13. DEZEMBER 2017

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Neues Licht in alten Leuchten


Innentitel

Technologiewechsel. - Immer mehr Bestandsanlagen werden auf LED umgerüstet. Die Industrie bietet dafür jede Menge Retrofit-Produkte an. Aber damit sich der Umbau auch lohnt, sollten Fachhandwerker bestimmte Kriterien beachten.
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Die LED ist ein Alleskönner: So wirbt die Industrie sinngemäß für die neue Technologie. Inzwischen gibt es vermutlich im gesamten Bundesgebiet nur noch vereinzelt Fachbetriebe, die noch keine LED-Technik installiert haben; sei es beim Kunden, sei es im eigenen Büro oder Lager. Die Mehrheit setzt längst auf die Leuchtdiode, denn die Erfahrung zeigt: Die LED ist in der Tat ein Alleskönner und hält, was die Hersteller versprechen. Sie liefert nicht nur in den meisten Fällen eine bessere Lichtausbeute im Vergleich zu konventionellen Glüh- oder Entladungslampen. Sie braucht auch deutlich weniger Strom und ist weitaus langlebiger als die konventionellen Lösungen.

Aber jede Technik hat Stärken und Schwächen. Das gilt auch für die LED. Die Leuchtdiode hat viele Vorteile; aber ein Wunderding ist sie nicht. Mit anderen Worten: Auch für die LED gilt die alte Regel: Immer erst prüfen, ob die Technik wirklich für den geplanten Einsatz optimal geeignet ist. Das gilt vor allem in den Fällen, wenn umfangreiche Arbeiten geplant sind wie zum Beispiel die Umrüstung der kompletten Beleuchtung mit hundert und mehr Lichtpunkten in Bürogebäuden. Fachbetriebe sind in der Pflicht, ihre Auftraggeber sachgerecht zu beraten. Dazu gehört auch der Hinweis, dass die LED-Technik nicht per se besser ist. Sondern dass es auf den Einzelfall ankommt, ob und in welchem Umfang die Leuchtdiode ihre Stärken ausspielt und die bis dato in der Anlage installierten Leuchtmittel ausgetauscht werden sollten.

Mit anderen Worten: Es kommt darauf an zu differenzieren. „Zunächst ist immer zu fragen, wo und wie die LED zum Einsatz kommen soll“, sagt Jürgen Spitz vom Deutschen Institut für angewandte Lichttechnik (Dial) in Lüdenscheid. „Nehmen wir das Beispiel Hallenlichtband mit Leuchtstofflampen. Die meisten Retrofitprodukte strahlen halbräumlich ab. Das heißt, wenn in dem Lichtband zuvor keine Reflektoren montiert waren, habe ich im Vergleich zur Bestandsanlage schon 50 Prozent gewonnen, weil die alten Leuchtstofflampen freistrahlend installiert waren.“ Sind bereits Reflektoren installiert, entfällt dieser Effekt“, so Spitz. In der Summe ist dann unter Umständen nichts gewonnen, wenn die Anlage auf LED-Technik umgestellt wird.

Aufgrund der technisch bedingten Eigenwärme einer LED im Betrieb eignen sich die Leuchtmittel per se für Beleuchtungsanlagen in Kühl- oder Gefrierhäusern und anderen Anwendungen mit dauerhaft niedrigen Umgebungstemperaturen. Am anderen Ende der Temperaturskala bewegen sich unter anderem Schmelzwerke der Eisen- und Stahlindustrie sowie Glashersteller: Hier herrschen über das Jahr überdurchschnittlich hohe Temperaturen in den Fabrikhallen.

Im Hochsommer sind an den Hallendecken Temperaturen von 50 Grad Celsius und mehr die Regel. In solchen Fällen seien LED-Lösungen aufgrund der Eigenwärme und der Umgebungstemperaturen in der Regel nicht geeignet, so Spitz, um die Lichtanlage langfristig sicher und wartungsarm zu betreiben. Wichtig für die Frage, ob sich die Umrüstung lohnt, ist auch die voraussichtliche Nutzung der Lichtanlage pro Tag. In einem Gebäude mit Dreischicht-Betrieb rentiert sich die Investition schneller als etwa bei Einschichtbetrieb.

Bei Umrüstungen in Bürogebäuden hängt die Amortisationszeit auch davon ab, ob zeitgleich mit der Erneuerung der Leuchtmittel auch bauliche Veränderungen vorgenommen werden; so zum Beispiel dann, wenn in dem Gebäude nachträglich bodentiefe Fenster eingebaut werden, die mehr Tageslicht in den Innenraum leiten als zuvor.

Laut Jürgen Spitz sieht das Standard-Nutzungsprofil der DIN V 18599 vor, dass Lichtanlagen in Bürogebäuden eine durchschnittliche Betriebsdauer von 2543 Stunden per anno erreichen. „In modernen Gebäuden wird das immer weniger der Fall sein, unter anderem dadurch, dass tendenziell in modernen Bürogebäuden mehr Tageslicht in den umbauten Raum gelangt als früher“, sagt der Innenarchitekt. Im Punkt Effizienz sind Leuchtdioden eh nicht mehr zu schlagen.

Das ergaben Messungen im Dial-Labor, sagt Spitz. Zieht man technische Verluste ab, die durch das EVG oder die leuchtenraster entstehen können, kommen die besten Leuchten mit Leuchtstofflampen nach seinen Angaben auf eine Leuchtenlichtausbeute von 85 Lumen je Watt. LEDs erreichen laut Spitz Leuchtenlichtausbeuten bis zu 130 Lumen je Watt. Das heißt, Leuchtdioden liefern im direkten Vergleich eine um die Hälfte bessere Leistung als konventionelle Entladungslampen. Retrofit-Produkte sind nach Ansicht von Experten eine Übergangslösung, eine Brückentechnologie, die nach einigen Jahren wieder vom Markt verschwindet. Voraussichtlich fünf bis zehn Jahre werden die Produkte zu haben sein, schätzt Jürgen Spitz.

Dann sind LEDs so preiswert herzustellen, dass alle Hersteller ab Werk Leuchten mit LED-Technik ausrüsten werden. Besonders die global agierenden Leuchtmittelhersteller haben in den zurückliegenden Jahren die Produktentwicklung vorangetrieben und eine steile Lernkurve absolviert.

Dieses Know-how ist auch in die Produktion der Retrofit-Lösungen eingeflossen. Resultat: Die Retrofit-Produkte sind heute technisch ausgereift, Kinderkrankheiten sind passé, so Spitz: „Die Qualität hat sich in den zurückliegenden fünf bis acht Jahren deutlich verbessert.“ Siehe die Bauformen: Die Produkte sind heute besser zu handhaben als früher; bei AGL-Retrofits sind heute laut Spitz die angegebene und die tatsächliche Farbtemperatur identisch. Das sei früher nicht immer der Fall gewesen. Auch die Farbwiedergabe beziehungsweise Rotfarbwiedergabe (R9) der Produkte sei heute deutlich besser als früher.

Bei LED-Lösungen für Niedervolthalogen-Downlights mit Sockel GU 5,3 und ähnlich sei die Lichtverteilung heute tadellos. Früher habe man bei den Produkten teilweise Flecken und rosafarbene Ränder im Lichtkegel festgestellt. Heute ist das kein Thema mehr, sagt der Innenarchitekt.
Die g+h-Redaktion hat im folgenden eine Auswahl der jüngsten Neuheiten im Bereich LED-Retrofit zusammengestellt.


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Ausgabe:
g+h 01/2014
Bilder:
Rainer Sturm/pixelio.de, Philips, R.B./
Trilux, Osram, Ludotron, Philips, Sylvania, Gnubier/
gnubier / pixelio.de

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