16. DEZEMBER 2017

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In die eigene DNA eingegliedert


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Phoenix Contact. g+h sprach mit Stefanie Berg, Leiterin Abteilung Vertrieb und Marketing im Geschäftsgebiet Industrielle Verbindungstechnik, und wollte wissen, wie das Unternehmen auf die Wirtschaftskrise reagiert.

Lassen Sie uns zunächst auf die aktuelle Wirtschaftslage eingehen. Wie erlebt Phoenix Contact diese Krise und wie reagiert das Management darauf?
Stefanie Berg: Phoenix Contact kann sich den Marktgegebenheiten nicht entziehen und deshalb reagieren wir natürlich auch darauf. So haben wir seit 1. März in einigen Bereichen mit Kurzarbeit begonnen, wie ergreifen Sparmaßnahmen und nehmen Kapazitätsanpassungen vor. Das resultiert natürlich auch daraus, dass wir unter anderem vom Maschinenbau abhängig sind; und dieser Industriezweig ist ja von der Krise besonders hart betroffen.

Bereitet Ihnen das ernsthafte Sorgen?
Stefanie Berg: Wir betrachten die Lage trotz aller Einschränkungen entspannt. Dazu trägt natürlich auch die Tatsache bei, dass Phoenix Contact von Banken unabhängig ist. Die Bankenkrise betrifft uns so gesehen nur indirekt. Dennoch hat das Management, wie bereits erwähnt, rasch reagiert.

Wie empfinden Sie es persönlich, dass teilweise kriminelle Machenschaften in der Bankenbranche ganze Volkswirtschaften ins Wanken bringen?
Stefanie Berg: Es ist sicherlich erschütternd, mit ansehen zu müssen, wie die Machenschaften der Banken und die Gier einiger Manager eine Krise solchen Ausmaßes hervorbringen können. Wir sehen jetzt aber auch, wie fragil die globale Vernetzung sein kann. Erstmals ist nicht nur eine Wirtschaftsregion, sondern die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen worden. Das ist durchaus beängstigend.

Sehen Sie für Phoenix Contact auch Chancen, die aus der Krise erwachsen könnten?
Stefanie Berg: Ganz sicher sehe ich Chancen für das Unternehmen. Eine Krise bedeutet auch immer einen Wandel und in jedem Wandel liegen Chancen. Gerade weil wir finanziell unabhängig sind, haben wir einen längeren Atem als manch andere Unternehmen. Nicht zuletzt deshalb haben wir mit der Erklärung, alle Auszubildenden zu übernehmen, ein deutliches Zeichen gesetzt. Phoenix Contact positioniert sich bereits heute für den nächsten Aufschwung. Übrigens ist die Kurzarbeit für die Bereiche, die nah am Entwicklungsprozess sind, kein Thema.

Hatten Sie die Auswirkungen der Bankenkrise, die ja eigentlich Bankenskandal heißen müsste, in ihrer Tragweite Ende des letzten Jahres schon vorhergesehen?
Stefanie Berg: Die Untiefen dieses Skandals, wie Sie so schön sagten, waren im letzten Jahr noch nicht auszuloten. Zweifel, ob es mit der US-Wirtschaft so weiterginge, waren vorhanden; den globalen Crash hatten wir so nicht vorhergesehen.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie vor diesem Hintergrund auf die Hannover Messe?
Stefanie Berg: Wir gehen auf die Hannover Messe mit großem Optimismus, denn dort werden wir mehr als 2.600 Neuheiten präsentieren; eine solche Zahl an Neuheiten hat es in der Firmengeschichte von Phoenix Contact bisher noch nie gegeben. Mit diesen neuen Produkten sind wir bestens für die Herausforderungen des Marktes gerüstet.

Wie definieren Sie bei einer solchen Fülle neuer Produkte den Begriff Neuheit?
Stefanie Berg: Neuheiten sind alle Produkte, die bisher noch nicht bei uns verfügbar waren. Dazu zählen Varianten bestehender Artikel und Zubehör, aber auch ganze Produktfamilien. Und unter diesen Neuheiten finden Sie stets auch Highlights, die die Innovationskraft des Unternehmens unterstreichen.

Welches sind die Highlights in diesem Jahr?
Stefanie Berg: Im Bereich der Reihenklemme werden wir eine bahnbrechende Weiterentwicklung der Puch-in-Technik vorstellen. Wir präsentieren hier ein neues Federkonzept mit 50 Prozent geringeren Steckkräften. Die Kontaktfeder wird durch das Einführen flexibler oder starrer Leiter selbsttätig geöffnet. Für den Anwender bedeutet das eine erhebliche Arbeitserleichterung beim Verdrahten, und da die sich so leicht öffnen lässt, können auch viel kleinere Leiter eingeführt werden, sodass selbst eine Sensorverkabelung problemlos möglich wird. Die Kontaktqualität bleibt dabei unverändert gleich hoch.

Wie entstehen überhaupt Innovationen in Ihrem Hause? Arbeiten Sie weitgehend autonom, oder nutzen Sie Kooperationen innerhalb und außerhalb des Unternehmens?
Stefanie Berg: Das ist projektabhängig. Bei der vorgestellten Anschlusstechnik handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit Pilotkunden; dass heißt die Anforderung, solch ein Produkt zu entwickeln, kam direkt aus dem Markt.

Ist das die Regel?
Stefanie Berg: In gewisser Weise schon. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass aus der Zusammenarbeit mit Kunden oft die interessantesten Innovationen erwachsen. Sie müssen dabei auch immer unser Vertriebsnetz im Auge haben. 46 verschiedene Tochtergesellschaften weltweit und allein in Deutschland über 70 Handelsvertretungen sprechen eine klare Sprache. Wir sind ganz dicht am Kunden und hören genau auf seine Wünsche.

Aber Innovationen kommen auch aus dem Unternehmen direkt heraus?
Stefanie Berg: Ganz bestimmt. Innovation heiß laut Duden Neuerung durch neue Techniken und Verfahren. Wir reduzieren diese Definition nicht allein auf das Produkt, das der Kunde draußen ja als erstes sieht. Innovation bei Phoenix Contact ist mehr. Jeder Mitarbeiter hat den Begriff Innovation quasi in seine eigene DNA eingegliedert. Man könnte sagen, wir leben Innovation. Und das findet seinen Ausdruck in kontinuierlicher Anpassung von Verfahren, in neuen Logistikkonzepten oder der Verbesserung der Verwaltungsabläufe. Innovationen entstehen oft durch Dialoge zwischen den Mitarbeitern. Dabei arbeiten die einzelnen Geschäftsfelder stets vernetzt. Das zeichnet die Unternehmensphilosophie von Phoenix Contact aus.

Gibt es im Unternehmen auch jemanden oder eine Gruppe, der/die sich unabhängig mit dem Thema Innovation beschäftigen?
Stefanie Berg: Ja, es gibt zum Beispiel eine unabhängige Technologiegruppe, die Marktmonitoring betreibt und somit als Trendscout für das Unternehmen aktiv ist. Ein weiterer Bereich ist die Zusammenarbeit mit Universitäten, bei der es losgelöst vom Alltagsgeschäft um Grundlagenforschung geht.

Sie hatten ein Highlight zur Hannover Messe genannt. Gibt es weitere?
Stefanie Berg: Ja, die gibt es. Aus unserem Bereich ist es der Bluemark LED, das neue Drucksystem aus dem Bereich Marking System. Mit dem Einzug moderner LED-Technologie vollzieht dieser Drucker – weltweit erstmalig – den nächsten Entwicklungsschritt. Seine UV-Lichtquelle – die kleinste ihrer Art in diesem Bereich – wurde jetzt weiter verbessert. LED-Technologie dient der schnellen Aushärtung des speziellen Beschriftungsfluids. Durch die geringe Wärmeentwicklung im Inneren des Gerätes kann jetzt auf den Einsatz von Lüftern verzichtet werden. Eine deutlich geringere Geräuschentwicklung und Energie-Einsparungen bis zu 90 Prozent sind die Folge. Die Einführung der LED-Technologie verdeutlicht die hohe Innovationsfähigkeit unseres Hauses in diesem Bereich. Diese neue Technologie stärkt die Bedeutung des Druckers als wichtige Säule im Bereich Marking System.

Stellen Sie bei den Werkzeugen eine vergleichbare Neuheit vor?
Stefanie Berg: Vielleicht nicht vergleichbar, weil sich unterschiedliche Produktbereiche nicht ganz leicht gegeneinander abwägen lassen; aber auf jeden Fall sehr bedeutend. Als wichtigen Bestandteil des Werkzeug-Programms umfasst das Produktspektrum hochwertige Handwerkzeuge für die Tätigkeitsbereiche Schneiden, Abisolieren, Crimpen und Schrauben. Die neue Struktur mit logischem Namenskonzept und optisch einheitlichem Phoenix-Contact-Design in den Farben Schwarz/Blaugrün unterstreicht den professionellen Auftritt dieser Produktgruppe. „Zugpferd“ im Jahr 2009 ist die neue Reihe ergonomischer Crimpzangen für Verpressung von Kabelschuhen, Aderendhülsen usw. Sie lassen eine Betätigung mit 25 % weniger Kraftaufwand zu.

Phoenix Contact ist zweifellos eine bekannte Marke. Wie würden Sie sie definieren?
Stefanie Berg: Phoenix Contact ist eine sehr starke Marke, die beim Kunden Vertrauen erweckt. Das ist uns sehr wichtig. Neben Vertrauen gehören zum Markenimage des Unternehmens Sicherheit und hohe Qualität. Last, not least – das ist unser Anspruch – lebt die Marke durch Innovation. Inspiring Innovation können Sie im Unternehmen überall lesen und auch erleben.

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich Ihnen gern einige Stichworte geben und um eine kurze Antwort bitten.

Angela Merkel
Bewundernswert, wie diese Frau ihre Aufgaben in der Großen Koalition bewältigt

Finanzkrise
Angst machen gilt nicht

Politik
Ein Thema, mit dem ich mich derzeit zunehmend ungern beschäftige

Lieblingsreiseland
England

Hobby
Reiten

Ihr letztes Buch
East of the Sun

Familie
Der innerste Kern der Verwandtschaft

Der Sinn des Lebens
Lässt man das Philosophische beiseite, reduziert sich der Sinn des Lebens wohl darauf, die eigene Art zu erhalten.

Tod
Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich habe Angst vor dem Sterben

Frau Berg, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.
www.phoenixcontact.com


Beruflicher Werdegang
Nach dem Schulabschluss absolvierte Stefanie Berg eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin. Es folgte das Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule. Zwei berufliche Zwischenstationen schlossen sich an, bevor 2002 das Unternehmen Phoenix Contact für sie seine Tore öffnete. Dort leitete sie zunächst die Abteilung Marketing für Markierungssysteme, bevor sie die Vertriebs- und Marketingabteilung des Geschäftsbereichs industrielle Verbindungstechnik übernahm.

Ausgabe:
g+h 02/2009
Unternehmen:
Bilder:
2 Unternehmens-Videos:
  • Phoenix Contact..
  • Axioline Realti..

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