13. DEZEMBER 2017

zurück

kommentieren drucken  

Sonnenschutz


Warema. In nur vier Jahren wurden mehr als 500 neue Arbeitsplätze beim Sonnenschutz-Spezialisten geschaffen. g+h sprach mit Bernd Riedmann, Geschäftsleitung Vertrieb und Rüdiger Dümig, Vertriebsleiter Steuerungssysteme.

Herr Riedmann, könnten Sie uns einmal kurz die aktuellen Unternehmensdaten skizzieren?
B. Riedmann: Gern, Warema beschäftigt in der Unternehmensgruppe zurzeit über 2.800 Mitarbeiter und realisiert einen Jahresumsatz von rund 300 MillionenEuro in den Produktfeldern Sonnenschutz und Steuerungstechnik. Unsere stärksten Auslandsmärkte sind die Schweiz und Österreich, aber auch in Frankreich, Spanien und Dubai sind wir vor Ort vertreten. Einen interessanten Zukunftsmarkt sehen wir für uns auch in den USA. Aktivsind wir in China; hier unterhalten wir unseren einzigen Fertigungsstandortaußerhalb Deutschlands. Wir produzieren dort in der Nähe von Shanghai Sonnenschutzausschließlich für den chinesischen Markt. Es findet also kein Reimport statt. Insgesamt sind für Warema die Weichen in Richtung Internationalisierung gestellt. Bis 2012 sollen 20 Prozentunseres Umsatzes im Auslandgeneriert werden. Dahinter verbirgt sich auch eine klare Wachstumsstrategie, die sich unteranderem in der Tatsache widerspiegelt, dass allein in den letzten vier Jahren rund 800 neue Arbeitsplätze geschaffen worden sind.

Der Standort Deutschland ist außerhalb jeder Diskussion?
B. Riedmann: Ja, es gibt eine klare Aussage der Inhaberin, Angelique Renkhoff-Mücke, dass der Standort nicht zur Diskussion steht. Einerseits aus der Unternehmensgeschichteheraus, andererseits nicht zuletzt wegen der großen Kompetenz unserer Mitarbeiter. Wer in der Produktion auf einemhohen technischen Level arbeitet, kann übrigens nach wie vor auch in Deutschland ohne größere Probleme wettbewerbsfähig arbeiten.

Können Sie uns sagen, wir Ihr Geschäft vor dem Hintergrund der aktuellen Krise verläuft?
B. Riedmann: Unser Ziel ist es, das Jahr 2009, das sicherlich nichteinfach ist, mit einer schwarzen Null abzuschließen. Warema hat in seiner Unternehmensgeschichte noch nie rote Zahlen geschrieben. Wir nehmen jedoch die aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen ernst und prüfen unsere Prozesse kontinuierlich.

Wie setzt sich Ihr Produktportfolio zusammen?
B. Riedmann: Die größten Produktbereiche sind Raffstoren (Außen-Jalousien), dann kommen Rollladen, textiler Außensonnenschutz(Gelenkarm- und Kassettenmarkisen, Senkrecht- und Fassadenmarkisen, Markisoletten und Fallarm-Markisen, SeitenundWintergartenmarkisen, Korbmarkisen und Sonnensegel) und der Bereich innen liegender Sonnenschutz(Jalousien, Rollos, Faltstores, Flächenvorhänge, Horizontalmarkisen, Verdunkelungen, Vertikal-Jalousien, Insekten- und Pollenschutz).Der jüngste Produktbereich ist die Steuerungstechnik, die seit2002 als eigenständige Unternehmenseinheit in der Unternehmensgruppe agiert.

Dass Sie sich mit Steuerungstechnik beschäftigen, ist in der Branche ja nicht üblich?
B. Riedmann: Das ist richtig. Wir sind der einzige Sonnenschutzhersteller, der eigene Steuerungssysteme speziell für den Sonnenschutz entwickelt und auch produziert. Dies geschieht in der Warema Electronic GmbH, die eigens dafür verantwortlich ist. Die Warema Electronic entwickelt und produziert nach Vorgaben der Warema Renkhoff GmbH die Steuerungen selbst.

Arbeitet die Warema Electronic auch für andere Hersteller?
B. Riedmann: Nein, das Unternehmen entwickelt und produziert nur für den eigenen Bedarf.
R. Dümig: Die Warema Electronic tritt daher nicht eigenständig als Unternehmen nach außen hinauf, sie agiert vielmehr im Hintergrund als Entwicklungs- und Produktionsunternehmen. Der Vertrieb läuft über die Warema Renkhoff GmbH.

Wie viele Beschäftigte hat dieser Unternehmensbereich?
B. Riedmann: In der Entwicklung sind im Augenblick 25 Mitarbeiterbeschäftigt, in der Produktion 30.Fünf weitere Mitarbeiter sind in der Qualitätssicherung tätig.

Was hat den Ausschlag gegeben, eigenständige Wege in der Steuerungstechnik zu gehen?
B. Riedmann: Die Anfänge reichen bis in die Sechzigerjahre zurück, als es noch ein sogenanntes elektrotechnisches Büro gab. Damals kümmerten sich zwei Mitarbeiter um das Thema. Der Hintergrund war, dass man Antriebe nicht parallel schalten durfte. Die damaligen Wechselstrom-Asynchronmotoren vertrugen das im Gegensatz zu den elektronischen Varianten nicht. Wurden die damaligen Systeme parallel geschaltet, zerstörten sie sich gegenseitig. Aus diesem Grund begann man, Schutzsteuerungen zu bauen.

Gab es damals überhaupt schon einen Markt für zentrale Steuerungen?
B. Riedmann: Ja, nur war der Markt noch sehr klein, denn solche Steuerungen konnten sich viele Bauherren nicht leisten. Die Wachstumstendenz war aber schon in jenen Jahren zu erkennen und so ist Warema mit den Anforderungen des Marktes gewachsen. Dazugehörte auch, die Schutzsteuerungen zu verkleinern. Wir haben damals begonnen, Leiterkarten zu layouten. So konnten wir die ersten Motorsteuereinheiten präsentieren, die durch Relais für „hoch“ und „tief“, einen Zentraleingang und einen örtlichen Taster charakterisiert waren.
R. Dümig: Damit war auch der Grundstein für eine rasante Weiterentwicklung gelegt. Die Automatik-Funktionen kamen hinzu: der Windautomatik folgte die Sonnenautomatik, und Zeitschalttechnikkomplettierte die Systeme. Heute kann man sagen, dass sich ein Gebäude komplettautomatisch steuern lässt, besser als es jeder Nutzer manuell könnte, wenn man die Energieeffizienz betrachtet.

Der Nutzer ist mit der Automatik aber manchmal überfordert.
R. Dümig: Das kann man so nichtbejahen. Man muss allerdings beider Planung darauf achten, dass die Automatikfunktionen den Nutzer nicht einschränken, sondern das System exakt auf seine Bedürfnisse abgestimmt wird. Eine manuelle Bedienung muss in einem energetisch vertretbaren Rahmen möglich sein. Eine visuelle und thermische Behaglichkeit für den Nutzer hat neben der Energieeffzienz Priorität.
B. Riedmann: Nicht zuletzt deshalbsind wir stolz darauf, der einzige Systemlieferant zu sein. Wir haben sozusagen das Rundum-Sorglospaket für den Bauherrn und Architekten. Wenn nämlich einmal etwas nicht funktioniert, wird oft darüber diskutiert, ob der Sonnenschutz oder die Steuerung schuld ist. So werden die Schuldzuweisungen manchmal hin- und hergeschoben. Von Warema gibt es alles aus einer Hand und aufeinander abgestimmt. Das versetzt uns auch in die Lage, einzeln Großobjekte anbieten zu können und dafür beispielsweise eine Sondersoftware zu programmieren. Wir sind hier ausgesprochen flexibel und schnell. Hinzukommt, dass wir unseren Kundenauch bei kleinen Objekten bereitseine individuelle Lösung zu einemattraktiven Preis anbieten können. Das alles wäre ohne eine eigene Steuerungstechnik wirtschaftlich nicht möglich.

Wie ist der Vertrieb organisiert?
R. Dümig: Wir haben bundesweit 17 Niederlassungen, die den klassischen Partner aus dem Bereich Sonnenschutz betreuen. Zusätzlich sind 15 Verkaufsberater für den Bereich Steuerungssysteme bundesweit unterwegs. Sie betreuen vor allem Elektrofachbetriebe und Elektroplaner. Die Zahl der Verkaufsberater haben wir übrigens in diesem Jahr von acht auf 15 erhöht.

Und das Geschäftsfeld Steuerungstechnikselbst, wie hat sich dieses entwickelt?
R. Dümig: Ausgesprochen positiv, denn wir haben den Umsatz in den letzten fünf Jahren verdoppeln können. Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat die Tatsache, dass wir als Systemlieferantauf dem Markt aktiv sind; das ist sicherlich ein wichtiger Faktor.
B. Riedmann: Wichtig für uns ist es jetzt, diese Fakten und Informationen ins Elektrohandwerk zutragen, denn Steuerungstechnik ist ja bekanntlich eine Domäne des Gewerks. Da wir als Systemlieferant auftreten, ist das ausgesprochen attraktiv für den Elektrotechniker. Wir sagen heute, „ganz gleichwelches Problem im Bereich Sonnenschutz auftritt, wir haben immer die richtige Lösung“.

Hat das Thema Energieeffizienz den Markt für Ihre Lösungen positiv beeinflusst?
B. Riedmann: Wir versprechen uns sehr viel davon und haben jetzt auch eine Broschüre zum Thema Energieeffizienz aufgelegt, nicht zuletzt, weil es hier eine ganze Reihe von Missverständnissen gibt. Ein intelligent gesteuerter Sonnenschutz kann zum Beispielim Winter nach oben fahren, wenn sich niemand in den Räumen aufhält, um so die Sonne zur Raumerwärmung zu nutzen. Bislang wurde der Sonnenschutz im Winter immer energetisch eher negativ eingestuft. Das muss aber nicht sein, wenn eine intelligente Steuerung dahinter steht. Dann kann er, wie beschrieben, zur gezielten Energieeinsparung genutzt werden. Ideal ist es, wenn beispielsweise hier ein Außensonnenschutzmit einem innenliegenden Blendschutz kombiniert wird. Dann kann ich im Wintermeinen Sonnenschutz oben belassen, ohne geblendet zu werden und gleichzeitig die Sonne zur Raumerwärmung nutzen.

Wie intensiv schulen Sie Ihre Kunden?
R. Dümig: Wir befinden uns ja hier im neuen Kompetenzzentrum von Warema. In diesem Gebäude finden Sie alle modernen Schulungsmöglichkeiten und die entsprechenden Schulungsräume. Wir laden alle unsere Kundengruppen einschließlich Architekten und Planer hier zu uns ein, um sie intensiv zu schulen. Darüber hinaus schulen wir selbstverständlich auch außerhalb des Unternehmensstandorts.

Wenn sich ein Elektrotechniker intensiv mit dem Sonnenschutzbeschäftigen möchte, wie hoch ist der Schulungsaufwand?
R. Dümig: Wir haben zwei Trainer, die sich mit dem Thema Steuerungstechnik beschäftigen; sie schulen das Thema Sonnenschutz im Allgemeinen an einem Tag, am zweiten wird dann der Anschluss der Steuerung mit entsprechender Aufgabenstellung trainiert. Als Basisschulung reicht das bereits aus. Für die klassischen Produkte benötigt er also zwei Tage.
B. Riedmann: Dann gibt es ein spezielles Angebot für unsere Climatronic – ein proprietäres Bussystem, mit dem ich Wintergärtenoder ganze Objekte steuern kann – und in diesem Zusammenhang eine weitere zweitägige Schulung. In der Summe sind Sie also nach einer Woche fit.
R. Dümig: Man muss auch nichtalle Schulungsangebote auf einmal wahrnehmen. Jeder kann sich den Bereich heraussuchen, der ihm am wichtigsten ist.

Welche Technik-Trends zeichnen sich aktuell auf dem Markt für Sonnenschutz ab?
B. Riedmann: Die Trends gehen klar in Richtung Funk; nicht zuletzt deshalb führen wir geradedas Warema Mobile System(WMS), ein bidirektionales System, auf dem Markt ein. In Bezug auf Funktionalität und Design setzen wir hier neue Maßstäbe in der Funktechnologie. Außerdem geht es natürlich weiter in der Entwicklung der Bussysteme wie LON oder KNX. Wir sind aber auch der Überzeugung, dass sich ein proprietäres System wie Climatronic fest auf dem Markt etablieren wird, weil der Installateur ohne Buskenntnisse seinen Kunden – gerade im Bereich Einfamilienhaus– eine komfortable Automationslösung anbieten kann. Der Installateur braucht keinen PC; er kann alles am Bediengerät programmieren undbedienen.

Welches war die Intention für das neue Kompetenzzentrum, in dem wir uns hier befinden?
B. Riedmann: Das Kompetenzzentrum mit einem Investitionsvolumen von rund acht Millionen Eurobeheimatet auf den ersten beiden Stockwerken den Vertrieb und die Entwicklung Steuerungssysteme. Im zweiten Obergeschoss sind großzügige Schulungs- und Ausstellungsräume sowie die Zentrale Objektberatung untergebracht .In die verschiedenen Fassadentypen der Gebäudefrontsind alle wichtigen Sonnenschutz- und Steuerungsprodukte integriert, was praxisnahe Vorführungen und Schulungen am Objekt ermöglicht. Das in Niedrigenergiebauweiseerrichtete Gebäude dient uns als Referenz für effizienten Sonnenschutz, moderne Steuerungstechnik und Energieeinsparung am Bau.

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.


www.warema.de

Ausgabe:
g+h 05/2009
Unternehmen:
Bilder:
1 Unternehmens-Video:
  • WMS WebControl ..
3 Unternehmens-Kataloge:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Das Jahr des Lichts

Das Jahr des Lichts

Erhellend. - Alle Jahre wieder definieren irgendwelche Gremien besondere Tage oder stellen ganze Jahre unter ein Motto. Das Jahr 2015 hat die Unesco zum „Jahr des Lichts“ erklärt. Die Folge sind viele interessante Veranstaltungen – gerade für unsere Branche. » weiterlesen
40 Jahre für die Sicherheit

40 Jahre für die Sicherheit

Zum 40-jährigen Jubiläum setzt die Security Essen ihren Wachstumskurs fort. » weiterlesen
Diskrete Kamerainstallation schützt Denkmal

Diskrete Kamerainstallation schützt Denkmal

Einige Gebäude der ältesten Universität Spaniens stammen aus dem Jahr 1218 und stehen heute unter Denkmalschutz. » weiterlesen
Unsere Stärken weiterentwickeln

Unsere Stärken weiterentwickeln

Hager. - Seit gut einem Jahr hat Mike Elbers die Geschäftsführung Marketing und Vertrieb im Unternehmen inne. Die g+h-Redaktion sprach mit ihm in Blieskastel über seine Erfahrungen, die Trends der Zeit und wie Hager strategisch auf sie reagiert. » weiterlesen
 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv


  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Bleiben Sie in Verbindung

Aktuelle Ausgaben

  Jetzt Newsletter
abonnieren!