12. DEZEMBER 2017

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Proprietär und erfolgreich


Technik

Seebacher. Proprietäre, also „hauseigene“ Konzepte entsprechen nicht den sogenannten Standards. Sie sind maßgeschneidert. Und im Falle von ISYGLT ausgesprochen erfolgreich.

Ein proprietäres Systemformat in der Gebäudeautomation ist ISYGLT, hinter dem das mittelständische Unternehmen Seebacher aus Oberbayern steht. Die Systeme gibt es seit über 15 Jahren am Markt. Mittlerweile haben sie sich in über 1.700 Installationen weltweit bewährt. Eine in Auftrag gegebene Kundenbefragung hat ergeben, dass der Zufriedenheitsgrad der Kunden bei über 95 Prozent liegt. Die Leistungspalette des Systemhauses fängt bei den Themen Beratung, Planungsunterstützung und Konzeption an und endet nicht bei der Inbetriebnahme kompletter Hightech-GA-Systeme. Vielmehr kommt noch ein Paket von Wartungs-, Service- und Hotlinediensten dazu, die allesamt der besagten Kundenzufriedenheit dienen.

Bei diesem Leistungsumfang droht vielfach die Gefahr den Kunden zu verärgern. Umso erstaunlicher ist das erzielte Befragungsergebnis. Aber zurück zu ISYGLT. Das intelligente Bus-System ist funktional, betriebssicher und zu 100 Prozent kompatibel zu allen Bauteilen untereinander. Das Produktspektrum deckt von der Feld- bis zur mittleren Leitebene alle klassischen Anforderungen ab, die heute an ein modernes GA-Bus-System gestellt werden. Auch in puncto Kommunikation erfüllt ISYGLT alle gängigen Standards und lässt sich bei Erweiterungen, Adaptionen oder Upgrades innerhalb fremder Bus-Welten integrieren. Das System verfügt über eine Reihe von Schnittstellen, um mit weiteren Gewerken oder gängigen Systemen kommunizieren zu können. Dies sind z.B. einfache RS232-Interfaces mit ASCII-Protokollen oder beim IP-Master eine Modbus-TCP-Schnittstelle. Letztere ist sehr schnell und weit verbreitet.

Für die Steuerung von Dali und DMX-Komponenten ergänzen ebenfalls leistungsfähige Module das Lieferportfolio. Einer sinnvollen Funktionserweiterung steht also auch in diesen Systemwelten nichts im Wege. Komplettiert wird das Interfacingpaket durch die UG-Gateway-Serie, wodurch Schnittstellen zu allen gängigen GA-Bus-Systemwelten verfügbar sind, wie etwa zu Bacnet, M-Bus, Lon-Talk, RK512/3964R (Simatic SPS), Profibus FMS, Profibus DP, Profibus Profil-GA 2.0 und KNX.

Jedes System hat seine eigene Grundphilosophie, und will man zwei oder mehrere Systeme mittels Gateways koppeln, so muss man Kompromisse eingehen. Damit diese nur in absoluten Ausnahmefällen eingegangen werden müssen, geht Seebacher konsequent den Weg, möglichst alles aus einer, also eigener Hand zu liefern, um auch hohen Ansprüchen in Bezug auf Sicherheit, Funktionalität und Bedienfreundlichkeit gerecht zu werden. Bei diesem Vorsatz bleibt einzig der Weg, die eigenen Entwicklungen zu forcieren, auch wenn damit latent die Problematik der Finanzierung einhergeht. Das Gute dabei ist, dass bei aller technischen Euphorie die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht gelassen wird, wovon letztendlich der Kunde profitiert.
Grundsätzlich ist ISYGLT ein zyklisches Bus-System. Zwingender Bestandteil dieses Systems ist ein sogenannter Master-Controller, dem übergeordnet und jederzeit alle Informationen im System zur Verfügung stehen. Dieser wird in gleichbleibenden Zyklenzeiten aktualisiert. Parallel dazu kann das System die Ereignissteuerung nützen, was wiederum die internen Verarbeitungszeiten der Module optimiert. Dieses Prinzip garantiert erfahrungsgemäß höchste Betriebssicherheit der Anlagen. So viel zum Anfang der Grundphilosophie aus technischer Sicht.

Um diese Systemintelligenz herum, dem Master-Controller, wurde die ISYGLT-Familie aufgebaut und Schritt für Schritt nach oben und unten erweitert. So konnte im unteren Segment ein neuer Compact-Controller für Kleinstanwendungen im Licht- und LED-Bereich verkleinert werden. Im oberen Segment wurde der sogenannte IP-Master sinnvoll erweitert. Ein wichtiger Innovationsschritt vor allem deswegen, weil wesentliche State-of-the-Art-Bus-Funktionen dazu entwickelt wurden, die die Leistungsfähigkeit des ISYGLT-Systems erheblich gesteigert haben.

Der ISYGLT-IP-Master kann nun gleichzeitig in der Feldebene mit den Peripheriemodulen (I/O, AD, DA, etc.) kommunizieren, über den Backbone Daten mit anderen Mastern austauschen und auf der Ethernetebene parallel das Isynet-TCP-Protokoll und das Modbus/TCP-Protokoll verarbeiten. Die Funktionsprogrammierung, Parametrierung von komplexen Modulen und das Debugging in der Feldebene funktionieren wahlweise seriell (RS232) oder ebenfalls via Ethernet. Letzteres öffnet die Tore in alle IT-Welten. Die Grenzen gibt dann der Netzwerkadministrator vor. Programmierung oder Bedienung via W-LAN oder von zu Hause aus – kein Problem.

Der IP-Master birgt noch weitere pfiffige Funktionen in sich. Für spezielle Anlagen ist hier ein Webserver enthalten, mit dem die Bedienung der Anlage, das Stellen von Lichtwerten, Schwellwerten, Temperaturen oder Schaltzeiten möglich ist. Neu ist auch eine Störmeldeverarbeitung, die 128 Meldungen in bis zu 4.000 Einträgen verwaltet.
Abgerundet wird das Ganze durch eine Nutzerverwaltung, die die Rechte für interne und externe Kommunikation, die Sichtbarkeit und Bedienbarkeit von Seiten und direkte Zugriffe regelt. Auch erzeugt der interne Webserver automatisch die passende Bildschirmauflösung und gibt sie direkt in einem kleineren Format für Smartphones wie zum Beispiel das i-Phone aus. Handys mit Wap-Funktion haben die Möglichkeit auf Wap-Pages zuzugreifen. Für den E-Mail-Versand steht ein SMTP-Client zur Verfügung. Dieser ermöglicht 16 Mails an 16 unterschiedliche Empfänger.

Weitere Spezialanwendungen sind die Mini-Page und das Mini-Control. Um im Bereich der PC-Visualisierung eine für ISYGLT geeignete Software anbieten zu können, steht eine plattformunabhängige Lösung auf Basis Java zur Verfügung. Dabei wird ein Java-Server auf einem Dauerläufer-PC installiert.

Die Kommunikation ist durchgängig bidirektional, deshalb erfolgt die Auslieferung mit einem eigenen, geprüften Browser. Die Seitenprogrammierung erfolgt im internationalen HTML-Standard durch Einfügen und Platzieren von Controls. Das ist zwar keine Drag-and-Drop-Lösung, überzeugt aber mit Flexibilität in der Gestaltung.
Die Referenzliste der realisierten Projekte umfasst über 1.700 Anlagen und erstreckt sich von der einfachen LED-Farbsteuerung in den Swarovski-Shops in Shanghai und in London bis hin zu komplexen Managementlösungen für Museen, Logistikzentren und Funktionsgebäuden. Zum Beispiel bei der Modernisierung der Beleuchtungssteuerung in Halle 11 der Köln Messe. 3.500 Dali-Leuchten und diverse Halogenstrahler sind einzeln per PC-Visualisierung individuell in Gruppen und Helligkeiten konfigurierbar.
Pro Dali-Leuchte erfolgt auch die Überwachung auf EVG- und Leuchtmittel-Fehler mit Signalisierung als Sammel- und Einzelmeldung in der Grundrissanzeige der Visualisierung. Eine Spezialfunktion dabei ist die automatische Adressierung von ausgetauschten/ersetzten EVGs. Dies weiß jeder zu schätzen, der bei einer fertig adressierten Anlage Leuchten auswechseln musste. Bis zu vier EVGs können der Reihe nach von der kleinsten zur größten Adresse eingebaut und automatisch adressiert werden! Drei IP-Master mit Ethernetschnittstellen steuern und überwachen die Funktionen von 52 Dali-Bussen.

Diverse Logistikzentren eines großen deutschen Vollsortimentanbieters gehören auch zu den Objekten. Realisiert wurde die Energieoptimierung der Beleuchtung in den Lagerhallen durch Tageslichtnutzung, bedarfsgerechte Regelzonen und Helligkeiten. Dazu gehören auch die Steuerung der RWA-Klappen und bidirektionale Kommunikation mit der Lufterhitzersteuerung. Im Verwaltungsbereich wurde zur Lichtsteuerung noch eine licht- und sonnenstandsgeführte Jalousiesteuerung realisiert. Während der Arbeitszeiten ermitteln die Module Fahrstrategien, um das Tageslicht optimal zu nutzen und eine Blendung im Raum zu vermeiden. Nach den Arbeitszeiten fahren die Jalousien in die gleiche Position, damit die Fassade einheitlich aussieht. Bei Alarmanlagenscharfschaltung erfolgt die Schließung der Jalousien, jedoch unter Berücksichtigung von Sonnenlichtzeiten für die Blumen in den Büros.

Eine komplexe PC-Visualisierung inklusive Störmeldeverarbeitung mit Server und vier Clients, Gateways zu diversen Gewerken ist übergeordnet im Einsatz. Als implementierte Applikation erfolgen die Aufzeichnung der Kühlraumtemperatur, die Verwaltung der Alarmmeldung und die Aussendung von wichtigen Meldungen per SMS.

Im Cuvilliés Theater in München wurde eine Nebenpultsteuerung mit IP-Mastern, DMX512-Schnittstellen, universell parametrierbar, sowie eine Java-Visualisierung auf drei Touch-PCs in unterschiedlichen Berechtigungsstufen realisiert. DMX512 ist vom Standard ein Single-Master-System. Das bedeutet, nur einer kann angeben, was passieren soll. Ein zweites Pult ist nur über einen sogenannten Merger einzubinden. Dabei erfolgt immer die Ausgabe des höheren Werts der beiden Pulte. Das ISYGLT-DMX512-Modul kann sich per Softwaremode online an die Gegebenheiten anpassen: Werte werden eingelesen und abgespeichert und dann per Tastendruck versendet, auch die Abschaltung ist möglich, auf Wunsch werden Merge-Betriebe erlaubt und Werte durchgeleitet. Bei einem weiteren Anwendungsbeispiel ist es Aufgabe, ein Lichtkonzept umzusetzen, bei dem das Tageslicht den Vorzug vor dem Kunstlicht hat. Die Lichtregelung verhindert zu hohen, schädlichen Lichteinfall für die ausgestellten Präsentationsobjekte. Die Steuerung in der Feldebene übernehmen fünf IP-Master. Einer davon fungiert als Server und verwaltet über den Backbone zentrale Informationen für alle Master. Das sind zum Beispiel Himmelslichtwerte Ost, Süd, West, Nord, Datum und Uhrzeit, Sonnenstand sowie die Windgeschwindigkeit und Regendetektion. Für die Bedienung der Anlage sind örtliche Tasten und 13 Touch-Panels in den Ausstellungsbereichen vorhanden.

Eine zentrale Visualisierung befindet sich in der Sicherheitszentrale. Hier hat sich die Java-Lösung bewährt. Die Kommunikation zu den Mastern erfolgt via Ethernetverbindung. In der Visualisierung sind eine komplexe Benutzerverwaltung, eine einfache Bedienebene, eine Experten-Bedienebene, eine Störmeldeverwaltung und die Aufzeichnung der Lichtwerte enthalten. Letzteres war für die Optimierung der Anlage entscheidend.

www.seebacher.de



ISYGLT

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zielsetzung, ein System zu entwickeln, das wirtschaftliche Lösungen durch innovative, pfiffige Technik ermöglicht, mit ISYGLT durchaus gelungen ist.

Gerade in Krisenzeiten beweist sich, welche Systeme von Kunden akzeptiert werden und welche nicht. Jedenfalls konnte Seebacher in den letzten zwei Jahren den Absatz des Systems stetig und zudem erheblich steigern.

Ausgabe:
g+h 07/2009
Unternehmen:
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