14. DEZEMBER 2017

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Gelebte Kooperation


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Gira/Revox. - Über das Konzept der Gira Revox Studios sprach g+h mit Torben Bayer, Leiter Marketing bei Gira, Markus Fromm-Wittenberg, Leiter Anwendung und Kooperation bei Gira, und dem General Manager bei Revox, Markus Halbig.

Herr Halbig, wie ist Revox heute auf dem Markt positioniert?

M. Halbig: Revox ist seit über 60 Jahren in der Unterhaltungselektronik tätig. Gestartet ist das Unternehmen 1948 mit der Produktion von Tonbandmaschinen. Heute liegt unsere Kernkompetenz im Bereich Multiroom-Systeme auf höchstem audiophilen Niveau. Dabei geht es darum, Musik in die verschiedenen Räume eines Hauses zu verteilen. Wir waren übrigens 1983 eines der ersten Unternehmen überhaupt, das sich mit Musikverteilung im Haus beschäftigte. Der Hauptsitz unseres Unternehmens ist in der Schweiz. Hier am Standort Villingen wird gefertigt, entwickelt, verkauft und auch der Kundendienst abgewickelt. Außerdem gibt es noch eine Vertriebsgesellschaft in Zürich und eine in Kitzbühel.

Welche technischen Möglichkeiten bieten Sie Ihren Kunden?

M. Halbig: Mit unserem System wird die Musik auf die verschiedenen Räume so verteilt, dass die Nutzer in den jeweiligen Räumen ihre individuelle Musik hören können. Damit sind wir bis heute erfolgreich. Die Kundenansprüche haben sich jedoch gerade in jüngster Zeit erheblich verändert.

In welcher Weise?

M. Halbig: Der Kunde möchte heute nicht mehr nur eine Multiroomlösung, sondern deren Einbindung in die Unterhaltungselektronik und die Gebäudesystemtechnik. Dinge, die zusammengehören, werden auf einer Bedienebene zusammengeführt, also DVD schauen, eine Leinwand kommt aus der Wand, das Licht wird gedimmt, eine Jalousie schließt sich – und das alles mit einem Knopfdruck. Revox bietet diesen Komfort, denn innovative Bedienkonzepte für komplexe Technik sind unsere Philosophie. Der Nutzer soll die Technik möglichst intuitiv beherrschen und Freude an ihr haben. Gestiegen sind auch die Ansprüche an die Audioqualität. Und für diese stehen wir seit mehr als 60 Jahren, das ist für uns eine Kernkompetenz und ein klares Differenzierungsmerkmal.

Wenn die technische Entwicklung so rasch voranschreitet, hat der Kunde nicht – wie beim Computer – schon beim Kauf immer ein „veraltetes“ Gerät?

M. Halbig: Überhaupt nicht, denn wir setzen auf Nachhaltigkeit und haben ein Modulkonzept entwickelt, bei dem der Kunde immer wieder nachrüsten kann. Hat er beispielsweise vor zehn Jahren ein Gerät bei uns gekauft, kann er ein Plug & Play-Modul erwerben und hat mit dieser Multimediakarte sofort Zugriff auf Internet, I-Pod und Netzlaufwerke. Er bleibt also stets auf dem aktuellen Stand der Technik.

Herr Halbig, wie vertreiben Sie Ihre Produkte?

M. Halbig: Wir vertreiben über Fachhandelspartner und Installateure, die von uns auf die Produkte technisch und verkäuferisch geschult werden, um für den Käufer eine möglichst perfekte Lösung zu garantieren.

Was hat den Ausschlag für Ihre Zusammenarbeit mit dem Elektrohandwerk gegeben?

M. Halbig: Der Auslöser waren Äußerungen von Bauherren, die uns sagten, wenn sie die technischen Möglichkeiten schon vor Fertigstellung des Hauses gekannt hätten, wäre eine Entscheidung für ein Multiroomsystem gefallen. Da jetzt aber keine Netzwerkstruktur vorhanden ist, wären umfassende Baumaßnahmen erforderlich, die niemand wirklich tätigen möchte. Hinzu kommt, dass wir im Produktportfolio schon immer eine Unterputz-Bedieneinheit im Design bestehender Lichtschalterprogramme hatten. Da lag es nahe, eine Kooperation zu suchen, um weitere Entwicklungen zu forcieren. So sind wir rasch mit Gira ins Gespräch gekommen und arbeiten heute gemeinsam sehr erfolgreich zusammen. Aus dieser Kooperation ergaben sich weitere Technikfelder, in denen wir uns gemeinsam engagieren, und deshalb fassten wir den Entschluss, Systemintegratoren mit ins Boot zu holen. Die Multiroom-Technik von Revox kann so professionell mit der Gebäudesystemtechnik von Gira kombiniert angeboten und installiert werden. Das hat sich ausgezahlt, denn heute sind wir bei einem Bauvorhaben immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Daraus ist dann auch 2006 das Gira Revox Studio-Konzept kreiert worden. Inzwischen gibt es fast 30 Studios in Deutschland und Österreich.

T. Bayer: Und gerade das Studio-Konzept ist der maßgebliche Erfolgsfaktor in unserer Zusammenarbeit. Denn Gebäudesystemtechnik emotional darstellbar zu machen, gab es in dieser Form noch nicht. Bereits die Anfänge zeigten uns das Potenzial eines solchen Konzeptes auf, sodass wir die Zielsetzung hatten, in den Premiumregionen möglichst schnell entsprechende Studiokonzepte zu entwickeln. Dieses Ziel haben wir erreicht.

Und wie geht es jetzt weiter?

T. Bayer: Jetzt arbeiten wir sehr intensiv daran, durch eine ausgefeilte Marketingstrategie noch mehr Frequenz in diese Studios zu bekommen, abgestimmt auf die regionalen Marktanforderungen der einzelnen Standorte.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein solches Studio betreiben zu können?

M. Fromm-Wittenberg: Es müssen verschiedene Parameter erfüllt sein. So muss die Lage stimmen, es werden im Studio keine weiteren Multiroom-Marken akzeptiert, die Gebäudesystemtechnik von Gira muss im Vordergrund stehen und das Know-how des Betreibers muss vorhanden sein. Wir nehmen deshalb auch einen Qualitätscheck vor, damit diese Kriterien erfüllt werden. Ein solches Studio besteht übrigens meistens aus zwei Experten, einem Revox-Spezialisten und einem Systemintegrator. Manchmal ist die Konstellation aber auch anders. Deshalb hat jedes Studio auch seinen eigenen Charakter.

T. Bayer: Der erste Kontakt entsteht fast immer über den Revox- oder den Gira-Außendienst. Dann stimmen wir uns intern ab und entscheiden. Wichtig ist auch, dass wir diese Studios steuern, denn jeder Standort erfordert ein spezifisches Profil.

Welche Erfahrung haben Sie bis heute mit diesem Konzept machen können?

T. Bayer: Das Feedback ist von allen Seiten ausgesprochen positiv. Das liegt auch daran, dass wir dem Endkunden ein Konzept präsentieren können, das er in dieser Form sicherlich noch nicht gesehen hat. Beide Vertriebsmannschaften können die Gesamtlösungen in einem Showroom ihren Kunden präsentieren; das war bislang nicht möglich. In der Summe ist es ein Erfolgskonzept für alle Beteiligten.

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit dem Konzept an?

T. Bayer: Den Bauherrn, Architekten, Planer, Systemintegratoren und Elektrofachbetriebe der jeweiligen Region, die diese Studios ebenfalls für ihre Kundenakquise und -beratung nutzen können. Die Kunden kommen aus unterschiedlichen Beweggründen in ein solches Studio. Oft ist es so, dass jemand, der sich für die Technik von Gira interessiert, jetzt plötzlich Revox ganz anders wahrnimmt und umgekehrt. Das sind die von uns gewünschten Synergieeffekte. Durch die Studiopartner bekommen wir auch die Rückmeldung, dass über die Homepage beider Unternehmen die Endkunden immer stärker in die Studios gelenkt werden. Dadurch wird eine starke Bedarfsweckung und -lenkung erreicht. Im Rahmen unserer aktuellen Gira Kompetenz-Kampagne werden wir zudem zahlreiche zentrale, vor allem aber regionale, auf die Studios abgestimmte Maßnahmen realisieren, um möglichste viele Endkunden auf das Potenzial und die Lösungen moderner Gebäudetechnik aufmerksam zu machen.

Sie sprachen das Thema Steuerung der Studios an, wie erfolgt diese Lenkungsmaßnahme?

T. Bayer: Einmal im Jahr findet ein Marketingworkshop statt, indem wir analysieren, wie Marketingaktivitäten, die wir zentral steuern, wahrgenommen werden. Außerdem erörtern wir die Umsetzung regionaler Maßnahmen. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal gemeinsame Vermarktungsinstrumente entwickelt. Hinzu kommt ein jährlicher Innovationsworkshop mit den Studiopartnern und unseren Technikspezialisten. Im Augenblick sind wir dabei, das Konzept zu festigen und inhaltlich weiter zu entwickeln. Auch mit der Zahl der Studios sind wir flächendeckend sehr gut positioniert. Wir denken zurzeit nicht daran, diese signifikant zu erhöhen. Eine Übertragung des Konzeptes in andere Länder wäre aber durchaus vorstellbar.

Herr Fromm-Wittenberg, Sie zeichnen bei Gira für den Bereich Kooperation und Anwendung verantwortlich. Seit wann gibt es den bei Gira?

M. Fromm-Wittenberg: Anfang letzten Jahres wurde bei Gira dafür eine eigene Abteilung gegründet, um den Bereich Kooperationen strategisch aufzubauen. Ich bin von der Produkt- und Anwendungsseite her für Kooperationen verantwortlich, in enger Absprache mit Torben Bayer, der Kooperationen aus Marketing- und Vertriebssicht betrachtet. Kooperation hat es seitens Gira immer schon gegeben, aber noch nicht in einer so stringenten Art und Weise. Unsere offenen Systeme leben aber von der Kommunikation mit anderen Gewerken, sodass sich gewerkeübergreifende Kooperationen geradezu anbieten. Multiroom ist der ideale Aufhänger, denn hier geht es, wie bereits gesagt, auch um Emotionen in einer Branche, in der die Gefühlswelt bislang nicht die größte Rolle spielte. Das hat sich mit dem Thema Multiroom-Systeme geändert. Unsere Kooperation mit Revox ist übrigens die erste, die diesem Duktus folgt und die man als eine von beiden Seiten „gelebte Kooperation“ bezeichnen kann. Die Gewerke werden aufgrund der technischen Entwicklung – vor allem vor dem Hintergrund des Energiethemas in Verbindung mit Smart Home/Smart Grid – immer stärker zusammenwachsen. Und hier sondieren wir jetzt noch gezielter den Markt.

Wie entwickelt sich der Markt für Multiroom-Systeme?

M. Halbig: Generell kann man sagen, dass es sich um einen der am stärksten wachsenden Märkte überhaupt handelt.

Was ist heute im Multiroom-Bereich Stand der Technik?

M. Halbig: Stand der Technik ist heute Musik in jedem Raum. Aber selbstverständlich steckt noch mehr dahinter. Vor zehn Jahren habe ich im wesentlichen zwei Quellen gehabt, nämlich die CD und das Radio oder auch noch eine Kassette. Letztere ist natürlich nur sehr schwer zu steuern, bei der CD kann ich immerhin einen Titelsprung machen und es geht bei Track 5 weiter. 1999 waren wir eines der ersten Unternehmen, die einen Musikserver mit klassischen Audioausgängen auf den Markt brachten. Mit ihm waren wir in der Lage, die Musik in jeden Raum zu verteilen. Die reinen Audioserver sind von der Zeit überholt worden. Heute kommt viel Musik aus dem Internet, es werden Dienstleistungen gekauft, sodass wir vor einigen Jahren bereits eine Schnittstelle entwickelt haben, um ins Internet zu kommen und so Internetradio und Podcasts in jedem Raum abrufen zu können. Und dies immer so einfach wie möglich für den Anwender. Unsere Philosophie ist es, dafür zu sorgen, dass der Anwender über ein kleines Panel mit wenigen Tastaktionen zu seiner Musik kommt. Die Wünsche des Kunden sind heute sehr individuell. Aufgrund der Modularität unseres Systems können wir diese Anforderungen erfüllen. Und wohin wird die Reise in Zukunft hingehen? M. Halbig: Revox ist eine klassische Audio-Marke, was bereits im Markennamen steckt, „re vox“, also die Wiedergabe der Stimme. Wir werden uns hier weiterentwickeln und – dazu gibt es bereits in diesem Jahr das erste Gerät – künftig auch Filme oder Bilder im Haus verteilen.

Und bei Gira?

M. Fromm-Wittenberg: Hier geht ein Trend ganz klar in die IP-Welt hinein, beispielsweise in der Türkommunikation. Dann wird es um die weitere und effizientere Vernetzung bestehender Systeme gehen. Mit dem Gira Control 9 Client und dem Gira Control 19 Client haben wir in diesem Jahr in Frankfurt bereits reinrassige IP-Geräte vorgestellt. Und wir werden mit unserem App dem Anwender die Steuerung der Gebäudeautomation per I-Phone und I-Pad gestatten.

T. Bayer: Unser Engagement zielt auch darauf ab, über die gewohnte Bedienung des Apple-Geräts dem Anwender ein wenig die Angst vor der Gebäudesystemtechnik zu nehmen. Jetzt kann er diese über ein ihm sehr vertrautes Gerät nutzen und wir profitieren natürlich auch von der Marke Apple .

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.

www.gira.de

www.revox.de

www.gira-revox-studios.de




Hintergrund

Gira Revox Studios

Gira und das Schweizer Unternehmen Revox arbeiten nicht nur auf der Produktseite zusammen. Beide sind noch eine weitere Partnerschaft eingegangen und haben das Konzept der Gira Revox Studios ins Leben gerufen. Das Konzept wurde von Fachleuten aus der Elektrobranche und der Unterhaltungselektronik bereits realisiert: knapp 30 Studios gibt es in Deutschland und in Österreich.

Ausgabe:
g+h 05/2010
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