13. DEZEMBER 2017

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Durchgängig, nachhaltig und effizient


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Siemens. - Andreas Matthé ist seit Oktober 2010 Chief Executive Officer (CEO) von Low Voltage Distribution, einem Geschäftsbereich der Siemens-Division Building Technologies im Sektor Industry und leitet deren weltweite Aktivitäten. g+h sprach mit ihm in Regensburg.

Herr Matthé, würden Sie uns Ihren Geschäftsbereich umreißen und auch etwas zu Mitarbeiterzahlen und Standorten sagen?

Wir sind eine auf Niederspannungsenergieverteilung und Elektroinstallationstechnik spezialisierte Business Unit. Unser Produktportfolio beinhaltet Schaltanlagen, Schienenverteiler und geht dann über in die Schalttechnik mit offenen sowie geschlossenen Leistungsschaltern. Darüber hinaus erstreckt sich das Leistungsspektrum auf die klassische Installationstechnik, also unter anderem Installationsverteiler, Sicherungen, FI-Schutzschalter, Steckdosen und Lichtschalter sowie übergreifend kommunikationsfähige Komponenten für das Energiemanagement. Zusätzlich haben wir in unserem Produktportfolio Software-Tools, die die Planung für die Industrie und die Infrastruktur in Gebäuden maßgeblich erleichtern. Diese Tools stellen wir interessierten Elektroplanern zur Verfügung; sie tragen mit dazu bei, Gebäude energieeffizient zu planen und zu betreiben.
In meinem Geschäftsbereich sind weltweit 14.000 Mitarbeiter tätig. Wir verfügen über ein weltweites Netz von Fertigungsstätten und im Siemensverbund ebenfalls über ein weltweites Netz von Vertriebsorganisationen. Vom Geschäft her sind wir zwischen Europa, Asien und Amerika sehr gut ausbalanciert.

Welche Rolle spielt von der Gewichtung her das Elektrohandwerk im Leistungsportfolio Ihres Unternehmensbereichs?

Wenn wir das Portfolio einmal dokumentieren, so handelt es sich einmal um den Produktbereich für Industrieanwendungen, für die Anlagenbauer und zweitens – dies ist für uns ein sehr wichtiges Segment – um Produkte und Systeme für das Elektrohandwerk. Beide sind für uns von der Bedeutung her gleich gewichtet.

Wie ist der Vertriebsweg in Richtung Handwerk organisiert?

Das Elektrohandwerk bedienen wir vornehmlich über den Elektrogroßhandel. Vom Umsatz her macht dies etwa die Hälfte aus. Einen direkten Vertriebsweg zum Handwerk haben wir nicht, unterstützen dieses aber durch persönliche Beratung. Der dreistufige Vertrieb hat für uns klar Priorität.

Wenn Sie das Produktspektrum für das Handwerk betrachten, gibt es dort Prioritäten?

Hier liegen die Prioritäten ganz klar bei den Installationsverteilern, den Schaltern und Steckdosen. In diesem Produktportfolio setzen wir unseren Schwerpunkt auf Qualität, weil wir der Überzeugung sind, dass gerade im Elektrohandwerk qualitativ hochwertige und zuverlässige Produkte einen ausgesprochen hohen Stellenwert besitzen. Letztlich geht es hier ja immer um sicherheitsrelevante Themen wie den Anlagen-und den Personenschutz. Für billige Lösungen gibt es dort keinen Platz. Gefragt sind nachhaltig sichere und zuverlässige Anlagen.

Gilt dies für das Objektgeschäft und den Privatbau?

Ja, dieses Anforderungsprofil ist für beide Bereiche von gleichrangiger Bedeutung.

Gibt es Produktbereiche, die Sie darüber hinaus besonders fokussieren?

Für uns ist es sehr wichtig, sicherzustellen, dass unser gesamtes Produktportfolio durchlässig und homogen ist, denn aus unserem Selbstverständnis heraus verstehen wir uns als Systemanbieter, der eine durchgängige Lösung für alle Kunden anbietet – von der Mittelspannung bis zur Steckdose.

Welche Rolle spielt das Thema Energieeffizienz für Sie?

Dieses Thema spielt für unser Unternehmen eine ausgesprochen große Rolle und gewinnt kontinuierlich an Bedeutung. Energieeffizienz beginnt beim Design der Anlage, bei der Einspeisung der Mittelspannung und geht über Fragen der Energieverteilung bis hin zur Steuerung einzelner Verbraucher im Gebäude.

Welche Lösungen bietet Siemens für das Energiemanagement?

Der erste Schritt ist für uns die Erfassung der Energieflüsse, die sich mit unseren Mess- und Überwachungsgeräten analysieren und mit unserem softwarebasierten Energiemonitoringsystem visualisieren lassen. Daraus kann dann gezielt abgeleitet werden, wo beispielsweise Energie ineffizient genutzt wird. Das betrifft Fertigungsanlagen ebenso wie die Klima- und Heizungstechnik in Objekten.

Im Rahmen des Energiemanagements spielen Photovoltaikanlagen eine wichtige Rolle, bietet Siemens auch hierfür entsprechende Lösungen?

Ganz sicher, wir bieten Microinverter für kleinere Anlagen an, um die Effizienz der Solarpanels zu steigern. Die Einspeisung in das private und dann auch in das Netz der EVUs ist ein wesentlicher Bestandteil der Low Voltage Distribution. Und hier gibt es noch eine ganze Reihe anderer technischer Applikationen, wenn es etwa um die Sicherheit geht; ich möchte nur den Feuerwehrschalter für Solarpanels erwähnen.

Wie wird das Haus der Zukunft unter dem Gesichtspunkt des Energiemanagements künftig gesteuert sein?

Ein wesentlicher Aspekt wird, wie bereits erwähnt, die Solartechnik sein und, wenn wir etwa an die Speicherung von Energie denken, die Elektromobilität. Die Eigenversorgung der einzelnen Haushalte mit Strom wird weiter zunehmen; um hier für mehr Effizienz zu sorgen, ist die Speicherung der Energie von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Die Wärmepumpentechnik und natürlich auch die Batterien der Elektroautos werden eine maßgebliche Rolle spielen. All dies wird verstärkt zu autarken Lösungen in Gebäuden führen.

In welchen Bereichen ist Siemens dabei aktiv?

Einerseits sind wir bei der Inside-Car-Technologie aktiv, bei der Siemens Basistechnologien für Elektroautos mit entwickelt, ande-rerseits – und hier spreche ich über meinen Geschäftsbereich – stellen wir Lösungen für das intelligente Laden der Autos bzw. der Batterien zur Verfügung. Unsere Business Unit bietet die Sicherheitslösung für die Ladestation, also die gesamte Steuerung, die in ihr vorhanden ist, aber auch Wandboxen für private Applikationen.

Vor welchem Zeithorizont betrachten Sie die Elektromobilität oder anders gefragt, hat unsere Kanzlerin mit ihren Äußerungen zum Thema einen realistischen Zeitrahmen abgesteckt?

Nun, die Kanzlerin hat das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 formuliert. Wenn ich mir die Kataloge der Automobilhersteller anschaue, dann haben mittlerweile alle Elektrofahrzeuge in ihrem Portfolio. In den nächsten zwei Jahren wird sicherlich eine ansehnliche Zahl von Elektrofahrzeugen verfügbar sein. Die Frage ist aber zunächst, inwieweit diese auf breiter Front für den Endverbraucher auch vom Preis her attraktiv sind.

Grundsätzlich ist das Elektrofahrzeug ein vernünftiges Konzept, aber es gibt sicherlich noch eine ganze Reihe von Alternativen, an der die Automobilindustrie sehr intensiv arbeitet. Gerade vor dem Hintergrund erneuerbarer Energien wird Elektromobilität an Bedeutung gewinnen. Ob es tatsächlich bis 2020 eine Million „grüne“ Elektrofahrzeuge sein werden, wird natürlich auch von den Fortschritten bei Windenergie und Photovoltaik abhängen.

Ein kritischer Punkt ist zurzeit immer noch die Kapazität der Batterien und die Batterietechnologie für Elektrofahrzeuge insgesamt. Nicht zuletzt deshalb wird Elektromobilität gerade in der Anfangsphase vermutlich zuerst in den städtischen Regionen eine größere Bedeutung erlangen. Ich glaube nicht, dass sich in absehbarer Zeit eine fünfköpfige Familie in ein Elektromobil setzen wird, um mit ihm in den Urlaub nach Spanien aufzubrechen.

Welche Rolle werden die Trend-Themen Smart Home, Smart Grid und Smart Metering für das Elektrohandwerk aus Ihrer Sicht in Zukunft spielen?

All die von Ihnen angesprochenen Themen bieten neue Aufgaben und Anwendungsfelder für das Elektrohandwerk. Dazu zählen die Installation sowie die An- und Einbindung von Photovoltaikanlagen, ihre Verknüpfung mit Ladestationen, die intelligente Gebäudesteuerung insgesamt und die entsprechenden Anpassungen, die hier auch softwareseitig erforderlich sind. Darüber hinaus erschließt sich mit Blick auf die Energieeinsparverordnung ein sehr großes Aufgabengebiet in der Renovierung und Sanierung von Gebäuden. Der ausgesprochen hohe Bestand an Gebäuden aus den Sechziger- und Siebzigerjahren entspricht, wenn wir die Elektroinstallationstechnik betrachten, schon lange nicht mehr dem Standard heutiger Technik. Und im Zuge immer höherer Betriebskosten für Gebäude wird eine Modernisierung allein schon durch den Kostendruck erzwungen werden. Das alles ist ein großartiges Betätigungsfeld mit ausgesprochen lukrativen Marktchancen für das Handwerk. Siemens bietet dem Handwerk entsprechende Komplettlösungen für die energieeffiziente Elektroinstallation.

Wie verläuft in Ihrem Hause die Kommunikation zum Elektrohandwerk?

Der Weg unserer Produkte, das hatte ich bereits gesagt, führt über den Elektrogroßhandel. Darüber hinaus bieten wir dem Elektrohandwerk vielfältige Schulungsmöglichkeiten; wir betreiben Internetforen, bieten diverse Tools im Internet und auch spezielle Planungstools an, um unsere Kunden gezielt mit Informationen und praktischen Hilfsmitteln zu unterstützen. Unsere Simaris-Software zur Vereinfachung der Planung elektrischer Energieverteilungen ist nur ein Beispiel unter vielen anderen.

Sie bieten Produkte und Produktlösungen quasi für die gesamte Welt an, hat sich global in den letzten zehn Jahren eigentlich eine Art Harmonisierung vollzogen, was die technischen Standards und auch die Ansprüche an die Qualität betrifft? Das war ja lange Zeit ein unverfüllter Wunsch vieler Unternehmer.

Auf dem europäischen Markt hat sich eindeutig eine Harmonisierung vollzogen. Insgesamt haben sich aber auf nahezu allen Märkten die Qualitätsansprüche deutlich erhöht. Das erfreut uns als Qualitätshersteller besonders.
Wenn Sie die Philosophie Ihres Geschäftsbereichs an drei Charakteristika festmachen sollten, welche wären das?

Uns charakterisiert die Qualität der Produkte, die Durchgängigkeit des Portfolios und die Nähe zum Kunden, denen wir einen umfassenden Service bieten.

Ihr Unternehmensbereich musste wie viele andere Unternehmen ebenfalls durch das Krisenjahr 2008. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, und wie stellt sich der aktuelle Geschäftsverlauf dar?

Wir sind recht gut durch die Krise gekommen. Ein Grund hierfür ist sicherlich unsere Balance zwischen Anlagen- und Produktgeschäft sowie die internationale Aufstellung des Unternehmens. Gerade in Regionen wie China mit seinem enormen Wachstumspotenzial konnten wir während der Krise einiges wettmachen. Ihre Auswirkungen haben wir, um Ihre Frage zu beantworten, dennoch sehr schnell im Produktgeschäft gespürt, dadurch, dass wir aber einen sehr relevanten Anteil im Anlagengeschäft haben, konnten wir vieles kompensieren.

Nachdem doch überraschenden Ende der Krise hat das Produktgeschäft ebenso schnell wieder angezogen, während das Anlagengeschäft erst jetzt wieder langsam anzieht.

Wenn Sie den europäischen Wirtschaftsraum, besonders vor dem Hintergrund der Eurokrise, betrachten, wie sehen Sie hier die Perspektiven Ihres Unternehmens?

Meiner Einschätzung nach handelt es sich hier um eine kalkulierbare Gesamtsituation. Im Augenblick spüren wir, wie das Indus-triegeschäft sehr stark anzieht, während natürlich Investitionen in Gebäude in Europa etwas langsamer nach oben tendieren und in einigen Ländern sicherlich nicht ganz unproblematisch sind. Ich schaue optimistisch in die Zukunft.

Herr Matthé, vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.


www.siemens.de/lowvoltage



Die Siemens Building Technologies ist weltweit auf dem Markt für sichere und energieeffiziente „Green Buildings“ und Infrastrukturen tätig. Als Dienstleister, Systemintegrator und Produktlieferant verfügt Building Technologies über umfassende Angebote für Gebäudeautomation, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HKL), Brandschutz, Sicherheit, Niederspannungsenergieverteilung und Elektroinstallationstechnik.
Mit weltweit rund 42.000 Mitarbeitern erwirtschaftete der Bereich 2010 einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro.

www.siemens.com/buildingtechnologies

Ausgabe:
g+h 04/2011
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