14. DEZEMBER 2017

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Get Nord


Talk

Messe Hamburg. - Vom 17. bis 19.11.2010 findet auf dem Messegelände Hamburg die Get Nord statt, g+h sprach im Vorfeld mit dem Projektleiter Michael Arfmann.

Herr Arfmann, würden Sie uns noch einmal die Idee erläutern, die sich hinter der Konzeptänderung der Messe verbirgt?

Meine Ausgangslage war ein persönliches Erlebnis. Als eines Tages meine Heizung ausfiel und der Heizungsmonteur sie wieder instand gesetzt hatte, um sich schließlich der Steuerung zuzuwenden, also dem Gewerk Elektro, fragte ich ihn erstaunt, ob er das denn überhaupt dürfe. Worauf er antwortete: „Selbstverständlich, ich habe den kleinen Befähigungsnachweis.“ Nach Absolvierung einer Schulung hatte er als Gas-/Wasserinstallateur die Berechtigung zur Durchführung von Elektroinstallationstätigkeiten bekommen.

Dieses Erlebnis führte dazu, dass wir in unserem Unternehmen gemeinsam mit den neun Elektro- und SHK-Handwerksverbänden aus Norddeutschland die Diskussion über die Frage führten, warum wir in der Messelandschaft beide Gewerke noch immer in Parallelveranstaltungen auftreten lassen. Das Ergebnis war, gestützt durch umfangreiche Marktanalysen, so dass sich alle Partner einig waren, dass der norddeutsche Markt bereit für eine erste ‚vernetzte’ Gesamtmesse ist.

Wie beurteilen Sie die Zunahme der Elektro-Großhandelsveranstaltungen und gleichzeitig die Schwierigkeiten einiger Regionalmessen, wenn es um die Besucherzahl geht?

Ich denke, dass die Zunahme der Elektro-Großhandelsveranstaltungen auch darauf beruht, dass der Informationstransfer durch regionale Messen eventuell nicht gut genug ausgebaut ist. Man muss aber selbstverständlich berücksichtigen, dass auch der Elektro-Großhandel eine Plattform benötigt. Letztlich kosten die Hausveranstaltungen den Elektro-Großhandel sehr viel Geld. Würde er stärker in die Regionalmessen eingebunden, wäre das für alle Beteiligten sicherlich von Vorteil.

Wir bieten mit der Get Nord dem Elektro-Großhandel die Möglichkeit, mit uns gemeinsam das Handwerk über aktuelle Trends, Techniken und neue Märkte zu informieren. Der Elektro-Großhandel kann sich in Hamburg als Servicepartner mit eigenen Messeständen präsentieren. Wir sprechen immer vom dreistufigen Vertrieb und Partnerschaft, müssen diese aber auch leben, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Das ist unser Messekonzept und auch unser Verständnis von Partnerschaft zwischen den einzelnen Vertriebsebenen vom Hersteller über den Großhandel bis zum Fachhandwerk.

Sie sind also offen für alle Marktpartner?

Natürlich, wir müssen als Messegesellschaft neutral sein und dürfen in den Markt per Gesetz schon nicht regulierend eingreifen. Wir sind offen in der Frage der Partnerschaften, indem wir Bereiche, die zusammengehören, auch hier zusammenbringen. Mittlerweile haben wir 21 Partner, die die Veranstaltung mit tragen. Dazu zählt das gesamte Handwerk, Elektro und SHK aus den fünf norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch die planenden Bereiche, wie die Architekten, haben die Get Nord zu ihrer Veranstaltung erklärt.
Ganz neu ist auch der VDI mit eingestiegen. Hinzu kommen der VNW, der Verband der norddeutschen Wohnungswirtschaft oder BFW, also der Bundesverband der freien Wohnungswirtschaft. Das ist, hier sprechen wir ja vom Endkunden, insofern interessant, als allein zum VNW rund 720.000 Wohneinheiten gehören. Diese Partnerschaften machen die Get Nord für Industrie und Handwerk noch interessanter als bisher.

Dennoch, wenn Sie die Entwicklung der Regionalmessen betrachten, sind sie weiterhin unter Druck, oder sehen Sie das anders?

Das ist teilweise richtig, aber Sie müssen natürlich immer im Auge behalten, dass eine Messe stets ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Lage ist. Messen machen keinen Markt, sie bilden ihn so ab, wie er sich im Augenblick darstellt. Und sie sind auch ein Indikator, wie sich Märkte in Zukunft entwickeln. Wer dies als Aussteller und Besucher bewusst wahr- und aufnimmt, kann sich besser auf künftige Marktrends und -chancen einstimmen und entsprechend vorbereiten. Die Unternehmen, die so agieren, sind in aller Regel auch erfolgreich. Eine Messeveranstaltung unterliegt also dem üblichen wirtschaftlichen Zyklus. Und natürlich werden Messen auch immer wieder infrage gestellt. Aber um eines kommt niemand herum, man möchte Technik auch live erleben, Produkte in Funktion sehen und sie selbstverständlich auch in die Hand nehmen können. Außerdem werden Geschäfte auch im Internetzeitalter immer noch von Menschen gemacht und das größte Vertrauen entsteht im direkten Gespräch, also von Angesicht zu Angesicht. Dafür sind Regionalmessen der ideale Ort. Wäre das Internet beispielsweise so erfolgreich, dass es Messen überflüssig machen könnte, dann wäre das vermutlich schon längst passiert.

Ganz im Gegenteil aber, die neuen Medien sind ausgesprochen hilfreich, wenn es um erfolgreiche Messekonzepte geht. Mit ihrer Hilfe kann ich mich als Besucher bestens und tagesaktuell vorbereiten. Aber noch einmal, sie ersetzen nicht das Gespräch vor Ort. Ich bin sogar davon überzeugt, dass die Bedeutung der Messen weiter steigen wird. Ein Zeichen unserer Zeit ist nämlich, dass immer weniger Menschen immer mehr Aufgaben übernehmen müssen. Umso wichtiger wird es, über alle aktuellen Trends informiert zu sein. Die Qualität der Messebesucher wird dadurch steigen.

Auf der anderen Seite steigen die Preise für den Messebesuch, vor allem im Übernachtungsbereich. Ist das nicht ein Problem?

Sie haben recht, wenn ich zur Messezeit nach Frankfurt fahre, sind 300 Euro pro Nacht keine Seltenheit. Insofern scheidet ein mehrtägiger Besuch allein schon aus Kostengründen für viele aus. Wir haben hier in Hamburg mit der Dehoga, dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband, eine Übereinkunft getroffen. Die Verdoppelung oder Verdreifachung der Übernachtungspreise einen Tag vor Messebeginn werden Sie hier in Hamburg nicht finden. Die sogenannten Messepreise sind hier verpönt.

Aber Regionalmessen berührt das Thema ja ohnehin nicht so sehr, da die meisten Besucher nur einen Tagesbesuch einplanen.

Dies mag für viele Veranstaltungen zutreffen, für die Get Nord nicht, denn wir haben durch Analysen herausgefunden, dass unser Einzugsbereich rund 300 Kilometer beträgt, das heißt, er erfasst einen Radius bis Kopenhagen. Und darauf setzen wir gerade in diesem Jahr.

Inwiefern? Laden Sie auch Besucher aus den Nachbarländern ein?

Ja, in diesem Jahr arbeiten wir verstärkt mit den dänischen Verbänden zusammen. Mit ihnen haben wir eine Übereinkunft erzielt, dass beispielsweise durch dänische Fachverlage Busreisen zur Get Nord organisiert werden. Die dänischen Industrie -und Handelsverbände haben ihre Mitglieder aufgerufen, sich an diesen Reisen zu beteiligen. Und wir sponsern dies mit Freikarten für den Eintritt. Außerdem wird es einen dänischen „Welcome-Bereich“ für unsere Gäste aus Dänemark geben, sodass die Dänen hier auf Dänisch begrüßt werden und auch an einer dänischen Führung über die Messe teilnehmen können.

Gibt es noch weitere Länder, aus denen Sie Besucher erwarten?

Ja, wir haben beispielsweise Polen mit im Boot. Der polnische Präsident des SHK- und Elektro-Verbandes sowie der Hauptgeschäftsführer werden zur Get Nord kommen, um sich die Veranstaltung anzuschauen. Sie haben auch bereits ihre Mitglieder darüber informiert. Auch hier gilt das Angebot „kostenfreier Eintritt“; übrigens auch für die Kunden aller Aussteller. Jeder Aussteller hat die Möglichkeit, seine Kunden in unbegrenzter Anzahl zur Messe einzuladen. Es gibt also für alle eingeladenen Fachleute einen kostenfreien Eintritt.

Ist das Konzept SHK und Elektro unter einem Dach aus Ihrer Sicht bereits aufgegangen?

Ganz eindeutig, weil die Partner mittlerweile festgestellt haben, dass sie gar nicht so weit voneinander entfernt sind. In Oldenburg beispielsweise haben sich schon die Innungen beider Gewerke zusammengeschlossen. In Europa ist das übrigens auch auf der nationalen Ebene keine Seltenheit mehr. Wenn Sie auf die Niederlande schauen, dann finden Sie dort nur noch einen Verband, der die Gewerke unter einem Dach vereint. Genau diesen Schritt sind wir mit der Get Nord gegangen. Auf dem Innovationsforum, einem kleinen technischen Kongress für Fachleute, finden sie beide Gewerke gemeinsam mit Partnern wie der Behörde für Stadt und Umwelt, dem Bundesverband der Heizungsindustrie, der Hochschule für angewandte Wissenschaften, die gemeinschaftlich ihr Know-how präsentieren. Das macht richtig Spaß zu sehen, wie verschiedene Gruppen hier auf der Messe zusammenfinden zum Vorteil aller Markteilnehmer.

Und Sie dürfen bei unserem gewerkeübergreifenden Messeansatz nicht vergessen, dass es auf der Industrieseite Unternehmen gibt, die mit beiden Gewerken schon immer Geschäfte gemacht haben. Für diese Gruppe ist unser Messekonzept geradezu maßgeschneidert. Aber nicht nur diese Unternehmen begrüßen es. Viele Aussteller aus beiden Bereichen haben uns mitgeteilt, dass dies der richtige Weg sei. Letztlich möchte der Bauherr heute alles aus einer Hand. Insofern spiegelt das Konzept der Get Nord auch diesen Trend wider.

Welche Highlights erwarten den Besucher?

Das sind ganz klar die von unseren Ausstellern gezeigten Innovationen. Unsere Aussteller stehen mit ihren Produkten im Fokus, sie bilden das Zentrum des Interesses und sind sowohl für uns als auch für die Besucher selbstredend am wichtigsten. Und natürlich gibt es auch ein Rahmenprogramm.

Wie wird es ausschauen?

Ich hatte ja bereits das Innovationsforum erwähnt. Ein weiterer Punkt ist das Architekturforum, auf das wir schon ein wenig stolz sind. Wir konnten für die Get Nord den BDA, den Bund deutscher Architekten und Architektinnen, gewinnen, der während der Veranstaltung hier vor Ort den deutschen Architekturpreis verleihen wird; das ist die wichtigste Veranstaltung, die der BDA im Drei-Jahres-Rhythmus durchführt. Dieser Rhythmus ist auf zwei Jahre verkürzt worden, um die Preisverleihung stets zeitgleich mit der Get Nord durchzuführen. Das ist fast ein Ritterschlag, denn deutlicher kann man nicht zeigen, wie hoch der Stellenwert der Messe auf der Architekturseite anzusiedeln ist.

Herr Arfmann, vielen Dank für das Gespräch mit Ihnen.

www.hamburg-messe.de






Hintergrund

Messe-Highlights

Im Fokus stehen Themen wie Energieeffizienz, Photovoltaik, Elektromobilität und die Digitalisierung des Fernsehens. Deshalb wird es an allen drei Tagen ein Digitalcamp gemeinsam mit Astra und dem Norddeutschen Rundfunk geben, um die Problematik dem Handwerk näherzubringen.
Dort scheint die Sensibilisierung für das Thema noch nicht soweit vorangeschritten zu sein, wie es erforderlich wäre.

www.hamburg-messe.de

Ausgabe:
g+h 07/2010
Unternehmen:
Bilder:

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