11. DEZEMBER 2017

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Senden und Empfangen


Talk

Kathrein. - g+h sprach mit Prof. Dr. Anton Kathrein und Führungskräften des Unternehmens über den Markt und aktuelle Produkttrends.

2011 ist auch für Kathrein das Jahr nach der Krise. Zwei Jahre lang hatte das Unternehmen wie jedes andere seine Probleme. Das hatte Folgen beim Umsatz, der weltweit von 1,3 Mrd. Euro auf 1,1 Mrd. Euro gesunken war. Doch diese Einbrüche scheinen endgültig überwunden. „In diesem Jahr haben wir mit Sicherheit einen Umsatz von 1,35 Mrd. Euro, vielleicht sogar 1,4 Mrd. Euro, zu erwarten“, gibt sich Firmenchef Prof. Dr. Anton Kathrein optimistisch. Im Juli hatte die Kathrein-Werke KG die Planungen bereits um 6,9 Prozent überschritten, weltweit waren es in der Kathrein-Gruppe 2,4 Prozent. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres betrugen die Zuwächse 34 Prozent bzw. 25,6 Prozent. „Allerdings haben wir in dem ersten Halbjahr 200 Mio. Umsatz nicht machen können, weil wir nicht liefern konnten“, betont Kathrein. Derzeit hat das Unternehmen den höchsten Auftragsbestand der Firmengeschichte, davon allein bei den Kathrein-Werken in Rosenheim rund 95 Mio. Euro, verbunden mit relativ hohen Lieferrückständen (Kathrein-Werke: 25 Mio. Euro), die ursächlich vor allem auf lange Lieferzeiten bei Material und Bauteilen zurückzuführen sind. Darüber hinaus beklagt Kathrein den permanenten Mitarbeitermangel:

„Wir suchen derzeit 60 Ingenieure und 40 Fachkräfte – vorrangig im Galvanikbereich – um allein hier in Rosenheim unsere Arbeiten und Aufgaben erfüllen zu können.“ Daran wird sich wohl zukünftig wenig ändern – die Region hat eine Arbeitslosenquote von gerade mal 2,7 Prozent, Experten nennen das Vollbeschäftigung. Kathrein will daher stärker auf die Auslandstöchter setzen und denkt dabei in erster Linie anseinEngagement in Rumänien.


6.517 Mitarbeiter beschäftigt die Kathrein-Gruppe weltweit, darunter 300 Azubis, Diplomanden und Praktikanten. Jährlich gehen 2,5 Mio. Euro in die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. 400 Mitarbeiter arbeiten in Forschung und Entwicklung – zu wenig, wie schon erwähnt. Das Wort Fluktuation ist für Kathrein ein Fremdwort: „13 Prozent der Mitarbeiter sind mehr als 25 Jahre bei uns und 50 Prozent mehr als zehn Jahre. Wir glauben an Nachhaltigkeit, Kontinuität und Solidität.“ Genau das scheint aber auch eines der Geheimnisse der Kathrein’schen Unternehmensphilosophie zu sein, die auch in schlechten Zeiten das Handeln bestimmt. „Während der Krise haben wir kein Personal abgebaut, sondern die Probleme mit Kurzarbeit aufgefangen“, betont der Firmenchef. Das zahlt sich jetzt aus. „Entlassenes Personal würden wir heute gar nicht mehr wiederbekommen“, so Kathrein weiter. Innerhalb der EU konnte Kathrein in den beiden Krisenjahren vor allem in Rumänien 1.000 Mitarbeiter aufbauen. Darüber hinaus hat Kathrein in den Jahren 2009 und 2010 kräftig investiert, allein 50 Mio. Euro in Maschinen, Messtechnik, Software und Lizenzen und fühlt sich heute gut gerüstet. Weitere Investitionen stehen unmittelbar bevor.


Die Kathrein-Gruppe umfasst weltweit 61 Firmen, das jüngste Kind ist gerade in den USA mit Blaupunkt/USA in Detroit dazugekommen. Aktiv ist der Konzern in den Bereichen Mobilfunk, Automotive, DVB-T, Sat und Kabel sowie Automation. „Es hat immer etwas mit Senden und Empfangen zu tun – das ist unsere Kernkompetenz, mit der wir groß geworden sind und weiter wachsen wollen“, betont Kathrein.

Diese Kernkompetenz geht bei Kathrein zurück bis in die Gründerzeit. Der Ingenieur Anton Kathrein sen. hatte anno 1919 nach einem Weg gesucht, die immensen Schäden zu verhindern, die durch Blitzeinschläge in elektrischen Stromnetzen entstanden, und seine Erfindung war ein Überspannungs-Ableiter für Niederspannungsfreileitungen.Kathrein gründete in einem Keller in Rosenheim eine Einmannfirma, die dieses Produkt erfolgreich vermarktete. Schon 1923, als am 23. Oktober in Berlin gerade die „Deutsche Stunde“ mit einer Konzertfolge ihren Sendebetrieb aufgenommen hatte – das Radio war geboren –, erkannte Kathrein sen. sofort die Bedeutung dieses neuen Mediums.


Bereits Anfang 1926 gab es über eine Million registrierte Hörfunkteilnehmer in Deutschland. Kathreins Antwort: die preiswerte, einfach zu montierende Mittelwellen-Drahtantenne für jedermann. Dabei konnte er sein Wissen auf dem Gebiet des Blitzschutzes auf ideale Weise einbringen. Erdungsschalter und Teller-Isolatoren schützten die Langdraht-Antenne besonders wirkungsvoll vor Schäden. Sein Motto lautete stets: „Höchste Zuverlässigkeit und Qualität.“

Aus der Rosenheimer „Kellerwerkstatt“ ist eine weltweit engagierte Firmengruppe geworden, die sich bis heute dem Credo des Firmengründers – nach höchster Qualität zu streben – verpflichtet fühlt. Im Bewusstsein dieser Tradition leitet Prof. Dr. Anton Kathrein seit dem Tod seines Vaters im Jahre 1972 das Unternehmen. Unter seiner Leitung wurde der Umsatz von 51 Mio. Mark im Jahre 1972 auf über 1.300 Mio. Euro vervielfacht. Für Kathrein bedeutet Erfolg immer auch gesellschaftliche Verantwortung. Die Kathrein-Gruppe unterstützt zahlreiche Sportarten, zum Beispiel im Motorsport mit einem eigenen, sehr erfolgreichen Rallye-Team, und karitative Einrichtungen. Eine spezielle Kultur-Stiftung kümmert sich um kulturelle Belange und deren Pflege in Südostbayern. Die größten Umsätze, rund zwei Drittel des Gesamtumsatzes, macht Kathrein als Hersteller von Sende- und Empfangsantennen-Systemen weltweit im Mobilfunkbereich.

Dabei ist das Unternehmen mittlerweile auf allen Kontinenten hervorragend aufgestellt und in vielen Ländern der Erde der jeweilige Marktführer. Für Kathrein haben besonders Asien und Afrika im Mobilfunkbereich noch ein Riesenpotenzial, das es mit Kathrein-Produkten auszufüllen gilt. Im Sat-Bereich, der noch rd. 20% des Gesamtumsatzes von Kathrein ausmacht, hält Prof. Kathrein seine Firmen ebenfalls gut aufgestellt. Während Multischalter (bei Kathrein Matrizen genannt) und Kopfstationssysteme – auch im Zuge der Analogabschaltung über Satellit Zuwächse verzeichnen, bereiten Receiver eher Sorgen. „Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass letztes Jahr im Februar HDTV mit den Olympischen Winterspielen eingeführt wurde. Wir erwarten aber im Hinblick auf die Analogabschaltung eine Steigerung im zweiten Halbjahr 2011“, erklärte dazu der Produktbereichsleiter Satelliten-Empfangsanlagen Erich Rock anlässlich der Anga Cable 2011. Inlands-Verkaufsleiter Alfons Haas stellt fest: „Die Preise unterliegen einem gewaltigen Druck. Auch werden die Stückzahlen mit Sicherheit in Deutschland nicht mehr zulegen – abgesehen natürlich von der verstärkten Nachfrage durch die Analog-/Digital-Umstellung.“ Gleichwohl rechnet Haas im oberen Preissegment mit einem erfolgreichen Nischen-markt: „Hier wollen wir immer besser sein als unsere Mitbewerber und erhoffen uns damit ein stabiles Geschäft.“ Jüngstes Beispiel ist der UFS 923. Mit diesem Gerät, einem Sat-Receiver mit zwei Tunern, integrierter Festplatte und vielen weiteren Features, ist es möglich, Anwendungen wie You-Tube, aber auch Internet-Radio, zu nutzen. Darüber hinaus kann man das Gerät per I-Phone oder über ein anderes Smartphone beispielsweise per Fernbedienung programmieren.

Noch einen großen Schritt wird der UFS 925 gehen. Produktmanager Sat-Anlagen und Empfangsantennen Michael Auer: „Dieses Gerät wird den HbbTV-Standard unterstützen.“ Das Gerät wird für diesen Standard zertifiziert sein und soll ein Portal bieten für HD+ interaktiv. Das bedeutet, dass der Receiver auf vorgefertigte Portale für HbbTV-Einstiege der HD+-Sender zugreifen kann.

Als Boxenhersteller kann Kathrein auf technische Fortschritte schnell reagieren . In dieser Beziehung ist ein langlebiges Fernsehgerät wesentlich träger.

Aus dem Einsteigermarkt wird sich Kathrein somit längerfristig eher zurückziehen. Weltweit werden Sat-Receiver allerdings weiter stark nachgefragt sein. Mit insgesamt 24 Produktionsstätten und einer Präsenz in 75 Ländern ist das Unternehmen hier sehr gut dabei. In Deutschland stammen die Sendeantennenanlagen an 131 von 132 Sendestandorten von Kathrein. Auch weltweit ist Kathrein einer der wichtigsten Ausrüster von Sendestandorten mit DVB-T-Antennen. Dieses Geschäft wird im Zuge der Digitalisierung noch ein paar Jahre weiterlaufen. Schon aktuell ist ein gewaltiger Auftrag aus Russland, das bis 2015 seine analogen terrestrischen Sender abschalten will und 9.000 Sendestationen ersetzen muss.

Der Automotive- Bereich umfasst weltweit über 1.000 Mitarbeiter, darunter 123 Ingenieure. Entwickelt und gefertigt werden Autoantennensysteme. „In der Automobilsende- und -empfangstechnik sind wir in Europa und in Südamerika mit einem Marktanteil von 70 % die Nr. 1, in China sind wir das größte ausländische Automotive-Unternehmen“, betont Kathrein und will in den USA und Kanada, wo man noch die Nr. 2 sei, auch Marktführer werden. Der Automotive-Bereich, der derzeit einen Umsatz von 150 Mio. Euro macht, soll bis 2015 auf 250 Mio. Euro wachsen. Prof. Kathrein sieht das künftige Automobil als Kommunikationszentrum und rechnet mit verstärkter Kommunikation von Auto zu Auto.

Henning Kriebel

www.kathrein.de

Kathrein und RFID

Das Unternehmen ist seit mehr als 25 Jahren im Bereich RFID tätig. Im Verbund der RFID-Innovationszentren Kathrein in Rosenheim und Kathrein Sachsen in Mühlau entstehen RFID-Systemlösungen. Kathrein hat sich auf den UHF-Frequenzbereich spezialisiert und bietet Antennensysteme für Indoor-/Outdoor-Anwendungen für 865...928 MHz, stationäre Readersysteme für 865...928 MHz und aktive Antennensysteme.

Ausgabe:
g+h 05/2011
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