12. DEZEMBER 2017

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Der PC sitzt an der Wand


Talk

Divus. - Das Unternehmen ist Trendsetter, wenn es um Wand-PC-Lösungen geht. Es bietet aber noch viel mehr. Darüber sprach g+h mit dem Geschäftsführer und Inhaber.

Herr Henzler, wie kam es zur Gründung von Divus?
Lange Jahre war ich bei einem Bediengerätehersteller in verantwortlicher Position tätig. Aus dieser Tätigkeit heraus erwuchs der Wunsch, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. So habe ich 2002 zusammen mit meinem Kollegen Reinhard Zublasing die Divus GmbH gegründet, die wir heute gemeinsam führen. Die Grundphilosophie bestand in der Konzentration auf die Bereiche „Bedienen, Beobachten, Visualisieren“, basierend auf embedded PC-Systemen, also ausschließlich auf offenen Betriebssystem-Standards. Uns ging es darum, diese in die Funktionalität von Touch-Bedieneinheiten zusammenzuführen; anfänglich nur für den Maschinen- und Anlagenbau. Wir waren also ausschließlich hardwareorientiert.

Warum keine Software?
Hier gab es ja bereits Softwarestandards und die dahinter stehenden Marken. Bedarf sahen wir ganz klar auf der Hardwareebene, den Bedarf für ein modulares und effizientes System, das in sich kombiniert werden kann.

Was heißt in diesem Fall kombinierbar?
Einerseits ein standardmäßiges System aus dem Katalog, andererseits die Möglichkeit der individuellen Kombination nach Kundenwunsch und Ansprüchen. Die sich daraus ergebende Flexibilität brachte mich vor dreieinhalb Jahren auf die Idee, einen Gebäude-PC auf den Markt zu bringen. Deshalb hat Divus heute zwei Geschäftsbereiche: Industrieautomation und Gebäudeautomation. So ist der Gebäude-PC Divus Domus entstanden.

Sie haben zwei Standorte, wie sind sie strukturiert?
In Eppan in Südtirol sitzen Entwicklung und Produktion, hier in Filderstadt ist der gesamte Vertrieb beheimatet.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute?
Wir haben 28 Mitarbeiter.

Was gab für Sie eigentlich den Impuls, sich der Gebäudeautomation zu widmen?
Als wir unser Firmengebäude, das mit moderner Bustechnik ausgestattet ist, errichteten, hatten wir die Idee, dort einen Industrie-PC einzusetzen. Das war aber faktisch nicht möglich, denn der Industrie-PC ist nun einmal für den Einsatz in einer Maschine konzipiert und nicht in einem Haus. Deshalb schauten wir uns nach einer Lösung auf dem Markt um und fanden nichts. Damit war die Idee für die Entwicklung eines Gebäude-PCs geboren. Ein modernes Gebäude benötigt einfach eine Schnittstelle zu den einzelnen Funktionalitäten, die gab es aber damals nicht. Ein zweiter Grund für den Einstieg in die Gebäudeautomation war, dass mein Partner mit einer zweiten Firma bereits über ein eigenes Produkt für diesen Bereich verfügte. So lag es nahe, darauf aufzubauen.

Sie vertreiben international?
Ja, international arbeiten wir mit Importeuren zusammen, die von ihrem Portfolio her zu uns passen. Dieses Vertriebsnetz bauen wir kontinuierlich weiter aus.

Und wie ist Ihr Vertrieb national aufgestellt?
Von unserer Zentrale hier in Filderstadt aus bieten wir die komplette Vertriebsunterstützung und den Support an. In den einzelnen Bundeländern haben wir Vertriebspartner, die für uns die entsprechenden Dienstleistungen übernehmen. Der Kontakt zu Kunden erfolgt aber direkt, dass heißt die Vertriebspartner haben die Aufgabe, den Kunden technisch tiefgreifend zu betreuen, die Fakturierung erfolgt aber direkt über uns. Wir suchen und brauchen aufgrund der Komplexität der Technik den direkten Kontakt zum Endkunden.

Wer ist Ihr Endkunde?
Das sind der Elektrotechniker, also der Elektrofachbetrieb, und der Systemintegrator. Wir pflegen aber auch Kontakte zum Großhandel, da dieser natürlich an unseren Produkten interessiert ist. Und wir suchen im Bereich des OEM-Geschäfts auch die Industrie als Partner – immer unter dem Blickwinkel „bedienen, beobachten und visualisieren“.

Was unterscheidet Ihre Produkte von Wettbewerbsgeräten?
Generell möchte ich festhalten, dass unsere Produkte neutral zu betrachten sind. Wir liefern einen PC in einem „Kleid“ für die Gebäudeautomatisierung. Dieses Produkt ist bis zum Betriebssystem abgerundet. Danach ist auf dem Gerät jede Art von Visualisierungssoftware installierbar, eine Aufgabe, die in der Regel der Elektrotechniker oder Systemintegrator erledigt. Die vorhandenen Lösungen sind von unseren Supportern auf ihre Kompatibilität zu unserem Produkt hin umfassend getestet worden. Somit können wir unseren Kunden eine neutrale PC-Einheit anbieten, die hardwaretechnisch auch mit Drittprodukten kommunizieren kann, wie etwa dem Gira-Home-Server oder Berker-IP-Control und vielen anderen. Diese Hardware kommuniziert mit unserem Gerät auf dem Prinzip Server-Client. Installiert ein Systemintegrator Software von Jung Facility Pilot, so ist unser Produkt ohne Zusatzhardware direkt ein KNX-Teilnehmer. Diese Kombinationen wurden von uns getestet und sindin unseren technischen Katalogen gelistet. Wir sehen uns da weniger als Wettbewerber, sondern als Teil eines ganzheitlichen Systems.

Sie bleiben bei dieser Produktstrategie?
Nicht ganz. Aus unserer Marktaktivität haben sich Anforderungen ergeben, die über unser Angebot von Touchpanels in den Größen von 6,5 bis 19 hinausgehen. So kam die Anfrage, ob wir für KNX nicht auch ein Visualisierungspaket anbieten können. Das haben wir getan und die Produktlinie KNXcontrol entwickelt. Dabei ist KNXserver das Herzstück des Systems. Dieser Server visualisiert KNX-Teilnehmer – auch auf Basis einer Web-Visualisierung. Hier liefern wir also ein System, das ein Visualisierungspaket in die Hardware integriert hat und die Touchpanels als Interface dem Nutzer zur Verfügung stellt.

Welche Funktionalitäten beinhaltet KNXcontrol?
Es beinhaltet die Möglichkeit, KNX-Geräte anzusteuern, zu visualisieren, Logiken und Szenarien und Sonderfunktionen bereitzustellen. Das sind aus unserer Sicht aber nur 50% dieses komplexen Themas. Die anderen 50% sind Kommunikationsthemen, also Zugriff auf Webpages, Darstellung von Informationen aus dem Webumfeld wie zum Beispiel aktuelle Nachrichten, Verkehrsfunk, RSS-Feeds, Börsennachrichten und Wetterberichte. Wir möchten also die Internetwelt hier ganz klar in die Gebäudeautomation einbinden. Zu diesem Bereich gehört natürlich auch das Thema Sicherheit, also die Integration von IP-Kameras und möglichst Zugriff auf Sicherheitssteuerungen. Außerdem ist in diesem Zusammenhang die Frage nach der Fähigkeit unserer Kunden, eigene HTML-Seiten zu programmieren, sehr wichtig.

Ist das nicht für einige ein wenig zu kompliziert?
Nein, denn das Know-how unserer Kunden steigt, deshalb ist es sinnvoll hier mit entsprechenden Optionen aufzuwarten. In jüngster Zeit haben die IT-Experten nämlich den Markt für Gebäudeautomation im Visier. Und diese Fachleute sind es gewohnt, in Hochsprachen zu programmieren bzw. Bildschirmseiten zu gestalten. Deshalb haben wir im KNX-Server ein freies HTML-Objekt. Ein weiterer, aktueller Trend ist für uns die Einbindung der Türkommunikation. Dabei werden die Außensprechstellen ins System aufgenommen und das Panel wird zur Innensprechstation.

Eine komplette Kommunikationslösung bis zur Telefonie nach außen?
Ja, einmal die Kommunikation von der Tür zum Panel, dann intern von Panel zu Panel und mit Voice over IP erreichen wir das welt weite Telefonnetz. Somit ist das Panel, das wir anbieten, mittlerweile zum Informationszentrum in einem Gebäude avanciert. Darauf zielt auch die Entwicklung unserer Videophone-Box ab. Mit ihr wird die Haussprechanlage zum vielseitigen Kommunikationssystem. So können über die Bedienoberfläche Türöffnertaster, Lichttaster wie auch bis zu 10 Kurzwahltasten konfiguriert werden. Zur gezielten Überwachung lässt sich das Kamerabild am Panel aktivieren und deaktivieren. Die Klingel, für die mehrere Töne zur Auswahl stehen, kann bei Ruhebedarf stumm geschaltet werden. In der Praxis funktioniert die Hauskommunikation mit Divus Videophone wie folgt: Betätigt jemand die Klingeltaste an der Haustüre, läutet es an allen Wand-PCs im Haus. Mit der Videophone-Software kommt auf den Bildschirmen das Videobild von der Türkamera in den Vordergrund. Während man an einem beliebigen Divus-PC nun das Gespräch entgegennehmen kann, schaltet sich auf den anderen Bildschirmen die Software Videophone mit Klingelton und Videobild wieder ab. Per Türöffnertaste können Besucher nun ins Haus gelassen werden. Auch ohne Gesprächsannahme, nur aufgrund des Videobildes einer bekannten Person, lässt sich die Haustüre einfach per Türtaster öffnen. Dabei wird die Software ebenfalls wieder deaktiviert. Ideal für Informationen untereinander sind die Sprachnachrichten, die Familienmitglieder hinterlassen können. Damit diese Mitteilungen auch abgehört werden, weist das Videophone-System auf „neue Sprachnachrichten“ hin.

Sehen Sie noch weitere Entwicklungsmöglichkeiten?
Ganz sicher, denn wir haben zurzeit das Thema „Multi-Room-Systeme“ noch nicht integriert. Damit eröffnet sich der große Bereich des Entertainments, zu dem nicht nur Musik, sondern natürlich auch das Fernsehen gehört. Das ist für uns sicher eine Zukunftsaufgabe. Wir können aber heute schon Multiroomsysteme in unsere Clients einbringen, weil XP-embedded die Installation weiterer Clientsoftware erlaubt. Wir können also unsere Touchpanels mit KNX-Software füttern und auf der anderen Seite Clients laufen lassen, um ein Multiroomsystem zu steuern. In KNX-Server ist diese Funktionalität allerdings nicht integriert.

Stellt die Einbindung in die IP-Welt ein Sicherheitsrisiko dar?
Unser KNX-Server hat ein Zweidrahtinterface zum KNX-Bus selbst. Die Datenzugriffe auf den KNX-Server laufen unter einem gesicherten Protokoll. Auch der Fernzugriff auf den KNX-Server erfolgt über eine gesicherte Verbindung. Der Zugriff von extern ist definitiv geschützt. Außerdem kann der Nutzer in einem Gebäude sein Netzwerk auch in seinem Haus gegen internen Zugriff schützen. Diese Funktionen sind im KNX-Server hinterlegt.

Wo sehen Sie den primären Markt für Ihre Systeme?
Heute sicherlich im gehobenen Wohnungsbau und natürlich auch im Objektgeschäft. Da KNX sich aber so rasant entwickelt, wird es auch eine Preisentwicklung nach unten geben. Diesem Trend werden auch wir mit unserem Touchpanel folgen müssen. Das Ergebnis wird eine deutlich breitere Akzeptanz sein und im Zuge dieser Akzeptanz eine starke Nachfrage unterhalb des gehobenen Wohnungsbau-Segments.

In welche Richtung laufen die Trends zur Light + Building?
Die Einbindung von Gebäudesystemtechnik in die IP-Welt wird sicherlich ein Thema sein. Bei der Visualisierung geht es in Richtung mobiler Geräte. Da wir in unseren Geräten auch W-LAN-Interface haben, bieten sich für die Funktionen Bedienen und Beobachten solche mobilen Lösungen an, die dann natürlich auch in jedes Zimmer einfach mitgenommen werden können. Das ist ein ganz klarer Trend. Herr Henzler, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

www.divus.eu



HINTERGRUND

Die Videophone-Box

Die Neuheit nutzt zwei internationale Standards, um mit Türsprechanlagen in Wechselwirkung zu treten: Dies ist einmal das analoge Telefonsignal a/b, wie es für jede analoge Telefonanlage und Telefonlinie verwendet wird, und das analoge Videosignal 1Vpp 75 Ohm, RCA, wie das zum Beispiel für Fernseher oder Videokameras üblich ist. Zahlreiche Türsprechanlagen nutzen dieselben Signale, um an Telefonkommunikationsanlagen und Monitore angebunden zu werden. Mit der Videophone-Box bietet Divus somit eine bisher einmalige systemoffene Lösung für alle Türsprechanlagen, welche mit den oben erwähnten Standardsignalen kompatibel sind.

Ausgabe:
g+h 07/2009
Unternehmen:
Bilder:

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