SEPTEMBER
09.2010


 

Harmonie in der Beleuchtung


Mobile Life Campus Die Aufgabe für die Beleuchtung der Auto-Uni in der Stadt Wolfsburg ist geprägt von den Zielformulierungen für das Gebäude: eine Corporate University, die diesen Begriff neu zu definieren sucht.

Eine Plattform für Innovationen ist der Mobile Life Campus, den die Wolfsburg AG als Public Private Partnership der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG gebaut hat. Hauptmieter in diesem hochmodernen, von dem Münchener Büro Henn Architekten entworfenen Gebäudekomplex ist neben dem Bereich Informationstechnologie von Volkswagen die 2002 gegründete „Auto-Uni“ der Volkswagen Aktiengesellschaft.
Sie nutzt das neue Gebäude als Ort für innovative Projekte in Lehre und Forschung, damit der Autokonzern – mit anwendungsbezogenem wissenschaftlich angereicherten Wissen auf höchstem Niveau ausgestattet – die Herausforderungen der globalen Märkte und der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert erfolgreich meistern kann. Als architektonischen Grundgedanken wählte Architekt Gunter Henn eine gefaltete Bandstruktur.
Das doppelt gefaltete fünfgeschossige Band, das diagonal die Richtung wechselt, verbindet Räume und Höfe und ordnet sie in einer erlebbaren Logik ein. Die diagonal verschränkten, transparenten Strukturen auf 25.000 m² Grundfläche bieten zahlreiche Kommunikationsflächen, Terrassen sowie Eventflächen im Innen- und Außenbereich. Vor allem das großzügige, von Licht durchflutete, mit Glas überdeckte Atrium, das sich über vier Geschosse erstreckt und zu dem alle Wege führen, charakterisiert die Architektur des Campus. Die Aufgabe für die Beleuchtung der Auto-Uni ist geprägt von den Zielformulierungen für das Gebäude: eine Corporate University, die diesen Begriff neu zu definieren sucht. Ein Ort, der die Wissensvermittlung und die Suche nach neuen Erkenntnissen zwischen wissenschaftlichem Forschen und unternehmerischen Fragestellungen verbindet.
Dieser Ansatz für eine Universität ist neu und so neu sollte das Gebäude in seiner Interpretation dieses geistigen Inhaltes sein. Für das Licht spielt damit die andersartige Perspektive auf das Haus eine wichtige Rolle. Ein unverwechselbarer Ort sollte geschaffen werden, der auch durch das Licht „scharfgestellt“ wird und klar identifizierbar sein soll. Das Licht soll Ordnungen schaffen und zu einer effektiven Wahrnehmung beitragen.
Das Tageslicht wurde als grundlegender Faktor für den Lichtentwurf angesehen. Für die Lichtplaner von Kardorff Ingenieure, Berlin, hatte die Nutzung der kostenfreien Ressource für die Belichtung der Arbeits- und Denkbereiche sowie zum Erreichen einer besonderen Lichtatmosphäre in den großen Raumzusammenhängen und insbesondere im Atrium oberste Priorität. In dem Gebäude wurde für jede Ebene der Tageslichtquotient ermittelt. Es ist der Anteil der horizontalen Beleuchtungsstärke im Gebäude im Verhältnis zur horizontalen Beleuchtungsstärke im unverbauten Außenraum. Er wird bei bedecktem Himmel gemessen bzw. simuliert.
Auf einer Büro-Arbeitsfläche sollte er mindestens 2% aufweisen. Die Auswertung der Tageslichtquotienten zeigte generell eine gute Verteilung des Tageslichts im Gebäude. Zusätzlich wurde die Tageslichtautonomie für die Arbeitsplätze untersucht. Es wurde berechnet, wie viel Prozent der Nutzungszeit über das Jahr der Arbeitsplatz „autonom“, also ohne Kunstlicht ausschließlich durch Tageslicht beleuchtet werden kann.
Die Nutzung des Tageslichts konnte durch entsprechende Anordnung, Zonierung und Gruppenbildung von Leuchten und die damit verbundene Schaltung optimiert werden. Aus der Untersuchung der Tageslichtautonomie ging hervor, dass durch die getrennte Schaltung der Leuchtenreihen in den Bürotrakten bis zu ca. 40% Strom eingespart werden kann. Grundvoraussetzung für einen solchen Einsparungseffekt ist dabei auch die Leuchtenanordnung parallel zur Fensterachse.

Die gewählte Leuchte für die Allgemeinbeleuchtung der Arbeitsbereiche und Flure, Peanut von Regiolux, versucht sich einer tradierten Typologie zu entziehen. Der Grundkörper als Kunststoff-Chassis, zusammengefügt aus zwei transparenten Halbschalen, erinnert an Karosseriebau und industrielle Fertigung. Damit ist diese Leuchte weit entfernt von klassischen Bildern einer Büroleuchte. Das geschlossene Gehäuse mit einer staub- und wasserdichten Schutzart (IP 55) macht das Innere des Gehäuses unanfällig gegen Schmutz und Feuchtigkeit. Das Gehäuse ist schlagfest, so¬dass auch eine große Dauerhaftigkeit der Leuchte für jahrelangen Betrieb gewährleistet ist und durch eine leichte Reinigung der anfängliche Eindruck über viele Jahre erhalten bleibt. Durch die Ergänzung der Leuchte mit unterschiedlichen Lampenbestückungen und der Einfügung eines Ausblendrasters in den Arbeitsbereichen wird eine hohe Flexibilität erreicht. So ist eine bildschirmgerechte Beleuchtung ebenso möglich wie eine sehr breite und diffuse Strahlung für Flure oder Nebenräume. Den ersten Eindruck des Hauses nach dem Betreten prägt das zentrale, glasüberdeckte Atrium. Seine Unverwechselbarkeit verdankt es den frei in den Luftraum ragenden, stirnseitig verglasten Seminarräumen, die den Blick nach oben strukturieren.
Zusätzliche Dynamik erhält das Atrium durch das einfallende, intensive Tageslicht, das – je nach Sonnenstand und Jahreszeit – auf die Brüstungen trifft und alle Ebenen erreicht. Diesem sich sehr verändernden Licht wurde ein Kunstlicht zur Seite gestellt, das die komplexe Architektur akzentuiert.

Das Licht in der Nacht kommt aus den Fugen der Seminarboxen, die ebenfalls mit Peanut-Leuchten ausgestattet sind. Es entsteht der Eindruck, dass die Seminarboxen das Licht zur Inszenierung des Atriums liefern. Durch den eingelassenen Schlitz sind die Leuchten mit den Boxen verwoben und nicht appliziert. Die Lage des Lichts entspricht damit der Grundstruktur der Architektur.
In den ins Atrium „eingeschobenen“ Seminarräumen verläuft die Ausrichtung der Leuchten vertikal zur Hauptausrichtung. Dadurch wird ihre gestalterische Sonderstellung betont. Eine Beleuchtung der Wandflächen wird mithilfe spezieller Lichttechnik in den Peanut-Varianten erreicht. Der vordere verglaste Bereich wird mit Halogenstrahlern beleuchtet.

Das Licht im großen Vortragssaal ergänzt die Unverwechselbarkeit des Raumes und spielt mit der Typologie der Industriewelt. Vier durchgehende Bänder akzentuieren den Durchlauf des Außenbereichs bis in das Atrium hinein. Das Motiv für das Band entwickelt sich aus Strichcodes mit Hell-Dunkel-Streifen, die ihre Information aus den unterschiedlichen Abständen gewinnen. Das Licht in den Bändern wird mit linearen Leuchtstofflampen erzeugt, die ihre Querausblendung durch eine aluminiumbedampfte Ringlamelle erhalten und in Längsrichtung durch die Höhe des Deckenschlitzes entblendet sind.
Basis für diese Sonderleuchte bildet das für industrielle Anwendungen konzipierte Schnellmontagesystem SDT von Regiolux. Zwischen den Bändern ist die Decke mit einem Streckmetall verkleidet. Darüber montiert sind Reflektoren von Hallenspiegelleuchten mit dimmbaren Halogen-Lampen. Der große Lichtkegel bildet sich auf dem Streckmetall als leuchtende Kreisfläche ab und sorgt für brillantes Licht und die richtige Lichtfarbe für Abendveranstaltungen.
Auf eine Fassadenanstrahlung des Gebäudes wurde verzichtet, um den Lichtaustritt durch die transparenten Flächen in den Vordergrund zu stellen und so den Kontrast zwischen Öffnung und Geschlossenheit der Fassade zu stärken und deutlich sichtbar zu machen.
www.regiolux.de

Die Ausführung:
Mobile Life Campus 1. BA
Bauherr: Wolfsburg AG
Nutzer: Auto-Uni und der Bereich Informationstechnologie von Volkswagen, Wolfsburg
Architektur: Henn Architekten
Lichtplanung: Kardorff Ingenieure
Leuchtenhersteller: Regiolux GmbH
Leuchteninstallation: Elektro Polte GmbH

Ausgabe:
g+h 05/2008
Unternehmen:
Bilder:
1 Unternehmens-Video:
  • Sanierung von L..

 

 

 

 

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