Alle Mann an Deck

Technik

Sylt. - In der nördlichsten Fischbude Deutschlands wurde 2010 kräftig umgebaut. Das erste Stockwerk, in dem sich das Restaurant Gosch Hafendeck befindet, wurde völlig neu gestaltet und mit KNX ausgestattet.

16. März 2011

An der Nordspitze der Insel Sylt mitten im Hafen von List, wo alle zwei Stunden die Autofähre ins dänische Rømø ablegt begann in den 70er-Jahren seine Erfolgsgeschichte: Jürgen Gosch, eigentlich 1966 zufällig als Maurer nach Sylt gekommen, eröffnete hier seinen allerersten Verkaufsstand. Von da an war die Marke Gosch nicht mehr aufzuhalten: Aus der Fischbude wurde ein Restaurant, Standorte auf der Insel und sogar Filialen auf dem Festland folgten. Heute werden Gosch-Produkte in die ganze Welt verschickt – selbst auf einem Kreuzfahrtschiff der Tui-Cruises kann man Goschs Spezialitäten schlemmen. Der Fisch, der bei Gosch auf den Teller kommt, wird mittlerweile in eigenen Fertigungsstätten vorbereitet, um den hohen Qualitätsstandards zu genügen. So gibt es in List eine eigene Räucherei und eine weitere Produktionsstätte auf dem Festland.

Allen Restaurants gemeinsam ist, dass hier in offenen Küchen die Gerichte frisch zubereitet werden – der Gast kann zuschauen, wie Köche beste Zutaten in Minutenschnelle zu köstlichsten Gerichten verarbeiten. Ist das Essen fertig, wird man ausgerufen und kann es direkt am Küchentresen in Empfang nehmen – fast überall.

Einzige Ausnahme ist das Hafendeck in List – das einzige Full-Service-Restaurant des Gosch-Imperiums. Hier wird man bedient, während der Blick beschaulich durch die rundum verglasten Wände direkt auf den Hafen und das Meer schweifen kann.

Im letzten Jahr wurde das Hafendeck von Grund auf saniert und dabei mit modernster Gebäudetechnik ausgestattet. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Beleuchtungskonzept. Eine Fülle an Lichtquellen sorgt nun für echte Wohlfühlatmosphäre.

Hängeleuchten über Tischen und Theke, Spiegelkugeln und Strahler in der Decke sorgen zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter für die passende Lichtstimmung. Besonders stimmungsvoll wirkt der komplett hinterleuchtete Thekenbereich, der durch die ebenfalls erhellten Flaschenregale nun in sanftes, indirektes Licht getaucht wird.

In Verbindung mit DALI und einer 0-10-V-Farbsteuerung können nun sogar die Lichtfarben der vielen LED-Leuchten variiert werden. Um diese vielen einzelnen Lichtquellen einfach bedienbar zu machen, entschied sich Elektro Wilkens der Sylter Fachbetrieb war für die Ausführung zuständig für den Einsatz von KNX. Die Installation übernahm Mitarbeiter Jan Benck – für die Planung und Projektierung zog man Rudolf Wieberneit von Wilectron Projektplanung hinzu. Gemeinsam erstellte man Lichtszenen für alle möglichen Fälle – etwa für Sonnenschein, wenn die Sonne durch die Glasfassaden scheint, oder aber für die Party, die jeden Freitag im Hafendeck steigt. Alle Fäden laufen auf einem Touch-PC zusammen, der neben der Theke untergebracht ist. Von hier kann Chefin Meike Schmahl aber nicht nur die Beleuchtung innen und außen schalten und dimmen – sie kann hier auch Musik starten oder aber Bildquellen für die Videowände auswählen. Musik und Videos wurden dafür auf einem speziellen Server abgelegt – zusätzlich nutzt man bei Gosch auch die Möglichkeit eines speziellen Musik-Server-Abo-Dienstes, der regelmäßig die neusten Songs nach Genres sortiert zur Verfügung stellt. Im Hafendeck befinden sich jeweils an den Stirnseiten des L-förmigen Gastraumes zwei große Videowände (NEC). Eine davon wurde aus vier einzelnen Screens zusammengesetzt, die so gesteuert werden, dass sie ein großes Bild ergeben. Hier kann das aktuelle TV-Programm ebenso abgebildet werden wie DVDs, Blue Ray Discs oder Fotos und individuelle Daten, die bei Events oder Seminaren über einen Laptop eingespielt werden können. Auch DJ Queedy, der im Hafendeck jeden Freitag auflegt und für Partystimmung sorgt, nutzt die fest installierte Technik, indem er hier sein Equipment anschließt und die vorhandenen Boxen zur Beschallung des gesamten Restaurants verwendet. Die Steuerung der gesamten Medientechnik wurde dabei mit Crestron-Produkten realisiert. Diese nutzen die HDMI-Schnittstelle, über die heute fast alle Wiedergabegeräte vom Laptop bis zum Festplattenrecorder verfügen, um Ton- und Bildsignale im Gebäude zu verteilen. Verstärker, Empfänger und die Steuerzentrale dafür befinden sich nun im Technikraum ein Stockwerk tiefer. Via Glasfaser erfolgt dann die Verbindung bis zu den einzelnen Lautsprechern, Videowänden und auch zum Touch-PC. Ausführendes Unternehmen der Medientechnik war die Hamburger Firma Eze Elektrotechnik GmbH. Projektleiter Wolfgang Gerke betreute zusammen mit Planer Rudolf Wieberneit die Verbindung zwischen Medientechnik und KNX. Dazu nutzen sie ein spezielles Gateway der Firma Elka, das als Bindeglied zwischen beiden Systemen fungiert. So ist es nun möglich, die gesamte Technik im Hafendeck von einem einzigen Touch-PC (b.a.b.-Technologie) aus zu steuern.

Das kompakte Gerät arbeitet mit einer speziellen Niedertemperatur-Technologie und kommt damit ohne Lüfter oder andere rotierende Teile aus. Dadurch ist es für den Dauerbetrieb in bewohnten Räumen deutlich besser geeignet als ein normaler PC, der nicht nur optisch, sondern auch durch seine Geräusche oft als störend empfunden wird. Die Spannungsversorgung erfolgt über ein separates Netzteil, das in der Verteilung untergebracht werden kann und 12 V Gleichspannung liefert. Neben den klassischen Grundriss-Grafiken können auf dem Touch-PC weitere Oberflächen wie E-Mail, Mediaplayer, Kamerabilder, Wetterdienste oder Nachrichtendienste aufgerufen werden. Im Hafendeck kann hier beispielsweise über eine DVB-T-Karte das aktuelle TV-Programm auf den Bildschirm geholt werden. Auch die Playlists für die Musik im Restaurant sind hier anseh- und auswählbar.

Weiterer Bestandteil der Anlage ist ein Internet-Gateway, über das der Fernzugriff auf die gesamte Medientechnik problemlos möglich wird. Auf diese Weise kann Eze beispielsweise neue Software aufspielen oder bei Störungen Elektro Wilkens einen Techniker gleich mit dem passenden Ersatzteil nach List schicken. Ein weiteres, kleines Touchpanel (Berker) befindet sich in den hinteren Wirtschaftsräumen. Es verfügt über einige ausgewählte Schaltflächen mit den nötigsten Beleuchtungsfunktionen.

Hier kann beispielsweise die Putzkolonne das komplette Licht mit einem Tastendruck einschalten, wenn sie nach dem letzten Gast ins Haus kommt.

Die Zusammenarbeit zwischen den ausführenden Firmen Eze und Wilkens sowie den Dienstleistern Wilectron und Berger verlief dabei reibungslos. „Es kommt gar nicht darauf an, dass ein Hersteller alles liefern oder ein System alle Funktionen abdecken kann“, meint Planer Rudolf Wieberneit.

„Entscheidend ist, dass man eine passende Lösung für den Kunden entwickelt, indem man die besten Produkte kombiniert und dann eine gemeinsame Bedienplattform schafft.“ Dies ist bei Gosch eindrucksvoll gelungen – ein positives Beispiel für Gewerke übergreifende Zusammenarbeit.

Sonja Pfaff

HINTERGRUND

Die Visualisierung

Die Visualisierung, die auf dem Panel zu sehen ist (Crestron), ist sehr übersichtlich aufgebaut und bildet über Symbole einen schnellen Zugang in die einzelnen Bereiche. So gelangt man beispielsweise durch Fingertipp auf die Glühlampe sofort zu den einzelnen Lichtszenen. Programmiert hat sie Adam Berger, der als Dienstleister von Eze hinzu gezogen wurde. Ein zusätzliches, kleines Display wurde als Vorschaumonitor oberhalb des Touch-PC installiert, um vorab Videos ansehen zu können, bevor die Bilder für die großen Videowände freigeschaltet werden. Diese Sonderanfertigung – zwei Displays direkt übereinander wurde mit einem maßgeschneiderten Edelstahlrahmen abgedeckt und zusätzlich gegen Wasser abgedichtet, um den rauen Bedingungen in der Gastronomie gerecht zu werden.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011