15. DEZEMBER 2017

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Aktiver Klimaschutz


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ABB Stotz-Kontakt/Striebel & John. - Claus Fitze hatte Anfang des Jahres die Position von Adalbert M. Neumann, der zur ABB-Tochter Busch-Jaeger nach Lüdenscheid gewechselt ist, übernommen. g+h sprach mit ihm.

Herr Fitze, Sie sind seit Mai dieses Jahres Geschäftsführer der ABB Stotz-Kontakt/Striebel & John Vertriebsgesellschaft. Welche beruflichen Stationen hatten Sie vor diesem Zeitpunkt?

Meine berufliche Laufbahn startete ich im Elektrobereich, um dann eine Ausbildung zum staatlich geprüften Elektrotechniker zu absolvieren. Nach dem Ausbildungsende 1992 begann ich im Vertrieb eines Elektrogroßhandels zu arbeiten. Dort wurde ich schließlich Niederlassungsleiter und danach Assistent der Geschäftsleitung Vertrieb.

Später konnte ich als Regionalleiter die Verantwortung für acht Niederlassungen übernehmen. Im Jahr 2004 ergab sich die Möglichkeit zu ABB zu wechseln, die ich sehr gern wahrgenommen habe. Aufgrund meiner Begeisterung für die Elektrotechnik wollte ich die Chance, für einen Hersteller zu arbeiten, unbedingt nutzen. Bei ABB leitete ich sechs Jahre als Verkaufsleiter die Region Bayern. Durch den internen Wechsel von Adalbert Neumann zu Busch-Jaeger bekam ich die Möglichkeit, hier in Heidelberg meine jetzige Position einzunehmen.

Würden Sie uns die Vertriebsgesellschaft einmal in Zahlen und Fakten kurz darstellen?

Gern, unsere Vertriebsgesellschaft, ABB Stotz-Kontakt/Striebel & John, ist deutschlandweit bevorzugt in den Niederspannungsprodukten, klassisch also in der Gebäudesystemtechnik tätig. Hier am Standort sind von der Vertriebsgesellschaft rund 130 Mitarbeiter beschäftigt, 70 davon sind über Deutschland verteilt im Außendienst aktiv.

Welche Produkte werden hier in Heidelberg gefertigt?

Bei ABB Stotz-Kontakt in Heidelberg befindet sich hauptsächlich die Automatenfertigung; produziert wird von hier aus für den gesamten Weltmarkt. ABB Stotz-Kontakt beschäftigt in Heidelberg über 1.300 Mitarbeiter.

Befindet sich am Standort auch die Produktentwicklung?

Alle Produkte, die wir in Heidelberg produzieren, werden auch in Heidelberg entwickelt. Zusätzlich gibt es ABB-eigene Forschungszentren. Das für Deutschland befindet sich in Ladenburg, ganz in der Nähe von Heidelberg. Insgesamt gibt es weltweit sieben Forschungszentren mit ca. 6.000 Mitarbeitern im Bereich Forschung und Entwicklung.

Welche Schritte kennzeichnen die Entwicklung eines Produktes?

Für die Produkte des Niederspannungsbereichs, den wir ja über den dreistufigen Vertrieb, also über den Elektrogroßhandel an den Elektroinstallateur vermarkten, erfolgt der Anstoß für eine Produktentwicklung oft über unseren Außendienst, der ja einen sehr engen Kontakt zum Elektroinstallateur vor Ort pflegt und dessen Wünsche, Anforderungen und Bedürfnisse auch sehr genau kennt. Und natürlich analysieren wir die aktuellen technischen Strömungen und bekommen selbstverständlich auch Anregungen aus dem Markt.

In regelmäßigen Technikrunden werden diese Themen dann diskutiert. Wird eine Idee als zukunftsfähig angesehen, folgen die weiteren Schritte bis hin zum Serienprodukt. Das Thema Produktentwicklung ist ein nie endender Prozess, der ja auch eine Art Lebenselixier für jedes Unternehmen darstellt.

Auf welche technischen Entwicklungen konzentrieren Sie sich besonders?

Wir verfolgen sehr stark die Entwicklungen im KNX-Bereich, weil wir als Hersteller davon überzeugt sind, dass die Bustechnik der Schlüssel für Energieeinsparungen in Gebäuden ist. Wer Gebäude energieeffizient gestalten möchte, kommt um den Einsatz von Bustechnik nicht herum. Und wenn wir über Bustechnik sprechen, dann fokussieren wir uns auf KNX.

Hat sich der Markt für KNX in den letzten Jahren Ihren Wünschen entsprechend entwickelt?

Für ABB hat sich KNX sehr positiv entwickelt. Bereits 2007 sind wir auf der Light & Building und der Hannover Messe mit dem Leitsatz „Wir machen Klimaschutz möglich“ aufgetreten. In diese Strategie ist selbstverständlich KNX mit eingebunden. Damit haben wir die Argumente für die Bustechnik erweitert. KNX bedeutet eben nicht „nur“ Komfort, sondern auch Energieeffizienz und Sicherheit. Beflügelt durch die Konjunkturpakete der Bundesregierung ist die Technik natürlich noch stärker im Zweckbau zum Tragen gekommen.

Können Sie uns ein Beispiel geben, wie ein energieeffizientes Gebäude mit Produkten aus Ihrem Unternehmen in der Realität aussieht?

Das kann ich Ihnen sehr anschaulich am Beispiel unserer Halle 1 hier auf dem Werksgelände demonstrieren. Diese Halle wurde während der letzten zwei Jahre vollständig saniert. ABB investierte einen zweistelligen Millionenbetrag, der natürlich auch noch die Fertigung mit einschließt. Energiemanagement, Lichtmanagement, Heizung/Klima/Lüftung wurden im Gebäude komplett via KNX vernetzt. Durch dieses Projekt haben wir zusätzlich sehr viele Erfahrungswerte gewinnen können.

Welche konkret?

Konkret haben wir auf Basis unserer Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit der Hochschule Biberach einen Energierechner erstellt, den Sie heute auf unserer Homepage finden. Dort können Sie nach Eingabe einzelner Parameter einfach überschlagen, welche Einsparpotenziale heute nach DIN V 18599 bei welchem Gebäudetyp möglich sind. Dieser Energierechner ist meiner Einschätzung nach zurzeit einzigartig. Und wenn man für die Entwicklung ein Projekt wie hier vor Ort hat, ist das umso besser. Aber selbstverständlich haben wir weltweit und natürlich auch hier in Deutschland viele Referenzprojekte. So haben wir in der jüngsten Vergangenheit, begleitend zur Kampagne „ABB macht Schule“, zahlreiche Bildungseinrichtungen energieeffizient ausgestattet.

In welchem KNX-Bereich liegen die höchsten Potenziale, um Energie einzusparen?

Ca. 50 Prozent der erzeugten elektrischen Energie wird heute in Gebäuden verbraucht. Ein hoher Anteil darin ist die Beleuchtung. Somit können Sie mit automatisierter Beleuchtung hohe Einsparmöglichkeiten erreichen. Hier bietet sich der Einsatz unsere Lichtfühler, Präsenzmelder oder DALI-Gateways an.

Sehen Sie eigentlich realistische Chancen, dass sich KNX auch im „normalen“ Privathaus eines Tages durchsetzen wird?

Durch das Thema „Energiepass“ wird KNX sicherlich in Zukunft für den privaten Bereich immer attraktiver werden. Zudem wurde auf europäischer Ebene die Norm EN15232 erarbeitet. Diese beschreibt ganz klar, dass zum Erreichen der Energieeffizienzklasse A ein Gebäude hoch effiziente Raumautomation und vernetzte Gewerke haben muss. Wer heute neu baut oder ein Gebäude verkaufen möchte, hat klare Vorteile, wenn er eine positive energetische Bilanz vorzuweisen hat. Diese erreicht man unter anderem durch den Einsatz moderner Bustechnik, also KNX.

Wie sensibilisieren Sie Ihre Kunden zurzeit für das Thema Energieeffizienz?

Wir arbeiten kontinuierlich daran, immer mehr Elektroinstallateure für das Thema KNX zu gewinnen und haben damit große Erfolge. Das spiegelt auch die steigende Zahl der Elektroinstallateure wider, die sich hier vor Ort von uns schulen lassen. 2009/10 gab es knapp 700 Veranstaltungen in unserem Seminarzentrum in Heidelberg, davon rund 150 KNX-Schulungen. Unsere Kunden sind, um Ihre Frage zu beantworten, heute schon sehr sensibilisiert für das Thema, denn dort finden sie ja auch kontinuierlich wachsende Märkte.

Vor welchem zeitlichen Horizont muss man die Möglichkeit betrachten, dass KNX Standard im Reihenhaus wird?

In den nächsten Jahren wird man sich mit KNX vielleicht noch stärker auf den gehobenen Wohnungsbau konzentrieren. Angesichts der Diskussion um Smart Grid, Smart Home und Smart Metering wird dieser Markt aber sicherlich starke neue Impulse erfahren. Die genannten Begriffe müssen ja erst noch mit Leben gefüllt werden. Das wird geschehen und der Bustechnik sicherlich auch den Weg in den Standardwohnungsbau ebnen. Um Energie einsparen zu können, müssen intelligente Netze und intelligente Gebäude schließlich jedem zugänglich gemacht werden.

Welche Lösungen hält ABB im Bereich Smart Grid/Smart Home bereit?

ABB versucht, die Energieeffizienz entlang der gesamten Energiekette zu steigern. Da gibt es zunächst Lösungen im Bereich der Stromerzeugung, der Stromübertragung und Stromverteilung. Wir hier in Heidelberg beherrschen den Sektor der Automatisierung von Gebäuden. Smart Grid und Smart Home sind also sehr übergreifende Themen, die alle ABB-Bereiche tangieren. Es geht darum, entsprechende energiesparende Systeme und intelligente Lösungen zu bieten. So auch z.B. beim Projekt „Desertec“. Der Desertec-Foundation geht es darum, die Wüste zur umweltfreundlichen Stromerzeugung zu nutzen.
Hier ist ABB unter den 13 Gründungsunternehmen. Ziel dieses Projektes ist es, bis 2050 rund 15 Prozent des Strombedarfs für Europa zu erzeugen. Sie sehen, dieses Thema umfasst noch viel mehr als das, was wir heute überhaupt schnell umsetzen können. Unsere Kollegen bei Striebel & John in Sasbach arbeiten zudem fieberhaft an den neuen eHZ-Feldern, die in Zukunft gefordert sind.

Es gibt Unternehmen, deren Vertreter sagen, dass mit Smart Grid und Smart Home Techniken wie KNX überflüssig werden. Ist das auch aus Ihrer Sicht so?

Das eine Thema heißt Verbrauchsdatenerfassung und -messung, das andere ist die Steuerung der Systeme und Komponenten. Unser KNX-Energieaktor kann die Wirkenergie und den Gesamtverbrauch ermitteln.

Wenn wir in Zukunft noch mehr externe Signale aus den Netzen verarbeiten müssen, ist dieser Energieaktor geradezu prädestiniert dafür. Zudem ist KNX eine weltweit vorhandene Steuerungslösung für die Gebäudetechnik, die von mehr als 200 Unternehmen mitgetragen und weiterentwickelt wird. Somit ist KNX meiner festen Überzeugung nach aus modernen Gebäuden nicht wegzudenken und wird sich weiter durchsetzen. Wenn jemand vom Ende der KNX-Technik spricht, dann kann ich das in keiner Weise nachvollziehen. Im Gegenteil, kaum ein Markt entwickelt sich vielversprechender.

Wie international ist KNX heute eigentlich?

Sehr international. Zu den relevanten Märkten zählt heute neben den europäischen Ländern beispielsweise auch China, wo viele der im Rahmen der Olympischen Spiele errichteten Gebäude mit KNX ausgestattet wurden. Vor allem in Ländern wie China, die einerseits ein sehr starkes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen haben, andererseits aber auch einen enorm hohen Energiebedarf, wird Energiemanagement unverzichtbar sein.

Beschäftigt sich ABB auch mit Elektromobilität?

Ja, einerseits managen wir die Abläufe hinter der Zapfsäule, andererseits können wir die Zapfsäule selbst mit allen notwendigen Produkten bestücken. Deshalb werden Sie hier auf dem Gelände auch ein mit Strom betriebenes Fahrzeug finden, das zum Transport von Gütern auf dem Gelände eingesetzt und an einer firmeneigenen Zapfsäule aufgeladen wird. So sammeln wir wertvolle Praxiserfahrungen mit dieser Technik und tragen auch hier wieder zum Klimaschutz bei. Chancen sehen wir am Anfang vor allem im Nahverkehr. Wir beobachten den Markt sehr genau und versuchen, weitere Lösungen zu entwickeln.

Welchen Nutzen bringt Ihnen die Einbindung in einen größeren Konzern?

Die Einbindung gibt uns einerseits Investitionssicherheit am Standort Deutschland, andererseits erschließt sie uns den gesamten Weltmarkt.

Noch einige Stichworte:

Frau Merkel hat sich im August auf einer viertägigen Reise durch Deutschland über Energiekonzepte informiert. Ich würde mir wünschen, dass die Reise zu noch mehr Entscheidungsfreudigkeit und Mut für den Klimaschutz führt.

3. Oktober
Es ist wichtig, daran erinnert zu werden, wie schrecklich die deutsche Teilung gewesen ist.

Ihr letztes Buch
Verheimlicht vertuscht vergessen von Gerhard Wisnewski

Lieblingsreiseland
USA, Portugal, Griechenland

Lieblingsmusik
U2, Red Hot Chili Peppers, Police

Familie
Ist für mich am wichtigsten

Hobbys
Motorradfahren

In die Rolle welcher Menschen würden Sie gern schlüpfen?
Albert Einstein und Valentino Rossi

Was wäre das größte Unglück für Sie?
Dass meiner Familie etwas zustößt.

Sinn des Lebens
Familie und Zufriedenheit

Tod
Gehört zum Leben, aber ich verdränge ihn.

Herr Fitze, vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.





Energieeffizienz

Vor dem Hintergrund immer knapper und teurer werdender Energieressourcen, wird das Thema Energieeffizienz die Märkte in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich mit prägen. Neben dem verstärkten Einsatz regenerativer Energien, wird der schonende Umgang mit den Ressourcen immer wichtiger. Hier sind technische Lösungen erforderlich, die Wirtschaftlichkeit und Effizienz miteinander in Einklang bringen.

www.abb.de

www.abb.de/knx

Ausgabe:
g+h 07/2010
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