Als Paradebeispiel für die Baukunst der feudalen Epoche hat die Unesco 1999 die Wartburg zum Welterbe erklärt, auch wenn das heutige Gebäudeensemble nur sehr wenig Authentizität mit der baulichen Substanz der vorangegangenen Jahrhunderte aufweist. Dennoch spürt man beim Betreten der Anlage und ihrer eindrucksvollen Räumlichkeiten etwas von der historischen Aura, die das wuchtige Mauerwerk ausstrahlt. Der spätromanische Palas und die baulichen Renovierungen in den späteren Jahrhunderten spiegeln 950 Jahre deutscher Geschichte eindrucksvoll wider. Mit jährlich 350.000 Besuchern ist die Anlage des 12. Jahrhunderts die meistbesuchte Lutherstätte weltweit: Hier übersetzte der Reformator das Neue Testament ins Deutsche und legte damit das Fundament für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Grund genug für uns, neben einem ausführlichen Blick auf die dort aktuell eingesetzte Lichttechnik, einen kleinen Ausflug in jene Epoche zu unternehmen, die den Übergang vom Mittelalter in die Moderne markiert. Die sich gut 400 Meter über den Weiten des Thüringer Waldes erhebende Wartburg mit ihrer langen und ereignisreichen Geschichte hat eine große Symbol- und Strahlkraft für die Geschichte der Deutschen.

ANZEIGE

Die meisten verbinden mit ihr natürlich den Kirchenreformator Martin Luther, der sich hier unter dem Decknamen „Junker Jörg“ 1521/22 versteckt hielt und mit seiner Übersetzung des Neuen Testaments nicht nur die Kirche reformieren sollte; darauf werden wir noch einmal zurückkommen. Bekannt ist der Festungsbau auch durch Goethe geworden, der sich mehrfach dort aufgehalten und über seine Besuche literarische Zeugnisse abgelegt hat. Von politischer Bedeutung für die Burg war das Jahr 1848. Fast 500 Studenten und Professoren versammelten sich zum zweiten Wartburgfest, um nach den napoleonischen Befreiungskriegen der Opfer zu gedenken und gleichzeitig Luther zu feiern.

Was anfänglich buchstäblich wie ein Fest erschien, erhielt schon bald eine völlig andere, nationale Dimension. Im Zuge der allgemeinen Nationalstaatenbildung in Europa wurde das Wartburgfest so etwas wie die Initialzündung für den politischen Zusammenschluss der deutschen Teilstaaten zu einer Nation, die einen Schlussstrich unter die territoriale und religiöse Zerrissenheit des Landes ziehen sollte. Auf der Wartburg waren denn auch erstmals die späteren Nationalfarben „Schwarz-Rot-Gold“ zu sehen. Der Jenaer Professor Heinrich Luden fasste die Gedanken und Ideen des Wartburgfests als maßgeblicher Autor im Oktober desselben Jahres in 35 Grundsätzen zusammen. Einige bezeichnen diese Grundsätze in der Rückschau als politisches Programm, andere sehen in ihnen die Grundlagen der ersten deutschen Verfassung. Fest steht, dass mit dem zweiten Wartburgfest der Weg zur Einheit der Deutschen Nation geebnet war, begleitet von heftigen Auseinandersetzungen und Kriegen. Die Regionalherrschaften waren denn auch wenig begeistert und verurteilten die Bestrebungen in aller Schärfe. Sogar die Universität Jena sollte als „Asyl für Staatsverbrecher“ geschlossen werden.

ANZEIGE

Auf der Wartburg hat es immer wieder interessante Veranstaltungen und Ausstellungen zu diesem historischen Ereignis gegeben.

Aktuell steht natürlich Luther im Fokus. Der „kleine Mönch“ und seine Thesen sind in ihrer Bedeutung kaum zu unterschätzen. Innerhalb kürzester Zeit sollten sie buchstäblich die Welt im Allgemeinen und die der Deutschen im Besondern nachhaltig verändern und prägen. Luther ist der Hauptdarsteller im letzten Akt des mittelalterlichen Schauspiels, und die Inszenierung ist so spektakulär wie keine jemals zuvor. Die Kirche bannt ihn und er verbrennt die Bannbulle; seine Thesen verbreiten sich wie ein Lauffeuer bis er – bereits geächtet – schließlich in Worms zu seiner Verteidigung antritt. Stets vom Tode bedroht, scheut er keine Auseinandersetzung: „Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist.“ Nach diesen Worten und einer Verurteilung – er gilt nun als „vogelfrei“ – wird er auf der Wartburg in Schutzhaft genommen.

Luther ist ein Revolutionär, aber nicht im üblichen Sinne, denn im Grunde hasste er jede Form von Revolution und Veränderung, auch wenn dies auf den ersten Blick paradox klingen mag. Dass er zum Kirchenreformator wurde, hat sehr vielschichtige Gründe. Eine maßgebliche Ursache war seine Verachtung gegenüber dem Ablasshandel, der im 16. Jahrhundert Ausmaße angenommen hatte, die wir uns heute kaum noch vorstellen können.

Selbst Banken und Handelskontore kümmerten sich um dieses Geschäft. Wer sündigte, konnte sich von seinen Vergehen und Verbrechen freikaufen, ganz gleich, ob es sich um Kirchenraub, Unzucht, Elternmord oder Totschlag handelte. Die „Preisliste“ Johann Tetzels, der wegen Ehebruchs und Betrugs zum Tode durch Ertränken verurteilt worden war, davon aber losgebeten wurde, sah für jede noch so abscheuliche Tat einen Sündenerlass vor, wenn der Täter nur genug Münzen aus seinem Beutel holte: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“, wurde für ihn zum Verkaufsschlager.

Zum Leidwesen Luthers trieb es Tetzel sogar noch weiter. In der Praxis war es sogar möglich, auf einer Art Ablasskonto ein Depot für künftige Taten anzulegen. Diese für Luther inakzeptablen Zustande innerhalb der katholischen Kirche sollten ihn zum Revolutionär werden lassen, der im ersten Schritt die Macht des Papstes anfocht, indem er anführte, dass Christus im Dialog mit Pilatus gesagte habe: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Also konnte auch kein menschliches Wesen sich in der Rolle des „Herrn der Welt“ wiederfinden; einzig die Bibel zählte.

Und diese übersetzte er auf der Wartburg ins Deutsche. Waren vorher nur wenige Menschen in der Lage, die Bibeltexte zu lesen, eröffnete die Übersetzung einer breiteren Bevölkerungsschicht den persönlichen Textzugang. Das katholische Herrschaftswissen wurde in gewisser Weise demokratisiert und der Grundstein für eine einheitliche Sprache in Deutschland war gelegt. Bislang unterhielt man sich in einer heute kaum mehr vorstellbaren Anzahl von Dialekten und amtlich hatte man es mit einem schwülstigen Kanzleiton zu tun.

In seinen Tischgesprächen erzählte Luther, dass er Müttern, Kindern auf der Straße und dem gemeinen Mann auf dem Markte aufs Maul geschaut habe. So fand er in seinen Schriften zu einem Stil, der von Norden bis Süden auf allgemeine Zustimmung stieß und im Laufe der Zeit das Hochdeutsch zur Dominante der deutschen Sprache werden ließ. Diese Sprache sollte später maßgeblich dazu beitragen, dass die Deutschen ihren Weg zur eigenen Nation finden sollten. Luthers Bibelübersetzung zeichnet sich vor diesem Hintergrund wie die Morgenröte der lange Zeit später vollzogenen nationalen Einigung am Horizont ab. Aufgrund der hier gebotenen Darstellungsknappheit können wir natürlich nicht annähernd die Gesamtleistung Luthers würdigen. Fragt man gezielt nach seiner Wirkung auf die kommenden Generationen, lässt sich zusammenfassend festhalten, dass Luther die Kirche gespalten hat und mit ihm der Protestantismus seine Geburtsstunde erlebte.

Er schwächte nachhaltig die Stellung des Papstes und – dies ist eine kaum zu unterschätzende Wirkung seines Handelns – er trennte Kirche und Staat. Mit Luther beginnt in diesem Sinne die Neuzeit und es endet die Jahrhunderte andauernde Periode einer allumfassenden Gläubigkeit. Luther säkularisierte die Welt, ohne es gewollt zu haben und ist damit vermutlich der letzte großartige Mönch gewesen. Er war, wie fast alle seine Zeitgenossen, zutiefst gläubig. Ob es einen Gott gibt oder nicht, stand für ihn niemals zur Diskussion. Ja selbst die Frage nach dem Teufel beantwortete Luther positiv. Auf der Wartburg soll er ihm begegnet sein und die Legende erzählt, dass er mit dem Tintenfass nach ihm geworfen habe. Überhaupt dürfen wir uns die Welt Luthers nicht durch die ethische und moralische Brille der Neuzeit betrachten, sie war völlig anders und entzieht sich in vielerlei Hinsicht völlig unserem Verständnis. Denkt man an die Hexenverbrennung, fällt das Urteil aus heutiger Sicht eindeutig aus. Die grausamen, mit kirchlichem Segen begangenen Verbrechen, das Foltern und Verbrennen sind für Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts völlig unvorstellbar.

Für Luther und seine Zeitgenossen waren sie es nicht, denn nur wenige zweifelten an der Existenz von Hexen und selbst Richter urteilten optima fide, nach bestem Wissen und im Vertrauen darauf, in diesen für uns makabren Prozessen Recht zu sprechen. Angesichts der historischen Größe, die Martin Luther zweifelsfrei besitzt, ist es nicht verwunderlich, dass man ihn auf der Wartburg nicht nur historisch, sondern auch technisch ins Licht der Neuzeit setzt. Für die aktuelle Nationale Sonderausstellung im Rahmen des Lutherjahres ersetzt die neueste Lichttechnologie von Zumtobel eine über 20 Jahre alte Beleuchtungsanlage, die sicherlich auch dem Reformator gefallen hätte.

Mit Supersystem II kommt auf einem Großteil der Ausstellungsfläche, die insgesamt 1.000 m² beträgt, ein multifunktionales LED-Lichtsystem zum Einsatz, das den Räumlichkeiten sowie den rund 300 Exponaten neuen Glanz verleiht. Das miniaturisierte Baukastensystem mit Niedervolt-Stromschienen und vielfältigen Lichteinsätzen sorgt für besondere Akzente sowie variantenreiche Lichteffekte. Die nur 30 mm hohe und 26 mm schmale Lichtsystemschiene mit Miniaturstrahlern von 45 mm bietet eine hohe Gestaltungsflexibilität. So konnte Zumtobel die vorhandenen Kabelauslässe nutzen, da eine Neuverlegung von Kabeln aufgrund der historischen Decken nicht möglich gewesen ist. Die Variabilität des Systems zeichnet sich darüber hinaus durch die Integration verschiedener Strahler-Versionen mit 360 Grad drehbaren und 90 Grad schwenkbaren Köpfen aus. Dank der Kombinationen von LED-Platinen, Linsen und Folien entstehen gleichmäßige Lichtverteilungen mit hoher Intensität und weichem Übergang ohne Streulicht des Lichtkegels.

Die austauschbaren Folien ermöglichen zudem verschiedene Lichtverteilungen, da in der Wartburg sowohl Konturen- als auch Flut- und Spot-Strahler die Exponate und Räumlichkeiten inszenieren. Um die historischen Ausstellungsstücke zu schonen, ist ein Poten-tiometer direkt am Strahler montiert, sodass die Beleuchtungsstärke den Wert von 50 Lux nicht überschreitet. Die filigrane und zurückhaltende Gestaltung des Lichtsystems unterstreicht die historische Architektur der Wartburg. Zudem ermöglichen die unterschied-lichen Farbversionen der Lichtköpfe aus Alu-minium-Druckguss eine dezente Integration der Leuchten in verschiedene bauliche und farbliche Umgebungen: In Räumen mit Originalholzdecke aus dem 15. Jahrhundert setzt der Hersteller auf schwarz lackierte Leuchten, in Räumen mit heller Decke wurde die weiße Version verwendet.

Von der Beleuchtungssanierung profitiert die Wartburg-Stiftung Eisenach in mehrfacher Hinsicht: Neben der optimalen Inszenierung der Ausstellung lassen sich Energiekosten und durch längere Serviceintervalle Wartungskosten einsparen. Darüber hinaus können Komponenten im laufenden Betrieb einfach nachgerüstet und ausgetauscht werden.