12. DEZEMBER 2017

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Spezialist für Nischen


Talk

Seebacher. - Speziallösungen für die Steuerung von Licht sind für den Unternehmensgründer Beruf und Steckenpferd zugleich. g+h hat sich mit ihm über die Buswelt unterhalten.

Wie und warum sind Sie Unternehmer geworden, Herr Seebacher?

P. Seebacher: Es war der Anreiz, sich seine Zeit frei gestalten zu können und eigene Ideen umzusetzen. Den Traum von der freien Zeiteinteilung konnte ich natürlich nicht so umsetzen. Wenn man der Chef ist, verbringt man die meiste Zeit in der Firma.

Welches waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrer Unternehmensgeschichte?

P. Seebacher: Mein Steckenpferd war immer schon die Lichtsteuerung. Mein Jugendzimmer hatte, glaub ich, um die 140 Schalt- und Dimmkreise. Während der Lehrzeit habe ich immer wieder kleine Lösungen gefertigt und schon bald eigene Konzepte entwickelt und professionelle Lichtsteuerungen realisiert. Aber die Möglichkeiten waren mir zu eng gefasst, ich wollte mehr Offenheit, um Kundenwünsche zu realisieren. Nach der Gründung 1986 war der nächste Meilenstein die Eigenentwicklung unseres Systems Isy-GLT. Startschuss war 1994 mit einer konfigurierbaren Lösung. Aber schon ab 1996 war unser System frei programmierbar. 2008 haben wir dann begonnen, einen eigenen Vertrieb aufzubauen.

Was hat Sie veranlasst, ein eigenes Bussystem zu entwickeln?

P. Seebacher: KNX, damals noch EIB, war zwar schon am Markt, aber bei Weitem nicht in dieser Funktionsvielfalt wie heute. Viele Lösungen wären nur mit großen SPS-Steuerungen aus der Industrie möglich gewesen. Die passen aber nie und nimmer in eine Haushaltsinstallation. Das war der ausschlaggebende Punkt, ein System aus der Praxis für die Praxis zu entwickeln.

Wie haben Sie das geschafft, sich gegen die großen Standardwelten durchzusetzen?

P. Seebacher: Wir sind auf Nischenanwendungen spezialisiert. Und da will ich mich auch heute noch sehen. Keine großen Standards, sondern ständig neue Ideen. So können wir flexibel auf Kundenwünsche eingehen. Wenn ein Kunde investiert, will er sich nicht Probleme, sondern Lösungen kaufen. Genau dafür wurde Isy-GLT ins Leben gerufen und ständig weiterentwickelt.

Wie hat das Handwerk auf Ihre Entwicklung reagiert?

P. Seebacher: Wir haben einen großen zufriedenen Kundenkreis. Ein Großteil davon programmiert das System selbst und kann es auch selbst weiterverwalten. Aber es gibt auch ein paar Installateure, die eine Komplettlösung wollen, die eine sichere Funktionalität gewährleistet. In diesem Fall liefern wir die Funktionsprogrammierung als Dienstleistung dazu.

Was, meinen Sie, macht Isy-GLT besser als andere Systeme?

P. Seebacher: Die Flexibilität durch die freie Programmierung. Nichts ist starr vorgefertigt. Die einzelnen Module sind leicht austauschbar. Die Funktionen werden einfach mit der Programmierung darüber gelegt. Daher ist es völlig egal, ob ein Raum drei, acht oder 20 Lichtquellen hat, ob eine neue Leuchte dazukommt, oder ein neuer Bereich mit Standard-Dimmung, mit Phasen-An- oder -Abschnitt ist. Ob es eine Dali- oder eine DSI-Leuchte ist. Irgendwo gibt es natürlich eine physikalische Grenze des Leuchtmittels oder der Leuchte selbst, aber ansonsten ermöglicht Isy-GLT eine individuelle, freie Zuordnung.

In welchen Bereichen findet man Ihr Produkt? Eher im privaten Wohnungsbau, oder auch im Objektbau?

P. Seebacher: Im hochwertigeren privaten Bereich und sehr viel im öffentlichen Bereich. Schulen, Banken, Museen und Theater. Da, wo es ganz besonders auf Individuallösungen ankommt. Es gibt keine Museen oder Theater, die nach Schema F laufen. Das System muss individuell an die Bedürfnisse anpassbar sein.
Welchen Marktanteil haben Sie in der Buswelt?

P. Seebacher: Da ich Pessimist bin, schätze ich uns sehr weit unten ein. KNX ist sicher ganz vorne. LON sehe ich persönlich etwas weniger. Wahnsinnig aktiv in der Werbung ist LCN. Also ich denke mal, wir bewegen uns im einstelligen Bereich.

Was ist denn Ihr Ziel?

P. Seebacher: Ja natürlich wesentlich mehr. Wobei es schwierig ist, mit Speziallösungen, ohne Standardisierung, große Marktanteile zu generieren.

Welche Bedeutung haben ausländische Märkte für Sie?

P. Seebacher: Wir haben zwei sehr gute, die Schweiz und Holland. In anderen Ländern läuft das Geschäft eher sporadisch. Darum konzentrieren wir uns auf den Heimatmarkt. Vor einigen Jahren haben wir einen eigenen Vertrieb aufgebaut, den wir kontinuierlich verstärken. Extern nehmen wir im Moment nur mit, was sich ergibt. Darum sehe ich in dieser Richtung schon noch Wachstumspotenzial. Aber Deutschland ist und bleibt der Primärmarkt für uns.

Wie viele Leute beschäftigen Sie heute?

P. Seebacher. Wir haben 18 Festangestellte und natürlich noch einige Externe. Unsere Fertigung ist vertraglich an uns gebunden und arbeitet exklusiv nur für uns. Das sind auch noch einmal 30 Leute. Hinzu kommen diverse Partner in Holland und in der Schweiz. Summa summarum bewegen wir doch einiges.

Angefangen haben Sie aber ganz alleine?

P. Seebacher: Ja, in der Garage mit hin und wieder ein paar Studenten, die sich das Studium mit dem Job verdient haben oder im Rahmen ihrer Arbeit bei mir ihre Diplomarbeit geschrieben haben.

Welchen Anteil hat die Entwicklungsabteilung an der Mitarbeiterzahl?

P. Seebacher: Etwa die Hälfte. Bei uns sind alle Projektleiter mit der Entwicklung beschäftigt. Sie verwirklichen die Module und schreiben die Programme dafür.

Wie entstehen in Ihrem Haus neue Ideen?

P. Seebacher. Sehr oft kommt der Input von den Kunden. Wenn wir für ein Projekt nicht schon die optimale Lösung im Haus haben, wird darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, ein eigenes Modul oder eine eigene Technik zu entwickeln. Wir denken über Alternativen nach und besprechen siemit den Vertriebspartnern. Manchmal kann man auch eine bestehende Lösung weiterentwickeln. Ist die Entscheidung gefallen, realisieren wir in ein paar Wochen ein neues Modul, komplett zertifiziert und verfügbar.

Wie schwierig ist eine Zertifizierung in Ihrem Produktbereich?

P. Seebacher: Wir haben geprüfte und kalibrierte Messeinrichtungen im Haus. In manchen Fällen wenden wir uns zusätzlich an ein externes Labor, um eine Gegenprüfung zu bekommen.

Wo fertigen Sie Ihre Produkte?

P. Seebacher: Nach einem kurzen Ausflug nach China fertigen wir wieder alles in Deutschland. Auch die Kunststoffgehäuse. Ein Großteil entsteht in den neuen Bundesländern, aber es gibt auch hier in Bayern Produktionsstätten. Abgesehen von den LEDs, die wir aus Asien zukaufen, kommen auch alle Komponenten aus deutschen Unternehmen.

Wie viel Zeit muss ein Elektrohandwerker aufwenden, bis er mit Isy-GLT zweifelsfrei arbeiten kann? Ist das kompliziert? Oder eher selbsterklärend?

P. Seebacher: Gewisse Grundkenntnisse sind Voraussetzung. Vorteilhaft ist, wenn er Erfahrungen mit SPS oder einem anderen Bussystem gesammelt hat. Man braucht bei jedem Bussystem die Gabe, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und umzusetzen. Aber wir hatten auch Hausmeister, die eigentlich keine Ahnung von Elektrotechnik hatten und das System trotzdem problemlos programmiert haben, weil sie einfach mit Spaß an der Sache herangegangen sind.

Gibt es Unterstützung in Form von Schulungen und Workshops aus Ihrem Haus?

P. Seebacher: Wir bieten die Programmierung als Dienstleistung an, aber natürlich gibt es auch entsprechende Schulungen. Zudem unterstützen wir unsere Kunden auch telefonisch oder per E-Mail. Ein heiß diskutiertes Thema ist bei uns die Einführung einer kostenpflichtigen Hotline, denn es gibt Tage, da kommen die Projektleiter vor lauter Hilferufen nicht mehr zu ihrer eigentlichen Arbeit. Dabei würde es oft schon helfen, wenigstens die Bedienungsanleitung zu lesen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Bussysteme?

P. Seebacher: Sie werden sich immer weiter etablieren. Jede neue Technik braucht um die 20 Jahre, bis sie zweifelsfrei angenommen wird. Bustechnik hat ja nicht nur mit Komfort zu tun, sondern auch ganz besonders mit Energieeffizienz. Und das zieht in der heutigen Zeit. Um die Vorgaben der Energie-Einspar-Verordnung zu erfüllen reicht es nicht, energieeffiziente Leuchtmittel zu verwenden, oder die Räume zu isolieren, man braucht eine Steuerung, die alle Vorgänge im Alltag koordiniert.

Ihr Schwerpunkt ist die LichtSteuerung. Kann man in Isy-GLT denn auch andere Teilnehmer einbinden?

P. Seebacher: Isy-GLT kann natürlich auch die Heizungsanlage steuern und fährt, sobald ein Fenster geöffnet wird, die Heizleistung herunter. Der Frostschutz ist dabei trotzdem gewährleistet. Außerdem haben wir ein Jalousie-Management. Vom Standard Rauf-/Runterfahren bis hin zur sonnenstandsabhängigen Regulierung, also der Berechnung der optimalen Beschattung oder Lichtregelung im Raum. Die Norm sind 300 Lux auf dem Tisch, aber jeder Mensch empfindet Licht anders. Darum ist bei uns jeder Arbeitsplatz auch individuell dimmbar.

Wächst aus Ihrer Sicht das Handwerk in der gleichen Geschwindigkeit wie die technischen Möglichkeiten?

P. Seebacher: Jein, viele hinken stark hinterher und wachen erst im Laufe der Zeit auf, andere halten sich immer auf dem neuesten Stand. Unser System ist von einer Komplexität, die auf den ersten Blick nicht erkannt wird. Aus den einzelnen Modulen kann man eine eierlegende Wollmilchsau kreieren. Trotzdem kämpfen wir oft mit dem Problem, unseren Partnern, den Elektroinstallateuren, zu übermitteln, was für ein mächtiges Werkzeug sie mit Isy-GLT in der Hand haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

P. Seebacher: Ja, einmal dass uns unser Team mit seinem Enthusiasmus erhalten bleibt. Und dass wir mit immer neuen Technologien noch weiter wachsen können. Über das Ganze gesehen würde auch etwas mehr Stabilität gut tun, ein solides Fundament, das neue Investitionen rechtfertigt. Entspannung und Normalität in der Wirtschaft allgemein und natürlich besonders in der Gebäudesystemtechnik.

Ganz herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Seebacher.

www.seebacher.de





Isy-GLT

Die Master Module sind das Herzstück des Bussystems Isy-GLT. Sie verarbeiten die Daten und steuern die gesamte Peripherie. Über den Isy-GLT Backbone können sie auch miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Die neuesten Master aus dem Hause Seebacher sind darüber hinaus auch ethernetfähig und können somit über das Netzwerk von überall auf der Welt bespielt und gesteuert werden.

Ausgabe:
g+h 07/2010
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