13. DEZEMBER 2017

zurück

kommentieren drucken  

Modernes Wohnen


Hager. Multimediatechniken revolutionieren die Elektrotechnik. Über die Chancen für das Elektrohandwerk sprachen wir mit dem Leiter Marktmanagement, Achim Jungfleisch.

Herr Jungfleisch, welche Standards gibt es im Bereich der Multimediatechniken zurzeit?
Wir verfügen bereits seit einigen Jahren über ein Grundangebot in der Multimediatechnik, das wir kontinuierlich ausbauen. Dazu zählen unter anderem die Komplettfelder für die Schranktechnik. Wenn Sie sich das Umfeld anschauen, dann passiert hier natürlich sehr viel mehr; ich möchte hier nur die Stichworte Audio- und Streaming-Clients erwähnen. Hier vollzieht sich in der Haustechnik unter anderem im Bereich Audio und Video ein Umbruch. Wo bislang noch CDs oder DVDs rotieren, ist jetzt schon abzusehen, dass diese innerhalb weniger Jahre verschwinden werden. Das „Jonglieren“ verschiedener Medien wird nach unserer Auffassung verschwinden. Sie alle werden mehr oder weniger intensiv zusammenwachsen.

Wenn Sie mit dem „Jonglieren“ aufhören möchten, brauchen Sie eine Technik für alles - oder?
Ja, ganz klar. Es muss eine homogene Vernetzung geben. Sie können schon jetzt die ersten Fernsehgeräte auf dem Markt anschauen, die bereits mit einem Netzwerkanschluss ausgerüstet sind. Für Multi-Room-Systeme ist die Vernetzung ohnehin unerlässlich. Das Netzwerk wird also das Medium sein, das dafür Sorge trägt, dass die verschiedenen Systeme miteinander kommunizieren und auch problemlos zu bedienen sind. Auf den Punkt gebracht: um am Multimediazeitalter künftig teilhaben zu können, benötigt jedes Gebäude ein leistungsstarkes Netzwerk.

Sind die Erwartungen nicht ein wenig hochgesteckt?
Nein, sehen Sie sich nur einmal die Aktivitäten von T-Home an. Triple-Play, alles über eine Leitung, weist bereits den Weg in die Zukunft. Und mit T-Home haben wir einen „Treiber“ im Markt, der die Absatzchancen für Multimediatechnik nachhaltig positiv stimulieren wird.

Welche Rolle spielen da noch die Elektrotechniker?
Ohne zukunftsorientierte Elektrotechniker läuft in diesem Markt praktisch gar nichts, denn die Basis wird immer die strukturierte Verkabelung sein. Deshalb ist es unser Anliegen, dem Elektrotechniker das Thema umfassend zu erschließen und natürlich auch nahe zu bringen. Das ist uns sehr wichtig.

Damit er daraus ein Geschäftsfeld entwickeln kann?
Völlig richtig. Die Botschaft des Elektrotechnikers an den Bauherren muss heute so lauten, dass ein Verzicht auf die strukturierte Verkabelung erhebliche Nachteile für die Zukunft bringt. Denn die Investition in die Technik stellt sicher, dass die Bewohner an den rasanten Entwicklungen in der Multimedialwelt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten problemlos partizipieren können. Im Fokus haben wir dabei vor allem den privaten Wohnungsbau.

Wie schätzen Sie den aktuellen Informationsstand im Elektrohandwerk ein?
Trotz der vielen Medienberichte und der Verbandsarbeit gibt es hier immer noch Defizite. Damit sich noch viel mehr Elektrofachbetriebe diesem zukunftsträchtigen Thema widmen, brauchen wir eine nachhaltige Informationspolitik. Hinzu kommt, dass sich Multimedia viel leichter verkaufen lässt, als manch andere Technik. PCs, DVDs, MP3, Voice over IP und vieles, vieles mehr sind in den meisten Haushalten zu finden. Der Nutzer ist mit dem Thema vertraut. Die komfortablen Vernetzungsmöglichkeiten kennt er aber meist nicht. Stattdessen findet man störenden Kabelsalat, mehrere Drucker über das Haus verteilt, ein Sammelsurium an hochwertiger Technik, das über entsprechende Multimedialösungen entwirrt werden könnte - zum Nutzen der Anwender. Der Elektrotechniker sollte dies als seine ureigene Aufgabenstellung sehen. Der Markt hat Zukunft.

Wie groß schätzen Sie diesen Markt überhaupt ein?
Wir haben jährlich immer noch den Neubau von rund 235.000 Wohneinheiten zu verzeichnen, und der Markt für Multimediasysteme wächst zweistellig. Natürlich wird nicht jeder Neubau mit Multimediatechnik ausgestattet werden; eine Größenordnung zwischen 30 und 40 Prozent ist aber durchaus realistisch, denn der Einstiegspreis in die Technik stellt keine Hürde dar.

Welche Voraussetzungen muss ein Elektrotechniker haben, um auf diesen Zug aufzuspringen?
Die Voraussetzungen sind relativ gering. Erstens steht ein Normenwerk zur Verfügung, das die wichtigsten Parameter zur Leitungsverlegung vorgibt. Dies wird aber auch von uns in Schulungen und Seminaren noch einmal vermittelt. Und zweitens ist das installationstechnische Know-how ohnehin vorhanden. Es gibt also keinen Grund, Angst vor der Technik zu haben, denn eine Wissenshürde existiert nicht mehr.

Wo führen Sie Ihre Schulungen durch, wie sind die Inhalte?
Die Seminare werden am Standort Heltersberg durchgeführt. Sie bauen aufeinander auf. So bieten wir ein Seminar an, das sich ausschließlich mit der passiven Technik beschäftigt, der Anschlusstechnik und den Leitungsarten, also dem Handwerkszeug, das man installationstechnisch benötigt. Weiterführend gibt es ein Seminar, das die aktive Technik, wie noch zu installierende Netzwerkkomponenten, thematisiert. Zugangstechniken über DSL und Router gehören ebenfalls zum Schulungsprogramm dazu. Ursprünglich waren die Weiterbildungsmaßnahmen übrigens für den Zweckbau konzipiert. Heute konzentrieren wir uns auch zunehmend auf den Bereich des privaten Wohnungsbaus.

Muss der Elektrotechniker darüber hinaus nicht auch mit der Welt der Peripherie-Geräte sehr vertraut sein?
Natürlich sollte er sich mit diesem Thema beschäftigen, um seine Kunden gezielt beraten zu können. Der Trend geht ja dahin, dass beispielsweise PC und TV zusammenwachsen. Spätestens dann wird jeder Endkunde für die technischen Lösungen aus dem Elektrohandwerk offen sein.

Ich versetze mich in die Rolle des verheirateten Bauherrn mit zwei Kindern. Was sollte der Elektrotechniker mir empfehlen?
Er sollte Ihnen dazu raten, die wichtigsten Räume - Wohn-, Arbeits- und Kinderzimmer - strukturiert zu versorgen. Dazu gehören zwei Cat-6- oder besser Cat-7-Leitungen und eine Koaxleitung. Koax wird nach unserer Überzeugung irgendwann verschwinden, dennoch ist sie in vielen Fällen noch unverzichtbar. Für die Netzwerktechnik sollte eine Leitung gewählt werden, die perspektivisch für die nächsten zwanzig Jahre Sicherheit bietet. Das wäre bei Cat-7 der Fall. Um die Triple-Play-Dienste - Telefonieren, Internet und Fernsehen - über eine Leitung heute nutzen zu können, reicht beispielsweise Cat-5 - bei einer Bildqualität im HDTV-Standard. Die Räume würden also strukturiert angefahren werden, zweimal Cat-7 plus Koax.

Und was benötigt man noch?
Man benötigt außerdem eine Zentrale, denn das System ist ja sternförmig installiert. Die Zentrale wird im Zählerschrank installiert. Hat man ein größeres Haus zu versorgen, bei dem im Energiebereich auch eine Unterverteilung eingesetzt wird, würde man dies auch auf die Multimediatechnik anwenden und die entsprechenden Unterverteilungen schaffen, um eine gezielte Versorgung aller Räume im Gebäude zu erreichen.

Erwächst aus der weiter zunehmenden Bedeutung des Ethernet nicht auch eine Konkurrenz für KNX und andere intelligente Steuerungs-Systeme?
Das sehen wir nicht wirklich. Aber mit Sicherheit wird es eine Verbindung dieser verschiedenen Techniken geben. Mit der Einführung eines neutralen Gateways werden die Systeme miteinander kommunizieren können. Wir glauben aber nicht, dass das Ethernet das Medium sein wird, das bis zum Dimmer oder der Steckdose gehen wird. Was die Zuverlässigkeit und Einfachheit in der Installation betrifft, ist KNX nicht zu schlagen, denn Biegeradien etc. wie bei Ethernet spielen bei dieser Technik keine Rolle.

Wird die Arbeitsweise der Elektrotechnik von den Entwicklungen aus der Unterhaltungselektronik beeinflusst?
Ja und nein. Natürlich beeinflussen Neuentwicklungen den Markt positiv. Je mehr Systeme miteinander zu vernetzen sind, desto größer sind die Vermarktungschancen für eine strukturierte Verkabelung. Andererseits macht auch eine noch so komplizierte neue Technik die Arbeit des Elektrotechnikers nicht schwerer, denn das Medium, über welches Geräte miteinander kommunizieren, bleibt das Ethernet mit seinen Cat-7-Leitungen. Der Elektrotechniker wird also keine Beratungsleistung für die Braune Ware erbringen müssen; es sei denn, er fände Freude daran. Er sollte allerdings Kenntnisse darüber haben, welche Entwicklungen auf dem Markt stattfinden, aber er muss darin kein Experte sein, um erfolgreich Multimediatechnik zu verkaufen.

Wenn mir mein Elektrotechniker sagt, dass ich für meinen Neubau eine strukturierte Verkabelung benötige, habe ich ja meist noch nie davon gehört - oder?
Die Aufklärung kann recht einfach erfolgen. Ich frage Sie nach der Anzahl der vorhanden PCs, danach, wo Sie Ihre Musikdaten ablegen oder die Bilddateien aus den drei Digitalkameras. Dann ist man schon im Thema, denn es dürfte keinen Sinn machen, dass jeder seine eigenen Daten vorhält. Das erledigt ein Server, dessen Grundfunktionalität heute beispielsweise schon von einem DSL-Router mit angeschlossener Festplatte übernommen werden kann. Zentrale Speicherlösungen werden zudem immer kostengünstiger. Auch das treibt den Markt nachdrücklich weiter voran.

Gibt es gravierende Unterschiede zwischen Objektbau und privatem Wohnungsbau in diesem Geschäftsfeld?
Sicher, ganz eindeutig, denn im Objektgeschäft ist die strukturierte Verkabelung heute schon Standard. Der Schlüssel für den Wohnbau dagegen wird die Einfachheit der Systemtechnik sein. Und die Unterstützung für den Elektrotechniker, das Thema dem Bauherrn zu vermitteln. Die Technik selbst bleibt natürlich beim Objektbau und dem privaten Wohnhaus dieselbe.

Welche Rolle spielt der klassische Mietwohnungsbau, wenn es um Multimedia geht?
Eine zunehmend bedeutendere Rolle, denn Mieter stellen heute klare Ansprüche an die technische Wohnungsausstattung. Wer seinen Mietern mehr bietet, kann Wohnraum besser auslasten und schneller sowie zu höheren Preisen vermieten.

Herr Jungfleisch, wir bedanken uns für das Gespräch .
www.hager.de

Ausgabe:
g+h 03/2007
Unternehmen:
6 Unternehmens-Kataloge:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Zukunftssicher, hygienisch und effizient

Zukunftssicher, hygienisch und effizient

Ob im Neubau oder in der Sanierung, ob im Ein- und Zweifamilienhaus, im Geschosswohnungsbau oder im Objektbau: die Wärmepumpe ist der ideale Wärmeerzeuger – für Heizung und Warmwasserbereitung. » weiterlesen
Anmeldung für Newcomer läuft noch

Anmeldung für Newcomer läuft noch

Zur Light + Building bietet die Messe Frankfurt mit dem „Young Design“ Areal Newcomern die ideale Plattform, sich der Industrie und dem Fachpublikum vorzustellen. » weiterlesen
Gesundheit am Arbeitsplatz

Gesundheit am Arbeitsplatz

Am 05. Dezember wurde Hilti für sein herausragendes betriebliches Gesundheitsmanagement mit dem Sonderpreis des Corporate Health Award 2017 ausgezeichnet. » weiterlesen
Kooperation vereinbart

Kooperation vereinbart

Die Unternehmen Diamond, eks Engel und Muckenhaupt & Nusselt haben eine Kooperation vereinbart. Das teilten die Geschäftsführer in einer Pressekonferenz auf der SPS IPC Drives mit. Ziel ist es, gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen für die optische Datenübertragung in der Automatisierung anzubieten. » weiterlesen
 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv


  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Bleiben Sie in Verbindung

Aktuelle Ausgaben

  Jetzt Newsletter
abonnieren!