15. DEZEMBER 2017

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Lösungen mit System


Thomas Goes. Kein Zweifel, die Theben AG ist den meisten als Wegbereiter in der Zeitschalttechnik bekannt. Wie sich das Unternehmen zum innovativen Systemanbieter entwickelt hat, wollte g+h vom Vorstandsvorsitzenden wissen.

Herr Goes, würden Sie uns bitte einige der Eckdaten Ihres Unternehmens nennen?
Gerne. Theben ist mittlerweile mehr als 85 Jahre erfolgreich im Markt vertreten. Die Firmengruppe beschäftigt rund 650 Mitarbeiter. In den für uns wichtigen europäischen Märkten, wie Frankreich, England, Italien und der Schweiz, sind wir mit eigenen Tochtergesellschaften vertreten. Theben ist nach wie vor ein selbstständiges Familienunternehmen.

Ist die Unternehmenskontinuität gesichert?
Ja. Einerseits befinden sich Familienmitglieder nach wie vor im Management, andererseits gibt es eine hohe Affinität der Mitarbeiter zum Unternehmen. Und last, but not least verfügen wir über eine hohe Eigenkapitalquote, die uns unabhängig macht und unternehmerischen Handlungsspielraum ermöglicht.

Spüren Sie die augenblickliche Aufschwungseuphorie auch in Ihrem Unternehmen?
Wir bewegen uns sehr positiv mit dem Markt nach oben. Vor allem die aktuelle CO2-Klimadiskussion wird dem Markt dort Flügel verleihen, wo es um energiesparende Techniken geht. Hier setzen wir seit einiger Zeit unsere Entwicklungsschwerpunkte. Das Bewusstsein der Menschen, dass es so wie bisher nicht weitergeht, ist geschärft. Dadurch wird die Bereitschaft erhöht, in energiesparende, intelligente Systeme zu investieren. Dort setzen wir an. Schauen Sie, alles was nicht eingeschaltet ist, verbraucht auch keinen Strom. Heute ist es ? etwa über Präsenzmeldertechnik ? überall möglich, Licht und Heizung effizient ein- und auszuschalten beziehungsweise zu steuern, ohne Komforteinbußen. Im Objektgeschäft liegen in diesem Bereich nach wie vor ausgesprochen hohe Wachstumspotenziale, die zunehmend auch für den privaten Wohnungsbau interessant werden, denn die Preise für Öl, Gas und Strom werden auch langfristig sicherlich weiter steigen. Und vor allem die Erkenntnis, dass wir unsere Umwelt nicht zum Nulltarif positiv erhalten können, wird sich zwangsläufig durchsetzen.

Welches sind Ihre Hauptgeschäftsfelder?
Zu den Hauptgeschäftsfeldern zählen Geräte und Systeme zur Steuerung von Zeit, Licht, Heizung und Klima. Hier legen unsere Entwickler ihr Augenmerk auf den Nutzen für den Bauherrn. Komfort, Sicherheit und Energieeinsparung haben höchste Priorität.

Mit Theben assoziieren die meisten Elektrotechniker Zeitschalttechnik ? oder nicht?
Sicher. Viele denken an Zeitschalttechnik, wenn sie von Theben hören oder lesen. Da kommen wir her, sie hat die Basis für das Unternehmen gelegt. Die Idee des Firmengründers war, eine Uhr mit einem Schalter zu verbinden. Mittlerweile hat sich das Unternehmen zum Systemanbieter entwickelt. Die Zukunft sehen wir nicht in der Einzelkomponente, sondern in der Entwicklung und in der Bereitstellung intelligenter Systemtechnik wie KNX oder Luxor. Angesichts der Komplexität heutiger Technik ist die Reduktion auf ein Teilsegment nicht mehr möglich.

Worauf führen Sie den außerordentlich hohen Marktanteil von Theben zurück?
Theben hat sicherlich seit Jahrzehnten eine führende Stellung im deutschen Elektrogroßhandel. Die Gründe dafür liegen einerseits in unserer Innovationsführerschaft in einer bedeutsamen Nische. Andererseits in der Zusammenarbeit mit allen Partnern des dreistufigen Vertriebs. Theben hat sich in vielen Jahrzehnten zu einer starken Marke entwickelt. Wir möchten, dass unsere Kunden dies im Service und bei den Innovationen spüren.

Welches sind Ihre Hauptzielgruppen?
Unsere Kunden sind der Elektro-Großhandel, die Planer und das Handwerk. Alle werden intensiv betreut. Hier spielen auch die langjährigen persönlichen Beziehungen eine Rolle.

Was glauben Sie, denkt ein Kunde über Ihr Unternehmen, wenn er seinen Namen hört?
Das ist eine gute Frage. Wir haben eine Marktuntersuchung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist eine Bestätigung unserer Arbeit und Leistung. Uns wurde hohe Qualität, Berechenbarkeit, Innovationskraft und ein hoher Nutzwert der angebotenen Produkte attestiert.

Welchen Stellenwert hat heute die Marke für den Elektrotechniker?
Gerade in einer immer schnelllebigeren Zeit spielen Vertrauen, Zuverlässigkeit, Kontinuität und Qualität eine entscheidende Rolle. Marken werden nicht zuletzt deshalb vom Elektrotechniker heute schärfer wahrgenommen, denn alle Partner des dreistufigen Vertriebs können nur dann erfolgreich sein, wenn die genannten Kriterien auch gelebt werden. Diese sind ein fester Bestandteil der Theben-Unternehmensgrundsätze.

Sie haben vor Kurzem das Unternehmen HTS übernommen, mit welcher Zielsetzung?
HTS ergänzt mit seinem Präsenzmelder-Knowhow unser Produktportfolio auf ideale Weise. Das Unternehmen ist als Marktführer und Nischenanbieter für uns eine ausgesprochen attraktive Akquisition gewesen. Mit der Übernahme bauen wir unsere Position als Systemanbieter aus. Und wir gehen einen weiteren Schritt auf unserem Weg, verstärkt energiesparende Lösungen anzubieten.

Welche sind das genau?
Nun, die Präsenzmeldertechnik ist der Schlüssel zur Energieeinsparung, ganz gleich, ob Sie das Licht oder die Heizung nehmen. Erst beim Betreten eines Raumes werden Licht und Heizung eingeschaltet und nach dem Verlassen automatisch wieder ausgeschaltet bzw. heruntergefahren. HTS ist übrigens der Pionier auf diesem Gebiet. Wir haben jetzt in diesem Bereich die Entwicklungsabteilung ausgebaut, um uns noch stärker als bisher dem Thema Energieeinsparung und Komfort zu widmen.

Denken Sie an weitere Akquisitionen?
Ein Firmenkauf ist für ein Familienunternehmen immer etwas Besonderes. Wir haben zurzeit aber keine aktuellen Vorhaben. Was natürlich nicht heißt, dass wir Gelegenheiten ausschlagen werden, die uns einen weiteren Ausbau unserer Marktposition ermöglichen. Wachstum ist aber kein Selbstzweck. Innovation, Qualität und das ganze System müssen zusammenpassen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Innovation in Ihrem Unternehmen?
Wir investieren deutlich über dem Branchendurchschnitt in Entwicklung und Konstruktion. Rund 60 Mitarbeiter sind im Bereich Produktentwicklung und Produktmanagement beschäftigt. Um die Wertschöpfungskette möglichst im Unternehmen zu behalten, wird sehr viel vor Ort entwickelt, was Kooperationen im Einzelfall natürlich nicht ausschließt. Die Produktfelder Zeit, Licht, Klima und Systeme werden jeweils von eigenständigen Entwicklungsteams betreut, die eng mit den verantwortlichen Produktmanagern zusammenarbeiten. In der gemeinsamen Arbeit geht es darum, Markttrends rechtzeitig zu erkennen, entsprechende technische Lösungen zu entwickeln und professionell zu vermarkten. Durch diese Organisation sind wir sehr schlagkräftig geworden.

Wie werden die Innovationen vom Elektrohandwerk wahrgenommen und vermarktet?
Sicherlich ist es manchmal schwierig für das Elektrohandwerk, der hohen Innovationskraft und der Vielfalt der Industrie zu folgen. Aber es ist die Aufgabe der Industrie, innovative Technik so auf den Markt zu bringen, dass der Kundennutzen klar und die Installation für den Elektrotechniker so unkompliziert wie möglich ist. Ein Problem komplexer Technik ist deren Bedienung und Installation. Die Industrie muss hierauf Antworten finden. Für Theben ist es selbstverständlich, die Bedienung so einfach wie möglich zu gestalten. Wir setzen da auch auf produktübergreifende Standards. So findet sich der Anwender wieder und fühlt sich sicher. Produkte können nur dann erfolgreich sein, wenn ihr Nutzen jederzeit problemlos abrufbar ist. Gleiches gilt für die Funktionalität. Manchmal ist weniger mehr. Technisch ist heute fast alles machbar. Die Frage ist nur, ob auch alles wahrgenommen und benötigt wird?

War das mit ein Grund, „unterhalb“ der KNXEbene Luxor auf den Markt zu bringen?
Sicherlich. Luxor ist ohne Programmierung, nur mit einem Schraubendreher in Betrieb zu nehmen. Für den Bauherrn ist die Bedienung so einfach wie das Ein- und Ausschalten des Lichts. Wir möchten mit Luxor ein breites Spektrum aus dem Elektrohandwerk ansprechen, um quasi jedem Fachhandwerker eine Mehrwertinstallation zu ermöglichen.

Wohin gehen die Entwicklungen bei KNX?
Wir treiben unsere Entwicklungen in den Bereichen Lichtsteuerung, Heizungs- und Klimaregelung weiter konsequent voran. Nach wie vor erwarten wir in diesem Markt deutliche Steigerungsraten. Dazu werden übrigens auch die osteuropäischen Märkte beitragen. Verstärkt wird dieser Trend durch eine zunehmende Akzeptanz intelligenter Technik im privaten Wohnungsbereich.

Die Steigerungsraten sehen Sie vornehmlich im gehobenen Wohnungsbau?
Nicht ausschließlich. Einfachere Systemkomponenten werden KNX auch den Weg in den Standard-Wohnungsbau bereiten.

Welche technische Ausstattung wird das intelligente Haus künftig haben?
Gewichtige Veränderungen wird es angesichts der zunehmend knapper werdenden Ressourcen im Bereich Energie geben. Die Heizungssteuerung wird und muss schnittstellenfrei in die Gebäudeautomation eingebunden werden, um ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Verstärkt wird das Einsparpotenzial durch intelligente Präsenzmeldertechnik, durch Licht- und Rollladensteuerung. Zunehmen wird auch die Integration von Einbruch und Brandmeldetechnik. Letztlich möchte der Bauherr eine Komplettlösung aus einer Hand. Sie muss Sicherheit, Komfort und Wirtschaftlichkeit garantieren. Wir öffnen uns diesen Märkten und werden auf den bevorstehenden Messen zukunftsweisende Lösungen präsentieren. Beispielsweise mit der Markteinführung eines Solarreglers unterstreichen wir unser Engagement, wenn es um regenerative Energien geht.

Sie halten am Standort Deutschland fest?
Ganz sicher. Wobei der Standort nicht in jeder Hinsicht ideal ist, obwohl sich die Standortfaktoren in Summe in letzter Zeit zum Positiven gewandelt haben. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, stehen deutsche Unternehmen ständig vor der Herausforderung, besser zu sein als Unternehmen, die in Billigländern produzieren. Aber gerade in dieser Herausforderung liegt auch der Schlüssel zu mehr intelligenten Lösungen, Innovationen und effizienten Fertigungslösungen, der wir uns täglich durch noch bessere Ideen stellen.

Herr Goes, vielen Dank für das Gespräch.

Ausgabe:
g+h 03/2007
Unternehmen:
Bilder:
3 Unternehmens-Videos:
  • The Luxa S360 B..
  • The Luxa S180 B..
  • The Luxa S150 B..
4 Unternehmens-Kataloge:

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