Herr Schenkendorf, bitte erzählen Sie mir etwas über Ihren Werdegang bis zur Selbstständigkeit?
Eigentlich habe ich in meinem Leben alles schon einmal gemacht. Beruflich fing es mit einer Ausbildung zum Elektrotechniker an, während des Wehrdienstes bin ich als Techniker zur See gefahren, darauf folgten Anstellungen in Planungsbüros, ich habe auch Telekomvermittlungs- und Notstromanlagen gebaut. Schließlich bin ich bei Gira gelandet, Radevormwald ist ja hier um die Ecke.
In welcher Funktion waren Sie dort tätig?
Ursprünglich habe ich im Kundencenter angefangen und Planer beziehungsweise Elektroinstallateure bei der Auswahl von Produkten unterstützt. Irgendwann ist daraus eine eigene Abteilung entstanden, und ich war verantwortlich für die Planung und Angebotserstellung von Busanlagen zum Beispiel im Reichstag, in der Deutschen Botschaft und im Verteidigungsministerium in Berlin.
Das hört sich sehr interessant an, warum haben Sie sich dann überhaupt selbstständig gemacht?
Ich bin auf den Geschmack gekommen, was Bussysteme und ihre Programmierung betrifft und wollte damit meine eigenen Ideen verwirklichen, also Nischen bedienen, an die sich andere nicht rantrauen. Dazu habe ich einen kleinen Installationsbetrieb aus der Gegend mitsamt den zwei Angestellten übernommen. Kurz darauf ist Patrick Zieseniß zum Team gestoßen und wir haben zusammen die Firma Systec gegründet, die sich ausschließlich mit Systemintegration beschäftigt. Gemeinsam haben wir uns zum Ziel gesetzt, nur hochwertige Elektroinstallationen und kniffelige Lösungen zu realisieren.
Wieviele Mitarbeiter sind heute für Sie tätig?
Im Moment sind es fünf, vor ein paar Wochen waren es noch sieben, aber zwei Auszubildende haben ihren Abschluss gemacht, und zwar so gut, dass sie jetzt auf der Technikerschule sind. So ist es mir schon oft gegangen, man bildet Überflieger aus, die nach der Lehre studieren und dann in die Industrie gehen, da bleibt nicht viel für das Handwerk.
Aber wie kommen Sie dann an kompetente Mitarbeiter?
Ich habe sehr gutes Stammpersonal. Wir arbeiten schon seit Jahren zusammen und sind aufeinander eingespielt. Wenn es eng wird, habe ich zudem eine gute Leihfirma an der Hand. Im Moment beschäftige ich aufgrund der Auftragslage zum Beispiel sieben Leiharbeiter. Das läuft sehr gut.
Wo sind die Tätigkeitsschwerpunkte in Ihrem Unternehmen?
Das kann man eigentlich nicht genau sagen, wir machen alles von der Gebäudesystemtechnik bis zu Mittelspannungsanlagen mit 10.000 Volt. Unsere Kunden kommen sowohl aus dem privaten und öffentlichen Bereich als auch aus der Industrie.
In welchem Verhältnis?
Die Industriekunden liegen bei 40 Prozent, die öffentlichen Auftraggeber bei 30, der Rest ist privat. Im privaten Wohnungsbau machen wir vorwiegend Renovierungen und Sanierungen. Der Neubau-Markt ist kaputt. Truppen aus dem Osten installieren große Objekte 08/15 zu Dumpingpreisen, da mach ich nicht mit. Wenn wir im Neubau arbeiten, dann nur in einzelnen gehobenen Objekten mit Bus, Touchsystemen einer Revox-Musikanlage von Gira und Netzwerk-Installation.
Sind Sie eigentlich noch stark mit Gira verbandelt?
Ja, wir haben eine Partnerschaft, und Partnerschaft verstehe ich so, dass man mit einer gewissen Treue zusammenarbeitet. Und das sehe ich nicht nur bei Gira so, weil ich mal dort angestellt war, bei Hager sind wir auch Systemprofi und bei Stiebel Eltron Systempartner. Dadurch dürfen wir zum Beispiel Wärmepumpen in Betrieb nehmen und auch die Garantie auf drei Jahre verlängern. Da bringt einem das Unternehmen ja auch ein gehöriges Vertrauen entgegegen.
Wie läuft eigentlich das Wärmepumpen-Geschäft?
Eigentlich sehr schleppend, andererseits haben wir im letzten Monat gleich drei Anlagen verkauft. Wenn der Winter vor der Tür steht, denken die Leute auch wieder an ihre Heizung. Dabei haben Wärmepumpen nur Vorteile, ich habe hier auch eine. Mit einem Schlag halbieren sich die Energiekosten, die Wartungskosten fallen weg, der Schornsteinfeger muss nicht mehr kommen und im Keller ist ein Raum mehr. Zudem eignen sich diese Lösungen perfekt bei der Nachrüstung.
In welchem Maße sind Sie von der aktuellen Krise betroffen?
Definitiv gar nicht, ganz im Gegenteil, dieses Jahr ist mit Abstand das beste seit es uns gibt. Auch im Bereich Industrie gab es keine Einbrüche. Im öffentlichen Sektor arbeiten wir seit zwei Jahren am Neubau einer Schule hier in der Stadt und sind hier gerade in der Endphase. Das ist unser größter Auftrag bisher. Obwohl der Neubau wie gesagt nicht so unser Ding ist, hat es sich aufgrund der Masse gelohnt. Außerdem haben wir neben der normalen Installation auch die Beleuch-tung gemacht und ein Bussystem realisiert.
War denn diese Komplettausstattung von Anfang an vom Bauherrn der Schule geplant?
Nein. Die meisten Kunden wissen doch gar nicht um die Möglichkeiten, die eine moderne Elektroinstallation heute bietet. Mit stichhaltigen Argumenten wie Komfort, Sicherheit und Energieeinsparung sind sie aber nicht nur zu überzeugen, sie sind sogar dankbar für die Anregungen. Nehmen wir zum Beispiel einen Industriekunden, wenn dort ein paar Mal ein Mitarbeiter von mir war, um die alten Lichtbänder zu reparieren, mache ich einen Termin, um ein neues Lichtband zu verkaufen, und der Kunde kauft es auch, weil er damit je nachdem 30 bis 70 Prozent Energie einspart, obwohl seine Halle deutlich besser ausgeleuchtet ist.
Das setzt ein umfassendes Fachwissen voraus und die Fähigkeit für andere mitzudenken. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?
Das und Flexibilität. Viele Kunden wollen sich nicht mit Einzelheiten beschäftigen. Gerade im privaten Bereich sind Rundumpakete aus einer Hand gefragt. Da mache ich auch schon mal Ausschreibungen für andere Gewerke. Der Bauherr braucht sich nicht um den Klempner oder Trockenbauer zu kümmern, er kann alles mit einem Ansprechpartner erledigen. Zudem habe ich moderne innovative Lösungen hier im Büro und nebenan in meinem Wohnhaus installiert. Interessierte Kunden lade ich dann schon mal am Wochenende nach Hause ein, damit sie sich „am lebenden Objekt“ von den Vorteilen moderner Elektrotechnik überzeugen können. Das kommt richtig gut an. Sie wissen, was sie erwartet, was sie bekommen und sind rundum zufrieden. Diese Zufriedenheit spricht sich rum und sorgt für die nach wie vor sehr gute Auftragslage.
Nutzen Sie neben der Mund-zu-Mund-Propaganda noch andere Möglichkeiten zur Kundenakquise?
Hin und wieder haben wir Annoncen hier im Remscheider General-Anzeiger geschaltet, das ist ein sehr guter Kunde von uns. Viel effektiver ist es aber, wenn die über uns berichten. Als wir die Erdbohrung für unsere Wärmepumpe hatten, stand ein einseitiger Bericht darüber in der Zeitung. Das hat sich richtig gelohnt, da konnten wir uns vor lauter Anfragen kaum retten. Als wir im letzten Jahr den g+h Innovationspreis gewonnen haben, stand es natürlich auch im Generalanzeiger.
Wo sehen Sie in der Elektrotechnik Wachstumspotenzial?
Ich denke, die Ausstattung wird immer hochwertiger und vernetzter. Bald werden auch Standard-Einfamilienhäuser mit Bustechnik ausgerüstet sein und das hat nicht nur mit Komfort zu tun. Gerade aufwendige Heizungssteuerungen stehen zur Energieeinsparung im Fokus. Je aufwendiger und umfangreicher eine Anlage wird, um so günstiger wird die Integration eines Bussystems, weil der Verkabelungsaufwand entfällt. Werden dann noch Sicherheits- und Komfortelemente eingebunden, wird der Bus sogar günstiger als eine konventionelle Installation.
Bussysteme sind dennoch oft in die Kritik geraten. Waren sie nicht ausgereift, oder hapert es nicht auch am Können der Verbauer?
Mit dem Programmieren haben es noch heute nicht viele Kollegen. Darum habe ich ja auch zusammen mit Patrick Zieseniß das Unternehmen Systec Systemtechnik also gegründet, spezialisiert auf die Programmierung von Bussystemen. Wir übernehmen den Part, den Mitbewerber nicht übernehmen können oder wollen. Unter dem Namen Michael Schenkendorf Elektrotechnik würde ich solche Aufträge von den Kollegen nicht bekommen, von ein paar Ausnahmen hier in der Gegend mal abgesehen.
Wie
groß ist eigentlich Ihr Einzugsgebiet?
Mit Systec bewegen wir uns in einem Radius von etwa 100 Kilometer und gelegentlich auch weiter, während Schenkendorf Elektrotechnik nur in Remscheid und den Nachbarstädten agiert.
Wie viele Elektroinstallationsunternehmen gibt es denn hier in Remscheid?
Wir haben hier etwa 100 Firmen. Die kommen auf etwa 100.000 Einwohner. Da können Sie sich ja vorstellen, was hier für ein Preiskampf herrscht. In den Nachbarstädten sieht es nicht anders aus.
Aber Sie heben sich ab. Wie?
Wir haben zum Beispiel hier im Haus eine Anbindung von der Wärmepumpe an das Bussystem entwickelt, oder im Gira-Touchscreen habe ich ein Mikrophon integriert, damit man keinen Sprechapparat neben den Bildschirm hängen muss. Wenn diese Dinge dann bei mir funktionieren, biete ich sie meinen Kunden an. Oder meine LED-Treppenbeleuchtung haben Kunden hier gesehen und wollten auch so etwas haben. Jetzt gibt es eine Kooperation zwischen dem Treppenhersteller und Schenkendorf Elektrotechnik. Man muss den Kunden eben auf den Geschmack bringen.
Vielen Dank für das Gespräch Herr Schenkendorf.
www.ms-et.de
SYSTEC
Michael Schenkendorf hat das Unternehmen im Dezember 2005 zusammen mit seinem damaligen Mitarbeiter Patrick Zieseniß gegründet.
Als Dienstleister realisiert das Duo erfolgreich Visualisierungen sowie die Programmierung und Integration von unterschiedlichen Bussystemen in eine gewerkeübergreifende Gebäudesystemtechnik.