15. DEZEMBER 2017

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Gegen den Trend


Titelgeschichte

Stiebel Eltron. Dem aktuellen wirtschaftlichen Negativtrend trotzt das Holzmindener Unternehmen erfolgreich. Konsequent setzt Stiebel Eltron auf zukunftsorientierte Märkte.

g+h: Herr Reitze, Stiebel Eltron ist „Superbrand“, also ein Unternehmen, das auch in Krisenzeiten seine Strategien konsequent weiter erfolgreich verfolgt. Wie erleben Sie die aktuelle Wirtschaftkrise tatsächlich?
Karlheinz Reitze: Das Wort Krise nehme ich nicht in den Mund, ich würde die Situation eher als Herausforderung in schwierigen Zeiten beschreiben. In den letzten Jahren haben wir sehr viel für die Positionierung des Unternehmens getan. Wir haben den Trend in Richtung Energieeffizienz, Regenerative Energien und Wärmepumpe seit Jahren maßgeblich mit geprägt; im Wärmepumpengeschäft sind wir bereits seit 30 Jahren aktiv. Jetzt ernten wir die Früchte dieses Engagements.

Wie nachhaltig schätzen Sie diesen Trend ein?
Wir spüren, dass sich dieser Trend über einen langen Zeitraum fortsetzen wird. Denken Sie nur an die Klimadiskussion und die Bestrebungen, die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken. Das ist eine Aufgabe für die nächsten Generationen. Genau darauf haben wir uns mit unserem Produktportfolio und unserer Vertriebsorganisation ausgerichtet.

Die Krise ist für Sie also mehr eine Chance als ein Problem?
Ganz richtig. Wir sind gut aufgestellt. Während viele andere Unternehmen mit teilweise veralteten Produktportfolios durch die aktuelle Situation zur Kostenreduzierung gezwungen werden, investieren wir weiter in neue Produkte, neue Produktionsstätten und in Werbung.

Wie haben Sie das letzte Jahr abgeschlossen?
Wir haben ein gutes zweistelliges Plus zu verzeichnen gehabt – sowohl im In- als auch im Ausland. Dabei konnten wir unsere Zielsetzung, das Auslandsgeschäft weiter auszudehnen, ebenso erreichen wie die Ausrichtung des Unternehmens auf das Themen und Produktfeld „Erneuerbare Energien“.

Können Sie schon etwas zu den Zahlen der ersten Monate des Jahres 2009 sagen?
Natürlich kann ich etwas dazu sagen. Die ersten vier Monate, ich möchte sie noch nicht als repräsentativ für das ganze Jahr bezeichnen, sind erstaunlich gut gelaufen. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich im Wärmepumpengeschäft einige Projekte des vergangenen Jahres ins neue Jahr verschoben haben. Hinzu kommt, dass die Nachfrage im Bereich Erneuerbare Energien angesichts der aktuellen Wirtschaftslage eher zunimmt, sodass wir in den ersten Monaten ein zweistelliges Wachstum zu verzeichnen haben.

Wie entwickelt sich aktuell der Markt im Heizungs-Wärmepumpenbereich und wie steht es um die Wertschöpfung?
Der Markt ist in 2008 deutlich gestiegen auf 62.500 Einheiten. Dahinter verbirgt sich ein Marktwachstum von 28 Prozent. Gleichermaßen hat sich auch unser Unternehmen entwickelt. Dabei müssen Sie berücksichtigen, dass immer mehr Anbieter in diesem Markt tätig sind. Hatten wir vor neun Jahren noch acht Anbieter, sind es heute so um die 50. Im Rahmen des Wärmpumpengeschäfts verkaufen wir übrigens immer stärker auch das Thema Komfort, das heißt Lüftung, Solar und Klimatisierung lassen sich in Kombination sehr gut vermarkten. Daraus resultiert gleichzeitig eine deutlich höhere Wertschöpfung für alle Marktpartner.

Wie hoch ist der Anteil der Wärmepumpe am Gesamtmarkt der Wärmeerzeuger?
Er liegt heute bei rund 10 Prozent. Die Wärmepumpe hat ihren Stellenwert in diesem Markt klar gefestigt. Die Zahl der pro Jahr eingesetzten Wärmepumpen hat sich, das sollte man bei einer Markteinschätzung ebenfalls immer vor Augen haben, von 12.500 Einheiten auf heute 62.500 erhöht. Diese Entwicklung unterstreicht, dass unser Engagement in dieser Richtung von weitreichender Tragweite ist.

Ist die Wärmepumpe im Heizungsbereich konkurrenzlos?
Das sollte man nie sagen. Es gibt durchaus immer wieder neue Entwicklungen – wie in diesem Jahr auf der ISH zu sehen war. Ich kann nur sagen, dass die Wärmepumpe zurzeit ein wettbewerbsfähiges, zukunftsorientiertes und ausbaufähiges System ist. Darüber hinaus ist es natürlich sehr wirtschaftlich.

Wo sehen Sie technologisch noch die größten Entwicklungspotenziale und in welchen Bereichen gibt es vielleicht zusätzliche Nutzungspotenziale?
Sicherlich bei der Positionierung der Wärmepumpe im Gewerbebereich und bei anderen Großprojekten; hier sind wir erst am Anfang. Unsere Produktpalette bauen wir entsprechend aus. So gibt es aus unserem Unternehmen bereits Systeme bis 400 kW im Bereich der Sole- und Wasserwärmepumpe und bei der Luft- Variante bis 166 kW. Damit konnten wir uns neue Projektfelder erschließen. Hier gibt es für alle Unternehmen der Branche noch erhebliches Potenzial. Ein weiterer Aspekt ist die Nutzung der Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen. Dieser Nutzen ist noch immer viel zu wenig in den Markt kommuniziert worden, denn das ist mit Öl- und Gasgeräten nicht realisierbar.

Wie sensibel ist das Ausland für das Thema Wärmepumpe?
Mittlerweile ist sie in ganz Europa ein Thema, denn die Klimadiskussion und die Suche nach energiesparenden Heizungssystemen ist grenzüberschreitend relevant. Selbst in Australien ist die Wärmepumpe mit großen Wachstumsraten versehen; dort kommt vor allem die Brauchwasserwärmepumpe zum Einsatz. Sie ist leicht zu installieren und auch bei uns für all jene interessant, die keine Komplettsanierung durchführen möchten. Sie ist der Einstieg zum Energiesparen.

Trotz der Internationalität Ihres Unternehmens produzieren Sie weiter in Deutschland, warum?
Wir haben in den vergangenen drei Jahren in Deutschland rund 60 Millionen Euro investiert. Wir haben hier investiert, weil wir aufgrund der Produktionsbedingungen und der Qualifizierung der Mitarbeiter keinerlei Beweggrund haben, Produktionen ins Ausland zu verlagern. Viele, die einst mit ihrer Produktion ins Ausland gegangen sind, haben inzwischen gespürt, dass dies nicht immer von Vorteil ist. Hinzu kommt, dass die Hauptabsatzmärkte natürlich immer noch nicht so weit von uns entfernt liegen. Im Ausland unterhalten wir zwar Produktionsstätten in Thailand und der Slowakei; wir fertigen aber dort fast ausschließlich für die jeweiligen Märkte vor Ort.

Sie expandieren weiter, am 6. Mai haben Sie Ihre neue Produktionsstätte hier in Holzminden feierlich eröffnet – mit welchen Erwartungen?
Wir investieren, weil die vorhandenen Kapazitäten in der Wärmepumpenfertigung
nicht mehr ausreichen und wir große Erwartungen hinsichtlich einer langfristig positiven Marktentwicklung haben.

Ist der Standort Holzminden bei der Mitarbeitersuche nicht manchmal hinderlich?
Manchmal sicherlich, aber das hat sich allein schon aufgrund der Situation in der Automobilindustrie zurzeit zum Positiven gewendet. Andererseits hilft uns natürlich auch der Bekanntheitsgrad der Marke Stiebel Eltron. Als qualifizierter Mitarbeiter, als Ingenieur möchten Sie lieber in einem zukunftsorientierten Unternehmen arbeiten, das auch über eine entsprechende Außenwirkung verfügt. Diesem Anspruch werden wir gerecht. Stiebel Eltron ist eine bekannte Marke und wir sind ein innovatives Unternehmen, das sich den Kernherausforderungen der Zukunft stellt: Energieeffizienz, Energieeinsparung, Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz seien hier als Stichworte genannt. Insofern ist das Unternehmen natürlich auch ein immer attraktiverer Arbeitgeber geworden. Um dies zu forcieren, arbeiten wir auch eng mit Universitäten zusammen.

Sehen Sie Wachstum auch in anderen Produktbereichen?
Ja, Wachstumspotenziale sehe ich natürlich auch im Warmwasserbereich, denn die dezentrale Warmwasserbereitung hat gegenüber der zentralen Versorgung klare Vorteile. Kurze Leitungswege und sofortige Verfügbarkeit von warmem Wasser tragen mit dazu bei, Energie und Wasser einzusparen. Wir bieten hier also Produkte unter dem Thema Energieeffizienz an. Im Augenblick gibt es darüber hinaus einen großen Markt im Austausch von Speichergeräten. Auch wenn die Gesetzgebung den Ausbau nicht
zwingend vorschreibt, gehen viele Wohnungsbaugesellschaften dazu über, Wärmespeicher beispielsweise durch Wärmepumpen zu ersetzen.

Ihre Systeme werden vom SHK-Gewerk und dem Elektrohandwerk verarbeitet und installiert. Hat sich, wenn Sie das Wärmepumpengeschäft betrachten, die Zahl der Elektrohandwerksbetriebe, die sich dem Thema intensiv widmen, erhöht?
Nach wie vor nimmt das Elektrohandwerk die sich bietenden Chancen in diesem für sie neuen Wachstumsfeld nicht ausreichend wahr. Zwar steigt die Zahl der Betriebe, die sich mit dem Geschäft auseinandersetzen, aber meiner Einschätzung nach nicht in dem Maße, wie es die Marktentwicklung rechtfertigen würde. Insofern beschäftigt sich das SHKGewerk intensiver mit der Technik, was allerdings nicht verwundert, denn die Heizung zählte ja schon immer zu seinem Kerngeschäft.

Sind Sie eigentlich mit der Akzeptanz Ihrer Schulungsangebote, z. B. Elkonet, zufrieden?
Elkonet ist ein gutes Konzept, das unsere Schulungsangebote ergänzt und ausweitet. Die Akzeptanz könnte aber deutlich höher sein. Daran arbeiten wir im Moment gemeinsam mit Elkonet.

Welche aktuellen Marketingstrategien verfolgen Sie?
Wir sprechen gezielt auch den Endkunden an, um ihn für unsere Lösungen zu sensibilisieren. Das geschieht in Form von Flyern, Anzeigen und Einladungen zu Beratungsveranstaltungen. Es handelt sich um ein vernetztes Marketingkonzept, durch das wir den Bauherrn oder Modernisierer natürlich auch auf unsere Homepage leiten möchten, denn die Informationsbeschaffung wird immer stärker via Internet durchgeführt. Bei all diesen Aktionen binden wir immer auch unsere Partner aus dem Fachhandwerk mit ein.

Der Endkunde, der mit Ihnen Kontakt aufnimmt, bekommt auch den Kontakt zum ausführenden Handwerksbetrieb?
Ja, wenn er auf unsere Homepage und dort in die Wärmepumpenwelt kommt, kann er sich mit einigen Mausklicks seine Anlage zusammenstellen, die entsprechenden Fördermaßnahmen einsehen und auch gleich einen Fachhandwerksbetrieb in seiner Nähe finden. Wir haben mehr als 700 Fachbetriebe, die nahezu jede Lösung beim Kunden umzusetzen.

Gibt es weitere Marketingmaßnahmen für den Endkunden?
Ja, vor einem Jahr haben wir die Garantieverlängerung für den Endkunden als Rundum-sorglos-Paket angeboten, mit Geowell verfügen wir über eine eigene Bohrfirma im Unternehmen und bieten jetzt mit dem Partner Natur-Energie unseren Wärmepumpen-Kunden die Möglichkeit, komplett CO2-frei zu heizen. Die Natur-Energie AG vertreibt Strom, der aus Wasserkraft erzeugt wird. Das geschieht überwiegend in den eigenen Kraftwerken am Hochrhein und im Wallis. Die Möglichkeit der Nutzung von Ökostrom war bislang im Rahmen eines speziellen Wärmepumpen-Tarifs nicht in allen Regionen möglich. Das ist jetzt anders, denn das Unternehmen bietet bundesweit Wärmepumpentarife zu attraktiven Preisen an.

Welches waren bei den diesjährigen Produktinnovationen die Highlights der ISH?
Das ist schwer zu beantworten, weil es so viele waren. Ein Highlight war sicherlich unsere Wärmepumpe, die eine Temperatur von 75 °C im Heizungsvorlauf realisieren kann. Dadurch ist sie für den Renovierungssektor prädestiniert. Ein weiteres Highlight ist unsere neue Sole/Wasser-Wärmepumpe WPF, die verschiedene Bauteile bereits integriert hat, die ab Werk schon eingebaut sind; das vereinfacht dem Fachhandwerker die Arbeit auf der Baustelle und reduziert Fehlerquellen. Ein drittes Highlight ist unsere Großwärmepumpe für die Energiequelle Luft, sodass wir vom Einfamilienhaus bis zum Großobjekt alles abdecken können.

Zum Abschluss unseres Gesprächs noch einige Stichworte:

Angela Merkel
Angela Merkel – ist in der Orientierungsphase.

Deutschland
Kann als Sieger aus der Krise hervorgehen.

Weltwirtschaftskrise
Bietet Chancen für die Zukunft.

Politik
Verdrossenheit.

Familie
Ist die Quelle für mich.

Kinder
Erfrischend.

Hobbys
Mountainbiken, Skifahren, Lesen.

Lieblingsreiseland
Österreich.

Lieblingsgericht
Spargel mit Wiener Schnitzel.

Ihr letztes Buch
Schneemann von Jo Nesbo.

Sinn des Lebens
Zufriedenheit.

Tod
Vor ihm kann man sich nicht verstecken.

Sie haben drei Wünsche frei
Gesundheit, mehr Zeit für meine Familie und mehr Verständnis füreinander auf der Welt.

Herr Reitze, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.




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Für beste Konfiguration Aus über 30.000 Varianten liefert die Software eine Lösung für das individuelle Bauvorhaben – auf Wunsch inklusive eventueller Optionen. Die benutzerfreundliche Oberfläche und die gradlinige Führung ermöglichen ein problemloses Arbeiten. Alle relevanten Daten zur Systemempfehlung werden als Ergebnis anschaulich grafisch dargestellt.

Ausgabe:
g+h 03/2009
Unternehmen:
Bilder:

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