14. DEZEMBER 2017

zurück

kommentieren drucken  

Exakt ins Ziel


Klaus-Michael Koch. Mit seiner Lithium-Ionen-Technologie geht Bosch einen Schritt in die Zukunft. g+h sprach mit dem Produktmanager.

Längere Lebensdauer: Die Akkus von Bosch werden während der gesamten Ladung und Entladung durch die Electronic Cell Protection (ECP) überwacht. Dadurch sind die Zellen vor ihren größten Beanspruchungen wie Überlast, Tiefentladung und Überhitzung geschützt und verfügen laut Bosch über eine bis zu 4 Mal längere Lebensdauer als Lithium-Akkus anderer Hersteller. Vor zu starker Erwärmung des Akkus schützt das aus wärmeleitfähigem Material bestehende Gehäuse des Akkus (Heat Conductive Housing). Durch den Einsatz dieses Heat Conductive Housing (HCH) kann die während der Entladung entstandene Wärme nach außen abgeleitet werden.

Kürzere Ladezeit: Zusätzlich sorgt das HCH für ein schnelleres Abkühlen des Akkus nach der Entladung. Musste man früher bis zu einer Stunde warten, bis der Akku nach der Entladung abgekühlt war und wieder geladen werden konnte, reduziert auch hier das Heat Conductive Housing (HCH) die Abkühlzeit um bis zu 40 %. Zusätzlich kühlt das Gebläse im neuen Bosch-Ladegerät heiße Akkus vor dem Laden automatisch ab und verkürzt dadurch den Ladevorgang erheblich. So beträgt die reguläre Ladezeit der neuen 36-V-Lithium-Ionen-Akkus ca. 45 Minuten. Dank der Hyper-Charge-Technik (Schnell-Ladung) sind bereits nach der Hälfte der Ladezeit ca. 80 % der Energie gespeichert. Dies reicht aus, um die restlichen Arbeiten des Tages zu erledigen. Für zusätzlichen Ladekomfort sorgt bei den 36-Volt-Akkus eine LED-Ladezustandsanzeige, die dem Anwender die jeweils zur Verfügung stehende Restenergie deutlich anzeigt. Das erleichtert vor allem dem Profi die Arbeit bei seiner Planung und hilft wertvolle Zeit einzusparen.

Herr Koch, vielleicht könnten Sie uns kurz einmal die aktuelle Marktposition der Bosch Elektrowerkzeuge skizzieren?
Bosch ist Weltmarktführer im Bereich Elektrowerkzeuge. Zum Unternehmen gehören die Marken „Bosch Blau“ (Bosch Professional) und „Bosch Grün“ (DIY) sowie Skill und Dremel.

Wie hoch ist Ihr Marktanteil global betrachtet?
Weltweit haben wir einen Marktanteil von rund 25 Prozent und europaweit liegen wir bei 32 Prozent. Wir verfügen also in Europa über eine sehr starke Position.

Wo liegen heute Ihre Produktionsstandorte?
Wir produzieren zurzeit in Europa, Nordamerika, Lateinamerika und in Asien.

Welche Marktanteile haben Sie in Deutschland?
In Deutschland sind wir ebenfalls mit rund 33 Prozent (wertmäßig über alles) Marktführer. Im Augenblick wachsen wir überproportional bei „Blau“ und „Grün“. Hier zahlt sich unsere konsequente Produktpolitik der letzten Jahre aus.

Was verbirgt sich dahinter?
Viele unserer Wettbewerbsprodukte kommen aus Fernost, speziell die so genannten „No Names“. Zu Preisen, bei denen zwangsweise Qualitätskonzessionen gemacht werden müssen. Das ist nicht unsere Strategie. Die Marke Bosch ist einem hohen Qualitätsstandart verpflichtet und forciert maßgeblich Innovationen, die entsprechend den Anforderungen des Handwerkers bzw. den Bedürfnissen des Heimwerkers ausgestaltet sind. Zu den Wachstumsmotoren gehören hier vor allem die Cord less-Geräte. In diesem Bereich haben wir uns komplett neu aufgestellt.

In welcher Form?
Wir investieren sehr stark in die Akku-Technologie. Unter der Maxime, dass zukünftig eigentlich niemand mehr ein Netzgerät haben möchte, entwickeln wir die Akkutechnik konsequent weiter. Der Markt wächst stetig.

Glauben Sie, dass die Netzgeräte eines Tages tatsächlich von Akku-Geräten vollständig abgelöst werden könnten?
Nicht kurzfristig. Wir sehen aber, dass der Bereich Cordless deutlich überproportional wächst. In Europa werden etwa 26 Prozent aller Umsätze mit Akkugeräten generiert, in Amerika sind es bereits 44 Prozent. Diesem Trend tragen wir Rechnung. So ist ein Hauptärgernis des Handwerkers die lange Ladezeit der Akkupacks. Wir sind zurzeit die einzigen im Markt, die dem Problem begegnen und generell unsere Geräte mit Halbstunden-Ladern ausstatten. Das ist ein entscheidender Vorteil für den Anwender. Damit schaffen wir den Anschluss an die Netzgeräte.

Worauf führen Sie die Marktunterschiede zwischen Europa und Amerika zurück?
Diese Unterschiede sind stark von der Baupraxis abhängig. In Amerika ist der Primär-Baustoff nach wie vor Holz. Schrauber, Säbel- und Kreissägen, sind dafür prädestiniert. Viele Anpassarbeiten finden direkt auf der Baustelle statt. Hier gilt generell, dass wenn etwas auf der Baustelle abgelängt, zugeschnitten oder gebohrt werden muss, Akkugeräte unschlagbar sind. Dies haben die Amerikaner schon länger erkannt. Voraussetzung für den Einsatz von Akku-Werkzeugen ist natürlich, dass die Leistung stimmt, sprich zunehmend mit Netzgeräten vergleichbar ist.

Wie grenzen Sie sich gegenüber Ihren Wettbebewerbern ab?
Nun, ich erwähnte bereits, dass Bosch neben dem hohen Qualitätsanspruch auf Innovationen setzt, die dem Handwerker nützen. Der serienmäßige Einsatz der Halbstunden-Lader ist ein solches Beispiel. Darüber hinaus halten unsere Akku-Systeme deutlich länger als die der Wettbewerber.

Neben der Leistung spielt auch die Handhabung eine entscheidende Rolle. Wenn ich mir die Geräte mit unterschiedlichen Voltagen etc. anschaue, ist das nicht manchmal ein Problem für den Anwender, wenn es darum geht, die passenden Akkus dem jeweiligen Gerät und Lader zuordnen zu müssen?
Auf den ersten Blick vielleicht. Bosch bietet beispielsweise Systeme in 14, 18, 24 und jetzt auch 36 Volt an. Wer sich für Bosch entscheidet, kann mit einem Schnelllader und einem Akkupack sieben oder acht verschiedene Geräte betreiben. Die Handhabung ist also denkbar einfach. Und man braucht nicht eine Vielzahl unterschiedlicher Akkus und Ladegeräte vorrätig zu halten und zu pflegen.

Woher stammt die Diversifizierung in verschiedene Voltagen?
Das ist historisch gewachsen. Beginnend bei 7,2 V wuchsen die Anforderungen des Marktes immer weiter. Je mehr Kraft man einem Gerät geben möchte, desto mehr Volt sind erforderlich. Das war in der Vergangenheit immer mit einer Gewichtszunahme verbunden, die vom Anwender grundsätzlich nicht gewünscht ist.

Wie wirken Sie dem entgegen?
Aus diesem Teufelskreis hilft die Li-Ionen-Technik. 40 Prozent weniger Gewicht, kein Memory-Effekt und eine deutlich höhere Energiedichte sprechen hier eine klare Sprache. Zum Vorteil von Handel, Handwerk und Anwendern - eine Erfogs-Story, wie sie schöner nicht sein könnte.

Und die Nachteile, gibt es die bei der Li-Ionen-Technik auch - und wenn ja, welche sind es?
Die gibt es auch. Die Technik ist beispielsweise empfindlich gegenüber hohen Strömen und einer potenziellen Tiefenentladung. Außerdem kostet sie mehr als klassische Akku-Technik.

Und dennoch setzen Sie darauf?
Ja, denn die Vorteile überwiegen bei weitem. Die Lithium-Ionen-Technologie ist bei Handys, Laptops und Fotokameras etabliert und sicher. Für Elektrowerkzeuge gelten natürlich andere Regeln und Anforderungen, speziell hinsichtlich der Hochstromfestigkeit der Akku-Packs. Diese Probleme hat Bosch mit seinen Lithium-Ionen Systemen gelöst: So sind die Bosch Systeme beispielsweise gegen Tiefenentladung und zu hohe Ströme elektronisch (ECP) geschützt. Betrachte ich unsere technischen Lösungen in diesem Bereich, würde ich für das Haus Bosch von einer revolutionären Technologie sprechen. An dieser Stelle möchte ich allerdings betonen, dass der Einsatz der Technik für uns kein Selbstzweck ist. Li-Ionen-Technik wird man bei Bosch-Werkzeugen nur dort finden, wo wir es für den Anwender als sinnvoll erachten.

In welchen Geräten wird die Li-Ionen-Technik eingesetzt?
Unter anderem im neuen Akku-Bohrhammer GBH 36 V-LI Professional. Mit diesem Gerät beweisen wir, dass die Leistung von 36-Volt-Akku-Werkzeugen der von Netzgeräten in nichts nachsteht. Und der kompakte Akku-Schrauber GSR 10,8 V-LI Professional beweist als kleinster gewerblicher Akku-Schrauber der Welt, dass Li-Ionen-Geräte auch bei halber Größe die volle Profi-Power gängiger Standardschrauber entfalten können.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Thema Ergonomie?
Wir arbeiten sehr eng mit dem Anwender zusammen. Produktmanagement und Entwicklung verbringen viel Zeit mit dem Handwerker auf der Baustelle. So erleben sie hautnah die Anforderungen an die Geräte. Darüber erstellen wir alle zwei, drei Jahre eine Studie, die zwischen 600 und 800 Anwender in Europa erfasst. Die Kernaussagen, die in der Untersuchung zu finden sind, nutzen wir für gezielte Produktverbesserungen und natürlich auch Neuentwicklungen. Dazu zählt selbstverständlich das Thema Ergonomie.

Wird die „klassische Technik“ weiterhin auf dem Markt vertreten bleiben?
Ja, allerdings ist es eine Frage der Zeit, bis sich die innovative Li-Ionen-Technik eine Führungsposition erarbeitet hat. Die Technik ist so attraktiv, dass sie andere Akku-Systeme an den Rand drängen wird. Nicht zu vergessen, dass die Vorteile für Hersteller, Handel und Anwender gleichermaßen vorhanden sind.

Wird es einen Preisverfall in diesem Bereich geben, wie wir ihn ja aus verschiedenen anderen Bereichen wie der Computer-Welt oder der Braunen Ware kennen?
Sicherlich wird der Preis sich ein wenig nach unten bewegen und damit die Lücke zu Nickel-Cadium etwas schließen. Die Frage ist aber, wie schnell das geschehen wird und welche Entwicklungen sich bei Nickel-Cadmium abzeichnen? Sollte Nickel ebenfalls preislich absacken, wird die Preisdifferenz bestehen bleiben.

Preiskampf und Preisverfall gehen häufig mit einem Verschwimmen der Qualität einher, sehen Sie diese Gefahr auch bei der Li-Ionen-Technik.
Die Gefahr sehe ich durchaus. Es stellt sich nämlich in diesem Zusammenhang die Frage, ob auch alle Marktteilnehmer technologisch tatsächlich in der Lage sind, Li-Ionen-Technik so anzubieten, dass sie für den Anwender auch greifbare Vorteile bringt. Wir appellieren an alle, hier sehr sorgsam mit der innovativen Technik umzugehen, damit sie nicht irgendwann in der Schublade landet, weil man sie eben nicht beherrscht. Sollten Produkte auf den Markt kommen, die den Möglichkeiten, die in dieser Technik zweifellos stecken, in keiner Weise Rechnung tragen, kann dies den Gesamtmarkt gefährden. Das möchten wir ausdrücklich vermeiden und setzen auf ausgereifte Technik und hohe Qualität.

Ist dem Anwender der Akkutechnik früher nicht auch einiges zugemutet worden?
In der Anfangsphase war dies bei der Akkutechnik sicherlich der Fall. Die ersten Akkugeräte der Achtzigerjahre glichen aus heutiger Sicht eher Spiel- als Werkzeugen. Damals hielten Akkus oft nicht länger als zehn Minuten. Erst als das ganze System in sich schlüssig war, die Technik beherrscht wurde, gelang der große Durchbruch. Seitdem wächst der Markt im Minimum um den Faktor 3 gegenüber netzabhängigen Geräten. In Europa wird die Entwicklung in Richtung Cordless mit Riesenschritten voran gehen. Die Li-Ionentechnik wird den Markt noch einmal beflügeln. Wir setzen hier auf Hightech. Schnell-Lader, volle Kraft bei halber Größe, klare Ergonomie auf Basis einschlägiger Praxiserfahrungen sind nur einige Aspekte. Unsere 36-V-2-kg-Akkuhämmer haben Netz-Power. Mit diesen Geräten treffen wir exakt ins Ziel.

Herr Koch, wir bedanken uns für das Gespräch.


KOMMENTARLanglebig und schnell
Akku-Werkeuge sind längst ihren Kinderschuhen entwachsen und stellen heute eine effiziente Alternative zu Netzgeräten dar. Einige der Geräte haben sogar die Leistungsfähigkeit der klassischen Steckergeräte überbieten können. Mit der Li-Ionen-Technik werden sie noch einmal aufgewertet. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht.


HINTERGRUNDAktuelle Geräte
Neu sind der Akku-Bohrschrauber GSR 36 V-LI Professional sowie der Akku-Schlagbohrschrauber GSB 36 V-LI Professional. Ausgestattet mit dem 36-V-Li-Ionen-Compact-Akku, einem Hochleistungsmotor und dem 2-Gang-Planetengetriebe aus Metall bieten sowohl der GSR als auch der GSB hohe Durchzugskraft in jedem Drehzahlbereich. Leicht wie 14,4 Volt: Trotz ihrer Kraft wiegen der Bohrschrauber und der Schlagbohrschrauber zusammen mit dem neuen Compact-Akku nur 2,5 Kilogramm beziehungsweise 2,7 Kilogramm. Damit sind sie so leicht wie ein herkömmliches 14,4-Volt-Akku-Gerät mit NiCd- bzw. NiMH-Akkus. Auch an der Ergonomie wird in Absprache mit dem Handwerker auf der Baustelle ständig gearbeitet.

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Schnell, einfach, sicher

Schnell, einfach, sicher

Conrad Business Supplies hat das Steckverbindersystem GST18 von Wieland Electric in sein Elektromechanik-Sortiment aufgenommen. » weiterlesen
Hochwertige LED-Treiber mit Dali-Interface

Hochwertige LED-Treiber mit Dali-Interface

Das LED-Netzteil arbeitet auf der Eingangsseite im Bereich von 90V bis 305V Wechselspannung oder alternativ 127V bis 431V Gleichspannung und stellt auf der Ausgangsseite Konstantstrom in sieben verschiedenen Versionen zwischen 700 mA und 3.500 mA zur Verfügung. » weiterlesen
Komfortabel durch den Winter

Komfortabel durch den Winter

Kältere Temperaturen sind im Anmarsch und es wird Zeit, die Arbeitskleidungsgarderobe für den Winter fitzumachen. Man kann natürlich einfach die dickste Jacke kaufen, die man findet, um sich warm zu halten. » weiterlesen
Intelligente Gebäudesteuerung

Intelligente Gebäudesteuerung

Auf der BAU-Messe feierte das Geze Cockpit erfolgreich Premiere und ist jetzt erhältlich. Das neue BACnet-Gebäudeautomationssystem macht Gebäude wirklich „smart“, denn nun können auch Türen und Fenster automatisiert und in ein Gebäudesystem eingebunden werden. » weiterlesen
 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv


  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Bleiben Sie in Verbindung

Aktuelle Ausgaben

  Jetzt Newsletter
abonnieren!