13. DEZEMBER 2017

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Marken-Integration


Titelgeschichte

Rada Rodriguez. - g+h sprach mit der Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Schneider Electric GmbH auf der Light+Building über internationale Strategien und die Markenintegration in Deutschland.

Frau Rodriguez, würden Sie uns einen Überblick der aktuellen Unternehmenspositionierung von Schneider Electric geben und darüber hinaus einen kleinen Einblick in Ihren beruflichen Werdegang?

Gern! Seit 1. Oktober 2009 bin ich Vorsitzende der Geschäftsleitung von Schneider Electric in Deutschland. Das Unternehmen in einem so komplexen Markt wie Deutschland zu führen, ist eine Herausforderung für mich, die mir sehr viel Freude bereitet.
Wir haben bei Schneider Electric eine Matrix-Organisation. Dazu gehören die verschiedenen Geschäftsbereiche, in denen die Produkte für die ganze Welt entwickelt werden. Hier ist auch das Produktmarketing angesiedelt. Außerdem gibt es noch die geographischen Unternehmenseinheiten, die für die jeweiligen Regionen und Länder zuständig sind. Ich selbst komme aus dem Geschäftsbereich „Installation Systems und Control“, der auf der Messe mit den Marken Merten, Ritto und Elso vertreten ist.
Zu Schneider bin ich im Jahr 2000 gekommen, als das Unternehmen die schwedische Lexel-Gruppe gekauft hatte. Für Lexel war ich seit 1996 tätig.

Sie sind eine der wenigen Frauen in der Branche. War das für Sie immer leicht?

Am Anfang war es recht einfach, weil ich aus einem Kulturkreis komme, in dem Männer und Frauen dieselben Bildungswege durchlaufen. Es gab also keine ausgeprägt männlichen oder weiblichen Berufswege. Später gab es durchaus auch Barrieren, die ich aber gut überwunden habe. In den letzten Jahren spüre ich auch die Vorteile, denn eine Frau setzt manchmal andere Akzente als Männer.

Sie sind seit zehn Jahren bei Schneider, welche gravierenden Veränderungen hat es während dieser Zeit gegeben?

Die aktuelle Neuausrichtung ist sicherlich die bedeutendste in der Unternehmensgeschichte von Schneider Electric. Seit Januar vergangenen Jahres führen wir eine strukturelle Veränderung durch, die Sie hier auf dem Messestand in Frankfurt sehr gut wahrnehmen können: Mit unserem Unternehmensprogramm „One Schneider Electric“ sind wir dabei, das Unternehmen für den Kunden als Anbieter von Lösungen aus einer Hand zu präsentieren. Dazu gehört eine starke Marke „Schneider Electric“ und auch bekannte Marken wie Merten, Elso oder Ritto, die durch den Zusatz „by Schneider Electric“ deutlich erkennbar dazu gehören.
Aber nicht nur der strukturelle Wandel hat die jüngste Vergangenheit geprägt. Maßgeblich hat sich Schneider wirtschaftlich nach oben entwickelt. Von 2004 bis 2008 konnten wir den Umsatz auf 18 Milliarden Euro verdoppeln. Diese Entwicklung ist auf organisches Wachstum und Akquisitionen zurückzuführen. Außerdem haben wir uns jenen Märkten angenähert, die für uns klare Wachstumsregionen sind; dazu zählen die sogenannten Drittländer. Hier sind wir nicht nur mit einer Vertriebsniederlassung vertreten, sondern produzieren und entwickeln auch. Wir möchten weltweit dort sein, wo unsere Kunden sind.

Welche Kriterien sind für Akquisitionen entscheidend?

Einerseits müssen sie vom Produktportfolio her zu Schneider passen, andererseits ist für uns stets das Thema Energieeffizienz entscheidend. Denn Energieeffizienz und Energiemanagement spiegeln ganz deutlich die strategische Ausrichtung von Schneider Electric wider.

Welche Werte verbinden Sie mit Schneider?

Wir sind sehr stark sozial engagiert und durch einen ausgeprägten Teamgeist charakterisiert. Als Mitarbeiter von Schneider fühlen sie das.

Sie hatten die im vergangenen Jahr gestartete strukturelle Veränderung angesprochen. Was verbirgt sich dahinter?

Dahinter verbergen sich drei große „Säulen“. Erstens die Spezialisierung. Wir möchten kein Generalist auf dem Markt sein – wir sehen uns als den weltweiten Spezialisten für das Energiemanagement. Und das machen wir jetzt mit „One Schneider Electric“ auch für die Kunden transparent. Alles, was wir entwickeln und produzieren, nutzen wir gemeinsam, um für unsere Kunden durchgängige Lösungen anzubieten . Und dann gibt es noch die globale Produktentwicklung und die globale Produktion. Auf diesen drei Säulen ruht das Unternehmen. Das gibt es gleichrangig auch in Deutschland.
Hier haben wir die Spezialisierung in den jeweiligen Bereichen, also Industrie-Automatisation, Gebäudetechnik, Gebäudeautomation und Informationstechnologie. Diese vier Bereiche werden jetzt mit der Akquisition von Areva um das Thema Energie ergänzt und in der Schneider-Welt wieder zusammengeführt.

Wenn wir schon beim Thema Energie sind, welche Lösungen bietet Schneider für den Markt?

Die Strategie ist ganz klar. Wir sind und wollen uns als Spezialist für das Energiemanagement auf dem Markt positionieren. Energieeffizienz steht im Zentrum nahezu aller unserer Aktivitäten. Wenn Sie sich unsere Produktpalette anschauen, dann ist hier alles auf Energieeffizienz ausgerichtet, das ist der gemeinsame Nenner sämtlicher Aktivitäten.

Welche Chancen sehen Sie bei Smart Grid?

Hier sehen wir große Chancen und berücksichtigen dies auch bei unserer Produktentwicklung. Andererseits darf man nicht aus dem Blick verlieren, dass zwar sehr viel über Smart Grid gesprochen wird, aber die Entwicklung entsprechender Lösungen ist durchaus eine Herausforderung. Es gibt viele offene Fragen, die die Netze, die Energieversorgung und die Hardware im Gebäude betreffen. Gefragt ist in diesem Zusammenhang eine globale Lösung. Daran arbeiten wir unter anderem mit unserem Programm ‚Homes‘. Hier geht es unter anderem darum, dem Verbraucher mit intelligenter Verbrauchsmessung eine sehr energieeffiziente Gesamtlösung anzubieten.

Letztlich ist Energieeffizienz immer ein Thema der Industrieländer. Was passiert in den Schwellen-Regionen oder der Dritten Welt?

Wenn man über Smart Grid spricht, dann denkt man zwangsläufig an die Industrieländer. Die Problematik, die wir in den Entwicklungsländern haben, in denen Schneider schon heute eine sehr wichtige Rolle spielt, ist das Fehlen einer flächendeckenden Stromversorgung. Wir können für diese Menschen und Regionen einfache Lösungen bieten. Wenn Sie im ersten Schritt mit Strom versorgt sind, dann muss die Qualität der Netze gewährleistet sein. Auch hier bieten wir schon heute die Lösungen. Und dann gibt es natürlich die Märkte, auf denen der Energieverbrauch explosionsartig ansteigt, wie in China oder Indien. Hier haben wir eine andere Problematik, denn die Ressourcen sind endlich. Dort wird es immer stärker um das Thema „mehr Leistung mit immer weniger Energie“ gehen. Insgesamt handelt es sich also um eine ausgesprochen komplexe Problemstellung.

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das Thema Elektromobilität?

Sie wird kommen. Wir sehen hier auf der Messe, dass sich viele Unternehmen mit der Thematik beschäftigen. Auch bei Schneider Electric gibt es ein entsprechendes Entwicklungsprogramm. Wir glauben, dass es einen europäischen Standard geben wird, denn lokale Lösungen kann sich niemand leisten. Die Elektromobilität wird wiederum neue Problemlösungen fordern, denn wir sprechen über einen sehr hohen Energiebedarf und die gesamte dafür erforderliche Infrastruktur.

Frau Rodriguez, Sie sind bei Schneider für den gesamten deutschen Markt verantwortlich, wo sehen Sie die größten Wachstumsmärkte?

Sie liegen sicherlich in den angesprochen für uns strategisch wichtigen Feldern. Darüber hinaus sehen wir bei Regenerativen Energien ausgesprochen große Wachstumschancen, ganz gleich ob Photovoltaik oder Windkraft. Das gleiche gilt natürlich auch für den Maschinenbau, der ebenfalls ein Wachstumsmarkt für uns ist.

Sie bündeln hier auf der Messe erstmals alle Marken, warum?

Unser unternehmerisches Selbstverständnis heißt „One Schneider Electric“. Das ist für uns sehr bedeutend. Wir glauben, dass wir nur unter einem Dach vereinigt globale Lösungen anbieten können. Heute sind wir in Deutschland noch in vielen Einheiten aufgestellt. Das ist historisch so gewachsen. Wir sind nun dabei, diese Einheiten unter dem Dach von Schneider Electric zu vereinigen. Der Kunde ist nicht interessiert, mit 15 verschiedenen Einheiten zu sprechen, die letztlich ein Unternehmen sind. Dieser Konsolidierungsprozess ist für uns sehr wichtig.

Werden die Einzelmarken über kurz oder lang verschwinden?

Nicht unbedingt. Schneider Electric ist eine Marke, die wir jetzt sehr stark entwickeln und positionieren, aber Marken wie Merten, Ritto und Elso, die Kunden aufgrund ihrer Geschichte einen Mehrwert bringen, werden mittelfristig sicherlich bleiben.

Welche Auswirkungen hat die Integration von Merten, Ritto und Elso auf die Einzelmarken ?

Ausgesprochen positive, denn die jeweiligen Belegschaften sind integriert und betreuen den Installateur aus einer Hand. Das schafft starke Synergien und hat sich sehr positiv auf ihre wirtschaftliche Entwicklung ausgewirkt. Hinzu kommt, dass diese Marken jetzt durch Schneider Electric auch international aufgewertet wurden. So ist beispielsweise Merten in Spanien, Skandinavien oder der Türkei sehr stark. Die Merten KNX-Lösungen sind mit dem jeweiligen nationalen Schalter-Design in diesen Ländern, aber auch in Frankreich vertreten.

Erfolgt die Produktentwicklung mittlerweile auch international?

Sie ist einerseits bei den jeweiligen Konzern-Töchtern vorhanden, andererseits versuchen wir verstärkt, globale Entwicklungsteams zu etablieren. Schon heute kommunizieren dabei Entwicklungsabteilungen in Deutschland mit ihren Kollegen in Indien; das funktioniert perfekt. Die Ingenieurpools werden dabei nicht in einem Land konzentriert, sondern wir forcieren ihre Zusammenarbeit.

Welche ist für Sie die interessanteste Messeneuheit?

Für mich heißt eine unserer markantesten Neuheiten Quickflex, eine intelligente Lösung für Schalter und Steckdosen. Das System wartet mit zahlreichen überzeugenden Vorteilen für den Elektrohandwerker auf. Es ist faszinierend zu sehen, wie zahlreich die Innovationen sind, die unsere Entwickler in einem so kleinen Produkt realisieren konnten.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einige Stichworte geben:

Deutschland

Entwicklung und Opportunität

Angela Merkel

Ist für mich ein Vorbild

Familie

Sicherheit

Hobbys

Jogging

Ihr letztes Buch

Es waren drei: Die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson

Freunde

Begleiten mein Leben

Macht

Wichtig, um entscheiden und verändern zu können

Sinn des Lebens

Sich selbst zu entwickeln

Tod

Das einzige, was obligatorisch im Leben ist

Wenn Sie drei Dinge auf der Welt verändern könnten?

Ich würde für mehr Toleranz und sozialen Ausgleich sorgen sowie Krankheiten nachhaltig bekämpfen.

Das Finalspiel der Fußball-WM

Frankreich gewinnt 1:0 gegen Italien


Frau Rodriguez, vielen Dank für das Gespräch.


www.schneider-electric.com



Quick-Flex

Mit Quick-Flex bietet das Unternehmen künftig Steckdosen- und Schaltersockel, die dank verbesserter Funktionen Installationen in kürzerer Zeit und mit hoher Sicherheit von der Hand gehen lassen – jeder einzelne Arbeitsschritt, vom Anschließen über das Ausrichten und Befestigen bis hin zum Prüfen, ist ein Aspekt, wenn es um eine schnellere und komfortable Installation geht. Bis zu 25 Prozent Zeitersparnis sollen mit dem neuen System möglich sein.
Zusätzliche Module ermöglichen spielend einfach die Integration weiterer Funktionen. Dabei sind die Unterputzeinsätze mit dem vielfach ausgezeichneten Schalterprogramm System M von Merten kompatibel.

Ausgabe:
g+h 03/2010
Unternehmen:
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1 Unternehmens-Video:
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