13. DEZEMBER 2017

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Wir gestalten Märkte


Dehn + Söhne. Das Unternehmen aus Neumarkt/Oberpfalz sieht sich als Motor des technologischen Fortschritts und betreibt sehr intensiv Entwicklungsarbeit für kundenorientierte Lösungen. g+h sprach darüber mit dem Geschäftsführer, Hans A. Thiel.

Herr Thiel, könnten Sie uns einmal kurz die wesentlichsten Eckpunkte in der Geschichte des Unternehmens skizzieren?
Gern, Dehn wurde 1910 als klassisches Elektroinstallationsunternehmen gegründet. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Elektroinstallateur die Montage des Äußeren Blitzschutzes mit im Standardprogramm. Aktuell ist das ja anders. Dieses Gewerk erledigen heute spezielle Blitzschutzfachbetriebe. Unser Firmengründer Hans Dehn hat also neben der klassischen Elektroinstallation auch den Äußeren Blitzschutz in seinem Leistungsangebot gehabt. Da er mit der Qualität der zur Verfügung stehenden Blitzschutzkomponenten nicht mehr zufrieden war, begann er Anfang der zwanzige Jahre mit der Produktion eigener Komponenten. Das markiert den eigentlichen Startpunkt der elektrotechnischen Fabrik Dehn und gleichzeitig den Beginn der Entwicklung eines breit gefächerten Bauteileprogramms für den Äußeren Blitzschutz.

Und wie ging es weiter?
In den fünfziger Jahren rückte das Thema Überspannungsschutz in den Fokus. Bereits 1954 haben wir den weltweit ersten Innenraumüberspannungsableiter vorgestellt. Das war die Geburtsstunde des Überspannungsschutzes. Heute ist er der Hauptumsatzträger unseres Unternehmens. Weitere Bereiche sind, wie bereits erwähnt, der Äußere Blitzschutz und der 1955 ins Produktprogramm aufgenommene Arbeitsschutz mit Sicherheitsgeräten zum Arbeiten an elektrischen Anlagen. Im Bereich des Überspannungsschutzes sind wir heute global in mehr als 70 Ländern tätig. Auf diesem Produktbereich liegt in unserem Haus der Hauptfokus.

Gab es so etwas wie einen Startschuss für die Einführung dieser Technik?
Der Einzug elektrischer Geräte in Industrie, Verwaltung und Haushalt zeigte sehr bald, dass herkömmlicher Blitzschutz nicht ausreicht. So erkannte unser Unternehmen weltweit als erster Hersteller, dass der Äußere Blitzschutz mit einem Inneren Blitzschutz kombiniert werden muss. Am Anfang stand 1954 der erste energietechnische Ableiter. In den siebziger Jahren folgten Komponenten zum Schutz von Mess-, Steuer-, Regelleitungen und Telekommunikationseinrichtungen. Später kamen dann auch Geräte zum Schützen von Breitbandkabeln hinzu. Heute haben wir im Bereich Überspannungsschutz zwei Produktlinien: Red/Line als Schutz der Energietechnik und Yellow/Line zum Schutz der Informationstechnik. Maßgeblich beeinflusst wurde unsere Entwicklung von dem Einzug der Elektronik in nahezu alle Bereichen unseres Lebens.

Hauptsitz des Unternehmens ist Neumarkt in der Oberpfalz?
Ja, von hier aus vertreiben wir unsere Produkte weltweit. Global haben wir zehn eigene Tochtergesellschaften und 60 Vertretungen. Unser Hauptmarkt ist nach wie vor Deutschland, jedoch wächst auch immer mehr im Ausland das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Überspannungsschutz.

Gibt es, was die Sensibilität für das Thema Blitzschutz betrifft, in den verschiedenen Märkten signifikante Unterschiede?
Ja, durchaus. Wie z. B. die Sensibilität für Umweltthemen im europäischen Raum sehr viel stärker ausgeprägt ist, so trifft dies auch auf das Thema Blitz- und Überspannungsschutz zu. Deutschland ist hier immer noch in einer Vorreiterrolle. Schauen Sie sich die Entwicklungen im Bereich regenerativer Energie, also z. B Windkraft, Biogas und Photovoltaik an, da liegt Deutschland hinsichtlich der Nutzung und Akzeptanz solcher Anlagen sicher ganz vorn. Ebenso wurde in Deutschland auch das Schutzbedürfnis hinsichtlich Blitz und Überspannung schon sehr früh erkannt. Länder wie beispielsweise Spanien und Italien ziehen bereits nach. Dehn + Söhne hat sehr früh begonnen, Überspannungsschutzeinrichtungen für Photovoltaikanlagen zu entwickeln. Das gleiche gilt für den Schutz von Windenergieanlagen und seit einigen Jahren ebenso für Biogasanlagen. Aber auch in anderen Bereichen hat Dehn + Söhne das Schutzbedürfnis sehr früh erkannt so z. B. für Mobilfunkzellen. In Ländern mit geringer Infrastruktur sind Mobilfunknetze das Herz der Kommunikation, sodass sich auch dort das Bedürfnis nach Schutzeinrichtungen stark entwickelt.

Sind Sie eher in der Industrie oder im privaten Wohnungsbau vertreten?
Klare Priorität hat die Industrie, gefolgt vom Objektgeschäft. Der private Wohnungsbau entwickelt sich stetig, aber eher verhalten. Erst der Einzug von Netzwerk- und Bustechnik hat diesen Markt beflügelt und wird es in Zukunft sicherlich noch stärker tun, sodass wir natürlich auch diesen Markt, in Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern des Elektrogroßhandels, im Visier haben.

Gab oder gibt es Überlegungen, das Geschäftsfeld auszuweiten?
Diese Überlegungen gibt es permanent. Unser Slogan heißt „Mit Sicherheit Dehn“. Wenn es ein Geschäftsfeld gibt, das optimal zu uns passt, dann werden wir sicherlich über eine Erweiterung nachdenken. So ist auch vor vielen Jahren der Bereich Arbeitschutz in unser Produktportfolio aufgenommen worden.

Sie engagieren sich auch in Asien, vor allem in China – mit welcher Zielsetzung?
Wir sind in China mit einer eigenen Gesellschaft und fast 60 Kollegen vertreten. Damit ist es unsere größte Auslandsgesellschaft. Dieser Markt ist für uns hochinteressant, weil er zu den großen Wachstumsmärkten zählt. Unser Engagement ist auch deshalb so stark, um Produktpiraterie vor Ort zu bekämpfen. Das ist uns in einigen Fällen auch erfolgreich gelungen.

Wie stellt sie sich die Wirtschaftslage vor dem Hintergrund der internationalen Krise der Finanzmärkte für Ihr Unternehmen dar?
Das ist eine gute und berechtigte Frage. Wir haben im Sommer ein sehr gutes Geschäftsjahr abgeschlossen und auch für das Folgejahr ein entsprechendes Wachstum im Plan, das wir zumindest mit Stand November 2008 erreicht haben. Wenn Sie mich aber fragen, wo wir Ende Juni 2009 stehen, dann kann ich nicht sagen, ob wir den Plan zu 100 Prozent erfüllen werden, denn die weltweite wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst natürlich auch unser Geschäft. Wir gehen aber dennoch davon aus, dass wir die gesetzten Ziele weitgehend erreichen werden, weil wir in einem Nischenmarkt tätig sind, der eine Technik bietet, die heute einfach unverzichtbar ist.

Was heißt das konkret?
Wir nehmen für uns in Anspruch, Märkte aktiv zu gestalten. Heute ist es so, dass beispielsweise Anlagen entwickelt und gebaut werden, bei denen wir nach potenziellen Risiken gefragt werden. Und natürlich auch nach Lösungen. Der Kunde kommt dabei nicht mit dem Auftrag, eine Blitz- und Überspannungsschutzeinrichtung zu liefern, sondern mit der Frage, wo liegen die Risiken und – habe ich überhaupt ein Problem? Hier liegt ein großes Potenzial, welches wir nicht aus den Augen verlieren.

Ihr Unternehmen produziert in Deutschland. Wie sicher ist der Standort?
Erst 2007 haben wir hier am Standort ein neues vierstöckiges, voll unterkellertes, zusätzliches Produktionsgebäude bezogen. Es beherbergt die gesamte Endmontage für alle drei Produktgruppen. Ebenfalls in diesen Neubau umgezogen sind auch die Lehrwerkstätten für die gewerbliche Ausbildung. Momentan zählen in Deutschland übrigens insgesamt 126 Auszubildende zur Belegschaft (verteilt auf zehn Ausbildungsberufe). Dies entspricht einem Anteil von ca. 11 % an der Gesamtbelegschaft. Die duale Ausbildung ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Allein diese Tatsache ist eine klare Aussage zur Standortfrage. Schließlich tragen wir eine soziale Verantwortung für die Menschen und selbstverständlich auch für die Region.

Sie führen ein mittelständisches Unternehmen. Welche Werte verbinden Sie damit?
Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich Beständigkeit, das heißt die Sicherstellung von Unternehmenskontinuität. Bei Dehn + Söhne gibt es einen intelligenten Gesellschaftervertrag, sodass der Fortbestand des Unternehmens gesichert ist. Darüber hinaus zählen Kundenorientierung, Qualität und Service dazu, Werte, die bei uns auch gelebt werden. Ständige Marktpräsenz, Wirtschaftlichkeit, Produktqualität und Liefertreue sind die Quellen unseres Erfolges. Größtmögliche Kundennähe ist die wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung von innovativen und dem Markt angepassten Produkten.

Ihr Unternehmen ist in der Initiative Elektromarken, Starke Partner, engagiert. Wie wichtig ist für Sie Markenbewusstsein?
Ausgesprochen wichtig, und wir gehen hier sogar so weit, dass wir auch unseren Außendienstmitarbeitern sagen „Du bist die Marke Dehn vor Ort“. Wir positionieren uns sowohl im Industrie- als auch im Großhandelsgeschäft als Innovations- und Qualitätsträger – eben als die führende Marke im Blitz- und Überspannungsschutz.

Woher kommen die Hauptimpulse für Produktneuentwicklungen?
Wir haben im Hause eine ganze Reihe von Entwicklern, die über das Produktmanagement engen Kontakt zum Markt halten. Außerdem gibt es in unserem Unternehmen ein Marktmanagement, das sich intensiv mit speziellen Zielgruppen beschäftigt und deren Bedürfnisse auslotet.

Würden Sie Ihr Unternehmen als innovationsfreudig bezeichnen?
Ganz sicher, denn zahlreiche Neuentwicklungen im Bereich Blitz- und Überspannungsschutz stammen aus unserem Hause. Bislang ist es uns immer gelungen, zu einer der großen Messe eine hochinteressante Innovation vorzustellen. So haben wir in diesem Jahr auf der Light + Building und der Hannover Messe Industrie unser Thema „Condition Monitoring für Überspannungsableiter“ vorgestellt. Als Unternehmen innovationsfähig zu sein bedeutet, neue Produkte und Dienstleistungen schnell und effizient zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten, Geschäftsprozesse neu zu gestalten und zu optimieren.

Welche aktuellen Trends gibt es im Bereich Blitzschutz?
Adaption an verschiedene Applikationen ist das Thema, denn neue Techniken wie Windkraft, Photovoltaik oder Biogas fordern spezifische Lösungen. Daran arbeiten wir kontinuierlich und intensiv. Darüber hinaus setzen wir seit einigen Jahren auf innovatives Produktdesign, denn die Optik spielt in Verbindung mit der Funktion eine immer bedeutendere Rolle. Es muss dem Handwerker Spaß bereiten, unsere Produkte in die Hand zu nehmen. Produktdesign ist jedoch für uns nicht nur die Optik. Vielmehr ist das ganzheitliche Verständnis der Produkt- und Prozessentwicklung von herausragender Bedeutung. So hat Design für uns nicht nur ästhetischen Effekt, sondern hilft auch bei der Schaffung auf nachhaltige Entwicklung abgestellter Produktionslösungen und beim Einsatz umweltfreundlichen Materials in der Fertigung.

Herr Thiel, zum Abschluss möchte ich Ihnen gern einige Stichworte geben und um eine kurze Antwort bitten.

Angela Merkel
Sie macht einen ordentlichen Job. Das hätte ich vor drei Jahren nicht erwartet. Sie beeindruckt
mich.

Deutschland
Ein Land, das viel besser unterwegs ist als es sich selbst zugesteht.

Finanzkrise
Ärgert mich maßlos, weil einige Leute durch ihre unverantwortliche Handlungsweise unsere Wirtschaft gefährden.

Ökologie
Ist sehr wichtig, auch für unser Haus.

Familie
Der ruhende Pol, der mir die Kraft für den Alltag gibt.

Freunde
Sind mir für den Gedankenaustausch sehr wichtig.

Lieblingsreiseland
Italien.

Ihr letztes Buch
„Das Glück der Unerreichbarkeit“ von Miriam Meckel.

Geld
Sollte nicht das einzige Kriterium sein, das den Lebensplan bestimmt.

Hobbys
Familie, ein wenig Sport treiben.

Sinn des Lebens
Man sollte für sich selbst und sein Umfeld ein angenehmer Zeitgenosse sein. Und wenn man einmal nicht mehr da ist, sollten sie sagen können: „Schade, dass es ihn nicht mehr gibt.“

Tod
Trifft uns alle. Er erschreckt mich nicht.

Herr Thiel, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

www.dehn.de

Kurzporträt
Im Laufe der fast 100-jährigen Unternehmensgeschichte wurde aus dem anfänglichen Handwerksbetrieb ein weltweit agierendes Industrieunternehmen mit den drei Produktbereichen Blitzschutz, Überspannungsschutz und Arbeitsschutz.
Dehn + Söhne produziert mehr als 3500 Geräte und Bauteile für die Sicherheit.
Mit mehr als 1200 Mitarbeitern weltweit, einem prozessorientierten Management, Laboratorien, computergesteuerter Fertigung und einer breiten Produktpalette für die Sicherheit ist das Unternehmen heute ein weltweit anerkanntes Familienunternehmen.

Ausgabe:
g+h 07/2008
Unternehmen:
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