13. DEZEMBER 2017

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Risiko Störlichtbögen


Titelgeschichte

Rittal - In elektrischen Schalt- und Steuerungsanlagen stellen Störlichtbögen eine unkalkulierbare Gefahr dar. Deshalb gilt es, bereits in der Planungsphase das Risikopotenzial zu betrachten. g+h sprach über das Thema mit Michael Schell, Leiter Produktmanagement Power Distribution bei Rittal.
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Das kann eine spezielle Schottung zur Eingrenzung der Auswirkungen im Störfall oder aber auch ein aktives Störlichtbogen-Löschsystem sein. Aber natürlich gibt es zur Optimierung immer noch Potenzial nach oben.

Gibt es beim Thema Sicherheit Unterschiede zwischen Deutschland und anderen Ländern?

Das hängt in der Regel von den gesetzlichen Vorgaben, den Anforderungen, die die Betreiber stellen und die Hersteller umsetzen, ab. Zum Beispiel wird in den USA die Bewertung der Störlichtbogensicherheit einer Schaltanlage über die freiwerdende Energie und den Abstand der Personen ermittelt. In Regionen, in denen nach dem IEC-Standard normiert wird, gibt es Normen, wie z. B. die IEC 61641, nach der man eine Prüfung zur Verifizierung des Personen- und Anlagenschutzes im Störlichtbogenfall macht.

Wird dem Thema Ihrer Meinung nach genügend Aufmerksamkeit seitens der Errichter und Betreiber geschenkt, und welche Risiken bestehen in der Praxis?

Viele Betreiber bzw. die Kaufentscheider von Schaltanlagen sind keine Elektrofachkräfte. Daher fehlen dort häufig die Kenntnisse über die Möglichkeiten der technischen Ausstattung, insbesondere wenn diese optionale Sicherheitsmaßnahmen sind. Die Leistungsbeschreibungen beinhalten daher, auch aus Sicht der Kosten, nur die gesetzlich erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. Mit einer geeigneten Risikoanalyse, in der man die Produktionsausfallkosten und Reparaturkosten einer Schaltanlage berücksichtigt, würde man bei einigen Betreibern sicherlich die Einsicht in die Notwendigkeit eines zusätzlichen Personen-und Anlagenschutzes erhöhen. Wenn solche zusätzlichen Maßnahmen, wie passiver oder aktiver Störlichtbogenschutz, nicht in den Leistungsbeschreibungen spezifiziert sind, wird ein Errichter diese auch nicht anbieten.

Zu den Risiken in der Praxis muss man sagen, dass neben Fehlern wie Kurzschluss oder Überlast in Stromkreisen, für die die Schaltanlagen bemessen und geschützt sind, unter bestimmten Umständen auch ein Störlichtbogen entstehen kann. Ein Störlichtbogen ist eine Plasmasäule, die als Folge eines Kurzschlusses entsteht, bei dem der Leiter verglüht und die Luft ionisiert.

Warum sind Störlichtbögen so gefährlich, und wo lauern die Gefahren konkret?

Entsteht in einer Schaltanlage ein Störlichtbogen, ist dieser kaum kontrollierbar und kann dabei viel Energie in Form von Druck und Hitze freisetzen. Dadurch können Personen im Umfeld durch umherfliegende Teile, sich öffnende Türen, die heißen austretenden Gase oder evtl. giftige Gase, die bei der Verbrennung von Kunststoffen entstehen können, schwer verletzt werden. Auch die Schaltanlage selbst kann dabei so geschädigt werden, dass sie teilweise unbrauchbar oder auch komplett beschädigt ist. Die Kosten für einen Produktionsausfall betragen dann in der Regel ein Vielfaches der Kosten einer Schaltanlagen-Erneuerung. Obgleich solche Vorfälle sich selten ereignen, sind sie keinesfalls zu unterschätzen. Sie bergen – wie bereits erwähnt – das Risiko schwerer oder gar tödlicher Verletzungen und können in Produktionsbetrieben durch Ausfälle auch zu einer existenziellen Krise des Unternehmens führen.


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Ausgabe:
g+h 07/2017
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guh
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