14. DEZEMBER 2017

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Stiebel Eltron. - Öl und Gas werden knapper, ihr Preisanstieg wird nicht mehr aufzuhalten sein. Die wirtschaftliche Alternative heißt Wärmepumpe. g+h sprach darüber mit dem Geschäftsführer Karlheinz Reitze.
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Herr Reitze, wir sprachen vor zwei Jahren unter anderem über die positive Unternehmensentwicklung von Stiebel Eltron. Hat sich dieser Trend fortgesetzt?

Wir konnten unsere erfolgreiche Marktentwicklung in den letzten zwei Jahren fortsetzen. Es ist uns dabei gelungen, aus eigener Kraft weiter zu wachsen und nicht wie viele andere Unternehmen durch Zukäufe. Unsere Marktführerschaft konnten wir auch während der Wirtschaftskrise behaupten. Dabei hat sich der Wärmepumpenmarkt insgesamt nicht so dynamisch nach oben entwickelt, wie wir es erwartet hatten.

Aus welchem Grund haben sich die Erwartungen nicht erfüllt?

Maßgeblich dazu beigetragen hat der sich vor einem Jahr nach unten entwickelnde Ölpreis. Verbraucher denken oft kurzfristig sinken die Heizkosten klassischer Systeme, hat dies Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft, obwohl ein solches Verhalten natürlich vor einem langfristigen Horizont unlogisch erscheint.

Die rapide Erhöhung des Ölpreises in diesem Jahr müsste doch aber im Umkehrschluss den Markt positiv stimulieren?

Sie haben recht, der Anstieg des Ölpreises, der lange Winter 2010/11 und die Ereignisse in Fukushima sowie in vielen Erdöl produzierenden Ländern führen zu einer verstärkten Nachfrage nach energiesparenden Heizsystemen und somit der Wärmepumpe.

Ist die erhöhte Nachfrage eher im Renovierungsbereich oder im Neubau zu spüren?

Wir sprechen in der Heizungsbranche über insgesamt 17 Millionen Wärmeerzeuger, davon sind nur gut 12 Prozent (zwei Millionen Anlagen) jünger als zehn Jahre. Über 77 Prozent aller Heizungsanlagen arbeiten nicht effizient, drei Millionen Anlagen (17 Prozent) sind sogar älter als 24 Jahre! Hier gibt es also einen großen Renovierungsstau, und insofern, um Ihre Frage zu beantworten, wird der Renovierungssektor den Markt für Wärmepumpen nachhaltig positiv beeinflussen.

Um den Betreiber einer Heizungsanlage zum Austausch der alten zu motivieren, ist es erforderlich, ihm klare Vorteile zu bieten – sowohl bei der Wirtschaftlichkeit als auch beim Komfort.

Ziel muss es sein, alte, nicht mehr effiziente Heizsysteme auch zum Schutz der Umwelt möglichst rasch auszutauschen.

Das lässt sich am ehesten erreichen, wenn der Verbraucher von den Vorteilen eines Austauschs überzeugt werden kann – mit entsprechenden Argumenten: Wärmepumpen bieten Mehrwert, indem sie zum Beispiel das Kühlen mit übernehmen können. Zudem lassen sich bis zu 50 Prozent der monatlichen Heizenergiekosten einsparen. So ist ein Entkommen aus der Heizenergiepreisspirale, die sich auch in den kommenden Jahren weiterdrehen wird, durchaus möglich.

Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg: auch in diesem Jahr und erst recht langfristig wird sich der Wärmepumpenmarkt kontinuierlich positiv entwickeln. Wir haben für 2011 in diesem Segment einen deutlichen Zuwachs geplant und werden unsere Ziele sicherlich auch erreichen.

Welche Position hat Stiebel Eltron im Vergleich zum Wettbewerb?

Wir konnten unsere Position verteidigen und sind weiterhin Marktführer bei Wärmepumpen in Deutschland. Wir stellen aber durchaus fest, dass sich neue, meist japanische, Player auf dem Markt positionieren, die teilweise recht preisaggressiv auftreten. Deren angebotene Technik befindet sich aber in aller Regel nicht auf dem Niveau, wie es bundesdeutsche Nutzer erwarten.

Welche Erwartungen hat denn ein Nutzer?

Eine neue Wärmepumpenanlage bietet dem Nutzer Unabhängigkeit, höheren Komfort und geringere Heizenergiekosten. Das lässt sich aber nur realisieren, wenn effiziente, ausgereifte Geräte verwendet werden, die Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind und die gesamte Anlage qualitativ hochwertig installiert wird. Eine eventuell etwas höhere Anfangsinvestition macht sich so schnell bezahlt.

Ist der Bauherr über die Möglichkeiten in der Wärmepumpentechnik ausreichend informiert?

Grundsätzlich, glaube ich, steht der Bauherr bei der Auswahl des für ihn passenden Heizsystems immer noch vor einer nicht leicht lösbaren Herausforderung. Denn die vorhandenen Möglichkeiten, ein Gebäude zu beheizen, sind ausgesprochen vielfältig. Um dem Endkunden hier eine Orientierungshilfe zu geben, haben wir für ihn unsere Wärmepumpenberatungswelt (www.waermepumpen-welt.de) geschaffen. Dort kann er mit wenigen Klicks sein ideales System zusammenstellen. Und er findet auch alle Informationen rund um die aktuellen Förderprogramme.

Wir haben natürlich festgestellt, dass der Kunde vom Fachhandwerker vor Ort im Beratungsgespräch auch direkte Unterstützung benötigt. Hier bieten wir dem Installateur umfangreiches Unterstützungsmaterial – zum Beispiel eine sehr hochwertige und informative Beratungsbroschüre für sein Kundengespräch. Berücksichtigt werden dort die verschiedenen Baukörper vom Alt- bis zum Neubau. Der Hintergrund ist, dass je nach Alter des Baukörpers verschiedene Systeme zum Einsatz kommen. Unsere Broschüre schafft einen raschen Überblick. Darüber hinaus wird dort die Auswahl zwischen verschiedenen Standards dokumentiert – vom Einstiegsmodell bis zur Komfortversion. Bereits das Einstiegsmodell bringt dem Kunden eine zukunftssichere und energiesparende Lösung.

Um Ihre Frage abschließend zu beantworten: im Neubaubereich ist der Bauherr bereits heute sehr gut über die technischen Möglichkeiten informiert. Defizite gibt es allerdings immer noch, wenn es um die Renovierung und Sanierung von Gebäuden geht. Hier greifen auch verstärkt unsere Marketingmaßnahmen – wie etwa die Stiebel-Eltron-Heiz-Spar-Tour 2011, die wir zusammen mit dem Handwerk und weiteren Kooperationspartnern durchführen, um vor Ort gemeinsam über die Wärmepumpe mit ihren vielen Facetten umfassend zu informieren. Start ist am 5. Mai in Denzlingen, nach 30 Stationen endet die Tour am 22. Juni in Neuss.

Wird das Wärmepumpengeschäft durch den Schlingerkurs in der Politik gestört bzw. negativ beeinflusst?

Ja, das kann man ganz klar sagen. Das Stoppen des Marktanreizprogramms im letzten Jahr beispielsweise, das Neuauflegen und das Reduzieren der KfW-Fördermittel sowie das ständige Verändern der allgemeinen Rahmenbedingungen belasteten das Geschäft ganz erheblich. Das führte zu einer Verunsicherung des Kunden, in der Folge zu einer abwartenden Haltung und damit zu einer Verschlimmerung des ohnehin vorhandenen Investitionsstaus.

Wir benötigen verlässliche Rahmenbedingungen mit festen gesetzlichen Regelungen. Das Beste wären klar definierte Steuerersparnisse, wenn moderne Wärmepumpentechnik installiert wird.


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g+h 03/2011
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