29. SEPTEMBER 2016

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Idencom - Jeder Finger ist ein Unikat. So gesehen hat jeder Mensch zehn kostenlose Schlüssel an den Händen. Wird der mechanische Schlüssel bald überflüssig? Wie ist der Stand der Technik bei biometrischen Schließanlagen? Wir sprachen mit Geschäftsführer Qiu-Ping Zeng.
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Herr Zeng, bei Fingerprinterkennung denken viele vor allem an Hochsicherheitsbereiche in Wissenschaft und Forschung. Klischee oder Realität?
Ja und nein. Wir haben jüngst ein System für den Cargobereich am Flughafen in Frankfurt am Main geliefert. Aber es gibt auch einen Trend, Anwaltskanzleien oder Arztpraxen mit unserem System auszustatten. Auch im gehobenen Privatbereich werden Fingerprint-Anlagen eingesetzt, um die Haustür zu sichern.

Wodurch unterscheiden sich die klassischen Bereiche und diese Einsatzgebiete?
Die Entscheidungsprozesse sind im Objektbereich zum Teil sehr, sehr lang; bei kleineren Gewerbeobjekten und Privatkunden geht es deutlich schneller.

Vor allem in großen Büro- und Gewerbegebäuden werden heute in der Regel Türschließanlagen mit Transponderkarten installiert. Welche Vorteile hätte es, stattdessen Fingerprinttechnik einzusetzen?
Das biometrische System ist als einziges System auf dem Markt personenbezogen. Schlüssel- oder Transponderanlagen sind medienbezogen. Mit einem Biometriesystem wie unserem Biokey ist die Person eindeutig identifizierbar durch den individuellen Fingerabdruck. Man hat den Schlüssel wortwörtlich in der Hand.

Dadurch gehören Probleme wie Schlüsselvergessen oder Weitergabe der Vergangenheit an. Zentral ist die Eindeutigkeit: Man kann definitiv nachvollziehen, ob sich jemand zu einer bestimmten Zeit an einem Ort aufhalten hat. Eine Transponderkarte kann theoretisch auch von einem unberechtigten Dritten verwendet werden. Bei unserem System ist das ausgeschlossen. Wenn zum Beispiel bei einer Inventur Unregelmäßigkeiten in den Warenbeständen festgestellt werden, können sie mit unserem System eindeutig nachvollziehen, wer zu einer bestimmten Zeit Zugang zu dem fraglichen Lager hatte.

Das setzt aber voraus, dass das System einwandfrei funktioniert. Wie ist das gewährleistet?
In diesem Punkt ist Idencom ein, in der Branche aufmerksam verfolgter, entscheidender Durchbruch gelungen. Dadurch hat sich das Geschäftsmodell komplett verändert. Der Schlüssel liegt tatsächlich in der Hand. Das System liest und speichert nicht den kompletten Fingerabdruck, sondern nur ein paar typische Merkmale. Wir speichern jetzt bis zu 50 sogenannte Minutienpunkte und grenzen uns vom Wettbewerb damit massiv ab. Um einen Fingerabdruck eindeutig zu identifizieren, braucht das System circa zehn bis zwölf Minutienpunkte.

Das heißt, es gibt einen Toleranzbereich von rund 80 Prozent. Dadurch können Fingerabdrücke auch dann erfasst beziehungsweise identifiziert werden, wenn sich Staub, Dreck oder Öl an den Fingerkuppen befindet. Eine Besonderheit von Biokey und den von uns genutzten Zeilensensoren ist, dass der Finger selbst auf dem Lesegerät nicht aufgelegt, sondern durchgezogen werden muss.

Welchen Vorteil hat das?
Das erhöht die Sicherheit, denn dadurch hinterlässt der Finger keine Spuren auf dem optischen Fingerabdruck-Scanner. In den Medien war kritisiert worden, man könne die Fingerabdruckspuren kopieren und sich damit Zutritt verschaffen. Bei unserem System ist das ausgeschlossen. Es kann nicht manipuliert werden.

Sie bieten unterschiedliche Modelle für Gewerbeobjekte und den Privatbereich an. Worin unterscheiden die sich?
Insgesamt gibt es zwei Modelle. Die Standardversion besteht aus einem Lesegerät und einer externen Steuer- und Kontrolleinheit. Die Kommunikation zwischen den Geräten ist verschlüsselt, damit keine Unbefugten Zugriff auf die Daten haben. Das Angebot ist vor allem für kleinere Anwendungen gedacht im Privatbereich oder in Kanzleien.

Das zweite Modell ist TCP/IP-Funkgesteuert und wird per PC konfiguriert. Die Fingermerkmale werden zentral erfasst und entsprechend mit den jeweiligen Lesegeräten verknüpft.
Danach arbeiten die Terminals autark, das heißt, der PC ist für den alltäglichen Betrieb nicht erforderlich. Sondern nur zeitweilig, um Zugangsberechtigungen neu zu definieren oder neue Mitarbeiter beziehungsweise deren Fingermerkmale zu erfassen.

In den meisten Gewerbeobjekten steuern Bussysteme die Haustechnik. Ist Biokey KNX-fähig?
Daran arbeiten wir gerade. Das Protokoll muss entsprechend erweitert werden. Bislang verwenden wir TCP/IP oder serielle RS485-Netzwerkschnittstellen. Ich gehe davon aus, dass die KNX-fähige Biokey-Version bis Ende des Jahres auf dem Markt sein wird.

Stichwort Datensicherheit. Wie sind die Daten gegen Angriffe von außen oder innen gesichert?
Das ist ein zentrales Thema bei der Biometrie, ich werde häufig danach gefragt. Biokey speichert keinen Fingerabdruck, sondern nur die sogenannte Minutienpunkte. Die werden am Ende Bitbyte-codiert und ergeben ein Bitbyte-Muster.

Im Prinzip funktionieren so auch die Transpondersysteme mit Kartenlesegeräten. Allerdings ist das Bitbyte-Muster von Biokey neutral und zugleich viel länger und umfangreicher als bei Karten-Systemen. Dadurch kann es nicht illegal rekonstruiert oder kopiert werden.

Wie ist der Vertrieb organisiert?
Wir arbeiten mit dem üblichen, dreistufigen Vertriebsmodell. Es bestehen Kontakte zu 80 Prozent der Großhändler in Deutschland. Unternehmen wie Hagemeyer, Gautzsch, Gienger und viele mehr führen unsere Produkte lagermäßig.

Andere Grossisten bestellen die Produkte auf Kundenwunsch.
Zudem sind wir bundesweit mit Handelsvertretern präsent. In Kooperation mit dem Großhandel organisieren diese Repräsentanten auch Schulungen für Handwerker vor Ort. Organisiert und abgewickelt wird der Vertrieb hier in Berlin. Wir sind bemüht, Bestellungen mit einer Lieferzeit von 14 Tagen abzuwickeln.

Sie stammen aus China, aber Biokey wird in Deutschland gefertigt. Wie kam es dazu? In der Regel ist es umgekehrt: Deutsche lassen in China fertigen.
Ich werde oft darauf angesprochen. Die Produkte sind made in Germany, weil es gar nicht anders geht. Unsere Systeme bestehen aus einer Basistechnologie, die an die lokalen Standards vor Ort angepasst werden muss. Zum Beispiel an das übliche Einbaumaß für Unterputzmontage. Das Geschäft besteht vor allem aus objektbezogenen Aufträgen, die kurzfristig umgesetzt werden müssen. Dafür kann man keine Produkte von der Stange nehmen; sondern das Produkt muss individuell gestaltet werden.

Das können sie nicht von China aus machen. Zur Unternehmensgeschichte: Ich habe Idencom vor zwölf Jahren in Zürich gegründet, aber in der Schweiz waren kaum Fachkräfte und Ingenieure für diese Technologie zu bekommen. Hier in Berlin ist es einfacher, darum sind wir vor zehn Jahren hierher umgezogen. Wir haben an diesem Standort ein gutes Umfeld mit kurzen Wegen zur TU Berlin und zum Fraunhofer-Institut.

Wie laufen die Geschäfte?
Wir gewinnen fast täglich, national und international, neue Kunden, mit stark steigender Tendenz. Viele Banken rüsten ihre Filialen peu à peu mit unserer Biokey-Technik aus. Das belegt, wie zuverlässig unsere Technik inzwischen ist. Andernfalls würden die Banken nicht auf diese Technik umstellen. Bei vielen biometrischen Systemen passiert es nach wie vor, das der eine oder andere Mitarbeiter nicht erkannt wird, bei Biokey passiert das eben nicht das ist unser Erfolgsrezept.

Durch die Weiterentwicklung der Technik beträgt die Verlässlichkeit nun nahezu 100 Prozent. Sozusagen ein Quantensprung. Aus diesem Grund haben wir auch den Auftrag am Frankfurter Flughafen erhalten. Besonders im Cargobereich muss das System robust funktionieren; dort haben die Mitarbeiter oft schmutzige Finger. Solche Referenzprojekte lösen dann auch immer mehr Folgeaufträge aus.


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g+h Sonderheft Sicherheitstechnik 01/2012
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