit der Technik Schritt zu halten. Wir müssen als Lehrende immer einen Schritt voraus sein. Darum arbeiten wir ausschließlich mit hauptberuflichen Dozenten, die sich voll und ganz auf Forschung und Lehre konzentrieren können. Sie arbeiten auch als Autoren für renommierte Fachbücher oder Zeitschriften und sitzen in vielen Institutionen und Arbeitskreisen, etwa beim ZVEI, ZVEH, bei der Lon-Nutzer-Organisation, bei der EIBA, der Lichttechnischen Gesellschaft und vielen mehr. Neue Produktentwicklungen, Trends, Normen und Systeme sehen sie dadurch quasi als erste und können die Lehrpläne schon früh gezielt darauf ausrichten.

Es gibt viele Anbieter von Seminaren oder Meisterkursen. Warum kommen Ihre Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und fahren teilweise sogar von Bayern bis in den hohen Norden?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Durch unsere fast 60 Jahre alte Geschichte gibt es natürlich viele Absolventen - und wer bei uns zufrieden war, erzählt es weiter. Wir setzen auf höchste Qualität der Ausbildung und richten uns streng nach dem Rahmenlehrplan des ZVEH. Bei uns bekommen Sie die vorgeschriebene Stundenzahl, kompetente Referenten und eine Top-Ausstattung und damit ein Lernumfeld, das eben nicht überall im Bildungsbereich zur Verfügung steht. Hinzu kommt, dass es in manchen Sparten gar nicht so viele Bildungsangebote gibt. In der Informationstechnik oder im Elektromaschinenbau gibt es nur wenige Meisterschüler und damit natürlich auch nur wenige Meisterschulen.

Das bfe möchte Angebote für lebenslanges, berufsbegleitendes Lernen machen. Wie kann es denn nach Beendigung der Meisterschule für die Absolventen weitergehen?
Wir setzen auf die Aufstiegsfortbildung. Nach der Meisterschule kann man einen fünfmonatigen Kurs zum Betriebswirt (HWK) machen. Auch eine Ausbildung zum Fachplaner ist möglich, die man parallel dazu belegen kann. Insgesamt ist man dann nach 24 Monaten Meister, Betriebswirt und Fachplaner. Viele machen von diesen Angeboten sofort Gebrauch, manche erst nach ein paar Jahren - etwa wenn die Übernahme eines Betriebes ansteht. Insgesamt werden etwa drei Viertel aller Meister früher oder später auch noch Betriebswirt. Wem das alles noch nicht reicht, der kann zusätzlich auch im dualen Studium den Titel „Dipl.-Ing.“ erwerben.

Machen Sie sich mit Elkonet nicht selbst Konkurrenz?
Auf den ersten Blick sieht es vielleicht so aus. Jeder Partner dort hat aber seine Stärken und individuellen Schwerpunkte. Durch Elkonet können auch die anderen Einrichtungen an neuen Themen teilhaben und ihr eigenes Angebot vergrößern, ohne das Rad zwangsweise neu erfinden zu müssen.

Herr Janßen, wir bedanken uns für das Gespräch.

Ausgabe:
g+h 03/2006
Unternehmen:
Bilder:

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