15. DEZEMBER 2017

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Klares Profil – klare Werte


Andreas Bettermann. Vor einem Jahr interviewte g+h Ulrich Bettermann. Jetzt sprachen wir mit seinem Sohn über den Vater, das Unternehmen und die Zukunft.

Herr Bettermann, würden Sie uns kurz Ihren Werdegang skizzieren?
Ja, sehr gern. Nach dem Abitur studierte ich in Köln und Siegen Wirtschaftswissenschaften, absolvierte verschiedene Praktika und arbeitete zunächst bei der Grohe AG. Bevor ich später nach Menden kam, arbeitete ich noch in den Vereinigten Staaten, um weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln.

Stand es für Sie schon immer fest, ins väterliche Unternehmen zu wechseln?
Damals noch nicht; bis mein Vater meinen Bruder Thomas und mich 1999 fragte, ob wir Interesse hätten, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Außerdem bot er uns jeweils eine 24-prozentige Beteiligung an. Diese Option verstanden wir zugleich als Chance und Herausforderung, sodass ich im Herbst desselben Jahres ins Unternehmen eintrat; ein bedeutender Schritt für mich.

Mit welchen Gefühlen?
Durchaus mit gemischten Gefühlen, denn mir war noch nicht klar, ob die familiäre Enge mit einer unternehmerischen Zusammenarbeit so ohne Weiteres harmonieren würde. Meine Zweifel sollten aber bald zerstreut werden.

Wodurch?
Unmittelbar nach meinem Start im Unternehmen entwarfen wir im Marketing ein neues Corporate-Identity-Konzept, das ich damals durchaus als „revolutionär“ bezeichnen würde. Mit diesem Konzept gingen wir zu meinem Vater ins Büro, mit dem festen Glauben, dass er es ablehnen oder aber zumindest heftig kritisieren würde. Bevor wir das Konzept präsentieren konnten, sagte mein Vater, dass wir unsere Pläne realisieren sollten. „Wer Verantwortung übernimmt, darf auch Fehler machen“, entgegnete er, als wir ihm mögliche Probleme skizzierten, wenn er es nicht vorher gesehen hätte. Das war für mich der Wendepunkt. Ich hatte viel über erfolgreiche Unternehmensübergaben in Lehrbüchern gelesen und wusste, dass die Praxis oft anders aussieht. Mein Bruder und ich spürten aber, dass mein Vater hier richtungsweisend dachte und auch handelte. Später sollten ihm dafür viele Menschen Respekt entgegenbringen.

Hat es zwischen Ihnen und Ihren Geschwistern Rivalitäten gegeben?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe drei Geschwister, meine Schwester Bianca und meinen Bruder Thomas, die beide in der Bettermann AG in der Schweiz tätig sind, sowie meinen Bruder Christoph, der in Budapest lebt. Aktiv in die Unternehmensführung eingebunden sind zur Zeit Thomas und ich. Hier gibt es aber eine klare Abgrenzung unserer Aktivitäten.

Wie haben Sie Ihren Vater und das Unternehmen als Kind erlebt?
Meine Eltern waren mit Dahl Kanal und Obo Bettermann Wettbewerber und ich so ein „Produkt“ der Hannovermesse. Meinen Vater sah ich meist nur an den Wochenenden. Dennoch hatte ich eine sehr angenehme, unbelastete Kindheit und konnte mich frei entfalten.

Welches sind eigentlich in Ihrem beruflichen Werdegang die für Sie signifikanten Stationen gewesen?
Begonnen habe ich bei Obo im Marketing und wurde dort von unserem damaligen Vertriebsleiter Deutschland, Heinz Schauerte, in die Geschäfte eingewiesen. Als dieser im Jahr 2001 plötzlich verstarb, entschied man sich nach internen Diskussionen, mir die Gesamtverantwortung zu übertragen, obwohl ich noch relativ wenig Erfahrung besaß. Damit begannen meine lehrreichsten Jahre, denn im Vertrieb lernen Sie alle Spielarten des Geschäfts und natürlich auch Ihre Kunden sehr genau kennen.

Sie waren und sind jung, hat es Akzeptanzprobleme von außen gegeben?
Nein, ich habe mich immer gut aufgehoben und akzeptiert gefühlt. Meine Philosophie war und ist es, sich auf den Kunden einzustellen, sich gut vorzubereiten und vor allem glaubwürdig zu sein. Mit der Zeit entwickelt sich dann eine Vertrauensbasis, die vor allem in unserer Branche die Basis für erfolgreiche Geschäfte bildet.

Hat Ihr Vater heute noch Einfluss?
Ja, natürlich. Mein Vater ist Vorsitzender der Geschäftsführung im Hause und gestaltet die strategische Linie des Unternehmens maßgeblich mit. Wir haben aber eine Kultur bei Obo, die jeden Mitarbeiter in die Verantwortung einbindet, ganz gleich, ob er Familienmitglied ist oder nicht. Da es keinerlei familiäre Rivalitäten gibt und auch die anderen Führungskräfte diese Philosophie leben, beeinflussen wir uns natürlich gegenseitig ? immer mit dem Blick auf den Erfolg für das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Das Unternehmen und die Mitarbeiter stehen für uns immer ganz klar im Fokus.

War und ist Ihre Position nicht manchmal auch eine Last, Sie sind ja erst 32 Jahre alt und könnten sich vielleicht ein unbeschwerteres Leben leisten?
Nein, ganz und gar nicht. Ich glaube, dass es für jeden begeisterungsfähigen Menschen ein Hochgefühl ist, Verantwortung und Aufgaben übertragen zu bekommen. Hier auch noch die Möglichkeit zu erlangen, die eigenen Vorstellungen umsetzen zu können, beflügelt mich besonders.


Ihr Vater steht buchstäblich im Rampenlicht, im Fernsehen und in den Printmedien. Eifern Sie ihm nach, und was unterscheidet sie?
Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Zunächst darf man sicherlich nicht ausschließlich auf jenen Pfaden gehen, die vorgegeben sind. Das Erreichte zu achten, ist eine Seite, aber für mich war es immer schon wichtig, den eigenen Weg, also ein persönliches Profil zu finden. Das ist unverzichtbar, um nachhaltig Erfolg zu haben. Mein Vater hat mir dies sehr leicht gemacht. Als wir auf der ersten light+building im Jahr 2000 waren und er nach Dingen aus meinem Verantwortungsbereich gefragt wurde, entgegnete er stets: „Das müssen Sie meinen Sohn fragen, er ist dafür zuständig.“ Diese Haltung verschaffte mir Selbstbewusstsein und meinem Vater Achtung in der Branche. Was das Rampenlicht angeht, so steht mein Vater in vielen Bereichen über das Unternehmen hinaus an vorderster Linie. Das Weltwirtschaftsforum oder die Dolce Media, die „Wetten das ...?“ produziert, gehören dazu.

Sind Sie parteipolitisch aktiv, das heißt, gehören Sie einer Partei an?
Nein, ich gehöre keiner Partei an, weil es für mich heute schwierig ist, zwischen den Parteien überhaupt noch Unterschiede auszumachen. Eine parteipolitische Definition zum Beispiel, wo links, konservativ oder liberal ist, lässt sich kaum noch fixieren. Leider gibt es immer weniger Politiker, die zu ihren persönlichen Überzeugungen stehen. Uns fehlen ganz einfach charismatische Persönlichkeiten, die Ihre Meinung ohne ständigen Blick auf die Wahlurne vertreten.

Wir befinden uns zurzeit im wirtschaftlichen Aufschwung. Inwieweit hat Ihr Unternehmen davon profitiert?
Ganz wichtig ist, dass wir in der Weltwirtschaft in den letzten Jahren ein positives Klima hatten, das sich auf Europa übertragen und auch in Deutschland seinen Niederschlag gefunden hat. Obo Bettermann hat davon klar profitiert; einerseits auf dem deutschen Markt, auf dem wir 49 Prozent unseres Umsatzes tätigen, andererseits in unseren Exportmärkten, die ein noch stärkeres Wachstum zu verzeichnen haben als der heimische.

Welchen Stellenwert hat die Marke Obo im Elektrohandwerk?
Die Marke ist ein Vertrauensfaktor. Wenn ein Handwerker beispielsweise Produkte aus unserem Haus einsetzt, dann weiß er, dass er sich auf das Produkt und seine innovativen Funktionalitäten verlassen kann, dass er das Produkt heute, morgen und auch übermorgen noch bekommen kann. Eine Marke darf nicht Me-too sein, sie muss das Vertrauen der Kunden wert und auf ihre Bedürfnisse möglichst exakt zugeschnitten sein.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?
Wir haben in diesem Jahr die 2.000er-Marke überschritten. Das liegt u. a. daran, dass wir im Geschäftsbereich Ackermann zahlreiche Neueinstellungen vorgenommen haben, weil sich dieser Unternehmensbereich sehr positiv entwickelt und kontinuierlich wächst.

Was hat Sie eigentlich zur Übernahme von Ackermann bewogen?
Obo hatte schon seit Jahrzehnten Unterflurlösungen angeboten, konnte jedoch bei Speziallösungen nur schwer mit Ackermann mithalten, denn der Marktführer und Erfinder dieser Technologie war aus den Köpfen von Architekten und Planern nicht wegzudenken. Als dann die Übernahme von Novar, die ja Ackermann bereits im Portfolio hatten, durch Honeywell bevorstand, sahen wir unsere Chance für die Akquise.

Wie viele Beschäftigte hat der Bereich?
Als wir Ackermann übernahmen, waren von den einst 1.300 Mitarbeiten noch etwa 150 Mitarbeiter in Gummersbach in der Planung von Honeywell. Jetzt, also knapp zwei Jahre später, sind es bereits wieder um die 200; und die Perspektiven sind überaus erfreulich.

Wie sehen Sie Ihr Unternehmen in der Zukunft aufgestellt?
Wir möchten kontinuierlich wachsen; in erster Linie nicht durch Zukauf, sondern durch eigene Innovationen. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, beweist das Wachstum der letzten Jahre. Heute stoßen wir mit den vorhandenen Ressourcen bereits an die Grenzen unserer Möglichkeiten. Die Auslastung ist mehr als gut und nicht zuletzt deshalb werden wir im Rahmen des Projekts „Obo 2011“ rund 40 Millionen Euro in einen neuen Standort hier in Menden gegenüber unserem heutigen Zentrallager investieren. Dort werden mehr als 30.000 Quadratmeter moderne Produktions- fläche entstehen.

Wie gestaltet sich Ihr Produktportfolio nach Gewichtung?
Die stärkste Produkteinheit ist der Bereich der Kabeltragsysteme einschließlich der Brandschutzsysteme, dann folgen die Leitungsführungssysteme, Einbaugeräte und Unterflursysteme. Diesem Sektor schließen sich die Verbindungs- und Befestigungssysteme an. Als letzten, aber ebenfalls ganz deutlich wachsenden Bereich möchte ich den Blitz- und Überspannungsschutz nennen.

Worauf richten Sie bei Innovationen Ihr Augenmerk besonders?
Wir setzen den Fokus im Bereich der Kabeltragsysteme auf Installationsgeschwindigkeit und Belastbarkeit, bei Unterflur- und Leitungsführungssystemen auf Design und Funktionalität, beim Überspannungsschutz auf Sicherheit und Verfügbarkeit. In der Verbindungs- und Befestigungstechnik stehen Qualität und Zukunftsfähigkeit ganz klar im Vordergrund.

Welche Innovationen wird es zur light+building im kommenden Jahr geben?
Das sind in allen Unternehmen der Elektrobranche die am besten gehüteten Geheimnisse. Nur so viel: Wir werden eine ganze Reihe von Innovationen präsentieren, die teilweise revolutionär sind und dem Handwerker das Leben maßgeblich erleichtern werden.

Gehen Ihre Strategien in Richtung Vollsortimenter in der Gebäudetechnik?
Nein, wir sind der festen Überzeugung, dass wir uns in den Bereichen, in denen wir stark sind, weiterentwickeln. Wer sich zu breit aufstellt, verliert leicht an Kraft und Innovationsfähigkeit in seinen Kernbereichen.

Die Sie manchmal mit einer ungewöhnlichen Form der Darstellung präsentieren. Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, in Ihrer Werbung LFS Leitungsführungssysteme mit Obo Topmodels zu verbinden?
Da unsere Branche in aller Regel zu wenig emotional, dafür aber um so mehr technisch argumentiert, möchten wir Produktargumentation durch Bildsprache und Emotionalität aufwerten. Bei Leitungsführungssystemen geht es um Funktionalität und Design, also einen Thema, das man in der Werbesprache als eher weiblich klassifizieren könnte. Bei Kabeltragsystemen würden wir eher einen Installateur wählen, da es hier um Belastbarkeit und Montagegeschwindigkeit geht, ein Thema also, das eher männlich besetzt ist. In diesem Sinne unterstützen wir auch Initiativen wie Elektro +, die den Markt mit neuen Formaten der Vermarktung beeinflussen möchten. Dazu zählen auch Aktivitäten wie „Intelligentes Wohnen“, der „E-Check“ oder die neue „E-Marke“ des ZVEH. Hier findet ein Umdenken statt, das ich begrüße.

Wird Obo langfristig eigenständig bleiben?
Ganz sicher. Wir werden weiter wachsen und schneller und konzentrierter sein als größere Unternehmen, die meist weniger flexibel sind. Wenn ich die Entwicklung von Obo betrachte, seine Innovationskraft und das Engagement sowie die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, erübrigt es sich, weiter darüber zu philosophieren.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch einmal auf den Menschen Andreas Bettermann zurückkommen. Ich würde Ihnen gern einige Stichworte geben und Sie mir bitte eine kurze Antwort.
OK, fangen Sie an.

Angela Merkel?
Verfolgt durchaus eine sehr gute Außenpolitik und repräsentiert uns deshalb im Ausland exzellent. Angesichts des Koalitionspartners und der aktuellen internen Probleme sowie der parteipolitischen Querelen wird sie sich aber künftig deutlich mehr auf die Innenpolitik konzentrieren müssen.

Familie?
Meine Familie ist für mich Antrieb und Motor. Meine Kinder sind sechs, vier und zwei Jahre alt. Das fordert mich und führt mir immer wieder die Einfachheit mancher Dinge vor Augen. Meine Frau ist mir eine große Stütze.

Freunde?
Sind für mich sehr wichtig. Es ist jedoch schwierig, alle Freundschaften angesichts eines engen Zeitbudgets aufrechtzuerhalten oder in ausreichendem Maße zu pflegen.

Freizeit?
Wir haben jetzt über den Beruf, die Familie und Freunde gesprochen. Freunde möchte ich mit Freizeit gleichsetzen.

Fliegen?
Ist meine große Leidenschaft, die sich mit dem Beruf sehr gut kombinieren lässt. Ich bin aber noch passionierter Segler. Dazu komme ich jedoch zurzeit so gut wie gar nicht.

Autos?
Müssen vier Räder und ein Lenkrad haben.

Geld?
Geld beruhigt ungemein, macht aber nicht immer glücklich.

Glück?
Glück bedeutet für mich Erfolg für das Unternehmen zu erreichen und dies in Einklang mit den Interessen meiner Familie zu tun.

Glauben Sie?
Manchmal ja, manchmal nein. Meine Religion ist orange und heißt Obo.

Herr Bettermann, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.


TopmodelsUngewöhnlicher AuftrittFunktionalität und zeitloses Design betreten den Laufsteg der Elektroinstallation. Das ist die konzeptionelle Idee, die Obo in der Werbekampagne für seine Leitungsführungssysteme aus Kunststoff verfolgt. Im Blickpunkt stehen attraktive Fotomodelle, die das Augenmerk auf die Produkte lenken sollen. Dieses Konzept setzt sich in den Informationsbroschüren fort und findet auch in den PR-Aktivitäten des Unternehmens seinen Niederschlag. Für die eher konservative Branche ist es ein mutiger Schritt in Richtung „neue Wege“ in der Werbung. Nicht ohne Grund spricht Andreas Bettermann in unserem Interview von der Techniklastigkeit. Was immer noch etwas fehlt, sind Emotionen.

Ausgabe:
g+h 07/2007
Unternehmen:
Bilder:
3 Unternehmens-Videos:
  • Firmengeschicht..
  • Anwendung Adapt..
  • Aquasit - die w..
2 Unternehmens-Kataloge:

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