SEPTEMBER
07.2010


 

Verdienter Erfolg


Themen

Elektro Föster. Das Unternehmen von Stefanie und Meinolf Hesse hat eine rasante Entwicklung hinter sich. Für die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte und die gelebten Grundsätze hat das Team den g+h Innovationspreis erhalten.

Knapp vier Monate nach der Verleihung des Innovationspreises ist die g+h-Redaktion nach Schmallenberg ins Sauerland gereist, um den Hauptpreisträger in der Kategorie II, bis 25 Mitarbeiter, zu besuchen und sein Unternehmen kennen zu lernen.
Im Herbst 2002 hat Meinolf Hesse die Wilhelm Föster GmbH und zehn Mitarbeiter übernommen und die Elektro Föster GmbH gegründet. Zwei Jahre vor dem 100-jährigen Jubiläum, denn 1904 hat Urgroßvater Föster mit der Elektrifizierung im Sauerland begonnen und sich mit seiner Firma in Schmallenberg niedergelassen. Später hat sich das Unternehmen, inzwischen geführt von den Brüdern Föster, mit einem zusätzlichen Standort in Schmallenberg mit Radio- und Fernsehtechnik weiter entwickelt.

Im angeschlossenen Ladenlokal gab es einen Telecom-Shop, Handys und weiße Ware. Vor sieben Jahren kam dann Meinolf Hesse ins Spiel. Direkt nach der Übernahme kam die erste große Ausschreibung ins Haus, der Ausbau einer Reha-Klinik im Wert von 340.000 Euro. „Da habe ich mich total auf meine Mitarbeiter verlassen müssen, es war ja meine erste Ausschreibung. Aber alles lief prima und wir haben sie gewonnen“, sagt Hesse heute.
Die Freude war groß, aber auch die Aufregung, denn so ein großer Auftrag will erst einmal bewältigt sein. Da hieß es rein ins kalte Wasser, Mitarbeiter einstellen und für Anschluss-Aufträge sorgen. Und die ließen nicht lange auf sich warten. Einmal, erinnert sich Hesse, habe er an drei Ausschreibungen gleichzeitig teilgenommen und alle drei gewonnen.
Da wurde die Mitarbeiterdecke dann wieder ziemlich dünn. Das Unternehmen expandierte und bildete weiter eigene Mitarbeiter aus. Sie sind bis jetzt alle übernommen worden. Mit diesem rasanten Wachstum hatte niemand gerechnet. 2006 hat das Ehepaar Hesse dann noch das Ladenlokal, bis dahin noch in Besitz der Familie Föster, und drei weitere Mitarbeiter übernommen.
„Das war eigentlich die schwierigste Hausnummer“, erinnert sich Stefanie Hesse heute „2007 hätten wir beinahe wieder zugemacht“. Aber hier wird nicht so schnell aufgegeben, eher in die Hände gespuckt, modernisiert und vergrößert bis der Laden wieder läuft. Erst einmal wurde die weiße Ware, die im Keller ihr Dasein fristete, in den ausgebauten Verkaufsraum geholt und teilweise angeschlossen, sodass die Kunden heute nicht nur die große Auswahl der Geräte sehen, sondern sie auch ausprobieren können. Aktionstage wurden ins Leben gerufen, an denen Stefanie Hesse für die Kunden im Laden gekocht hat – und so einige von den Vorzügen der Dampfgarergeräte und Induktionsherde überzeugte.
In der Telekom- und Handy-Abteilung war mit ständigen Schulungen der Aufwand besonders hoch, um im Geschäft zu bleiben. Aber es hat sich gelohnt, der Laden läuft. Und der nächste Flächenmarkt ist, Gott sei Dank, über 50 Kilometer weg. Kunden, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben um vermeintlich günstiger einzukaufen, landen früher oder später ohnehin wieder bei Elektro Föster, wenn sie mit der Installation nicht zurechtkommen oder die Wartung in Anspruch nehmen.

Im Installationsbereich sind Meinolf Hesse und seine Mitarbeiter breit aufgestellt. „Wir bedienen ja die ganze Produktpalette und realisieren vom Einfamilienhaus bis zu Gewerbebetrieben, Industriehallen, Krankenhäusern, Kliniken und Hotels alle elektrotechnischen Vorstellungen unserer Kundschaft“, sagt Hesse, „und die Anforderungen werden immer höher.“ Ein großes Projekt wird heute schon fast standardmäßig mit Bustechnik ausgestattet, und ohne Netzwerktechnik geht auch nichts mehr. Hinzu kommen noch Brandmelde- und Alarmanlagen, abgestimmt auf die Anforderungen und das individuelle Sicherheitsbedürfnis. Der Kunde will alles aus einer Hand: Von der kompetenten Beratung und Planung vor der Installation bis zu Kundendienst und Wartung danach.
„Klar kann das jeder einzelne von uns, aber jeder hat doch sein Spezialgebiet“, erklärt Hesse. „Wenn man Dienstleistung aus einer Hand bieten will, setzt das eine gewisse Betriebsgröße voraus. Darum“, so Hesse weiter, „gibt es Elektroinstallationsbetriebe in einer Größe von 1 bis 8 oder 9 Mitarbeitern und dann wieder welche ab 20. Dazwischen klafft ein Loch. Betriebe um die 15 Mitarbeiter sind für eine Standardinstallation in einem Einfamilienhaus zu groß und für technisch moderne Projekte zu klein“. Und weil das Angebot so breit gefächert ist, braucht man auch eine bestimmte Betriebsgröße, um allen Anforderungen gerecht zu werden dies und regelmäßige, intensive Mitarbeiterschulungen.

Mit dem Bereich Straßenbeleuchtung sind bei Elektro Föster vier Mitarbeiter beschäftigt. Sie warten im Auftrag der RWE AG (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk) Straßenbeleuchtungsanlagen von Schmallenberg bis Finnentrop, von Eslohe bis Sundern, Balve, Arnsberg, Wickede und Ense, wechseln defekte Beleuchtungsanlagen aus und installieren komplette Straßenzüge in Baugebieten neu. Dafür ist ein kleines Tiefbauunternehmen entstanden mit zwei Hubarbeitsbühnen, LKWs und Minibagger sowie diversen Spezialgeräten.
Mit diesen Voraussetzungen und ihrer Leistungsfähigkeit haben sich Hesses vor eineinhalb Jahren beim g+h Innovationspreis 2008 beworben. Und zwar nicht nur mit dem ausgefüllten mehrseitigen Fragebogen, sondern mit einem gut gefüllten DIN A4-Ordner. Darin enthalten: sämtliche erworbenen Zertifikate, Zeugnisse, Schulungsbestätigungen, zahllose Beispiele bisheriger Werbeaktivitäten und mehrseitige Bewerbungsschreiben. Es lässt sich nicht leugnen, Redaktion und Jury waren schwer beeindruckt. Später hat Frau Hesse uns anvertraut, dass sie diesen großen Aufwand nur betrieben hat, weil sie sich sicher war, dass ihr Unternehmen als Sieger hervorgeht.
Mit einer solchen Einstellung kann eigentlich nichts schief gehen. So wurde in der Bewerbung zum Beispiel aufgeführt warum Elektro Föster innovativ ist: Weil der Betrieb den ständig wachsenden Aufgaben offen gegenüber steht; weil alle Mitarbeiter mit Engagement, Berufserfahrung und persönlichem Einsatz bei der Sache sind; weil sich die Mitarbeiter neuen Techniken aufgeschlossen gegenüberstellen und sie sich aneignen; weil Fort- und Weiterbildung großgeschrieben wird; weil wir unseren Internetauftritt im World Wide Web realisiert haben und somit etwa 35.000 Elektroartikel weltweit präsentieren, verkaufen und liefern können; weil wir nicht auf der Stelle bleiben, sondern uns weiter entwickeln möchten; weil unser wichtigstes Potenzial unsere qualifizierten Mitarbeiter mit ihren Familien sind, die voll hinter uns und unseren Entscheidungen stehen und deren Wohl und Arbeitsplatzsicherheit uns am Herzen liegen. Starke Worte, die bei Hesses aber in vollem Umfang zutreffen und gelebt werden. „Das ist bei uns noch anders als in den Ballungsräumen“, sagt Bernhard Halbe, Bürgermeister der Stadt Schmallenberg, „viele Unternehmen in der Umgebung sind inhabergeführt.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben eine engere Verbindung. Man ist im gleichen Verein, die Kinder gehen auf die gleiche Schule und am Sonntag sitzt man nebeneinander in der Kirche.“ Die Stadt Schmallenberg hat etwas mehr als 26.000 Einwohner, verteilt auf 83 Ortsteile und Ortschaften auf einer Fläche von über 300 Quadratkilometern.
Das sind ordentliche Entfernungen, die für die ansässigen Unternehmen Vor- und Nachteile mit sich bringen. Aber weite Wege sind nicht nur von Nachteil, die Ortschaften besinnen sich auf sich selbst, eigene Strukturen entstehen, man wird in gewisser Weise autark. Branchenvielfalt prägt die Wirtschaftsstruktur in Schmallenberg. Produzierendes Gewerbe ist bis in die kleinsten Ortschaften vertreten.
Zahlreiche Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen leisten hier Beachtliches. Hochwertige Textilien, Badezimmereinrichtungen, Bauteile für Nutz- und Geländefahrzeuge sowie Bau- und Landmaschinen führender Hersteller, Schiefererzeugnisse, Geräte der mobilen Unterhaltungselektronik beispielsweise stehen weltweit für den Herkunftsort Schmallenberg. Handel und Handwerk wird auch immer wieder mit verschiedenen Aktionen von der Stadt unterstützt. Zurzeit läuft ein Programm der Europäischen Union zum Ausbau der ländlichen Entwicklung. „Eigentlich sind wir hier in einer glücklichen Lage“, bemerkt Halbe stolz. „Schmallenberg hat die niedrigste Arbeitslosenzahl in Nordrhein-Westfalen. Im November waren es sogar nur 3,2 Prozent, dann kam die Rezession, und jetzt sind es leider wieder etwas über 5 Prozent.“
Diese guten Zahlen lassen sich im Grund nur mit der Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der ansässigen Menschen erklären. Geschenkt bekommt man nichts, und Subventionen gibt es auch so gut wie keine. Aber durch den verantwortungsvollen Unternehmergeist im großen Branchenmix der Region ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Trotzdem ruht man sich nicht auf den Lorbeeren aus. So wurde das Unternehmen Zukunft e.V. ins Leben gerufen, eine Initiative der gewerblichen Wirtschaft, mit dem Ziel, die Stärkung und den Ausbau des Wirtschaftsstandortes Schmallenberg voranzutreiben.
Caroline Freifrau von Weichs, die Geschäftsführerin, möchte den ländlichen Raum zusammen mit der Stadt und den ansässigen Unternehmern so aufstellen, dass er zukunftsgerecht wächst. „Wir werden die Standortnachteile in Vorteile umdrehen“, erklärt sie,„so ist es für das Fachkrankenhaus im Kloster Grafschaft für langzeitbeatmete Patienten und die zahlreichen Wellnessoasen in denen Großstädter Ruhe und Entspannung suchen, von Vorteil, dass weit und breit keine stark befahrenen Straßen sind. Zudem kann sich das ortsansässige Handwerk am Bau und an der Wartung der Großprojekte beteiligen.“
Das sichert wieder Arbeitsplätze, genauso wie die „Klima-mehr-Wert-Aktion“ für Schmallenberg. Am Landeswettbewerb „Aktion Klima plus – NRW-Klimakolumne der Zukunft“ haben sich im letzten Jahr 55 Städte und Gemeinden beteiligt. Schmallenberg ist unter die besten fünf gekommen und hat dafür eine Förderung von 15.000 Euro erhalten. In intensiver Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Akteuren ist ein Konzept entstanden, das interessante Handlungsmöglichkeiten für Schmallenberg aufzeigt. Es gibt viel zu tun, um den Standort weiter stabil zu halten. Besonders auch in der Jugendarbeit. Da kann auch Familie Hesse ein Lied von singen.

Seit Jahren bilden sie aus, aber es wird immer schwieriger, gute Leute zu bekommen. Die Jugendlichen, die nicht abgewandert sind, sind nicht eben leicht zu motivieren. Inzwischen müssen Bewerber vor der Ausbildung ein Praktikum bei Elektro Föster machen, damit Herr und Frau Hesse beurteilen können, ob sich die junge Frau oder der junge Mann für den angebotenen Beruf eignen. „Da sind Leute dabei, die sich, wenn sie überhaupt pünktlich kommen, auf der Baustelle erst einmal auf das Gerüst legen und ein Nickerchen machen“, weiß Hesse zu erzählen. „Wichtig ist für uns neben der schulischen Ausbildung und der Verlässlichkeit auch das Auftreten nach außen, also das Aussehen und Benehmen“, fährt er fort. Jedes Jahr kommen weniger Bewerber, aber bis jetzt war immer ein junger Mensch dabei, der bei Elektro Föster eine Ausbildung gemacht hat. „Unsere Azubis haben wir alle übernommen“, erzählt Stefanie Hesse stolz „die haben einfach super in unser Team gepasst. Außerdem weiß man was man hat, wenn man sie selbst ausgebildet hat“, fügt sie lachend hinzu. Teamgeist wird bei Elektro Föster außergewöhnlich groß geschrieben.
Das Verhältnis ist sehr eng, schon fast familiär. So sind an Weihnachtsfeiern die Mitarbeiter mit ihren Partnern eingeladen und Stefanie Hesse kocht – für über 40 Leute. Und als dem Ehepaar Hesse im November in Goslar der g+h Innovationspreis 2008 verliehen wurde, saß die komplette Mannschaft zusammen in der Firma mit Fassbier und Brotzeit, um den Erfolg gleich mitzufeiern. Denn daran sei das ganze Team maßgeblich beteiligt gewesen, so Frau Hesse bei der Preisübergabe.
Die Auszeichnung ist nicht nur in den eigenen Reihen wohlwollend zur Kenntnis genommen worden, auch die Resonanz von außen war überwältigend. Der Erfolg hat sich nicht nur rumgesprochen, sondern wurde auch in der regionalen Presse und im Lokalradio veröffentlicht. Das heißt, in Schmallenberg und Umgebung weiß es jeder gut fürs Geschäft; dabei sind die gewonnenen Marketing-Aktivitäten noch nicht einmal alle umgesetzt. „Vom Großhandel und der Industrie sind zahllose Glückwunschschreiben und -anrufe gekommen“, erzählt Frau Hesse. „Alles in allem hat sich der Aufwand sicher gelohnt. Im nächsten Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.“
www.elektro-foester.de

Ausgabe:
g+h 02/2009
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