Das Jubiläum war Anlass genug für die g+h-Redaktion, zum Stammsitz nach Kirchhundem zu fahren und über gestern, heute und morgen mit den ater
erantwortlichen zu sprechen. Im Fokus des Gesprächs stand unter anderem die schwierigste aller Aufgaben für familiengeführte Unternehmen, die Unternehmensübergabe. Unsere Gesprächspartner waren Walter Mennekes, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens, Christopher Mennekes, Geschäftsführer der Unternehmens-Niederlassung in England, Andreas Sprecker, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb und Volker Lazzaro, Geschäftsführer Technik.
Herr Mennekes, Sie haben das Unternehmen von Ihrem Vater übernommen, stand dieser Schritt für Sie von Anfang an bereits fest?
Ich habe zunächst Maschinenbau studiert und während der Semesterferien im Unternehmen gearbeitet. Der Alltag im Unternehmen hat mich schon zu jener Zeit fasziniert, auch wenn ich mir damals noch nicht konkret vorstellen konnte, wie es sein würde, hier einmal den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen. Mein Vater war mir Vorbild und seine Art, mit Menschen, mit mir umzugehen, trug mit dazu bei, dass ich zwangsläufig die Nachfolge antrat. Ich erinnere mich noch, wie er zu mir immer sagte: „Überall hört ein Kabel auf und ein Kabel fängt an, sorge dafür, dass stets unsere Stecker dazwischen sind.“ Dieser Aufforderung folgen heute alle unsere Mitarbeiter mit großem Erfolg.
Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie den Schritt zum Unternehmer wiederholen?
Selbstverständlich, das ist der schönste Beruf der Welt.
Welches waren die herausragenden Zäsuren der Unternehmensgeschichte?
Ganz entscheidend war es, den Handwerksbetrieb in einen Produktionsbetrieb umzuwandeln, dann aus Aluminiumprodukten den Weg in die Kunststofffertigung zu gehen und schließlich in die Internationalität mit Rundsteckvorrichtungen. Hier haben wir heute einen Exportanteil von mehr als 50 Prozent.
Sie haben die Internationalisierung sehr früh vorangetrieben, warum?
Die Normung und Standardisierung hat den entscheidenden Impuls gegeben, uns die Weltmärkte erfolgreich zu erschließen. Es war geradezu eine Einladung, diesen Schritt zu vollziehen. Das hat mit dazu beigetragen, aus Mennekes eine starke Marke zu kreieren.
Ist die Geschichte Ihres Unternehmens immer auch eine Erfolgsgeschichte gewesen?
Im Grunde ja, es gab aber eine Phase, als wir uns auf dem Feld der internationalen Steckvorrichtung einem großen Konkurrenzdruck ausgesetzt sahen. Siemens, BBC, AEG, Busch-Jaeger, Geyer und Lindner gründeten eine Gemeinschaft zur Herstellung dieser Produktfamilie, und wir standen plötzlich ganz allein auf weiter Flur. Durch unsere Schnelligkeit und Innovationskraft haben wir das aber schnell ausgebügelt. Insgesamt war es dennoch eine schwierige Zeit. Wir haben uns als damaliger Außenseiter durchsetzen können und sind erfolgreicher Spezialist für CEE-Steckvorrichtungen geworden.
Sie führen das Unternehmen in der zweiten Generation. Die größte Herausforderung für ein Familienunternehmen ist ja stets die Nachfolgeregelung. Welche Perspektiven hat das Unternehmen Mennekes in der nächsten Generation?
Wir sind in der glücklichen Lage, ein Führungsteam zu haben, das im Schnitt um die 40 Jahre alt ist. Mit Andreas Sprecker und Volker Lazzaro haben wir eine junge, sehr engagierte und kompetente Führungsmannschaft; mein Sohn Christopher verdient sich zurzeit in England seine Sporen und läutet die nächste Generation ein. Hier findet ein gleitender Übergang statt.
Lassen Sie mich die weiterführende Frage an Ihren Sohn richten. In welchen Schritten erfolgt familienintern die Übergabe des Staffelstabs?
Wir befinden uns jetzt am Anfang des Übergangs. Vor zweieinhalb Jahren habe ich die Geschäftsführung von Mennekes in Großbritannien übernommen und erste Erfahrungen in dieser Position gesammelt. Ende des Jahres werde ich nach Kirchhundem zurückkehren und dann wird es eine parallele Entwicklung geben. Mein Vater möchte sicherlich nicht mit wehenden Fahnen sofort aus dem Geschäft aussteigen und ich selbst habe noch viel zu lernen. Insofern bin ich dankbar, meinen Vater, Andreas Sprecker und Volker Lazzaro an meiner Seite zu haben. Von ihrem Erfahrungsschatz kann ich nur profitieren.
Sie haben einen Vater, der ganz klar als Branchengröße charakterisiert ist. Wie schwer oder auch leicht fällt es, die Nachfolge anzutreten?
Viele Reden in bunten Metaphern, wie schwierig es ist, in diese „großen Schuhe“ zu steigen und einiges mehr. Man muss aufpassen, hier nicht den Vater kopieren zu wollen; ich möchte meinen eigenen Stil finden. Mein Blick hat sich durch meine Auslandserfahrungen geschärft und ich weiß heute, was ich kann und wer ich bin. Für mich ist es wichtig, authentisch zu sein. Aber es gibt natürlich zwangsläufig auch Parallelen in den Charakterzügen und im Wertekanon.
Eines Tages werden Sie ohne Ihren Vater Geschäftsführer und Inhaber sein. Haben Sie Angst davor?
Angst ist das falsche Wort. Ich habe Respekt vor der Aufgabe. Wir haben ein erfolgreiches Unternehmen und ein erfolgreiches Management, das alles gibt mir die Zuversicht und das Vertrauen, mich dieser Aufgabe professionell zu stellen.
Was schätzen Sie besonders an Ihrem Vater?
Sein Herz, er ist Unternehmer aus Leidenschaft mit einer ausgeprägten sozialen Verantwortung und einer positiven Energie, die sich auf andere, vor allem aber auf unsere Mitarbeiter überträgt.
Herr Mennekes, wie viele Freiheiten lässt der Vater dem Sohn in der Übergangsphase?
Ich lasse ihm alle Freiheiten, sodass er sich seinen Aufgabenbereich entsprechend seinen Neigungen suchen kann. Wenn die Position klar ist, werde ich mich zurückziehen. Wenn es um Netzwerke und strategische Fragen geht, stehe ich ihm natürlich immer zur Verfügung – sofern er es wünscht.
Herr Sprecker, Sie sind „Fremdmanager“ in einem Familienunternehmen; mit welchen Empfindungen?
Es gibt nicht nur eine Familie Mennekes, sondern auch eine Mennekes-Familie, die sich weit über die verwandtschaftlichen Beziehungen hinaus erstreckt. Die Mitarbeiter fühlen sich hier ausgesprochen wohl. Genauso geht es mir. Dass es dem Unternehmen gelungen ist, den Spagat zwischen regionaler Verwurzelung sowie familiärer Unternehmenskultur mit erfolgreicher Internationalisierung zu vollziehen, davor habe ich größten Respekt. Das ist sicherlich eine der herausragenden Stärken.
Wie hat die Weltwirtschaftkrise das Geschäft beeinflusst?
Nach den wirtschaftlich sehr guten Jahren von 2005 - 2008, in denen wir ein zweistelliges Wachstum erwirtschaften konnten, mussten wir im vergangenen Jahr einen zweistelligen Umsatzrückgang verbuchen, ohne dass wir aber personelle Konsequenzen ziehen mussten. Auch alle investiven Maßnahmen werden weiter wie geplant durchgeführt.
Läuft das China-Geschäft trotz Krise weiter gut?
Das China-Engagement ist ein Erfolgsmodell für uns. Wir haben die Krise zwar auch dort, aber nur sehr verhalten gespürt. Stärkere Rückgänge gab es in Russland, dafür entwickelt sich der indische Markt sehr gut. Die Internationalisierung der Marke Mennekes sehen wir als ein langfristiges Engagement, bei dem wir unsere Ziele konsequent verfolgen.
Wenn Sie die Marke Mennekes zitieren, seit wann ist Mennekes Marke?
Marketing gab es im Unternehmen schon immer, organisiertes Marketing aber erst seit 1985, als man ein eigenes Schulungswesen etablierte. Dann folgte die Entscheidung, den Unternehmensnamen auf die Produkte zu setzen. Mennekes „Made in Germany“ war der Startschuss zur nachhaltigen Markenpositionierung. Heute verfügen wir über alle marketingrelevanten Abteilungen und pflegen das Markenimage sehr intensiv. Die Marke ist unverzichtbares Lebenselixier für unser Unternehmen.
Herr Lazzaro, 75 Jahre Unternehmensgeschichte bedeuten ja auch ein Dreivierteljahrhundert Produktentwicklung. Würden Sie uns etwas über die Innovationstrends in Richtung Light + Building verraten?
Es wird eine ganze Reihe von Weiterentwicklungen und Neugestaltungen unserer Produkte geben; darauf können sich unsere Kunden schon jetzt freuen. Die Messe wird aber sicherlich sehr stark vom Thema Energieeffizienz geprägt sein. In diesem Bereich fokussieren wir uns auf die Elektromobilität und andere Technikfelder, die mit dazu beitragen, Energieeffizienz zu schaffen, indem man Lösungen smarter macht.
Alle reden von smarten Lösungen, was heißt das konkret?
Smart bedeutet beispielsweise die Kombination von Energieverteilung und Datenverarbeitung. Wir realisieren dies mit Amaxx Industrial Ethernetlösungen. Hier kann man beide Bereiche in einem einzigen Gehäuse in der Industrie sehr effizient einsetzen. Ein weiteres Produktfeld in der Rubrik „smart“ sind unsere intelligenten Ladestationen für Elektromobilität, wo eine sehr intensive Verknüpfung von Energieverteilung und Datenverarbeitung stattfindet.
Wie groß schätzen Sie den Markt der Elektromobilität ein und welche Erwartungen knüpfen Sie daran?
Dieser Markt befindet sich im Augenblick noch in einem Pilotstadium. Alles hängt davon ab, wann es die ersten Fahrzeuge in größerer Zahl geben wird und wie schnell eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden kann. Hier müssen zunächst einmal die technischen Voraussetzungen vorhanden sein. Mennekes möchte in diesem interessanten Markt Vorreiter sein und entsprechende Lösungen bereitstellen, um den Stadtwerken, Energieversorgern und allen anderen, die dies im Commercial-Bereich betreiben möchten, erschwingliche Systeme für die Energieversorgung von Elektrofahrzeugen anbieten zu können. Sind diese Systeme bereits im Einsatz? Ja, wir haben im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten Pilotprojekts „Smart Wheels“ in Aachen eine ganze Reihe von Systemen im Einsatz. Dort sind wir als Partner dafür verantwortlich, die Ladestationen aufzustellen, die im Feldversuch genutzt werden, um Daten zu erfassen, also: Wie häufig wird getankt, welche Mengen werden zu welchen Zeitpunkten geladen etc.?
Das sind sehr wichtige Erfahrungswerte.
Kooperieren Sie mit anderen Unternehmen?
Ja, wir arbeiten mit den großen deutschen Automobilherstellern zusammen. Wir entwickeln für sie die Fahrzeugsteckdosen und entsprechende Ladekabel, mit denen man das Fahrzeug mit den jeweiligen Infrastrukturlösungen verbinden kann. Und da dies alles nicht beim Fahrzeug endet, sind wir selbstverständlich auch mit den Energieversorgern im Dialog.
Wann rechnen Sie mit einem respektablen, flächendeckenden Markt für Elektromobilität samt der nötigen Infrastruktur?
Ich denke, dass es mindestens bis 2015 dauern wird. Dann dürfte es erste serienreife Fahrzeuge in größerer Stückzahl auf unseren Straßen geben.
Gab oder gibt es angesichts der aktuell nach wie vor sehr schwierigen internationalen Wirtschaftslage Einschnitte im Budget für Entwicklung?
Nein, das können und wollen wir uns nicht erlauben. Entwicklungsprozesse dauern mehrere Jahre und sind immer eine Investition in die Zukunft eines Unternehmens. Hier gibt es keinerlei Restriktionen.
Meine Herren, geben Sie mir zum Schluss doch bitte einen Tipp für das Endspiel der Fußball-WM.
W.M. Da g+h, wie wir wissen, auch in Holland gelesen wird, wünschen wir uns ein Endspiel wie 1974 - Holland gegen Deutschland. In diesem Spiel soll Holland das erste Tor schießen. In der letzten Minute wird Holland dann durch ein Tor von Schweinsteiger auf einen ruhmreichen zweiten Platz verwiesen. Dafür wette ich einen Gulden.
Ch.M. Es könnte durchaus so ausgehen. Da ich zurzeit in England lebe, könnte ich mir auch den Klassiker Deutschland gegen England vorstellen – aber sicherlich nicht im Endspiel, soweit wird das England nicht schaffen. Am Ende steht ein 3:1 für Deutschland.
A.S. Ich glaube nicht an ein Endspiel Holland gegen Deutschland. Das Endspiel wird zwischen Spanien und Brasilien ausgetragen. Spanien wird Weltmeister.
V.L. Ich bin mir sicher, dass Deutschland dabei sein und im Finale auf einen anderen Europäer treffen wird. Das Resultat: 3:2 für Deutschland.
Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch.
www.mennekes.de
Kommentar
Die größte Herausforderung für mittelständische Unternehmen ist und bleibt die Nachfolgeregelung. Nur wer hier rechzeitig die Weichen stellt, kann das Lebenswerk des Gründers erfolgreich an die nachfolgende Generation übergeben.
Bei Mennekes stehen die Zeichen einer erfolgreichen Unternehmensübergabe sehr gut, denn das Management wurde frühzeitig in Richtung Zukunft ausgerichtet.
Zitat Walter Mennekes:
"Wir möchten Weltmeister bei Steckern werden und sind auf einem guten Weg dahin."
Zitat Christopher Mennekes:
"Für mich ist es wichtig, völlig authentisch zu sein. Nur so ist man auch glaubwürdig."