12. DEZEMBER 2017

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Motor für den Markt


Triax-Hirschmann: Mittelfristig haben sie die Marktführerschaft im Multi-Media-Bereich im Visier. Geschäftsführer Lars Peder Sidelmann und Vertriebsleiter Matthias Dienst sprachen mit g+h darüber.

Welches waren die wichtigsten Gründe für die Übernahme von Hirschmann Multimedia durch die Triax-Gruppe?
L. P. Sidelmann: Um durch organisches Wachstum in Europa die Nummer eins im Bereich Multimedia zu werden, erschien dem Triax-Vorstand der dafür notwendige Zeitraum zu lang. Mit einem eigenen Umsatz von rund 75 MillionenEuro wäre bei Triax außerdem irgendwann eine feindliche Übernahme möglich gewesen. Das wollten wir verhindern. So gingen wir vor zwei Jahren auf Akquisitionssuche...

Und wurden beim Traditionsunternehmen Hirschmann fündig?
L. P. Sidelmann: Ja, mit der Übernahme konnten wir unsere ohnehin schon starke Position weiter ausbauen. Wir haben jetzt mit Hirschmann einen Nettoumsatz von mehr als 120 Millionen Euro. Spätestens 2010 möchten wir Markführer in Europa sein.

Wo liegen hier die Synergien?
L. P. Sidelmann: Die beiden Marken ergänzen sich hervorragend. Hirschmann als bekannte, starke Marke in Deutschland - vor allem im Steckdosen-, Kopfstellen- und Verstärkerbereich und Triax mit einer sehr starken Position in Skandinavien, Frankreich und Großbritannien.

Wird die Marke Hirschmann im Zuge der Übernahme vollständig in der Marke Triax aufgehen?
L. P. Sidelmann: Nein, nicht vollständig. Hirschmann wird jetzt als Marke in Skandinavien, Frankreich und Großbritannien unter Triax vertrieben. In Deutschland und Österreich verfolgen wir eine Zweimarken-Strategie, weil wir dort den Bekanntheitsgrad von Hirschmann nutzen möchten. M. Dienst: Für die Strategie spricht auch, dass es auf dem deutschen Markt auf der Kundenseite nur wenige Überschneidungen zwischen den Marken gab.

Welche strategischen Veränderungen hat es und wird es vielleicht noch geben?
L. P. Sidelmann: Um das Ziel der Marktführerschaft erreichen zu können, haben wir in einem ersten Schritt die Entwicklungsabteilung um 50 Prozent ausgebaut. Der Entwicklungschef für die gesamte Gruppe sitzt heute in Dänemark. Die Entwicklungsabteilung in Deutschland hat also ihren Referenzpunkt am Triax-Stammsitz. An beiden Standorten wird im jeweiligen Kompetenzbereich entwickelt. In Neckartenzlingen auf dem Gebiet der Antennensteckdosen und Verstärker, in Dänemark auf dem der Verstärker, Kopfstellen, Antennen und übrigen Produkte.

Ist der Standort Deutschland für Sie eine fixe Größe?
L. P. Sidelmann: Eindeutig ja. Die Produktion von Steckdosen wird in Deutschland bleiben. Hier haben wir erst jüngst 2,2 Millionen Euro in eine neue Fertigungslinie investiert. Die Verstärkerproduktion wird sich nach Dänemark verlagern, denn dort stehen bereits zwei Bestückungslinien.

Wie sehen Sie die künftige Rolle der Triax-Unternehmensgruppe auf dem Markt?
L. P. Sidelmann: Triax-Hirschmann soll künftig als Innovationsmotor auf dem Markt auftreten. Bereits in den vergangenen Monaten haben wir zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht. Dazu zählen etwa neue Steckdosen, ein neues Verstärkerprogramm, HQSpiegel; Multischalter und HDTV-Kassetten. Und in diesem Herbst werden wir ein neues Receiverprogramm vorstellen. An weiteren Innovationen arbeiten unsere Entwickler intensiv.

Wie entwickelt sich der Multimediamarkt zurzeit?
Matthias Dienst: In den letzten zwei Jahren waren die Zahlen durch DVBT ein wenig geschönt. Ursache dafür waren Zusatzgeschäfte durch die EInführung von DVB-T. In diesem Jahr ist das Kabelgeschäft der Motor für ein positives Wachstum. Wir erwarten einen weiteren Ausbau der Kabelnetze. Kabel Deutschland, Kabel BW und Ish/Iesy haben bereits massiv mit dem Ausbau der Netze begonnen.

Wird der Trend denn auch langfristig anhalten?
M. Dienst: Die nächsten ein, zwei Jahre auf jeden Fall. Der Kabelausbau wird über diesen Zeitraum sicherlich andauern. Für das laufende Jahr dürfte die Branche ein Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent generieren. Ein weiterer Wachstumsmotor ist das Sat-Geschäft. Zwar gibt es durch das Thema Grundverschlüsselung und das Thema Premiere/Arena noch eine Verunsicherung im Markt, die notwendige Umstellung von analog auf digital lässt die Branche aber positiv in die Zukunft blicken.

Sind Handel und Anwender angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht verunsichert?
M. Dienst: Das ist richtig, und ich kann es nachvollziehen. Der Kunde ist verunsichert, und diejenigen, die den Endverbraucher beraten, also Handel und Handwerk, sind es ebenfalls. Müsste ich im Augenblick eine Empfehlung aussprechen, so würde ich zu einem CI-Receiver raten. Das heißt aber nicht, dass Free to Air tot ist. Schließlich regelt das die Nachfrage, und der Geldbeutel entscheidet mit.

Und wie steht es mit HDTV?
Matthias Dienst: Gut, die Fußball-WM hat uns ein Angebot geliefert. Der Kunde ist aber nur bereit, dafür Geld auszugeben, wenn er langfristig entsprechende Inhalte geliefert bekommt. Ich persönlich erwarte nach der IFA, und damit insbesondere im letzten Quartal des Jahres eine nennenswerte Belebung. Schließlich boomt das Geschäft mit HDReady-TV-Geräten seit Monaten.

Kann der Kunde diese Entwicklungssprünge überhaupt noch nachvollziehen?
M. Dienst: Da bin ich mir sicher. Techniken, die einen Mehrwert besitzen, werden vom Kunden auch nachgefragt. Das gilt selbstverständlich auch für HDTV. L. P. Sidelmann: Wir hatten uns zunächst bewusst aus dem HDTVGeschäft herausgehalten, weil die Produkte, die wir im Augenblick kennen, aus unserer Sicht technisch noch nicht ausgereift sind. So erwarten wir hier im Receiver-Geschäft die Ein-Chip-Lösung. Bevor das nicht der Fall ist, bleiben wir in Warteposition. Ab dem vierten Quartal wird diese Lösung aber vielleicht schon auf dem Markt sein.

Sie verstehen sich als Systemanbieter für Multimedia?
M. Dienst: Ja, unsere Kompetenz besteht darin, Signale aus der Luft, dem Kabel oder aus dem Internet zu empfangen, zu verteilen und dem Anwender zur Verfügung zu stellen. Wie sie dann jeder nutzt, bleibt ihm überlassen. L. P. Sidelmann: Der Endkunde möchte auf alles zugreifen. Er möchte die Freiheit, sich das Beste aus dem TV/Radio-, Telefonie- oder IP-Bereich herauszugreifen. Überall im Haus erwartet er heute eine Möglichkeit, das Informationsangebot nutzen zu können. Diese Möglichkeit eröffnet ihm Triax-Hirschmann. Die große Herausforderung für das Elektrohandwerk ist es, all diese Faktoren zentral zu sammeln und im Gebäude zu verteilen. Irgendeine Multimedia-Box wird es künftig immer geben.

Kennt der Endkunde diese Möglichkeiten heute schon?
L. P. Sidelmann: Hier gibt es durchaus noch Nachholbedarf. Nicht zuletzt deshalb schulen wir die Installateure gezielt vor Ort.

Wie werden in Zukunft Informationen übertragen werden?
L. P. Sidelmann: Koax wird vermutlich irgendwann verschwinden und vielleicht durch Twisted-Pair oder Lichtwellenleiter ersetzt. In unserem dänischen Entwicklungslabor testen wir alle Produkte, die den Multimedia-Bereich berühren. Da auch ein Bill Gates sicherlich gern in unserem Markt mitspielen möchte, beobachten wir die Trends genau. Zu 90 Prozent glauben wir bereits zu wissen, wohin die Reise gehen wird.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.



BILANZErtrag auf Rekordniveau
Die Triax-Gruppe mit Hauptsitz in Hornsyld/Dänemark, hat im Geschäftsjahr 2005/2006 (1. Mai 2005 bis 30. April 2006) einen Umsatz von 120,2 Mio. Euro erwirtschaftet, nach 76,9 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2004/2005. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) konnte von 5,2 Mio. Euro auf 6,8 Mio. Euro gesteigert werden. Damit hat die Triax-Gruppe neue Rekordmarken beim Umsatz und beim Ergebnis erzielt.

Das Umsatzwachstum der Gruppe resultiert in erster Linie aus der zum 1. August 2005 vollzogenen Übernahme von Hirschmann. Die Muttergesellschaft Triax A/S hat ihren Umsatz 2005/2006 um 7,4 Mio. EUR auf 55,6 Mio. EUR gesteigert. Das Ergebnis betrug 5,5 Mio. EUR nach 3,1 Mio. EUR im vorhergehenden Zeitraum. Die Zahl der Mitarbeiter betrug 562, 24 davon waren außerhalb Dänemarks beschäftigt. In Deutschland waren es 56.
www.hirschmann-multimedia.de

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