12. DEZEMBER 2017

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„Vorfahrt für mehr Wachstum“


Ernst Peter Benner. In den letzten fünf Jahren hatte das Unternehmen ein Wachstum von gut 100 Prozent zu verzeichnen. Neue Produktfelder und eine konsequente Internationalisierung sind die Gründe dafür. g+h sprach mit dem Geschäftsführer.

Herr Benner, würden Sie uns kurz die aktuellen Eckdaten des Unternehmens skizzieren?
Ja, sehr gerne. Spelsberg ist mittlerweile über 105 Jahre alt und beschäftigt zurzeit etwa 450 Mitarbeiter. Als bodenständiges Familienunternehmen in der vierten Generation unterhält Spelsberg in Deutschland zwei Fertigungsstandorte; einmal am Stammsitz in Schalksmühle und seit der Wende einen weiteren in Buttstädt in Thüringen.

Im Zuge der Internationalisierung des Unternehmens wurden mit Beginn des Jahres 2000 unter anderem sechs ausländische Tochtergesellschaften gegründet. Dazu zählen England, Tschechien, Polen, Niederlande, Spanien und Dänemark. Dieses Engagement fügt sich nahtlos in die Strategie von Spelsberg ein und hat uns in den vergangenen Jahren in allen Geschäftsfeldern ein deutliches Marktwachstum gebracht. Wir möchten national und international weiter wachsen.

Wann setzte der strategische Wandel Richtung Expansion ein?
Er setzte mit dem Wechsel von der dritten auf die vierte Unternehmergeneration 1998 ein. Bis zu diesem Zeitpunkt lag der Schwerpunkt auf wenigen speziellen Produkten für das Elektrohandwerk. Dazu zählen Abzweigdosen und Kleinverteiler, also die Kernkompetenz von Spelsberg. Seit 1998 verfolgen wir eine klare Öffnung des Unternehmens; neue Ideen, neue Projekte und neue Produkte kennzeichnen diesen Weg, sodass wir heute nicht mehr allein im Elektroinstallationsbereich aktiv sind. Aus der Kompetenz heraus, Kunststoffgehäuse zu fertigen, haben wir eine Industrielinie, also Standardgehäuse für die Industrie, ins Produktportfolio aufgenommen und auch reine OEM-Produkte. Dabei handelt es sich um zum Teil sehr spezifische Kundenlösungen. Daraus ist auch unser „jüngstes Kind“, die Photovoltaik erwachsen. In den ersten Jahren, 1998 bis 2002 wuchs das Unternehmen nur sehr verhalten. Seit 2003/04 haben wir unter dem Motto „Vorfahrt für Wachstum“ alle Weichen in Richtung Expansion gestellt.

Welches ist der bedeutendste Produktbereich im Unternehmen?
Alle drei genannten Geschäftsbereiche beinhalten nur Kernkompetenzen von Spelsberg. Im nach wie vor größten Geschäftsbereich Elektroinstallation beschäftigen wir uns mit Kleinverteilern, Abzweigdosen, Schaltanlagen, Brandschutzsystemen mit Funktionserhalt und als weitere Spezialität mit der Betoninstallation. Im zweiten Geschäftsbereich geht es, wie bereits erwähnt, um Industriegehäuse, einem recht facettenreichen Sektor, der sich vom Maschinenbau bis zur Medizintechnik erstreckt. Last, not least wird das Portfolio durch den Bereich Photovoltaik abgerundet.

Welche Bereiche haben das größte Entwicklungspotenzial?
Wir stellen einen klaren Trend hin zu Systemlösungen fest. Und hier sehen wir für uns im Bereich kundenspezifischer Lösungen immer noch ein großes Marktpotenzial für die nächsten Jahre. Übrigens sind wir schon heute in Teilbereichen ganz klar als Systemanbieter aufgestellt.

Mit welchem Ergebnis?
Unsere Strategie hat dazu geführt, dass das Unternehmen in den letzten fünf Jahren deutlich stärker als der Markt gewachsen ist. Dieses Wachstum, und damit ist auch Ihre vorherige Frage beantwortet, wurde von allen drei Geschäftsbereichen gleichermaßen getragen.

Wie kam es überhaupt zu der Entscheidung, einen klaren Wachstumskurs einzuschlagen?
Zunächst einmal entsprach es meinen Erfahrungen, dass Wachstumsstrategien essenziell für das Überleben eines Unternehmens sind; andererseits lässt der Standort Deutschland einem Unternehmer gar keine andere Wahl.

Um in unserem Land wett bewerbsfähig zu bleiben, muss ein Unternehmen kontinuierlich wachsen. Diese Strategie hat sich für Spelsberg bis heute als sehr erfolgreich erwiesen.

Sie halten am Standort Deutschland fest?
Wir haben allein in den letzten zwei Jahren mehr als sieben Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung unserer Fertigungsstätten investiert. Aber natürlich hat sich auch für uns die Frage gestellt, ob wir beispielsweise die Fertigung aufgrund gewisser Lohnvorteile ins Ausland verlagern könnten.

Bei genauer Betrachtung haben wir festgestellt, dass die gesamten Prozesskosten bei einer Verlagerung außerhalb Deutschlands für uns von keinerlei Vorteil sind. Außerdem haben wir uns als Qualitäts- und Premiumanbieter dafür entschieden, am deutschen Standort festzuhalten.

Fühlen Sie sich durch die Wirtschaftskrise in Ihrer Entscheidung bestätigt?
Mit Sicherheit, denn die Auswirkungen der Krise sind in vielen Ländern deutlich stärker zu spüren als zurzeit in Deutschland. Von der Krise sind wir übrigens im Augenblick noch nicht so betroffen, dass wir dramatische Entwicklungen erwarten. Lediglich im Bereich der Industriegehäuse spüren wir die aktuelle Entwicklung. Durch unsere Positionierung in Deutschland sind wir heute stärker denn je und auch langfristig sicherlich optimal aufgestellt. Aber auch wir haben uns durch frühzeitige strategische Entscheidungen auf die kommenden wirtschaftspolitischen Entwicklungen vorbereitet. So flexibel wir uns im Aufschwung verhalten, so flexibel sind wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Schafft der Bereich Photovoltaik hier eine Entlastung?
Sicherlich teilweise; aber Sie müssen bedenken, dass auch dieser Sektor nicht ganz unbelastet ist, wenn Sie an die entstandenen Überkapazitäten bei Modulen denken. Aber ganz klar, Photovoltaik trägt mit dazu bei, unsere Position zu festigen. Aber auch der klassische Elektrobereich ist nach wie vor eine stabile Größe. Ob hier schon die Auswirkungen der aktuellen Förderprogramme greifen, vermag ich im Augenblick noch nicht zu beurteilen.

Gibt es noch Familienmitglieder in der Unternehmensleitung?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Zwei Mitglieder der Familie sind aktiv in der Geschäftsleitung tätig. Damit ist auch ein hohes Maß an Identifikation gegeben; ein Garant für Unternehmenskontinuität. Das ist nicht allen Familienunternehmen der Elektrobranche gelungen.

Welche Bedeutung hat der dreistufige Vertrieb für Sie?
Der dreistufige Vertrieb ist für unser Unternehmen eminent wichtig. Spelsberg ist dieser Vertriebsform schon lange sehr eng verbunden und verpflichtet. Dazu zählt auch unser Entschluss, Partnerunternehmen der E-Marke zu werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Handwerk?
Wir haben ein breit gefächertes Anbot an Marketinginstrumenten sowie an Schulungsmaßnahmen und kommunizieren jährlich auf mehr als 60 Messen und Veranstaltungen mit unseren Kunden. Außerdem binden wir sie in die Entwicklung neuer Produkte mit ein. Das war früher anders; man bot dem Markt einfach Lösungen an, die man selbst als sinnvoll erachtete. Von dieser Philosophie haben wir Abschied genommen. Auch unser Produktmanagement ist aktiv in die Marktkommunikation eingebunden.

Welche Gründe gab es dafür, diesen Schritt zu unternehmen?
Im Gegensatz zu früher sind die Produktlebens- und somit Innovationszyklen viel kürzer geworden, sodass einzelne Produktbereiche sehr intensiv betreut werden müssen. Um hier möglichst effizient zu sein, haben wir unsere eigene Entwicklung im Hause und verfügen außerdem über eine hohe Fertigungstiefe. Insbesondere die Fertigungstiefe macht uns in vielerlei Hinsicht unabhängig und flexibel. Konstruktion, Werkzeugentwicklung und Werkzeugbau finden Sie bei uns ebenso im Unternehmen wie ein eigenes Prüf- und Zertifizierungszentrum, mit dem wir in der Lage sind, den Innovationsprozess deutlich zu beschleunigen.

Welche Rolle spielt das Design bei Ihren Produkten, die ja doch weitgehend im Verborgenen Ihr Leben fristen?
Das Design unserer Produkte spielt heute eine außerordentlich große Rolle. Allein schon die Ergonomie erfordert eine hohe Designkompetenz. Das Design unterstreicht darüber hinaus die Marke. So verfügen die meisten unserer Produkte über das Spelsberg-Delta als unverwechselbares Markensignet. Das ist auch wichtig für die Elektrohandwerker, die mit diesen Produkten täglich umgehen. Über das typische Spelsberg-Design transportieren wir damit für jeden sichtbar unseren Qualitätsanspruch.

Laufen bereits die Vorbereitungen auf die Light + Building?
Auch wenn es noch fast ein Jahr bis zur Messe dauert, bereiten wir uns auf dieses Branchenereignis bereits jetzt vor. Trotz der Krise nehmen wir im Bereich der Produktentwicklung keinerlei Einsparungsmaßnahmen vor. Wir haben ein großes Programm an Innovationen, mit deren Entwicklung sich unsere Teams beschäftigen – auch über die kommende Light + Building hinaus.

Zum Abschluss noch einige Stichworte:

Angela Merkel
Hat eine schwierige Aufgabe, da sie Sachpolitik mit einem Wahlkampf verknüpfen muss.

Deutschland
Muss seine wichtige Rolle in Europa gut ausfüllen.

Wirtschaftskrise
Spelsberg ist gut gerüstet.

Familie
Das Rückgrat, um im Beruf frei schalten und walten zu können.

Kinder
Ich strebe danach, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen.

Lieblingsreiseland
Frankreich.

Hobbys
Sportliche Aktivitäten.

Sinn des Lebens
Mehr der Welt gegeben als genommen zu haben.

Tod
Mit zunehmendem Alter rückt er verstärkt ins Bewusstsein.

Herr Benner, vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.

www.spelsberg.de

Günther Spelsberg GmbH + Co.KG
Im Gewerbepark 1
58579 Schalksmühle

STANDPUNKT

Unternehmerisches Selbstverständnis

„Wir fühlen uns dem Standort Deutschland, unseren Mitarbeitern und unseren Kunden verpflichtet. Mit unseren Produkten möchten wir unsere Kunden am Markt erfolgreich machen. Wir leben die Werte eines Mittelständlers: offene Türen, eine Kultur des Teamgeistes und eine Kultur, die es erlaubt, auch Fehler zu machen. Nur wenn man Fehler zulässt, ist Fortschritt möglich. Das sind wir auch der Marke Spelsberg schuldig. Das Leistungsversprechen der Marke Spelsberg haben wir einmal durch eine repräsentative Umfrage im Handwerk und Großhandel auf seine Belastbarkeit hin abgefragt. Eine der entscheidenden Fragen war, warum der Kunde Produkte aus unserem Hause kauft. Auf diese Frage gab es drei gleichgewichtige Antworten: 1. die hohe Qualität der Produkte, 2. die hohe Verfügbarkeit und 3. ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hinzu kommen die Verlässlichkeit als Unternehmen insgesamt, die Außenwirkung und eine gelebte Partnerschaft mit unseren Handelspartnern.

Ausgabe:
g+h 04/2009
Unternehmen:
Bilder:
1 Unternehmens-Video:
  • AK Air: Der Film
2 Unternehmens-Kataloge:

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