11. DEZEMBER 2017

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Nicht für die Tonne


Talk

Lightcycle. - Das nicht gewinnorientierte Unternehmen hat sich der Sammlung und Entsorgung ausgedienter Beleuchtungskörper verschrieben. g+h sprach mit Geschäftsführer Christian Ludwig über die Herausforderungen im Entsorgungskreislauf.

Herr Ludwig, was hat den Ausschlag gegeben das Unternehmen Lightcycle zu gründen?

Aufgrund der europäischen Elektroschrottdirektive, wurde Lightcycle 2005 von neun namhaften Lichtherstellern gegründet. Die Richtlinie verpflichtet Elektro- und Elektronikunternehmen, ihre Produkte am Ende der Lebensdauer zurückzunehmen und dem Recycling zuzuführen. Eine der zehn Produktkategorien sind Lampen. Das heißt wir sprechen hier von Leuchtstofflampen, Energiesparlampen, Hochdruckentladungslampen und LEDs. Insofern bestand für die Hersteller seitdem die Verpflichtung ein Rücknahmesystem zu schaffen.

Bitte umreißen Sie die wichtigsten Aufgaben von Lightcycle.

Wir haben eigentlich zwei große Schwerpunkte. Einer ist das Sammeln, das wiederum in zwei Teilbereiche aufzugliedern ist – zum einen das Vorhalten eines Sammelstellennetzes und zum anderen die Organisation der Logistik, denn die entsorgten Lampen müssen ja von kommunalen Wertstoffhöfen und Vertragssammelstellen beziehungsweise auch direkt bei Großverbrauchern abgeholt werden. Der zweite Schwerpunkt sind umfassende Aufklärungskampagnen für private und gewerbliche Endverbraucher. 2005 hat kein Mensch gewusst, dass Lampen recycelt werden müssen und auch recycelt werden können. Unsere Herausforderung ist, das in den Köpfen zu verankern.

Wie ist das Netzwerk aufgebaut?

Im Kern gibt es drei Wege der Entsorgung. Einmal die sogenannten Kleinmengensammelstellen, wie die von den Kommunen bereitgestellten Wertstoffhöfe und Schadstoffmobile. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem Handel, insbesondere mit Bau-, Elektro- und Drogeriemärkten wie dm und Budnikowsky, aber auch mit dem Elektrohandwerk sehr intensiv zusammen. Hier stehen unsere Boxen für haushaltsübliche Mengen. Für größere Mengen, die zum Beispiel im Handwerk nach Lampentauschaktionen anfallen, haben wir bei etwa 400 Entsorgungsunternehmen in ganz Deutschland ein Großmengensammelstellennetz aufgezogen.

Der dritte Weg ist die Großmengendirektabholung ab einer Menge von 5.000 Lampen bei der Industrie, dem Großhandel oder Entsorgern. Bei Unternehmen wie BMW, BASF oder Siemens fällt nach einer Tauschaktion schon einmal eine Tonne Altlampen an. Für den Transport arbeiten wir deutschlandweit mit vier Logistikpartnern zusammen, die in unserem Auftrag die unterschiedlichen Sammelstellen anfahren.

Könnte man schon bei der Produktion für eine einfachere Entsorgung beziehungsweise ein effizientes
Recycling sorgen?

Über die Jahre hinweg haben die Hersteller gefährliche Inhaltsstoffe wie Quecksilber reduziert. Ein wichtiges Thema ist auch die Lebensdauer. Heute leuchten Kompaktleuchtstofflampen 10.000 Stunden, LEDs kommen auf 25.000.

Wie ist das Verhältnis von den in den Verkehr gebrachten Lampen und den zurückgegebenen?

Die überarbeitete Direktive nennt als Ziel eine Quote von 45 Prozent der Inverkehrbringung der letzten drei Jahre. Aber die meisten Lampen leben einfach deutlich länger. Das heißt es ist eigentlich sinnlos hier einen Bezug herzustellen. Fakt ist aber, dass wir durch die Anstrengungen, die wir in den letzten Jahren unternommen haben schon heute eine Größenordnung von 45 Prozent haben. Der Anfang ist also gemacht, das heißt aber nicht, dass wir uns jetzt auf den Lorbeeren ausruhen. Ziel ist es, stetig und nachhaltig die Rücklaufmengen zu steigern – das ist eigentlich das Thema unserer täglichen Arbeit.

Bemerken Sie eine Veränderung im Entsorgungsbewusstsein?

Ja. Und das liegt nicht zuletzt an unseren großen Kampagnen. Energieeffizienz und Energiesparen ist sehr weit oben auf der politischen Agenda. Auf unserer Website finden Sie darum zahlreiche Infografiken zu Beleuchtungsarten, die Energie sparen und damit auch CO2. Wenn diese Produkte dann auch noch zurückgegeben werden, schließt sich der Kreis, denn weit über 90 Prozent der Rohstoffe können recycelt werden. Außerdem hat der mediale Rummel um die Energiesparlampe geholfen, das Bewusstsein zu steigern. Unsere Marktuntersuchung im letzten Jahr hat ergeben, dass rund 75 Prozent der Bundesbürger über die korrekte Entsorgung Bescheid wissen und auch den richtigen Entsorgungsort nennen können. Aber das Bewusstsein von heute muss auch in vielen Jahren, wenn der Entsorgungsfall eintritt, noch fest in den Köpfen verankert sein.

Wie halten Sie die Motivation über die Jahre am Leben?

Wir versuchen spezifisch auf unsere Zielgruppen zuzugehen. Seit 2009 organisieren wir die „klima on... s‘cooltour“, bei der Umweltpädagogen mit Schülern über den Klimawandel und effizientes Energiesparen reden, und auch darüber, dass Altlampen nicht in den Hausmüll gehören. Ansonsten sorgen wir mit Anzeigenkampagnen und Berichterstattungen in Verbraucher- und Fachzeitschriften für nachhaltige Aufmerksamkeit.

Welche Herausforderungen wird die Zukunft bringen?

Ganz klar die Erreichung noch höherer Sammelmengen. Und dazu brauchen wir erstens einen fairen Wettbewerb hier in Deutschland. Das heißt alle Hersteller müssen sich gleichermaßen an den Aktivitäten, an der Aufklärung und an der Sammlung beteiligen. Und zweitens müssen wir das Elektrohandwerk noch deutlich stärker als Partner gewinnen um das Sammelstellennetz gerade in ländlichen Gegenden noch enger zu ziehen. Für die Betriebe ist das nur von Vorteil und trägt zur Kundenbindung bei. Durch das Ende der Glühlampe und der vielen neuen Beleuchtungsmöglichkeiten haben die Kunden großen Beratungsbedarf und können beim Lampenneukauf ihre Altlampen gleich da lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.lightcycle.de

Um ihren Kunden die Rückgabe ausgedienter Sparlampen zu erleichtern, können sich Elektrofachbetriebe an der Lightcycle-Initiative „Sauberes Licht, sauber recycelt“ beteiligen ein kompletter Service von der Beratung zu neuen Leuchtmitteln bis zur Rücknahme der alten Lampen. Ihre Fachkompetenz können engagierte Betriebe mit dem umfangreichen Info-Material von Lightcycle unter Beweis stellen. Die zur Verfügung gestellen Boxen dienen im Laden als Sammelbehältnis und auf dem Weg zur nächsten Großmengen-Sammelstelle als Transportbox.

Ausgabe:
g+h 02/2012
Unternehmen:
Bilder:
2 Unternehmens-Videos:
  • Heute schon an ..
  • Recycling Maste..

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