14. DEZEMBER 2017

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Sicherheit ist das Herz des Smart Home


Titelgeschichte - Benjamin Pflaum

Abus Security-Center. Nur wenn es gelingt, eine Allianz zwischen Errichter und Anwender herzustellen, wird das Smart Home Realität werden; davon ist Abus-Geschäftsführer Benjamin Pflaum überzeugt. Die g+h-Redaktion sprach mit ihm am Unternehmenssitz in Affing.
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Herr Pflaum, wir führten mit Ihnen vor zwei Jahren unser letztes Interview, welche markanten Veränderungen hat der Markt während dieser Zeit zu verzeichnen gehabt?
Wenn Sie die aktuelle Marktsituation mit jener während unseres letzten Gesprächs vor zwei Jahren vergleichen, muss man ganz klar feststellen, dass wir heute eine deutlich stärkere Nachfrage im Bereich Sicherheitstechnik haben. Insgesamt bewegen wir uns also in einem Wachstumsmarkt, wovon Abus natürlich besonders profitiert. Im Zuge dieses Wachstums hat sich auch unsere Rolle als Hersteller verändert. Wir sind schon seit längerer Zeit nicht mehr nur Produzent, sondern immer mehr auch Berater für den Errichter, den Bauherrn, aber auch für Verbände und die Politik.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Abus aktuell?

Unser Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 3.500 Mitarbeiter, in den vergangen zwei Jahren sind rund 500 neue Mitarbeiter ins Unternehmen eingetreten. Dies spiegelt natürlich auch unser starkes Wachstum wider.

Welche Entwicklung gibt es auf den internationalen Märkten?
Abus war von Beginn an ein international denkendes Unternehmen. Bereits in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es über alle Kontinente hinweg Handelsverbindungen. Heute sind wir weltweit überall vertreten. Sehr erfolgreich entwickelt sich für uns das Geschäft in Middle East. Mit Einführung der IP92-Überwachungskamera-Serie befinden wir uns technisch auf Augenhöhe mit allen namhaften Marktbegleitern und statten damit erfolgreich internationale Großprojekte aus. Dies hat sicherlich maßgeblich zu unserem anhaltenden Erfolg in Middle East beigetragen.
Dort haben wir auch ein intensives Service-Konzept umgesetzt, weil wir in der Marktbearbeitung langfristig denken. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen sehen wir in Middle East weit mehr als einen Absatzmarkt. Diese Strategie werden wir auch auf der kommenden Security präsentieren.

Wo sehen Sie eigentlich für Abus aktuell die größten Wachstumspotenziale?
Außerhalb Europas gewinnen wir immer mehr Marktanteile im Bereich der IP-Videoüberwachung. In Europa generiert sich unser Wachstum noch vor allem aus dem Alarm-Sektor, wobei auch hier der Videobereich immer mehr nachgefragt wird. Während im privaten Wohnungsbau früher eher die Standardalarmanlage installiert wurde, gehören heute Videokameras fast schon zur Basisausstattung. Waren dies am Anfang einfache Kamerasysteme, setzt sich jetzt hochwertige Videotechnik in allen Bereichen durch. Das bewegte Bild genießt beim Nutzer einen viel höheren Stellenwert als lediglich Aktoren, Sensoren usw.

Gibt es über die Videotechnik hinaus weitere technische Entwicklungen, auf die Sie sich fokussieren?
Ganz klar, nach der Videotechnik möchten wir selbstverständlich auch den nächsten Evolutionsstand der Sicherheitstechnik abbilden. Dabei geht es um vernetzte Systeme, die mit unserer Plattformstrategie in Einklang stehen. Ich bin zwar kein sehr großer Fan des Smart-Home-Begriffs, weil er im Grunde nur eine Leitidee darstellt. Dahinter verbirgt sich in Wahrheit ein Mehrwert durch Vernetzung unterschiedlicher Technologien – zum Beispiel die Verbindung von Alarmanlage, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle. Diese Entwicklung optimiert die Investitionsbereitschaft, denn Sicherheit ist das Herz des Smart Home.

Wie schaut der Ausstattungsgrad mit Sicherheitstechnik in Deutschland aus?
Wenn Sie sich die privaten Haushalte anschauen, werden Sie feststellen, dass diese unterdurchschnittlich abgesichert sind. Laut aktuellen Erhebungen sind deutlich unter 10 Prozent der privaten Haushalte mit professioneller Sicherheitstechnik ausgestattet. Und nach wie vor haben wir es mit der Situation zu tun, dass bei der Erstausstattung die Sicherheitstechnik meist gar nicht berücksichtigt wird. Wir sind sehr stark im Nachrüstgeschäft.

Und in diesem Markt möchten Sie sich jetzt noch stärker positionieren?
Absolut, denn eine Chance für alle Gewerke, die sich mit dem Smart Home beschäftigen, liegt natürlich darin, dass der Gedanke vernetzte Systeme/Sicherheitstechnik sehr viel früher in den Ent-scheidungsprozess einbezogen wird. Wenn jemand ein Einfamilienhaus baut, sind Bussysteme im Vorfeld immer ein Thema. Niemand errichtet heute ein Einfamilienhaus, ohne dass er vom Elektrohandwerker oder dem Archi-tekten mit der Frage „Bustechnik ja oder nein?“ konfrontiert wird. Vor wenigen Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen. Daraus leiten sich viele Diskussionen ab, die zahlreiche Optionen für alle Gewerke bieten und selbstverständlich auch für die Sicherheitstechnik.

Welche Technik ist für Sie der Wegbereiter des Smart Home?
Eindeutig Sicherheitstechnik. Dazu kommen flankierend zwei weitere Technikfelder, die das Smart Home ideell und technisch mit Leben füllen: Das sind Energie/Licht sowie Heizung und Klimatechnik. Für uns ist es wichtig, dass man Smart Home nicht mit dem Smart Phone gleichsetzt, auch wenn Smart Phone und Smart Home ähnlich klingen. Ein Handy ist nicht smart.

Welche Bedeutung hat dann für Sie „smart“?
Wir sprechen von „smart“, wenn in einem Haus Abläufe selbstständig, also automatisiert stattfinden. Oder wenn eine Vernetzung von Gewerken Möglichkeiten eröffnet, die ein Gewerk allein einfach nicht zu leisten vermag. Erst dann wird Ihr Haus intelligenter als es vorher war.
Unabhängig davon profitieren fast alle Gewerke vom Smart Home, die traditionell schon immer an der Errichtung eines Gebäudes beteiligt waren. Die Sicherheitstechnik aber ist das Herz des Smart Home. Von dort aus erschließen sich viele weitere Möglichkeiten der Gebäudeautomation. Für uns gilt, dass der Kunde zuerst Sicherheit plant und nachfolgend Funktionen der Gebäudeautomation nutzen will.

Wie gehen Sie auf dem Smart-Home-Markt strategisch vor?
Während viele Anbieter versuchen, ein Smart-Home-System zu fertigen, ist das Smart Home für uns von der Anwendung her gedacht. Wenn Sie also heute ein Videosystem von uns haben, überlegen wir uns, welches die schnellsten Schritte zur Integration weiterer Themen sind. Investitionen finden dann nachfolgend aus verschiedenen Treibern heraus statt. Nach der Basisinstallation kann der Kunde selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt er welche Techniken hinzufügen möchte je nach Bedarf und individuellen Wünschen. In dieser Richtung entwickeln wir unsere Produktfelder weiter. Mit ihnen sind wir als Sicherheitsanbieter sehr nah an vielen spannenden Themen des Smart Home.

Inwiefern nehmen Sie hier eine besondere Rolle ein?
Wir wissen sehr viel über die Zustände der Fenster, wir wissen fast alles über den Zustand der Türen, wir können sagen, ob jemand im Gebäude ist oder nicht und ob der- oder diejenige dazu berechtigt ist. Aus diesen Erkenntnissen können wir viele Szenarien ableiten, die sicherheits- und komfortrelevant sind. Entsprechende Lösungen werden wir auch auf der Security zeigen. Es geht uns darum, Kunden, die ein entsprechendes Sicherheitsbedürfnis haben, nicht nur Sicherheit, sondern darüber hinaus auch einen „Smart-Home-Mehrwert“ zu bieten.


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