13. DEZEMBER 2017

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Gewerke mobil


Sortimo. g+h sprach mit dem Geschäftsführer Reinhold Braun und Zielgruppenmanager Fatih Yilmaz über das tägliche Chaos auf der Fahrt zur Baustelle und effiziente Lösungen dieses ernsthaften Problems.

Herr Braun, wie verlief die Geschichte von Sortimo?
Reinhold Braun: Die Unternehmensgründung von Sortimo fand vor 35 Jahren statt. Angefangen hat es mit unserem „Klassiker“, dem Sortimo-Koffer. Das interessante an der Geschichte ist, dass in jenen Jahren viele Unternehmen nach ihrem Gründer benannt wurden. Bei uns war das anders. Sortimo ist quasi nach dem Koffer benannt worden und heißt „Sortimente mobil“.

... als Firmenphilosophie.
Richtig: Unsere Produktphilosophie ist es, Sortimente mobil zu machen. In unserer Geschichte sind wir dem Motto treu geblieben und haben nie etwas anderes gemacht. Es geht darum, die Prozesse der täglichen Arbeit für den Handwerker zu optimieren.

Und wie entwickelte sich daraus die Idee, eine Fahrzeugeinrichtung auf den Markt zu bringen?
Das war recht einfach, denn wenn ich einen Koffer von A nach B bringen muss, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie ich das in einem Fahrzeug am sichersten erledigen kann. Davor steht aber noch unsere eigentliche Aufgabe, die optimale Befüllung des Koffers. Ein Koffer ist ja lediglich ein simpler Behälter. Für uns geht es darum, ihn so zu befüllen, dass der Handwerker seine Arbeitsabläufe optimal gestalten kann. Die Entwicklung verlief dann weiter bis hin zur kompletten Inneneinrichtung von Nutzfahrzeugen.

Welches waren die größten Entwicklungsschritte?
Einer der größten Schritte war sicherlich 2004 die Vorstellung von Gobelyst. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, ein System auf den Markt zu bringen, das man global vermarkten kann. Heute haben wir Tochtergesellschaften von den USA bis China.

Sie fertigen aber weiter in Deutschland?
Ja, wir fertigen für den Weltmarkt ausschließlich hier in Zusmarshausen. Viele, die ihre Fertigung ins Ausland verlagert hatten, sind ja mittlerweile wieder in Deutschland. Wir sind dem Standort immer treu geblieben.

Sortimo ist in Familienbesitz?
Ja, wir sind ein mittelständisches Familienunternehmen.

Welches waren in den Anfängen Ihre ersten Kunden?
Die ersten größeren Kundenkreise kamen aus dem Heizungs-, Lüftungs-, Klimabereich. Dieses Gewerk benötigt vor Ort eine mobile Werkstatt. Und es hat sehr viele Kleinteile zu transportieren. Je mehr Einzelteile zur Baustelle transportiert werden müssen, desto wichtiger werden Ordnungssysteme.

Auf der Baustelle sieht das aber völlig anders aus – oder?
Ganz klar, niemand hält freiwillig Ordnung. Warum brauche ich aber überhaupt Ordnung? Ordnung dient dazu, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, zu beschleunigen und komfortabler zu gestalten. In Zeiten knapper werdender Budgets sind Ordnungssysteme deshalb außerordentlich wichtig.

Wie schaut die Produktentwicklung in der Praxis aus?
Fatih Yilmaz: Wir veranstalten regelmäßig Innovationsforen. Unsere Gäste sind unsere Kunden und Nicht-Kunden, die mit ihren Fahrzeugen anreisen. Wir möchten von den Handwerkern wissen, wie sie mit den Fahrzeugen arbeiten und welche Geräte und Materialien sie darin wie transportieren. Im letzten Jahr hatten wir Elektrohandwerker eingeladen. Schaut man sich deren Fahrzeuge an, dann erkennt man sofort, wie wichtig effiziente Ordnungssysteme sind, denn hier müssen sehr viele Kleinteile transportiert werden.

Die Fahrzeuge verfügen dann bereits über Sortimo-Einrichtungen?
Nein, überhaupt nicht. Die Fahrzeuge haben teilweise überhaupt keine Einrichtung oder verfügen über teilweise aufwendige Holzeinrichtungen, die jenseits aller Sicherheitsbestimmungen sind. In einigen Fahrzeugen sieht es völlig chaotisch aus. Deshalb laden wir auch gezielt Handwerker ein, die nicht bei uns Kunde sind.

Nur das Genie beherrscht das Chaos.
Mag sein, aber Chaos im Nutzfahrzeug führt zu unnötigen Versorgungsfahrten, längeren Arbeitszeiten und Demotivation der Handwerker. Außerdem ist es in hohem Maße unwirtschaftlich.

Wie werden Ideen der Foren in Produkten umgesetzt?
Unsere Produktmanager und Entwickler nehmen an den Innovationsforen teil, greifen dort gewonnene Erkenntnisse auf und entwickeln daraus neue Ideen für Produktentwicklungen. So ist auch für das Elektrohandwerk die Elektrowanne entstanden, die es mit einer 300-mm-Breite ermöglicht, zwei Verpackungseinheiten Leuchtstofflampen problemlos zu transportieren.

Arbeiten Sie auf dem Gebiet Verpackung mit der Industrie und dem Großhandel zusammen?
Ja, das ist für uns ganz wichtig, denn letztlich geht es ja hier auch um einen wechselseiteigen Nutzen. Wenn beispielsweise ein Hersteller von Elektrowerkzeugen sich bei der Umverpackung an unseren Systemen orientiert, dann fällt die Entscheidung im Handwerk leichter, sich für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden, weil es in das verfügbare Transportsystem passt.
Reinhold Braun: Beim Denken in Verpackungseinheiten stehen wir noch ganz am Anfang. Viele Handwerker sind heute gezwungen, Materialien und Geräte umzupacken, damit sie kompatibel zum vorhandenen Einrichtungssystem werden. Unser Ziel ist es, die Sensibilität dafür zu wecken, dass von der Industrieseite her Verpackungen bereitgestellt werden, die in unser Einrichtungssystem passen. Dann schließt sich die Kette der Logistik.
Wir werden 2008 neue Boxensysteme auf den Markt bringen, um dann in den kommenden Jahren daran zu arbeiten, dass diese Systeme als Umverpackung genutzt werden. Dann muss der Handwerker nicht mehr sein System präparieren, sondern er erhält eine konfigurierte Komplettlösung.

Welchen Einfluss hat die Autoindustrie auf Ihre Produkte?
Einen ganz entscheidenden Einfluss, denn aus der Automobilindustrie kommen wichtige Impulse für unsere Produkte. Wir möchten gern dabei sein, wenn es um die Entwicklung neuer Nutzfahrzeuge geht. Nur so können wir erkennen, wie eine Fahrzeugeinrichtung optimal zu konfigurieren ist, um für den Anwender einen hohen Nutzen bei gleichzeitig hoher Sicherheit gewährleisten zu können. Deshalb arbeiten wir mit jedem Nutzfahrzeughersteller zusammen. Diese Kooperation geht soweit, dass die Hersteller bereits entsprechende Befestigungspunkte für unser System in die Fahrzeuge integrieren.

Welche Vorteile hat der Handwerker davon?
Zunächst lässt sich eine Fahrzeugeinrichtung völlig unproblematisch montieren. So einfach, dass nicht einmal gebohrt werden muss. Das System wird einfach im Fahrzeug verschraubt. Ein zweiter Aspekt ist, dass keine Einzel-, sondern eine Komplettlösung angeboten wird. Das ist bei der Fahrzeugsicherheit von kaum zu unterschätzender Bedeutung.

Inwieweit?
Wenn Sie die aktuellen Entwicklungen bei Nutzfahrzeugen sehen, dann gibt es einen klaren Trend hin zur Leichtbauweise. Hier kann man nicht einfach irgendeine Do-it-youself-Fahrzeugeinrichtung von hohem Gewicht integrieren, ohne gleichzeitig die Sicherheit erheblich einzuschränken. Werden Fahrzeugeinrichtungen aber in Kooperation mit dem Hersteller entwickelt, treten solche erheblichen Sicherheitsprobleme erst gar nicht auf.

Lassen Sie uns auf das Thema Sicherheit kommen. Wie sicher sind die Nutzfahrzeuge auf unseren Straßen?
Mit unserer Fahrzeugeinrichtung ist der Transport von Ladung sicher. Die Sicherheit der Fahrzeuge selbst obliegt ja den Herstellern. Viele Nutzfahrzeuge im Handwerk werden aber immer noch ohne professionelle Einrichtung betrieben. Da gibt es entweder überhaupt keine Einrichtung oder einen Selbstbau.
Das kann, unsere Crash-Tests haben das bewiesen, tödlich enden. Wichtig ist hierbei, dass Fahrzeugeinrichter und Fahrzeughersteller eng zusammenarbeiten. Denn zunächst geht es um die Sicherheit des Nutzfahrzeugs. Wenn die Fahrzeugsicherheit gewährleistet ist, steht die sichere Integration unseres Einrichtungssystems, die integraler Bestandteil des Laderaums ist, ganz klar im Vordergrund.

Neben der Sicherheit steht für den Handwerksbetrieb natürlich auch die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Warum sollte ich mich als Unternehmer für eine Fahrzeugeinrichtung entscheiden?
Fatih Yilmaz: Wirtschaftlich gesehen, kann ich mit einer solchen Einrichtung aus dem Fahrzeug heraus arbeiten. Das Fahrzeug wird vom reinen Transportmittel zur mobilen Werkstatt aufgewertet. Sie sparen Zeit, weil Sie alle wichtigen Geräte und Materialien logisch sortiert sofort finden.

Wie lang ist die Amortisationszeit für ein Einrichtungssystem?
Eine Fahrzeugeinrichtung amortisiert sich durchschnittlich nach sechs Monaten. Unnötige Fahrten aufgrund fehlender Teile werden vermieden und die Rüstzeiten erheblich verkürzt.

Wie weit sind Fahrzeugeinrichtungen bereits im Elektrohandwerk verbreitet?
Zu wenig (lächelt, Anmerk. d. Redaktion). Aber wir arbeiten sehr stark daran, im Elektrohandwerk das Bewusstsein für die Notwendigkeit professioneller Lösungen zu wecken und kooperieren mit Verbänden und der Industrie.

Gibt es spezielle Lösungen für das Elektrohandwerk?
Hier bieten wir unter anderem die bereits erwähnt Elektrowanne an; aber auch Schub- und Mobilboxen sowie die seit einem Jahr zur Verfügung stehenden T-Boxen. Diese sind speziell auf die Bedürfnisse des Elektrohandwerkers zugeschnitten, sodass er nahezu alle benötigten Materialien sicher unterbringen kann. Im Einzelfall geht es bei der Einrichtung darum, mit dem Kunden eine individuelle Lösung zu erarbeiten, denn letztlich hat jeder Elektrofachbetrieb auch seine Arbeitsschwerpunkte. Wer bevorzugt Sat-Anlagen installiert, hat andere Anforderungen an ein Transportsystem, als ein reiner Service- Techniker.

Welche Neuheiten haben Sie auf der Light + Building vorgestellt?
Auf der Messe war unter anderem der Fiat Fiorino als Komplettlösung mit einer Sortimo-Fahrzeugeinrichtung zu sehen. Darüber hinaus präsentierten wir unsere T-Boxen, die gerade bei Kleinteilen für mehr Übersichtlichkeit und Ordnung sorgen.

Mein Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.
www.sortimo.com

Ausgabe:
g+h 04/2008
Unternehmen:
Bilder:
5 Unternehmens-Videos:
  • Crashtest für P..
  • Crashtest für T..
  • Gewerke mobil
  • L-BOXX von Sort..
  • Sortimo - Intel..
1 Unternehmens-Katalog:

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