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Hausmann & Wynen - Aus der pfiffigen Idee zweier Studenten entstand vor 27 Jahren ein Unternehmen mit heute über 2.700 Kunden im Elektromarkt. g+h sprach mit dem Gründer und Geschäftsführer Reinhard Hausmann über sein Erfolgskonzept.

19. Februar 2010

Herr Hausmann, wie und unter welchen Umständen wurde Ihr Unternehmen gegründet?

Hartmut Wynen und ich haben kurz vor dem Abitur in einer Computer-AG zusammengearbeitet, das war 1973. Damals hatten Computer noch Zimmergröße. Bereits nach kurzer Zeit hat unser Engagement den schulischen Umfang gesprengt. Unsere Arbeit wurde bei Jugend forscht angemeldet und wir sind mit dem Projekt Bundessieger geworden. Schon damals ging es darum, nicht nur zu programmieren, sondern sich an den Anforderungen der Anwender zu orientieren. Im Physikstudium haben wir dann eine Zeit lang die EDV vergessen. 1983, zum Studienende, haben wir uns wieder an das erinnert, was uns als Schüler fasziniert hatte und unser Unternehmen Hausmann & Wynen gegründet. Sechs Jahren später haben wir den Gesellschafterkreis mit Peter Albrecht erweitert. Ein bis heute erfolgreiches Konzept.

Ging es von Anfang an um Branchensoftware für das Elektrohandwerk?

Begonnen haben wir mit einer Auftragsarbeit für ein Warenwirtschaftssystem. Irgendwann trafen wir dann einen Bekannten von Hartmut Wynen, der Elektroinstallateur war. Er wollte sich einen Computer kaufen und hatte von der Messe zwei Software-Angebote mitgebracht. Zu diesem Zeitpunkt haben wir dann beschlossen, dass unser damals noch virtuelles Produkt das viel bessere war. So wurde der Grundstein für Powerbird gelegt.

Was waren die entscheidenden Entwicklungsschritte in der Unternehmensgeschichte?

Ein wichtiger Schritt war sicher 1997 die Idee, unsere Mitarbeiter indirekt mit in die Firmengeschicke einzubinden. Damals haben wir beschlossen, zusammen mit interessierten Mitarbeitern in einer getrennten GmbH unser eigenes Bürogebäude zu bauen. Heute gehört der Komplex mit 5.500 m² Grund und 2.400 m² Bürofläche mit zu der Altersversorgung dieser Mitarbeiter. Das war ein wichtiger Schritt, um Kontinuität in einem schnell wachsenden Unternehmen zu gewährleisten.

Erzählen Sie mir bitte von Ihrer Unternehmensphilosophie?

Alles selber machen und sich spezialisieren. Wenn wir als Unternehmen von unseren Produkten überzeugt sind, müssen wir im Vertrieb die Interessenten auch selber davon überzeugen können und den Service unbedingt im eigenen Haus behalten. Das ist auf den ersten Blick sicher nicht kostengünstig, aber so haben wir jederzeit die Hand am Puls der Kunden. Und der Erfolg gibt uns recht. Wichtig ist auch, nicht auf allen Hochzeiten zu tanzen. Wir haben uns von Anfang an auf die Elektrobranche beschränkt. Maler, Dachdecker und Maurer haben nun einmal andere Anforderungen. Dafür betreuen wir im Elektromarkt nicht nur das Handwerk, sondern auch die Hersteller und den Großhandel. Das ergibt große Synergien im dreistufigen Vertriebsweg, von denen wir, vor allem aber unsere Kunden, profitieren.

Wie läuft in Ihrem Haus ein Innovationsprozess ab?

Wenn sich Innovationsprozess auf Gedanken und Fortschritt bezieht, dann muss man klar sagen: Das funktioniert nur im Wechselspiel mit den Kunden. Anfangs war jeder Mitarbeiter noch selber in alle Abläufe eingebunden, von Verkauf bis Schulung und Hotline. Mit wachsender Unternehmensgröße ging das nicht mehr und es haben sich Spezialisten in den einzelnen Teilbereichen herausgebildet. Da besteht die Gefahr, dass man kein ganzheitliches Bild mehr vom Kunden hat. Darum haben wir bereits vor zehn Jahren einen Anwenderbeirat mit acht Mitgliedern ins Leben gerufen. Zweimal im Jahr kommen wir für mehrere Tage zusammen und wachen darüber, dass sich die Software Powerbird hautnah an den Anforderungen der Anwender entwickelt.

Wie wird der Beirat ausgewählt und wie bleibt er kritisch?

Die Beiräte sind selbst Inhaber oder in größeren Betrieben zumindest leitende Mitarbeiter. Sie repräsentieren die unterschiedlichen Geschäftsmodelle im Elektrohandwerk. Die Mitglieder bringen für diese Arbeit sehr viel Zeit auf. Nach etwa drei Jahren versuchen wir im rollierenden Verfahren einzelne Beiräte neu zu gewinnen, sodass immer wieder frische Ideen dazukommen und trotzdem Kontinuität gewährleistet wird. Die Ansprache ist darauf ausgerichtet, aktive und engagierte Anwender zu finden, die uns und damit alle Nutzer mit pragmatischen Ansätzen in der Ausgestaltung der Software weiterbringen. Für das technische Gerüst und die Zukunftssicherheit der Softwarebasis garantieren unsere Systemspezialisten.

Welche Merkmale und Fähigkeiten sollten zukünftige Mitarbeiter haben?

Strukturiertes Denken, Teamfähigkeit und praktische Erfahrung in der Programmierung. Im Support setzen wir natürlich intensives grundsätzliches Verständnis in der Technik voraus. Am wichtigsten ist es aber, sich in die Kunden und ihre Betriebe hineindenken zu können. Hier bilden wir viele unserer zukünftigen Mitarbeiter selber aus. Etliche Kollegen haben zusätzlich noch eine elektrotechnische Ausbildung. Das ist gut, aber nicht Bedingung. Vor allen Dingen muss man den Menschen als Ganzes sehen.

Und was tut Hausmann & Wynen dafür, dass die Mitarbeiter im Unternehmen bleiben?

Nicht zuletzt hängt dies sicher auch mit dem Betriebsklima zusammen. Man muss sich in seiner Umgebung wohlfühlen. Unsere Mitarbeiter werden richtig gefordert, sie haben keine ruhigen Jobs. Aber wenn man sich mit den Kollegen gut versteht und mit dem Unternehmen zusammengewachsen ist, wenn man eigene Ideen einbringen kann und sieht, dass es vorwärts geht, kann Arbeit auch mit viel Stress trotzdem Spaß machen. Das positive Feedback der Kunden trägt auch seinen Teil dazu bei. Hinzu kommen hin und wieder Bonbons wie zum Beispiel ein gemeinsames Wochenende mit Partner in Berlin oder eine Fahrt für den Support nach Rom. Das alles fördert das Wir-Gefühl.

Zu Ihrem Hauptprodukt. Was kann es? Welches sind die wichtigsten Merkmale?

Das Elektrohandwerk hat grundlegende Besonderheiten: Es hat mit mehreren 100.000 Produkten zu tun. Diese unterliegen einem sehr schnellen Innovationsprozess und werden in den verschiedensten fachlichen Kombinationen eingesetzt. Auf der Baustelle bin ich als Elektrotechniker mit dem Baustromverteiler der Erste und mit dem Einbau der Spiegelraster auch der Letzte der geht. Waren müssen angefragt und bestellt, die Preise vorher genau verglichen werden. Das Material muss zum richtigen Zeitpunkt auf der Baustelle sein. Ich muss über eine lange Zeitspanne den Überblick behalten.

Großhändler bieten heute viele Möglichkeiten, sich in deren Rechner einzuwählen, alle benötigten Daten abzufragen und bei Bedarf auch Bestellprozesse auszulösen. Genau diese Anforderungen werden bei Powerbird optimal umgesetzt. Unsere Software deckt die gesamte Betriebsorganisation eines Elektroinstallationsunternehmens ab. Rechnungen, Angebote, Materialbestellungen, Mitarbeitereinteilung, Nachkalkulation, Buchhaltung, Lohnabrechnung. Alles ist aus einem Guss.

Das hört sich sehr umfangreich an. Braucht denn jeder Betrieb diese Komplexität?

Nein, darum ist das Ganze ja auch modular aufgebaut. So muss der Anwender am Anfang nicht Programmteile erwerben und deren Funktionen erlernen, die er eigentlich gar nicht braucht. Bei späteren Erweiterungen passt ja dann alles nahtlos zusammen. Die Software ist der Kernbereich. Eine wichtige Ergänzung dazu sind unsere Datenbanken, die wir bereitstellen wie zum Beispiel unser Musterleistungsverzeichnis MLV III. Hier sind die wichtigsten Arbeiten in der Elektroinstallation mit Langtexten, Bauzeiten und Stücklisten von uns fachlich zusammengestellt worden. Dabei wurden die wichtigsten Hersteller der Branche berücksichtigt und die Produkte direkt mit den EDV-Nummern der Elektrogroßhandlungen verknüpft. Eine Arbeit, die wir nur aufgrund der großen Kundenzahl leisten konnten.

Mit diesem Know-how kann Powerbird beim Beratungsgespräch mit einem Bauherrn sekundenschnell Schalterprogramme unterschiedlicher Hersteller gegeneinander austauschen und gibt auch sofort den veränderten Preis an. Unser Musterleistungsverzeichnis wird seit über 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.

Werden im MLV III die Produkte auch beschrieben?

Nein, aber dafür haben wir eine zweite Datenbank aufgebaut, in der das Detailwissen über die Produkte steckt. Früher musste man Dutzende dicke Herstellerkataloge wälzen. Heute gibt es die Informationen der verschiedenen Hersteller zwar schon im Internet oder auf einer CD, aber es bleibt ein gigantischer Aufwand, weil man für die Informationsbeschaffung ständig die Internet-Seite oder die CD wechseln muss. Wir haben die Daten auf einer DVD zusammengefasst und stellen diese dem Nutzer an allen wichtigen Stellen in der Tagesarbeit automatisch zur Verfügung. Unser Produkt bestehen also aus der Software Powerbird, dem Musterleistungsverzeichnis MLV III und der Technik-DVD.

Welchen Stellenwert hat Dienstleistung in Ihrem Unternehmen?

Unser Service beginnt schon bei der ausführlichen Analyse der Kundenanforderung vor Ort. Hat der Kunde sich für unsere Software entschieden, installiert der Support sie bei ihm, spielt alle Daten ein, testet die Funktionen und macht eine erste Schulung. Von uns wird immer ein laufendes System übergeben, mit dem der Kunde sofort arbeiten kann. Allein im Support arbeiten 16 Mitarbeiter, die den Kunden vor allem auch in den ersten Wochen bestmöglich per Telefon und per Fernwartung unterstützen.

Die Unternehmensgröße Ihrer Kunden bewegt sich zwischen 1-Mann- und 1.000-Mann-Betrieben. In welchem Verhältnis?

Wir betreuen viele kleinere, pfiffige Betriebe, die darauf angewiesen sind, abends ganz schnell das Tagesgeschäft abzuwickeln. Größere Betriebe greifen erst recht auf unsere Software zu, weil hier die Anforderung möglichst effektiv und fehlerfrei zu arbeiten besonders wichtig ist.

Aber das müssen doch vollkommen verschiedene Anforderungen an die Software sein?

Natürlich wird sich ein 1-Mann-Betrieb nicht an einer großen Ausschreibung beteiligen. Er braucht sicher weder Nachkalkulation noch Projektverwaltung usw. Dafür ist der Bestellablauf beim Großhandel für große und kleine Betriebe identisch. Genauso müssen beide, wenn die Rechnung kommt, schnell überblicken ob der vereinbarte Preis auch abgerechnet wurde und, wenn alles stimmt, per Knopfdruck die Zahlung veranlassen.

Unterscheiden sich denn die Hilferufe beim Support?

Auch hier sind die Anforderungen nicht so unterschiedlich. Klar nutzen größere Betriebe bestimmte Teilbereiche, wie zum Beispiel die Buchhaltung und die Lohnabrechnung, intensiver und haben auch fachlich weitergehende Fragen, die nicht jeder unserer Mitarbeiter aus dem Stand heraus beantworten kann. Muss er aber auch nicht. Dafür haben auch wir unsere Spezialisten. Unterschiede gibt es aber bei der Arbeitszeit der Kunden. Mitarbeiter größerer Unternehmen sind in der Regel nur während der üblichen Arbeitszeiten zu erreichen. In kleineren Betrieben ist der Verantwortliche dagegen nur abends zu erreichen, weil er tagsüber auf der Baustelle ist. Hier hat sich unser planbarer Rückrufservice sehr bewährt.

Glauben Sie, dass das Potenzial der Software im vollen Umfang genutzt wird?

Sicher nicht von allen. Es benötigt natürlich auch nicht jeder Betrieb alle Detailfunktionen. Wichtig ist für uns, dem Anwender regelmäßig in unterschiedlichster Form aufzuzeigen, welche Hilfen ihm unsere Software für die einzelnen Arbeitsabläufe anbietet. Handbücher und Hilfefunktionen reichen dafür nicht immer aus. Darum sind wir zum Beispiel einmal im Jahr in über 25 deutschen Städten unterwegs, um unseren Kunden kostenlos in zwei bis drei Stunden die Neuheiten und Änderungen in der Software nahezubringen. So sind sie in kürzester Zeit auf dem neuesten Stand und können entscheiden, welche neuen Erweiterungen für ihren Betrieb interessant sind und welche nicht. Bei späteren Fragen rufen sie unseren Support an und bekommen dann mal eine halbe Stunde Schulung per Fernwartung. Dabei zeigen wir dem Kunden an seinem Rechner, wie er seine Arbeit weiter optimieren kann.

Gibt es darüber hinaus noch andere Schulungen?

Ja, seit über 12 Jahren veranstalten wir unsere Top-Tage. Hier treffen sich inzwischen über 150 Anwender für drei Tage zu intensiven Workshops. In sechs bis sieben Schulungsräumen werden parallel 50 verschiedene Themen bearbeitet. Die Teilnehmer stellen sich je nach Bedarf ihre Einzelthemen selbst zusammen. Darüber hinaus trifft man Kollegen, die gleiche Fragestellungen im eigenen Betrieb lösen müssen und tauscht pfiffige Ideen aus. Diese intensiven Diskussionen sorgen dafür, dass man selbst die Software noch effektiver einsetzt.

Sie haben sich auf die Elektrobranche spezialisiert. Wird es Ihrer Meinung nach in Zukunft mehr Berührungspunkte zu Heizung, Sanitär und Klima geben?

Eine eher noch kleine Gruppe von Betrieben bedient bereits heute die Gebäudetechnik komplett. Diese Arbeitsweise wird in der Zukunft sicher noch wichtiger werden. Da etliche unserer Kunden beides machen, muss natürlich unsere Software auch die Anforderungen berücksichtigen, die im Bereich Heizung, Sanitär und Klima gebraucht werden. In der offensiven Vermarktung konzentrieren wir uns aber weiter ganz auf Elektro.

Machen wir einen Sprung zur aktuellen Lage. Ist Ihr Haus von der Finanzkrise betroffen?

Ja und nein. Hier muss man natürlich zwischen unseren unterschiedlichen Kundengruppen unterscheiden. Im Handwerk, und das ist nun mal drei Viertel unseres Geschäfts, spüren wir, von Einzelfällen abgesehen, nichts. Das Geschäft läuft schon seit Langem auf sehr hohen Niveau und wir sind auch für das laufende Jahr sehr optimistisch. Im Großhandel sieht es in Teilbereichen leider etwas anders aus. Einige industrieorientierte Kunden haben ihren Betrieb kurzfristig eingestellt. In der Summe haben wir das Jahr 2009 aber fast optimal abgeschlossen.

Wie ist Ihre persönliche Prognose für die Zukunft?

Ich bin zwar im Allgemeinen sehr vorsichtig, aber zumindest für unser Kerngeschäft bin ich im Rahmen von 12 bis 24 Monaten sehr optimistisch. Wir werden uns weiter sehr aktiv im Markt bewegen und eher noch etwas mehr Gas geben.

Ein paar Stichworte: - Angela Merkel

Puuuh ...

Deutschland

Zukunft

Macht

Nicht immer hilfreich

Managementgehälter

Lenken vom eigentlichen Problem ab

Vorbilder

Meine Eltern

Wen nehmen Sie mit auf eine einsame Insel?

Meine Frau

Und welche Gegenstände?

Eine Knoblauchzehe

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Einen Ostseestädte-Reiseführer

Lieblingsreiseland

Australien

Lieblingsgericht

Spaghetti aglio olio mit Scampi

Sinn des Lebens

Genießen

Tod

Kommt so oder so

Drei Wünsche

Ich habe nur zwei: Gesundheit und privates Glück

Vielen Dank für das Gespräch Herr Hausmann.

TOP-TAGE

Bei den Veranstaltungen kann sich jeder Teilnehmer einen eigenen, individuellen Stundenplan zusammenstellen. Die Auswahl ist abhängig von unterschiedlichen Vorkenntnissen, Bedürfnissen und Lernmethoden. Gelernt wird in Seminaren und Workshops an über 60 neuen PCs sowie in Diskussionen und Einzelgesprächen.

In verschiedenen Arbeitsgruppen werden individuelle Fragen beantwortet. Während der gesamten Veranstaltungsdauer stehen den Teilnehmern die Mitarbeiter aus Support, Hotline, Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Geschäftsleitung zur Verfügung.

In diesem Jahr finden die Top-Tage vom 10. bis 12. März in Köln statt. Die Veranstaltung ist inzwischen nahezu ausgebucht.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010