13. DEZEMBER 2017

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Gutes Raumklima ist Pflicht


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Helios. Das Unternehmen ist Spezialist auf dem Gebiet der Lüftungstechnik. Über die aktuellen Techniktrends und wie man sich als Elektrofachbetrieb den zunehmend lukrativen Markt der Lüftungstechnik erschließen kann, sprach die g+h-Redaktion mit Markus Best, verantwortlich für das Schulungswesen.

Mangelnde Lüftung und hoher CO2-Gehalt in Räumen bergen nicht nur körperliche und geistige Einschränkungen sowie gesundheitliche Risiken, sie können auch die Bausubstanz eines Gebäudes und das Inventar im Extremfall vollständig ruinieren. Insbesondere in modernen, von der Außenhülle her sehr dichten Gebäuden führt mangelnde Lüftung rasch zu ungesunder Schimmelbildung. Das Öffnen der Fenster reicht da nicht mehr aus. Und es genügt auch nicht, um beispielsweise in Büros oder Klassenräumen für frische Luft zu sorgen. In all diese Gebäude gehört eine Lüftungsanlage, die vollautomatisch für ein angenehmes Raumklima sorgt. Von Markus Best wollte die g+h-Redaktion mehr erfahren.

Herr Best, würden Sie uns kurz etwas zu den aktuellen Unternehmensdaten und Marktaktivitäten sagen?
Gern, unser Unternehmen beschäftigt etwa 280 Mitarbeiter am Produktionsstandort Villingen-Schwenningen. Von hier aus werden das Inland und unsere Exportmärkte beliefert. In Europa verfügt Helios über ein flächendeckendes Vertriebsnetz aus eigenen Niederlassungen und Vertretungen. Was die Marktaktivitäten betrifft, setzen wir sehr stark auf die Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung.

Seit wann?
Helios entschied sich bereits Anfang der Neunzigerjahre als eines der ersten Unternehmen in Deutschland, Systeme für die Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung anzubieten. Diese Pionierarbeit und die aufgebaute Erfahrung in diesem Bereich kommt uns heute zugute. Seit 2006, als wir eine weitere KWL-Offensive mit neuen Produkten und einer großen Vertriebskampagne starteten, verzeichnen wir hier signifikante Erfolge.

Mit welchem konkreten Ergebnis?
Mit einer für uns unerwartet großen Wachstumsrate. So konnten wir unseren Umsatz in diesem Segment von 2007 auf 2008 um rund 30 Prozent steigern. Und auch im letzten Jahr entwickelte sich dieser Bereich sehr positiv. Das hat natürlich die Verkaufs- und Schulungsaktivitäten in unserem Haus gefordert. Gerade der Schulungsbereich, den ich betreue, wurde von uns aufgrund der hohen Nachfrage sehr stark ausgedehnt.

Wer lässt sich von Ihnen schulen?
Zu uns kommen SHK-Installateure, Fachplaner, Architekten und natürlich Elektroinstallateure. Die Schulung ist übrigens nicht nur aufgrund der Technik sehr wichtig, sondern auch hinsichtlich der Haftungsfragen.

Gibt es für die Zielgruppen unterschiedliche Schulungsangebote?
Ja, es gibt Praxisworkshops für Installateure, gezielte Grundlagenvermittlung für Einsteiger und Fortgeschrittene sowie Seminare für Architekten und Fachplaner, zu denen wir wiederum auch Installateure einladen.

Wie hoch ist die jährliche Teilnehmerzahl?
Wir schulen deutschlandweit in allen größeren Städten, auch gemeinsam in der jeweiligen Region mit dem Großhandel. Zusätzlich bieten wir Seminarprogramme in unserem Lüftungs-Kompetenz-Center in Villingen-Schwenningen an. 2008 beispielsweise hatten wir rund 3.500 Seminarteilnehmer.

Ist die Sensibilität für das Thema beim Bauherrn ähnlich groß?
Davon sind wir überzeugt, denn auf Messen kommen häufig auch Bauherren zu uns, die einen erstaunlich hohen Kenntnisstand besitzen. In diesem Markt setzt der Endkunde, der seine Informationen zu gut 70 Prozent aus dem Internet bezieht, ganz offensichtlich die Akzente. Aus diesem Grund hat Helios auch sein Engagement im Internet ausgebaut und spricht auf www.KWLeasyPlan.de neben Planern und Installateuren auch gezielt den Endverbraucher an. Hinzu kommt, dass auch die Architekten wissen, dass ein modernes Wohnhaus ohne ein leistungsfähiges Lüftungskonzept nicht realisierbar ist.

Welches Gewerk ist stärker vertreten, SHK oder Elektro?
Traditionsgemäß ist das SHK-Gewerk etwas stärker vertreten. Wir stellen aber fest, dass die Elektroinstallateure, die zu uns kommen, sehr genau erkannt haben, wie attraktiv der Markt der Kontrollierten Wohnraumlüftung für ihren Betrieb sein kann. Hinzu kommt, dass die Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung das erste Gewerk aus dem SHK-Bereich ist, das der Elektroinstallateur ohne fremde Hilfe selbst bei seinen Kunden installieren kann. Mit Wärmepumpen oder Klimaanlagen tun sich ja manche Elektroinstallateure schwer, beim Thema KWL ist das anders. Der Elektrotechniker kann das Produkt beim Großhandel kaufen und ohne ein zweites Gewerk problemlos installieren.

Ist das Engagement von der Betriebsgröße abhängig?
Nein, das merken wir an der Zusammensetzung unserer Teilnehmerkreise, die ebenso aus Großbetrieben wie aus Ein-Mann-Unternehmen stammen. Interessant ist, dass die Teilnehmer mittlerweile auch aus anderen Ländern zu uns reisen. So konnten wir hier in unserem Schulungszentrum schon Besucher aus Luxemburg, Südtirol, Österreich, dem Elsass, der Schweiz und sogar aus Spanien begrüßen.

Welchen Schulungsaufwand hat ein Neueinsteiger ?
Ich möchte hier über den Elektrofachbetrieb hinausgehen, denn auch viele Heizungsbauer beschäftigen sich erst seit kurzer Zeit mit dem Thema. Und wir möchten beiden im ersten Schritt die unbegründete Angst vor der Lüftungstechnik nehmen. Deshalb empfehle ich zum Einstieg stets unser Seminar „Grundlagen der Lüftungstechnik“ und im Anschluss daran den KWL-Praxis-Workshop. Beide eineinhalb Tage dauernden Seminare bauen aufeinander auf. Außerdem bestätigen uns die Teilnehmer, dass dies die richtige Vorgehensweise ist.

Das heißt, nach drei Tagen Schulung ist man fit?
Das wäre zu einfach. In drei Tagen kann man kein Studium der Lüftungstechnik absolvieren, was natürlich auch nicht unser Anspruch ist.
Ziel ist es, dass der Seminarteilnehmer nach der Schulung in der Lage ist, eine Büroeinheit lüftungstechnisch auszulegen. Also er sollte eine Volumenstrom- und Kanalnetzberechnung durchführen können, anschließend die erforderlichen Komponenten zusammenstellen, die Anlage beim Kunden anbieten und letztlich auch installieren.
Wenn dieses Ziel erreicht wird, bin ich zufrieden. Diejenigen, die unsere Schulungen absolviert haben, bestätigen uns immer wieder, dass das problemlos möglich ist.

Unterstützen Sie den Absolventen Ihrer Seminare auch während seiner ersten Installation?
Sicher, wir lassen unsere Kunden nicht im Regen stehen. Hier gibt es bei Notwendigkeit auch eine Betreuung direkt aus der Zentrale heraus, über unsere Handelsvertretungen oder den Außendienst.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Lüftungstechnik ein?
Ich halte, auch wenn das zunächst ein wenig vermessen klingt, die Lüftungstechnik für die bedeutendste Technik der Welt. Ohne sie würde es kein Handy geben, weil die Chips, die darin enthalten sind, auf Reinraumtechnik angewiesen sind. Auch die Photovoltaik wäre nicht möglich, denn auch hier ist Reinraumtechnik erforderlich. Denken Sie an die Wolkenkratzer von Dubai; sie sind ohne Lüftungstechnik gar nicht zu betreiben. Lüftungstechnik ist somit ein Rückgrat des modernen Lebens.

Auch im Privatbau?
Sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bau wird künftig niemand mehr auf die Lüftungstechnik verzichten können, denn die Energiewerte, die aufgrund der europäischen Gesetzgebung gefordert werden, sind ohne Wärmerückgewinnung nicht mehr erreichbar. Es gibt aber noch andere Gründe. So war ich jüngst auf einem internationalen Lüftungstechnik-Kongress in Berlin. Dort wurde diskutiert, dass bei der Pisa-Studie Nationen vor uns stehen, die in ihren Schulgebäuden auf kontrollierte Lüftung schon seit Jahrzehnten als Standard setzen.

Für welche Regionen gilt das?
Vor allem für den skandinavischen, den asiatischen Bereich und Teile des amerikanischen Kontinents.

Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Leistungsfähigkeit und Luftqualität?
Ganz eindeutig. Schüler in kontrolliert belüfteten Schulräumen können sich auch noch um 11.00 Uhr auf den Unterricht konzentrieren, während sich die Leistungsfähigkeit in nicht professionell gelüfteten Schulen zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem sehr niedrigen Niveau eingependelt hat.

Sind angesichts immer dichter werdender Außenhüllen künftig überhaupt noch Gebäude ohne eine Kontrollierte Wohnraumlüftung zu betreiben?
Nein, jeder Architekt, jeder Bauträger und jedes ausführende Unternehmen, die heute auf Basis der EnEV 2009 Gebäude errichten, ohne die Frage der Lüftungstechnik konkret bis zum Ende zu beantworten, haben spätestens wenn es anfängt zu schimmeln ein Haftungsproblem.

Ist die Kontrollierte Wohnraumlüftung gegenüber dem klassischen „Fenster auf“ auch energetisch wettbewerbsfähig?
Ja, aber diese Frage stellt sich angesichts der modernen Gebäudekonstruktion im Grunde nicht, denn eine manuelle Lüftung in vergleichbarer Qualität ist fast nicht durchführbar. Wenn man energetisch eine Pauschalaussage machte, dann könnte man problemlos sagen, dass mithilfe der Kontrollierten Wohnraumlüftung bis zu 25 Prozent Energie einzusparen sind.

Ein anderer Bereich von sicherlich großer Bedeutung ist die Hygiene, sind Fragen möglicher Verkeimung der Luft. Wie entgegnen Sie hier möglichen Bedenken?
Dieses Thema ist ausgesprochen wichtig, mindestens so wichtig wie das der Geräuschemission, und es wird auf jedem Seminar Gegenstand der Diskussion. Wenn eine Lüftungsanlage fachgerecht mit Materialien und Komponenten, die für Lüftungsanlagen vorgesehen sind, geplant und installiert wird, gibt es kein Hygieneproblem. Diese Schwierigkeiten treten nur auf, wenn ungeeignete Materialien eingesetzt werden oder Planungsfehler vorliegen.

Wie werden Ihrer Meinung nach die technischen Entwicklungen der Zukunft verlaufen?
Die Anlagen werden immer leistungsstärker bei vermindertem Energieverbrauch und sie werden auch vom Design her immer ästhetischer und lassen sich so in jede Innenarchitektur harmonisch integrieren. Parallel zur Energieeffizienz gibt es auch eine Entwicklung in Richtung gesteigertem Wohnkomfort. So lassen sich KWL-Systeme bereits heute per BUS-System mit der Haustechnik vernetzen, erlauben dank Enthalpietauscher zusätzliche Feuchterückgewinnung. Auch folgt Helios den Wünschen der Kunden und bietet abgestufte Systeme für unterschiedlichste Anforderungen an. Beispielsweise Einzelraumgeräte ohne Luftverteilsystem für die Sanierung oder spezielle Lösungen für das Passivhaus.

Was zeichnet Helios in diesem Markt aus?
Bei Helios steht der Systemgedanke im Fokus, dass heißt von der Luftansaugung bis zur Luftaustragung kommt alles aus einer Hand auch auf der Planungsseite. Und natürlich sehen wir unser Stärken in der Qualität der Produkte, dem Service und unserer Schulungskompetenz. Nur wer Trends und Entwicklungen frühzeitig erkennt und auf innovative Konzepte im Produkt- und Servicebereich setzt, wird mit seinen Leistungen dauerhaft überzeugen können. Das gilt für uns wie für den Installateur.
Herr Best, vielen Dank für das Gespräch.

www.heliosventilatoren.de


HINTERGRUND

Pisa und die Luft


Untersuchungen beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen Luftqualität und Leistungsfähigkeit gibt. Dies wurde auch am Beispiel der schulischen Leistungen dokumentiert. Länder, die Schulen mit entsprechenden Lüftungseinrichtungen betreiben, schneiden bei Pisa besser ab.

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g+h 01/2010
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