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Analog in die Ferien

Analog in die Ferien

Multimedia

Suchtprophylaxe. - Trotz unseres Aufmacherbildes möchten wir uns heute nicht der Alkoholsucht widmen; im Gegenteil: Aus gesundheitlichen Gründen empfehlen wir das eine oder andere alkoholreiche Kaltgetränk im Urlaub.

19. Juni 2017
©ELMOS Photo-Design Die Frage lautet Smartphone oder Cocktail? In Maßen genossen, sind beide der Gesundheit kaum abträglich. Wer jedoch im Minutentakt zum Handy greift, verkürzt sein Leben um viele Jahre.
Bild 1: Analog in die Ferien
(©ELMOS Photo-Design Die Frage lautet Smartphone oder Cocktail? In Maßen genossen, sind beide der Gesundheit kaum abträglich. Wer jedoch im Minutentakt zum Handy greift, verkürzt sein Leben um viele Jahre.)

Jede technische Neuerung hat bekanntlich zwei Seiten: eine gute und eine schlechte. Weil die Technik an sich weder schlechte noch gute Eigenschaften hat, basieren ihre positiven und negativen Attribute allein auf menschlichen Verhaltensmustern. Sind diese gestört, kommt es zu den besagten Negativauswirkungen.

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Zu den jüngsten Innovationen des dritten Jahrtausends gehört ja bekanntlich das Smartphone. Fragt man nach seinem Nutzen für unser Leben, kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass es im Grunde genommen überflüssig ist. Und dennoch prägt es unseren Alltag wie keine andere Erfindung zuvor. Ein Großteil der Bevölkerung hat sich ihm bereits vollständig unterworfen. Morgens weckt einen das Teufelswerk, dann folgt der erste Blick auf E-Mails, Posts, Breeking Njuus und schon geht es in die Mehlbox. Selbst wenn sie keine neuen Nachrichten zu vermelden hat, bleibt ja noch die Liste der Anrufer, die keine Botschaft hinterlassen haben. Wer keine Nachricht hinterlässt, hat auch kein Anliegen, denkt der vernunftbegabte Mensch. Nicht so der Smartphone-Abhängige. Also telefoniert er erst einmal alle gespeicherten Nummern ab. „Ich habe Ihre Nummer auf meinem Display gesehen“ – immerhin kann er trotz zunehmender Weitsichtigkeit, hervorgerufen durch notorischen Handymissbrauch, überhaupt noch etwas auf dem Minibildschirm fokussieren.

Während der Morgentoilette liegt das Gerät dann auf dem Waschbeckenrand oder leicht kontaminiert unweit der Klobürste, denn zwischen Mund- und Intimhygiene könnte ja noch eine der vielen überflüssigen Nachrichten eintreffen. Dieses Verhaltensmuster bleibt auch während des Frühstücks erhalten – ja es setzt sich bis zum Schlaf in den Buntkarierten fort; auf dem Laufband, beim Umziehen im Fitnessstudio und selbstverständlich auch am Strand auf dem Badetuch lassen wir uns vom Mobiltelefon freiwillig versklaven.

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Wer seine Lebenszeit einmal auf 75 Jahre plant und davon jene Zeiten abzieht, die er schläft und fremdbestimmt tätig oder mit Dingen beschäftigt ist, die einfach erledigt werden müssen, wird feststellen, dass ihm nur wenige Jahre für seinen kostbaren irdischen Aufenthalt bleiben. Doch diese Restlaufzeit scheint der Mensch unbedingt digitalisieren zu wollen, damit am Ende nicht Langeweile eintritt. Immerhin, es gibt auch Friedhofs-Apps. Diese sind allerdings nur zu Lebzeiten nutzbar. Vielleicht sollte man die Sommerzeit einmal für einen analogen Urlaub nutzen– ohne Smartphone, mit gedrucktem Buch und analogen Getränken.

Erschienen in Ausgabe: 04/2017