13. DEZEMBER 2017

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"Made in Germany"


G&H im Gespräch mit Sommer Cable

Das Unternehmen Sommer Cable ist in nur drei Jahren zu einem der führenden Betriebe der Pro Audio Branche und Medientechnik avanciert. G&H sprach mit dem Sommer Cable Vertriebsleiter, Pascal Miguet, um dem Erfolg auf die Spur zu kommen.

G&H: Worauf basiert das rasche Wachstum Ihres Unternehmens?
Pascal Miguet: Sommer Cable arbeitet 100% seriös und macht keinen Hochdruckverkauf nach amerikanischem Vorbild. Denn es macht heutzutage keinen Sinn, dem Kunden das Lager zu füllen, wenn diesem nachweislich die Absatzmärkte fehlen. Man muß berücksichtigen, daß die Lagerhaltung von Leitungen sehr teuer und das Handling sehr aufwendig ist. Eine Kaufentscheidung wird also sicher nicht aus einer Laune heraus getroffen, sondern nur bei Bedarf. Darauf reagieren wir: Wir liefern, wenn der Kunde das Kabel benötigt. Dann aber prompt.

Und wir beschränken uns nicht nur auf den technischen Support, sondern wir helfen dem Kunden durch die ständige Zusammenarbeit mit Planungsbüros, unsere Produkte zu plazieren und schaffen Verbindungen von unserem Kunden zu dessen Anwendern.

Wir sorgen auch für einen Informationsfluß zwischen den Kunden. Der Kreis der Kunden ist also wie eine große Familie, in der Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden. Das schafft nicht nur bessere Absatzmöglichkeiten, sondern auch eine gute Atmosphäre auf dem Markt und verhindert so Preisdumping und eine Sättigung des Marktes. Unsere Kunden im Zwischenverkauf arbeiten ohne Druck und so wird der marktwirtschaftliche Grundsatz „Ertrag geht vor Wachstum“ auf anschauliche Art und Weise vermittelt.

G&H: Könnten Sie uns kurz Ihre Firmenphilosophie beschreiben?
Pascal Miguet: Ursprünglich haben wir als Produzent von Sonderleitungen für den Broadcast-Bereich und die Medientechnik begonnen, haben aber dann sehr schnell bemerkt, daß viele Anwender es leid waren, sich um das Zubehör wie Steckverbinder, Schrumpfschläuche oder Kabelabspulgeräte zu bemühen. Die Beschaffung und die zahlreichen Tests auf diesem Gebiet kosten einfach viel Mühe und - aufgrund mangelnder Kompatibilität vieler Kabel/Stecksysteme - auch viel Zeit und Geld.

Deshalb legen wir sehr viel Wert darauf, all diese unscheinbaren Zubehörteile ab Lager zu führen. Man darf also zwischenzeitlich bei uns von einem Vollsortiment sprechen.

G&H: Wie werden Sommer Cable entwickelt?
Pascal Miguet: Unsere Produkte werden mit unseren Kunden entwickelt. Außer dem Know How unserer eigenen technischen Abteilung besitzen wir Kontakte zu Personen mit hervorragenden technischen Fähigkeiten, die bei marktführenden Rundfunkanstalten, Installationsunternehmen und in der ELA Technik beschäftigt sind.

Diesen überlassen wir für Feldversuche Musterschüsse, welche nach einem längeren Einsatz wiederum analysiert und bei Bedarf verbessert werden. Das bedeutet, daß fast jedes Sommer Cable schon Monate, manchmal auch Jahre vor seiner Markteinführung getestet wurde, was wiederum unliebsame Überraschungen beim Anwender vermeidet.

G&H: Im Internet kann man unter der Fanmail sehr sympathische Einträge Ihrer Kunden bewundern. Woher rührt der große Sympathiewert Ihres Unternehmens?
Pascal Miguet: Beruhigend ist ja, daß man Sympathie nicht kaufen kann. Eine moderne Unternehmensstrategie und Philosophie schafft eine enthusiastische Unterstützung unserer Mitarbeiter.

Unseren Mitarbeitern geht es gut, denn zufriedene Mitarbeiter sind stets zuvorkommend und höflich. Und das spürt auch der Kunde, der bei uns anruft und sich von unseren Kollegen beraten läßt.

G&H: In der Musikindustrie waren ja sehr lange die asiatischen Produzenten führend. Fürchten Sie die asiatische Konkurrenz?
Pascal Miguet: Nicht wirklich. Denn wichtig ist eine schnelle und unproblematische Zulieferung, weshalb unser Unternehmen fast 96% des gesamten Katalogprogramms ab Lager führt. Der zuständige Techniker auf der Baustelle wird heutzutage nicht die Geduld aufbringen, auf eine Lieferung aus Asien oder den USA zu warten, welche im Schnitt 4 - 6 Wochen dauert.

Asiatische Produzenten orientieren sich zumeist am mengenmäßig scheinbar lukrativeren U.S.-Markt, der ganz andere Anforderungen stellt und Normen vorschreibt, für die in Europa teilweise noch nicht einmal Steckverbinder erhältlich sind. Wir versuchen Kabel zu produzieren, bei denen es nicht zu schwer sein sollte, auch auf der Baustelle vor Ort die dementsprechenden Stecksysteme zu erhalten.

Ein anderes Problem für asiatische Produzenten ist sicher das Handling. Leitungen sind sehr sperrig und sehr schwer, was das Produkt letztendlich erheblich verteuert. Die Preisunterschiede zu europäischen Marken sind dann minimal und kein versierter Kaufmann sieht mehr ein, eine Vorkasse zu leisten, um vielleicht eine fragwürdige Qualität - und im schlimmsten Fall - eine Palette Sand geliefert zu bekommen.

Unsere Vorteile liegen darin, Spezialkabel nach Kundenanforderung, zum Beispiel mit eigenem Firmenlogo oder mit speziellen technischen Anforderungen zu produzieren. Selbst kleine Mengen von gerade mal 1000 Metern sind im Normalfall kein Problem für uns. Auf solche Kundenwünsche kann kein asiatischer Produzent reagieren.

G&H: Ist es da nicht merkwürdig, daß Ihr Unternehmen gerade auf dem asiatischen Markt besonders erfolgreich ist?
Pascal Miguet: Das ist wahr, das hat uns anfangs auch ziemlich irritiert. Doch zwischenzeitlich kennen wir einige Gründe, die dafür sprechen. Bisher wurden in vielen asiatischen Ländern aufgrund der niedrigen Lohnkosten Leitungen per Hand gespult und weiterverarbeitet. Durch den wachsenden Lebensstandard steigen auch in Asien die Lohnkosten, weshalb man in vielen Unternehmen auf eine Weiterverarbeitung mit Automaten umgestellt hat. Nun weiß man, daß man nur runde bzw. qualitativ hochwertige Leitungen auf Automaten cutten und abisolieren kann, da ansonsten die Maschine ständig überwacht und kalibriert werden muß, damit nicht zu viel Ausschuß produziert wird.

Scheinbar ist man - aus welchem Grund auch immer - in Asien noch nicht soweit, die benötigte Qualität herstellen zu können. Dort zählt offensichtlich noch immer Masse statt Klasse.

G&H: Können Sie Leitungen in halogenfreier und flammwidriger Ausführung produzieren?
Pascal Miguet: Nicht nur das, sondern fast alle Produkte welche wir in unserem Katalog aufführen, sind auch in FRNC in der höchsten Prüfklasse C ab Lager lieferbar. Wir sind noch einen Schritt weitergegangen und haben spezielle, kerbfeste und hochflexible Spezialmischungen, wie S-PVC, PUR Master Blend und PUR entwickelt.

G&H: Sie bieten in Ihrem Programm ein großes Sortiment an konfektionierten Kabeln an. Verarbeiten Sie diese selbst?
Pascal Miguet: Oh ja, ausschließlich. Wir beschäftigen eine Reihe sehr qualifizierter Mitarbeiter, die aufwendige Verteiler-Systeme „Just in Time“ produzieren. Konfektionierte Kabel werden auf speziellen Automaten mehrstufig abgelängt, geschnitten, isoliert, in Ringe gewickelt und anschließend von unseren Mitarbeitern im Hause gelötet und 100%ig geprüft.

G&H: Und die Produktion „Made in Germany“ lohnt sich tatsächlich?
Pascal Miguet: Wir denken, es ist aus qualitativer Sichtweise lohnenswerter und auch günstiger statt Tonnen von Kupfer und Steckverbindern quer durch Europa oder fernöstliche Länder zu transportieren. Auch hier stoßen Sie wieder auf das gleiche Problem: Was tun, wenn der Lieferant 2000 Stück falsch gelötete Kabel anliefert? Zurück senden und wieder fünf Wochen auf die nächste Charge warten? Das würde uns kein Kunde verzeihen.

G&H: Welchen Leitungstypen gehören nach Ihrem Ermessen die Zukunft?
Pascal Miguet: Wir glauben, daß man auf der Basis der Netzwerkleitungen CAT.5, 6 und 7 sehr viele neue Produkte entwickeln wird. Während bisher bei Netzwerkleitungen der niedrige Preis sehr wichtig war und man kaum Wert auf Flexibilität oder Kerbfestigkeit gelegt hat, erhalten wir immer mehr Anfragen nach trommelbaren CAT Kabeln für mobile Einsatzzwecke oder für die Außenanwendung. Aus diesem Grund haben wir auch die Serie Mercator entwickelt, ein CAT.5e Kabel für Patchlängen von bis zu 30 Metern mit einem extrem robusten halogenfreien und kälteresistenten PUR Mantel.

Sehr viel Spaß macht auch die Entwicklung und Produktion von den unzähligen Hybridkabel welche mit Video-, Audio-, RS232-, Netz- und Steuerleitungen bestückt wurden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind da nahezu unbegrenzt und unsere Kunden überraschen uns jeden Tag mit neuen Ideen, worüber wir übrigens sehr glücklich sind.

G&H: Herr Miguet,wir bedanken uns für das Gespräch

Ausgabe:
g+h 07/08/2003
Unternehmen:
Bilder:

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