14. DEZEMBER 2017

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Deutsche Präzision französische Kreativität


Titel

Hager. - Die Geschichte des Unternehmens ist von einem steilen Aufstieg zum internationalen Systemanbieter gekennzeichnet. Seine Wurzeln und seinen Bezug zum Elektrohandwerk hat es dabei nie verloren. g+h sprach mit dem Vorstand.

Herr Hager, welche entscheidenden Entwicklungsschritte hat es seit dem vollzogenen Generationenwechsel bei Hager gegeben?
Daniel Hager: Für mich war es ja, um es bildlich auszusprechen, wie der Wechsel vom Beifahrersitz ans Steuer. Im Zuge dieses Wechsels wurde auch der gesamte Vorstand neu besetzt. Außer mir kamen Philippe Ferragu und Bertrand Schmitt hinzu. Das war sicherlich der entscheidende Entwicklungsschritt. Hinzu kam, dass ich, nachdem ich vorher für das operative Geschäft verantwortlich war, als Vorstandsvorsitzender einen neuen und umfangreicheren Aufgabenbereich übernommen habe. Dazu zählen die Arbeit mit dem Aufsichtsrat und natürlich die Verantwortlichkeiten für die Unternehmensentwicklung und Kommunikation.

Hat sich die Grundphilosophie von Hager damit verändert?
Die Grundphilosophie ist immer noch dieselbe, denn Kontinuität ist uns sehr wichtig. Wenn es um die künftige Entwicklung geht, dann kristallisieren sich zwei sehr starke Felder heraus: Wir möchten stärker in den Zweckbau hineinwachsen und mit der Hager-Gebäudesystemtechnik auch den gesamten Bereich der „Energieeffizienz“ abdecken.

Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Hager?
Deutschland ist unser Kernmarkt, der Markt auf dem wir zuhause sind und auf dem wir die beste Präsenz haben. Von hier aus gehen die technischen Entwicklungen in unsere internationalen Märkte. Wir sind ein Unternehmen mit saarländischen Wurzeln, das hier und in Frankreich großgeworden ist. Beide Märkte zusammen stellen 50 Prozent des Gesamtumsatzes dar. 85 % unseres Umsatzes realisieren wir in Europa, wir sind also ein durch und durch europäisches Unternehmen, was sich auch in unserer Unternehmensform widerspiegelt; seit 2007 sind wir eine SE.

Sind Sie von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen?
Natürlich sind wir davon betroffen, denn wir haben im Baugewerbe weltweit einen Abschwung. Glücklicherweise muss man sagen, dass der deutsche Markt davon nicht so stark berührt ist. Das liegt natürlich auch daran, dass sich der Hochbau seit Jahren auf einem so niedrigen Niveau bewegt, dass eine weitere Rückentwicklung kaum vorstellbar ist. Außerdem haben wir uns durch neue technische Lösungen, zum Beispiel die Gebäudesystemtechnik mit unserem neuen Schalterprogramm Kallysto, sehr gut am Markt positioniert und erarbeiten uns im Zweckbau Marktanteile.

Den deutschen Markt schätze ich in diesem Zusammenhang übrigens weiterhin sehr positiv ein, denn wir haben in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz viele Themen für das Elektrohandwerk, aus denen Wachstum generiert werden kann. International ist das anders zu sehen, denn dort – zum Beispiel in Spanien, England oder Irland, also in Ländern wo die Finanzkrise durch eine Immobilienblase verstärkt wird, wird es mit Sicherheit weiterhin Probleme geben. Wir spüren generell den allgemeinen Rückgang. Aber können das, auch durch die relative Stärke des deutschen Marktes, gut verkraften. Wir mussten zum Glück auch keine Kurzarbeit einführen.
Heute scheint die Finanzkrise überwunden, denn Investitionen in Projekte und den Wohnbau laufen langsam wieder an. Ich will an dieser Stelle keine Euphorie verbreiten, aber wir blicken voller Zuversicht auf 2010. Dass wir zuversichtlich sind, beweist übrigens auch unsere abgeschlossene Investition im zweistelligen Millionenbereich in ein neues 6.000 m² großes Logistikzentrum und die jetzige Investition in ein neues Verwaltungsgebäude am Standort Blieskastel.

Hat sich an Ihrer Vertriebspolitik etwas verändert?
Nein, wir stehen nach wie vor klar zum dreistufigen Vertrieb.

Laufen Sie bei einer Unternehmensgröße mit 10.000 Mitarbeitern nicht Gefahr, den Kontakt zum Handwerk zu verlieren?
Nein, im Gegenteil, die Nähe zu unseren Kunden, die es auch heute noch unvermindert gibt, ist einer der Schlüssel unseres Erfolgs, sie hat uns wachsen lassen, hat Hager zu dem gemacht, was es heute ist. Schon die Unternehmensgründer, mein Vater und mein Onkel, waren stets beim Handwerk und haben die Ideen für Innovationen aus den Gesprächen und aus der Zusammenarbeit mit dem Elektrohandwerk generieren können. Diese Nähe zum Handwerk hat zu den technischen Lösungen geführt, mit denen wir heute stark sind.

Beschreiben Sie uns doch bitte einmal die Hager-Philosophie.
Qualität, Kundennähe und Einfachheit. In allem, was wir tun, in Produkten, Lösungen und Prozessen steht die Qualität im Vordergrund. Wir möchten stets das Beste leisten. Die Kundennähe, das hatte ich bereits gesagt, hat unsere Entwicklung beflügelt und geprägt. Und Einfachheit spiegelt sich im Umgang mit Kollegen, Partnern, Kunden und Mitarbeitern wider. Als mittelständisches Unternehmen sind wir stets auf dem Boden geblieben.
Übrigens fassen wir im Augenblick noch einmal unsere Grundsätze für die Außendarstellung unter dem Terminus „E3“ zusammen. E3 steht für Ethik, Ökologie und Wirtschaftlichkeit. Dahinter verbirgt sich der schonende Umgang mit menschlichen und wirtschaftlichen Ressourcen, die Verringerung der sich aus der Produktion ergebenden Umweltbelastungen und als letzter Punkt ein bewusster Umgang mit Energie, also Produktlösungen, die mit dazu beitragen, Energie zu sparen.

Herr Schmitt, in welchen Bereichen sehen Sie für Hager die größten Wachstumsmärkte?
Bertrand Schmitt: Im deutschen Markt geht es uns bei Hager nicht darum einzelne Produkte zu platzieren, sondern Gesamtlösungen zu bieten. Ein Hager-Kunde erwartet eine optimale Lösung für die Planung einer Elektroinstallation, die Verfügbarkeit der Komponenten und die Verarbeitung. Wir stellen als Systemanbieter elektrotechnische Lösungen für ein komplettes Gebäude bereit. Insofern sind alle Techniken rund um die Gebäudeautomation für uns ein klarer Wachstumsmarkt. Eingerahmt werden diese Technikfelder durch Themen wie Energieeffizienz und Energiemanagement. Ein weiteres Feld, Herr Hager hatte es bereits angesprochen, ist der Zweckbau. Hier sehen wir für uns und unsere Dienstleistung einen großen Wachstumsmarkt. Aus den Augen dürfen wir in diesem Zusammenhang auch nicht das Thema „Wohnen im Alter“ verlieren. Auch auf diesem Gebiet engagieren wir uns sehr stark. Das ist ein Thema, das jeden von uns einholen wird.

Inwieweit stimuliert die Klimadiskussion Ihren Markt?
Das ist ein politisch getriebenes Thema. Fakt ist, dass ab dem nächsten Jahr das Energiewirtschaftsgesetz in Kraft tritt, das dafür sorgen wird, dass der elektronische Haushaltszähler Pflicht wird. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, sich kurzfristig und aktuell über den Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden zu informieren. Wer weiß, wie hoch sein Energieverbrauch zu welchen Zeiten ist, wird sensibilisiert und kann seinen Verbrauch gezielt steuern und letztlich auch Energie sparen.

Welche Rolle spielt Hager dabei?
Wir sind bereits im Zählerschrankbereich führend tätig. Und wenn der elektronische Haushaltszähler dort integriert wird, sind wir natürlich mit dabei. Seit sieben Jahren beteiligen wir uns aktiv an der Entwicklung einer Befestigungs-/Kontaktiereinrichtung und eines elektronischen Haushaltszählers für die deutschen Energieversorger. Hier haben wir nennenswerte Normarbeit geleistet. Heute haben wir bereits die zweite Generation der Zähler im Markt und im nächsten Jahr werden wir die dritte Version herausbringen. Dann werden die Verbrauchsdaten dem Kunden auch online zur Verfügung stehen.

Nun haben viele Elektrotechniker die Befürchtung, dass die EVUs hier ihre Vormachtstellung ausnutzen könnten?
Diese Bedenken sind völlig unbegründet. Die von uns entwickelte Befestigungs- und Kontaktiereinrichtung ist das klassische und ureigene Aufgabengebiet des Elektrotechnikers. Inwieweit der Elektrotechniker in den Verkauf der Zähler eingebunden wird, kann ich nicht sagen, das liegt außerhalb unserer Entscheidungsspielräume. Die Möglichkeit ist aber durchaus vorhanden. Hinzu kommt, dass der elektronische Zähler ja nur den Verbrauch beziffert, was mache ich aber mit den Daten? Diese können mit dem Hager-Energiecockpit ausgelesen werden, um dem Nutzer sämtliche Informationen über seinen Stromhaushalt zur Verfügung zu stellen. Damit erhält er also mit- hilfe moderner Gebäudesystemtechnik eine Kontrolleinrichtung, die es ihm gestattet, für mehr Energieeffizienz zu sorgen.

Wie verläuft in Ihrem Unternehmen ein Innovationsprozess?
Wir verfügen heute über eine Vielzahl von Kontakten mit Elektrotechnikern, Planern und Architekten. Sie alle werden bei einer Neuentwicklung mit eingebunden. Hier haben wir einen Prozess aufgesetzt, den wir „Voice of Customer“, also die Stimme des Kunden nennen. Dabei arbeiten wir unter anderem sämtliche relevanten Informationen aus unserem Kundenkreis in die Pflichtenhefte eines Produktes mit ein. In einem aufwendigen Verfahren werden dann entsprechende Lösungen entwickelt und auf den Markt gebracht. Das ist ein Prozess, der sehr systematisch verläuft.

Herr Ferragu, hinter Unternehmen stehen Menschen. Wenn ich mich bei Hager bewerben würde, welche Kriterien müsste ich erfüllen?
Philipp Ferragu: Der Mensch spielt bei Hager die wichtigste Rolle. Deshalb investiert das Unternehmen kontinuierlich in die Weiterbildung und auch in die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Ein weiterer Aspekt ist der Zusammenhalt aller Mitarbeiter. Hager ist mit seinen Hauptstandorten in Obernai und Blieskastel ja ein deutsch-französisches Unternehmen, wenn Sie so wollen. Und wir sind weltweit aktiv. Hier treffen also zwangsläufig verschiedene Kulturen aufeinander. Um uns auf dieser Basis einmal selbst zu definieren, haben wir gemeinsam so etwas wie einen Verhaltenskodex entwickelt. In diesen Prozess wurden alle Mitarbeiter einbezogen. Das Ergebnis sind sechs Kernthesen: Wir sind professionell, kundenorientiert, teamorientiert, innovativ, handeln unternehmerisch und sind loyal. Unsere Mitarbeiter leben dies. Diese Philosophie findet auch ihren Niederschlag im neuen Logo der Hager-Gruppe. Um bei Hager zu arbeiten, damit möchte ich Ihre Frage beantworten, sollten Sie sich auf jeden Fall damit identifizieren können.

Wi e werden Ihre Mitarbeiter gefördert?
Wir haben ein relativ hohes Budget für Weiterbildungsmaßnahmen – überall in der Welt. Doch nicht nur das Thema Weiterbildung wird von uns fokussiert, von großer Bedeutung ist für uns auch die Gesundheit unserer Mitarbeiter. So ist uns beispielsweise die Arbeitsplatzergonomie besonders wichtig. Im Rahmen unseres Care-Management-Programms bieten wir darüber hinaus Möglichkeiten, sich fit zu halten oder über einen Gesundheitscheck Vorsorge zu betreiben. Das reicht von sportlicher Betätigung bis hin zu Fragen der Ernährung.
Unser Engagement zielt in diesem Zusammenhang natürlich auch darauf ab, dem demographischen Wandel Rechnung zu tragen. Denn die Heraufsetzung des Rentenalters in Deutschland wird dazu führen, dass ein älterer Mitarbeiter vielleicht einmal in einen anderen Unternehmensbereich wechseln muss, weil seine körperlichen Voraussetzungen im Alter andere sind. Darauf möchten wir vorbereitet sein.

Werden solche Entscheidungen „von oben“ gefällt?
Nein, sie sind das Ergebnis eines intensiven Dialogs. Wir befragen unsere Mitarbeiter sehr detailliert in regelmäßigem Turnus, wie sie das Unternehmen sehen, genauso wie wir es mit unseren Kunden machen. Die Ergebnisse bilden einen Baustein im Entscheidungsprozess, wenn es um strategische Entscheidungen geht oder konkret, wenn es um das Care-Management geht.

Sind die Erfolge greifbar?
Ja, ganz sicher, wir haben beispielsweise Sicherheitsseminare für Autofahrer durchgeführt. Seit mehr als drei Jahren hat es – bei mehr als 120 Mitarbeitern, die draußen beim Kunden unterwegs sind – keinen schweren Unfall mehr gegeben.

Gibt so etwas wie Talentsuche im Unternehmen?
Wir führen zweimal im Jahr Mitarbeitergespräche. Ein Ergebnis ist das Aufspüren von Talenten, die dann einem „Karriere-Gremium“ vorgestellt werden können, um über entsprechende Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren. Jeder Mitarbeiter hat das Recht, zweimal im Jahr ein solches Gespräch zu führen. Diese Institution wird von allen Seiten sehr ernst genommen. Und sie ist erfolgreich.

Herr Hager, wenn Sie Ihre Mitarbeiter anschauen, dann haben Sie es in der Mehrzahl mit Deutschen und Franzosen zu tun. Ist Hager da gleich Hager?
Daniel Hager: Ich muss wahrscheinlich nicht herausstellen, dass Franzosen und Deutsche unterschiedliche Mentalitäten besitzen. Was wir bei Hager geschafft haben ist, eine Synthese aus beiden Charakteren beziehungsweise Kulturen zu schaffen und zu leben. Es ist sicher karikiert, wenn ich sage, dass wir deutsche Präzision mit französischer Leichtigkeit und Kreativität gepaart haben. Es trifft aber sicherlich einen Teil des Kerns.


Noch einige Stichworte:

Angela Merkel
D.H.: Angela Kohl.
B.S.: Wurde wieder gewählt.
P.F.: Erste Bundeskanzlerin.

Macht
D.H.: Zum Umsetzen nützlich.
B.S.: Verdammt nützlich.
P.F.: Mit Vorsicht zu genießen.

Familie
D.H.: Hat absolute Prioriät.
B.S.: Prioriät Nr. 1.
P.F.: ...Innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Kinder
D.H.: Sonnenschein, Freude.
B.S.: Die Entdeckung der Langsamkeit.
P.F.: Das Wichtigste.

Hobbys
D.H.: Familie und Laufen.
B.S.: Viel Bewegung.
P.F.: Den Kindern beim Hobby zuschauen.

Sinn des Lebens
D.H.: Selbsterfüllung.
B.S.: Eine ständige Entwicklung.
P.F.: Sich stetig weiter zu entwickeln.

Tod
D.H.: So sicher wie die Steuern.
B.S.: Gehört wohl dazu.
P.F.: Etwas, das man nicht umgehen kann.


Meine Herrn, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.


www.hager.de

Ausgabe:
g+h 07/2009
Unternehmen:
Bilder:
6 Unternehmens-Kataloge:

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