12. DEZEMBER 2017

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Aktiver Vorreiter


Innentitel

Rittal. - Die Infrastruktur für die Verteilung mit elektrischer Energie ist das Rückgrat der Industrie. An der Entwicklung moderner Stromverteilungssysteme hat Rittal seit Jahrzehnten einen maßgeblichen Anteil.

Die Systeme zur Niederspannungsverteilung haben sich in den letzten 30 Jahren stark verändert – vor allem die Standardisierung von Sammelschienensystemen in den 1980er-Jahren hat den Schaltanlagenbauern die Arbeit deutlich erleichtert.

Bis in die 1970er-Jahre war jede Niederspannungsverteilung mehr oder weniger ein individuell angefertigtes Einzelstück. Um eine neue Schaltanlage zu realisieren, mussten alle Komponenten einzeln berechnet, konstruiert und gefertigt werden. Zu Beginn der 1980er-Jahre boten die ersten Unternehmen standardisierte Sammelschienensysteme an, die aus verschiedenen Einzelkomponenten aufgebaut waren.

Der Schaltanlagenbauer musste sich nur noch Sammelschienenhalter, passende Anschlussklemmen und die Sammelschienen selbst aussuchen und konnte so einfach und effizient eine Niederspannungsverteilung aufbauen. Eines der ersten Systeme am Markt war das Sammelschienensystem SZ, das Rittal 198- auf der Hannover Messe vorstellte.

Bis 1980 hatte Rittal ausschließlich Gehäuse, Schränke und entsprechendes Zubehör im Programm. Der Bereich Stromverteilungssysteme war der logische nächste Schritt der Portfolio-Erweiterung. 1982 folgte ein weiterer Geschäftsbereich mit der Klimatisierung.

„Als wir 1982 das erste patentierte Sammelschienensystem vorstellten, stand für uns die Frage im Mittelpunkt, wie wir dem Schaltanlagenbauer die Arbeit erleichtern können“, erinnert sich Hans Wagener, der den Geschäftsbereich Stromverteilung im Unternehmen maßgeblich mit aufgebaut hat und heute die Produktentwicklung Stromverteilungskomponenten und Systeme leitet.

Die standardisierten Sammelschienenhalter mit einem Schienenabstand von 60 Millimeter, die 1982 auf den Markt kamen, eigneten sich für Kupferschienen mit neun verschiedenen Querschnitten von 12 x 5 bis 30 x 10 Millimeter.

Um die Sammelschienenhalter an die verschiedenen Querschnitte anzupassen, konnten einfach entsprechende Distanzstücke eingesetzt werden. Auch hier stand die einfache Anwendung für den Schaltanlagenbauer im Vordergrund, der dadurch immer die gleichen Sammelschienenhalter verwenden konnte, unabhängig davon, welche Querschnitte er benötigte.

Von Anfang an legte man bei Rittal großen Wert darauf, das Handling und die Montage möglichst einfach zu gestalten. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Anschlusstechnik, die in aller Regel ohne Bohren und Schrauben auskommt. Die Montage von Komponenten geschieht dabei beispielsweise durch einfaches Aufrasten auf die Sammelschienen, der elektrische Kontakt wird durch Klemmen hergestellt.

„Die Anforderungen des Marktes haben im Wesentlichen die Entwicklungen im Bereich Stromverteilungssysteme vorangetrieben“, betont Wagener. Entscheidend war die Nachfrage der Anwender – der Schaltanlagen- und Steuerungsbauer.

Diese waren stets darauf bedacht, vereinfachte Lösungen einzusetzen, die den Aufwand für mechanische Arbeiten reduzieren. Mit den von Rittal angebotenen Stromverteilungslösungen, die auf einem Baukastensystem beruhen, wird der Anwender in die Lage versetzt, vorschriftengerechte Schaltanlagen zu erstellen und gleichzeitig durch das einfache Handling noch wertvolle Montagezeit einzusparen.

1985 bündelte Rittal alle Aktivitäten bei Stromverteilungssystemen in einem Geschäftsbereich – und das Portfolio erweiterte sich ständig. Neben den Schienensystemen mit 60 Millimeter Schienenabstand kamen Systeme mit 100 Millimeter Schienenabstand dazu. Außerdem wurden Zubehörteile wie Sicherungselemente und NH-Sicherungslasttrenner in das Programm aufgenommen.

„Bereits Anfang 1987 konnten wir den Kunden ein vollständiges Produktprogramm anbieten“, sagt Hans Wagener: „Das Produkt-Portfolio deckte den Bedarf des Marktes fast komplett ab.“ Zwei Jahre später führte Rittal die PLS(Power Line System)-Schienen ein. Konnte man bis dahin nur Systeme bis 800 A anbieten, stieß man mit den neuen PLS-Schienen in neue Bereiche vor.

Erstmals waren jetzt auch Stromverteilungen mit einem Bemessungsstrom bis 1.600 A möglich. Anfang der 90er-Jahre wurde das System abermals ergänzt – diesmal hin zu niedrigeren Bemessungs-strömen. Die Mini-PLS-Schiene eignete sich für Niederspannungsverteilungen bis 250 A.

Im Jahr 2000 schließlich bringt Rittal die Maxi-PLS-Schiene auf den Markt, mit der sich Hochstrom-Niederspannungsverteilungen realisieren lassen. Auch mit den Maxi-PLS-Schienen stellte Rittal wieder innovative Lösungen vor.

Die Schienen haben einen quadratischen Querschnitt von 45 x 45 oder 60 x 60 Millimeter mit T-Nuten an allen vier Seiten. Damit lässt sich die Anschlusstechnik ohne aufwändige Metallbearbeitung wie Biegen, Bohren oder Sägen realisieren. Auch die Verbindung des Schienensystems zwischen den Schaltschränken ist dadurch sehr einfach möglich.

Heute bietet Rittal mit Ri4Power eine durchgängige Systemlösung an, mit der Niederspannungsschaltanlagen einheitlich, strukturiert und sicher realisiert werden können. Mit dem flexiblen und modularen Systembaukasten lassen sich Schaltanlagen in Form 1 sowie Form 2-4 mit modularer Formunterteilung realisieren.

Ein wesentlicher Aspekt bei Niederspannungsanwendungen, der heute mehr und mehr zum Tragen kommt, ist die Sicherheit. Die innere Unterteilung der Niederspannungsverteilersysteme Ri4Power Form 2-4 trägt hierzu wesentlich bei. Dies gilt sowohl bei der Montage und Inbetriebnahme als auch im späteren Betrieb. Die Formunterteilung ermöglicht es zum Beispiel, später gefahrlos Modifikationen an der Schaltanlage durchzuführen.

Im Ri4Power-Systembaukasten kann mit den verschiedenen Sammelschienensystemen von Rittal – Riline60, Maxi-PLS und Flat-PLS – gearbeitet werden. Alle Schienensysteme sind dabei mit den unterschiedlichen Bauformen kombinierbar. Damit eignet sich das Ri4Power-System für unterschiedlichste Anwendungen mit Bemessungsströmen bis zu 5.500 A. Ein weiterer großer Vorteil für Anwender des Ri4Power-Systems liegt in der Typprüfung.

Das System ist gemäß der neuen gültigen Normen DIN EN 61439-1/-2 mit verschiedenen marktüblichen Schaltgeräten von ABB, Eaton Moeller, Mitsubishi, Schneider Electric, Siemens, Terasaki und General Electric typgeprüft. Der Schaltanlagenbauer kann dadurch frei zwischen den Schaltgeräten der verschiedenen Hersteller wählen.

Der Rittal Geschäftsbereich Stromverteilung hat sich über die Jahre hinweg kontinuierlich sehr positiv entwickelt. War im Katalog 1983 das Thema Sammelschienensysteme gerade mal auf acht Seiten vertreten, so sind es im aktuellen Handbuch weit über tausend Artikel.

Die über 250 Patente, die von Rittal in dem Zeitraum bei Stromverteilungstechnik angemeldet wurden, demonstrieren eindrucksvoll die Innovationskraft des Unternehmens. Viele der Patente beziehen sich auf Lösungen bei der Kontaktierungstechnik. Gerade hier konnte Rittal seinen Kunden immer wieder die Arbeit erleichtern. Auch in der Normierungsarbeit hat sich Rittal stets eingebracht.

Die Komplexität bei Stromverteilungssystemen hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. „Das führt dazu“, kommentiert Hans Wagener die Entwicklung, „dass wir als Unternehmen auch eine immer höhere Beratungsleistung erbringen müssen.“ Die Software Power Engineering, die der Hersteller seinen Kunden anbietet, unterstützt den Kunden bei der Auswahl und Projektierung der passenden Lösung.

Heute ist das Unternehmen in allen Bereichen mit seinen Lösungen zur Stromverteilung vertreten. Die Anwendungen reichen von Infrastrukturlösungen für Gebäude und ganze Liegenschaften über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zu Anlagen für die dezentrale Energieerzeugung. Gerade bei den erneuerbaren Energien ist das Unternehmen in Anlagen der Wasser- und Windkraft sowie der Photovoltaik sehr gut vertreten.

„In den nächsten zehn Jahren wird sich der Markt massiv weiterentwickeln“, ist sich Wagener sicher: „Dezentralisierung der Energieversorgung, Smart Grids, Energieeffizienz und Energiespeicherung sind nur einige der Trends, die in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle in diesem Bereich spielen werden.“

Rittal arbeitet bereits an Lösungen für diese zukünftigen Anforderungen. Ziel des Unternehmens ist dabei stets, seinen Kunden in einem Baukastensystem die Lösungen zur Verfügung zu stellen, mit denen diese ihre Anwendungen optimal und effizient realisieren können.


www.rittal.de



HINTERGRUND

1961 begann Rittal mit der Serienfertigung von vier einfachen Gehäusetypen und revolutionierte damit den Schaltschrankbau. Heute, 50 Jahre später, kann das Familienunternehmen mit 10.000 Mitarbeitern auf eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurückblicken.

1.500 Patente weltweit sprechen für die hohe Innovationskultur. Das Jubiläumsjahr gibt Anlass zu einem Rückblick und zu neuen Produktentwicklungen.

Ausgabe:
g+h 02/2011
Unternehmen:
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1 Unternehmens-Katalog:

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