11. DEZEMBER 2017

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2017 wird ein Jahr der Entscheidung


Titelgeschichte

g+h. - Wahlen in vielen Ländern, Kriege und Krisen sowie eine unsichere Zukunft der EU sind nur einige der aktuellen Schlagzeilen. Im Gespräch mit dem g+h Chefredakteur wollte Sabine Langer wissen, welche Sichtweise er auf die Dinge hat, wie die Perspektiven für die Wirtschaft aussehen und welche Strategien er ein Jahr vor dem 20jährigen g+h-Jubiläum mit seinem Magazin verfolgt. Das Szenario, das Schwandke vorstellt, wirft ein Schlaglicht auf die akutelle politische Lage.
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Herr Schwandke, der Jahreswechsel liegt nur wenige Wochen zurück. 2017 steht für das Superwahljahr, den Amtsantritt Donald Trumps, den Brexit, die Eurokrise und eine noch nicht bewältigte Asylproblematik. Welche Perspektiven sehen Sie vor diesem Hintergrund für das laufende Jahr?

Die von Ihnen zitierten Themenfelder lassen sich kaum in einer Prognose zusammenfassen. Fest steht, dass sich größere politische und historische Umwälzungen bereits in den letzten zehn Jahren klar abzeichneten. Brexit, Euro- und Asylkrise gehören definitiv dazu. Im letzten Jahr haben sich alle drei zu handfesten Krisen entwickelt, die uns sicher über einen langen Zeitraum begleiten und beschäftigen werden. Eine Lösung liegt im Augenblick definitiv nicht einmal ansatzweise auf dem Tisch.

Warum nicht?

Diese Frage müssten Sie in Brüssel oder Berlin stellen. Dort hat man die Probleme lange Zeit ignoriert oder einfach ausgesessen. Das Ergebnis sind Erosionserscheinungen innerhalb der EU, zu denen letztlich auch der Brexit als erste größere Zäsur in der EU-Geschichte zählt. Den Europäern ist es nicht gelungen, so etwas wie eine europäische Identität zu stiften, im Gegenteil, der Kontinent droht mehr denn je politisch auseinanderzubrechen. Das ist vor dem weltpolitischen Hintergrund eine fatale Entwicklung, und die Europäer selbst tragen die Verantwortung dafür. Ob die EU in ihrer jetzigen Form vor diesem Hintergrund überhaupt noch eine Zukunft haben wird, bleibt höchst fragwürdig.

Welche Bedeutung hat dies für die Wirtschaft?

Der Brexit wird die gesamtwirtschaftliche Lage Europas nachhaltig verändern und prägen.

Dabei wird es maßgeblich davon abhängen, wie er am Ende gestaltet sein wird. Kommt es zu einem Austritt auf allen Ebenen, worauf einige Äußerungen Theresa Mays schließen lassen, dann wird sich Großbritannien wirtschaftlich neu orientieren. Und diese Neuorientierung wird die Commonwealth-Staaten ebenso einschließen wie die USA, die ja traditionsgemäß im Schulterschluss mit Großbritannien arbeiten. Andererseits löst Trump ja aktuell einige Handelszonen auf. Es werden sich also neue wirtschaftliche Großräume bilden.

Die sich dann negativ auf den EU-Raum auswirken?

Wenn der neue US-Präsident umsetzt, was er im Wahlkampf verkündet hat und sich neue Allianzen herauskristallisieren, dann wird dies den Wirtschaftsraum der EU mit großer Sicherheit negativ beeinflussen; die Vorzeichen verkünden wenig Gutes.

Welche negativen Einflüsse sehen Sie hier konkret?

Ein Anziehen der US-Wirtschaft, die ja als eine der wenigen Volkswirtschaften aus sich selbst heraus wachsen kann, wird den Leitzins in den USA nach oben treiben, zumal Trump für seine Investitionsplanungen Kapital benötigt, also weiter Schulden machen wird. Der steigende Leitzins wird Anleger aus der ganzen Welt, vor allem aber aus Europa auf den US-Kapitalmarkt locken.

Schon jetzt sind US-Aktien Trendsetter, wenn es um hohe Gewinnperspektiven geht. Und auch eine Investition in den Dollar hat sich in den letzten Jahren bestens gerechnet. Draghi hat im Gegenzug gerade erklärt, an der Null- beziehungsweise Negativzinslinie festzuhalten. Welchen Grund sollte es also für europäische Anleger geben, nicht in den US-Markt zu investieren. Dies gilt übrigens auch für viele kleine Privatanleger, die durch die Null-Zins-Politik ihre Altersabsicherung und ihre Ersparnisse gefährdet sehen. De facto werden sie ja durch diese Maßnahmen enteignet, ausschließlich, um das Ende des Euro in seiner jetzigen Konstellation hinauszuzögern. Kapitalflucht ist für eine Volkswirtschaft immer schädlich, das kann man aktuell auch in der Türkei beobachten. Sie bedeutet einen hohen Vertrauensverlust. Vertrauen ist aber die Basis für erfolgreiches Wirtschaften. Angesichts dieses Szenarios muss man sagen: 2017 wird ein Jahr der Entscheidung.


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Ausgabe:
g+h 01/2017
Bilder:
ELMOS Photo-Design

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