11. DEZEMBER 2017

zurück

kommentieren drucken  

Am Start erfolgreich


Iris Jeglitza-Moshage. Zum fünften Mal wird die Light+Building in Frankfurt am Main am 6. April ihre Tore öffnen. g+h sprach mit der Leiterin Technische Messen über die Veranstaltung.

Frau Jeglitza-Moshage, die Light+Building ist zweifellos eine Erfolgsgeschichte, sodass viele bereits vergessen haben, wie es begann. Würden Sie uns einen kurzen Rückblick geben?
Gern, die Messe geht jetzt in die fünfte Runde und wurde in den Jahren 1998/99 konzipiert. Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen gehört sie ganz klar zur „jüngeren Messegeneration“. Der Erstveranstaltung im Jahr 2000 waren viele konzeptionelle Überlegungen vorausgegangen, wie man eine thematisch homogene, internationale Plattform für gebäudebezogene Elektrotechnik, Licht, Gebäudeautomation und damals auch Klimatechnik mit all ihren Facetten schaffen könnte.

Diese Homogenität gab es ja bereits auf den Regionalmessen.
Ja, sie war auf den Regionalmessen bereits Realität, in Frankfurt beispielsweise mit der damaligen Contact. Gebäudeautomation, Elektrotechnik, Licht und Klimatechnik waren aber auch auf den großen internationalen Messen zu finden; auf der ISH in Frankfurt oder der Hannover Messe Industrie. Das hat sich nun gewandelt, wie die Messelandschaft ja generell den Veränderungen der wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen folgt oder auch Vorreiter in diesem Bereich ist. In den Neunzigerjahren hatten die Kollegen in Hannover den Wunsch, die Automatisierungstechnik stärker zu fokussieren. Dafür brauchten sie Ausstellungsfläche und boten der Leuchtenindustrie eine Terminalternative an, die nicht auf Akzeptanz stieß. Letztlich kam es dann zur Ausschreibung einer neuen Veranstaltung.

Die ein Erfolg für Frankfurt war?
Richtig, wir haben im Zuge der Ausschreibung den Vorschlag einer Verbundmesse unterbreitet, die Gebäudeautomation, Teile der Gebäudetechnik sowie die Klima-und Lüftungstechnik mit einbringt. Damit haben wir jetzt im Wechsel zwischen Light+Building und ISH die gesamte Gebäudetechnik in Frankfurt. Und mit diesem Konzept haben wir offensichtlich nicht nur die Industrie überzeugen können ...

... sondern auch die Besucher.
Ja, wir landeten von Anfang an einen Volltreffer in Deutschland, Europa und weltweit auf der Aussteller- und Besucherseite.

Wie haben sich Aussteller- und Besucherzahlen entwickelt?
Die Zahlen sind kontinuierlich von Veranstaltung zu Veranstaltung gewachsen. Vor unserem Messedebut haben wir gesagt, wenn wir 400 bis 600 Aussteller und 40.000 bis 60.000 Besucher bekommen, dann ist die Veranstaltung ein Erfolg.

Sie hatten mehr?
Ja, der Start war ein Sensationserfolg, das muss man so sagen, und etwa 100.000 Besucher. Inzwischen sind wir bei 2.100 Ausstellern und 135.000 Besuchern – dies bei einer Bruttofläche von mehr als 230.000 m².

Worauf führen Sie das zurück?
Auf das Gesamtkonzept – wie ich bereits sagte – und die technischen Entwicklungen in den Märkten. Die einzelnen Gewerke in einem Gebäude werden immer stärker miteinander verzahnt. Das spiegelt die Zusammensetzung der Aussteller wider. Hinzu kommen die internationalen Trends im Bereich des Energiemanagements und die Klimadiskussion, die den Zuspruch gegenüber der Messe noch einmal erhöhen.

Wie hoch ist der Anteil ausländischer Besucher?
Wir haben rund 47.000 Auslandsbesucher. Übrigens konnten wir die Zahl der internationalen Messebesucher in den letzten acht Jahren verdoppeln.

Worin liegt der Reiz für ausländische Besucher, auf die Light+Building zu gehen?
Die Light+Building ist die Weltleitmesse, auf der alle internationalen Marktführer präsent sind, und die größte Lichtmesse der Welt. Und wenn es um Gebäudetechnik geht, schaut man weltweit auf Deutschland. Wir sind in diesem Bereich Markt-, Trend- und Technologieführer. In kaum einem anderen Land weist die technische Gebäudeausrüstung einen derart hohen Standard auf.

Welche Veränderungen hat die Messe 2008 aufzuweisen?
Auf dezidierten Wunsch führender Aussteller wurde die Messe von fünf auf sechs Tage verlängert. Angesichts des enormen Zuwachses der Besucher fehlte den Ausstellern einfach die Zeit, sich den Kunden in ausreichendem Maße widmen zu können. Im Gegensatz zu einem allgemeinen Trend, Messen zu verkürzen, gehen wir hier den umgekehrten Weg. Das ist fantastisch.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie in diesem Jahr?
Wir sind hier sehr zurückhaltend, was die Prognosen anbelangt, gehen jedoch davon aus, die Zahlen der letzten Veranstaltung, also 135.000, auf jeden Fall zu erreichen. Über ein Plus unterhalten wir uns hoffentlich am 11. April.

Woher kommen die meisten ausländischen Besucher?
Die führenden Besuchernationen sind die Niederlande, Italien, Belgien, die Schweiz und Österreich. Ganz stark im Kommen sind die Gäste aus Polen, Rumänien, Tschechien und Russland. Hier merkt man auch ganz klar den großen Nachholbedarf dieser Staaten. Interessant sind aber auch die Parameter aus anderen Ländern. So hat sich zum Beispiel die Zahl der Dänen von 500 im Jahr 2000 auf 1.000 im Jahr 2006 verdoppelt. Wenn Sie überlegen, dass Dänemark rund fünf Millionen Einwohner hat und sich 1.000 Fachbesucher auf den Weg zur Light+Building begeben, ist das eine erstaunlich hohe Zahl. Das gilt übrigens auch für Schweden.

Erstmals wird die Messe ohne zeitliche Überlagerung mit Hannover stattfinden – warum?
Wir hatten uns mit den Kollegen aus Hannover geeinigt, drei Veranstaltungen überlappend durchzuführen. Als Messe Frankfurt haben wir auch keinerlei Veranlassung gesehen, die Zeitgleichheit aufzugeben. Die Entscheidung lag allein in den Händen der Hannover Messe Industrie, die sicher sehr sorgfältig aufgrund ihrer eigenen Bedürfnisse diese Entscheidung abgewogen und dann so getroffen hat. Es gibt einige Aussteller, die auf beiden Messen vertreten sein werden und sich Sorgen machen, dass der eine oder andere Auslandsbesucher nur einmal nach Deutschland kommen wird. Deshalb hatte sich meines Wissens ja auch der ZVEI darum bemüht, die Termine weiterhin zeitgleich zu halten – leider vergeblich.

Könnte sich das für Frankfurt negativ hinsichtlich des ausländischen Publikums auswirken?
Nein, wir sind der Überzeugung, dass kein Rückgang bei den internationalen Besuchern zu verzeichnen sein wird. Die Light+Building ist mittlerweile stark genug, um mit diesem Selbstbewusstsein aufzutreten. Dennoch kann es natürlich sein, dass der eine oder andere Aussteller hier einen geringen Schwund an ausländischen Besuchern haben wird. In der Summe müssen alle abwarten, um nach Abschluss der Veranstaltungen die Ergebnisse zu analysieren.

In welches Rahmenprogramm wird die Messe eingebettet?
Kern wird wieder der Building Performance Congress sein, der mit hochkarätigen Referenten besetzt ist. Dort finden beispielsweise der „Energy Focus – Deutscher Energieberatertag“ und der „IEECB Focus – Improving Energy“ statt, ein Symposium, das alle Aspekte der Gebäudetechnik aufgreift. Mit diesem hochinteressanten Programm werden die Angebote der Aussteller noch einmal mit ganz gezielten Basis- und Zusatzinformationen angereichert. Und für das Handwerk gibt es – wie gewohnt – auch wieder eine Werkstattstraße, den KNX-Award, Arbeitssicherheitsseminare und die Sonderschau „Intelligentes Haus der Gegenwart“ und für den Nachwuchs den Treffpunkt Zukunft. Dann wird noch ein Trendforum, das eher den Handel, Architekten, Innenarchitekten und Lichtdesigner anspricht, durchgeführt. Abgerundet werden diese Veranstaltungen durch den Wettbewerb Design Plus, der auch von elektrotechnischer Seite sehr stark angenommen wird.

Und es wird die Prämierung des besten jungen europäischen Elektrotechnikers geben?
In der Tat, der Wettbewerb „Competition of Young Electricians“ wird in diesem Jahr auf der Light+Building seinen krönenden Abschluss finden, denn die 15 besten europäischen Elektrotechniker werden sich in Frankfurt am Main noch einmal miteinander messen. Bereits im Vorfeld wurde diesem Contest ein hohes Maß an Aufmerksamkeit zuteil. Der ZVEH ist in diesem Jahr Organisator des Wettbewerbs.

Welche Inhalte verbergen sich hinter den Thementagen?
Um die Vielzahl an Informationen zu bündeln und zu fokussieren, bietet die Light+Building erstmals Thementage. Wir haben drei Thementage, einmal den Mittwoch, den „Kommunentag“. Dort stehen Behördenvertreter im Mittelpunkt. Themen wie Energieeffizienz, Gebäudeautomation und Contracting sollen stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Die Industrie erwartet, dass sich der Investitionsstau der vergangen Jahre in den öffentlichen Haushalten etwas auflösen wird. Und wir alle wissen, dass der Renovierungs- und Modernisierungsbedarf öffentlicher Gebäude außerordentlich hoch ist. Mithilfe moderner Gebäudetechnik lassen sich hier zudem die Betriebskosten erheblich senken.
Der Freitag ist der Tag der Architekten und des Nachwuchses. Für Architekten gibt es unter anderem spezifische Rundgänge. Für Schüler und Studenten steht der Treffpunkt Zukunft im Vordergrund. Wir laden gezielt Schüler und Studenten ein, um sich mit den Themenfeldern der Gebäudetechnik vertraut zu machen. Mit den Thementagen wollen wir Akzente setzen. Natürlich gibt es auch an allen anderen Tagen Programmpunkte für die verschiedenen Berufsgruppen.

Sehen Sie angesichts der Klimadiskussion für die Light+Building noch zusätzliches Entwicklungspotenzial?
Energieeffizienz und Ressourcenschonung sind der Megatrend in der öffentlichen Diskussion und auch auf der Light+Building. Eine Studie der Deutschen Bank im Frühjahr 2007 hat deutlich gemacht, dass es im Zuge der Klimaveränderung Gewinner und Verlierer auf der Industrieseite geben wird. Zu den Gewinnern werden jene Unternehmen zählen, die sich intensiv mit Fragen des Energieeinsatzes und –managements beschäftigen. Das sind unsere Aussteller, die das technische Know-how, diesem Problem zu begegnen, bereits verfügbar haben. Eine maßgebliche Rolle spielen hier die Gebäudeautomation und die Elektrotechnik.

Der Light+Building fehlten 2006 auf der Besucherseite nur noch 15.000, um mit der Hannover Messe Industrie gleichzuziehen. Kommt Frankfurt angesichts dieser Erfolgszahlen da nicht manchmal in den Medien zu kurz? In Hannover wird die Kanzlerin die Messe eröffnen.
Das ist schon richtig. Der Bund ist ja auch Gesellschafter. Fairerweise muss man aber sagen, dass Hannover für die deutsche Industrie eine hervorragende Plattform ist. Aber die Hannover Messe Industrie schärft ihr Profil von einer Publikumsmesse in Richtung Fachmesse. Das wird sich mittelfristig in den Medien widerspiegeln.

Werden die Regionalmessen angesichts des Wachstums der Light+Building nicht ein wenig an die Wand gedrückt?
Nein, die Regionalmessen ermöglichen der Industrie den Kontakt zum regionalen Handwerk und werden allein deshalb erhalten bleiben; ob alle, wird man sehen. Außerdem verfolgen sie natürlich konzeptionell eine andere Grundphilosophie. Nach Frankfurt kommt neben dem Handwerk internationales Publikum, hier werden die Innovationen zuerst gezeigt, Sie sehen, das sind zwei völlig unterschiedliche Welten; auf den Regionalmessen sehen Sie einen Auszug des auf der Light+Building präsentierten gesamten Leistungsspektrums.

Wären Sie Inhaberin eines Elektrofachbetriebs, was würde Sie veranlassen, die Light+Building zu besuchen?
Der Blick auf das Gesamtangebot für mein Geschäft. Ich möchte wissen, mit welchen Techniken und Problemen ich mich morgen auseinandersetzen muss, möchte mich informieren, wohin die Märkte sich entwickeln und welche Produkte und Dienstleistungen ich meinen Kunden anbieten kann.

Frau Jeglitza-Moshage, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.


Kurzprofil
Leiterin Technische Messen

Seit 1. Juli 2005 ist Iris Jeglitza-Moshage (46) Leiterin Technische Messen bei der Messe Frankfurt. Sie ist für das gesamte Spektrum der technischen Messen der Messe Frankfurt verantwortlich. Dazu gehören unter anderem die Light+Building, die ISH, die Material Vision, die ACS und die Investitionsgüter-Messen IFFA und Texcare. Iris Jeglitza-Moshage kam 1999 zur Messe Frankfurt, zunächst als Teamleiterin Presse für die Technischen Messen. Von 2000 bis 2005 war sie als Leiterin Marketingkommunikation für Pressearbeit, Werbung und Internet in diesem Geschäftsbereich verantwortlich.

www.light-building-messefrankfurt.com

Ausgabe:
g+h 01/2008
Unternehmen:
Bilder:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv


  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Bleiben Sie in Verbindung

Aktuelle Ausgaben

  Jetzt Newsletter
abonnieren!